Sucht im Alter

Für Suchterkrankungen gibt es keine Altersgrenzen. Auch im hohen und höheren Alter kann man von Alkohol, Tabak und Medikamenten abhängig werden. Es kann dann gefährlich werden, wenn Missbrauch im Alter nicht erkannt wird.

Auch im hohen und höheren Lebensalter kommen Suchtprobleme vor. Sie sind sogar weit verbreitet. Mehr als 2 Millionen ältere Männer und Frauen rauchen. Bis zu 400.000 ältere Menschen haben ein Alkoholproblem. Der Gebrauch psychoaktiver Medikamente weist bei 1 bis 2 Millionen älterer Menschen Gewohnheitscharakter auf.

Alkoholische Getränke gehören für viele Menschen zum Alltag. Die meisten Menschen sind mit der Wirkung von Alkohol vertraut und haben einen maßvollen Konsum. Aber mit dem Älterwerden verändern sich auch die Körperfunktionen wie die Verdauung und die Verstoffwechselung von Alkohol. Dadurch nimmt die Alkoholverträglichkeit mit zunehmendem Lebensalter ab. Das liegt zum Beispiel auch daran, dass der Wasseranteil im Körper abnimmt. Somit verteilt sich der getrunkene Alkohol auf weniger Flüssigkeit und führt so zu einem höheren Alkoholpegel als bei jüngeren Menschen. Mengen, die in jüngeren Jahren  problemlos vertragen wurden, können im Alter deshalb zu Trunkenheit und darüber zu Stürzen und anderen Unfällen führen.

Bedingt durch die körperlichen Veränderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen, sollten sich ältere Menschen mit ihrem Alkoholkonsum bewusst auseinandersetzen. Zum Beispiel benötigt die Leber mehr Zeit für den Abbau von Alkohol, was beim Konsum berücksichtigt werden sollte. Im höheren Lebensalter ist zudem die regelmäßige Einnahme von Medikamenten weit verbreitet, wobei es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann. Besonders psychisch wirksame Medikamente, wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva, sind in Kombination mit Alkohol problematisch. Generell gilt: Ob Alkohol getrunken werden darf, sollte auf jeden Fall mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausdrücklich abgeklärt werden, bevor ein Medikament eingenommen wird. Das gilt auch für freiverkäufliche Mittel.

Auch im höheren Lebensalter kann sich noch eine Alkoholabhängigkeit entwickeln. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn getrunken wird, um körperliche Beschwerden zu lindern oder negative Gefühle besser ertragen zu können. Ganz wichtig ist es, dass dann professionelle Hilfen in Anspruch genommen werden. Dafür gibt es zum Beispiel Beratungstelefone, wie die bundesweite Sucht- und DrogenHotline rund um die Uhr unter der Nummer 0 18 05/31 30 31 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz und max. 0,42 Cent/Min. unterstützt von NEXT ID).

Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt fast jedem schwer. Dabei lohnt es sich auch vor allem noch im Alter, damit aufzuhören. Viele Vorteile eines Rauchstopps sind gerade in dieser Lebensphase sofort spürbar. Z.B. werden die Durchblutung und die Sauerstoffzufuhr über das Blut in die Zellen deutlich gesteigert, wodurch die allgemeine Leistungsfähigkeit zunimmt. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, sinkt bereits in den ersten 24 Stunden und die Anfälligkeit für Erkältungen geht zurück. Gleiches gilt für das Risiko, an einer Grippe zu erkranken oder eine Lungenentzündung zu erleiden. Das Risiko für Gefäßerkrankungen bzw. deren Fortschreiten sinkt stark. Ebenfalls verringert sich das Krebsrisiko innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte, nach zehn Jahren ist das Lungenkrebsrisiko auf ein Niveau eines Nierauchers gesunken. Diese und viele andere Vorteile ergeben sich auch im hohen Alter und sind immer ein guter Grund, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn Rauchstopp kennt kein Alter!

Um von der Nikotinabhängigkeit los zukommen, ist es für viele Raucherinnen und Raucher sinnvoll, sich beraten und helfen zu lassen. Um den Ausstieg zu bewältigen reichen manchmal Tipps, Ratgeber und Selbsthilfehandbücher. Andere kommen mit Hilfe von Nikotinpräparaten häufig erst vom Tabak und dann ganz vom Nikotin los. Da bei dieser Vorgehensweise jedoch gewisse Risiken bestehen, ist ein Gespräch mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt sinnvoll. Und für Manche ist der richtige Weg zum Rauchstopp, die Teilnahme an einem Kurs zur Tabakentwöhnung.

Unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, so genannte Nebenwirkungen, können beispielsweise Schläfrigkeit auslösen, den Magen belasten oder Symptome wie Schwindel verursachen. Manche Medikamente verändern auch die Wahrnehmung und das Empfinden oder die Reaktionsfähigkeit, ohne dass man das selbst bemerkt. Bei der Einnahme mehrerer verschiedener Medikamente sind auch gefährliche Wechselwirkungen möglich.

Mehr als die Hälfte aller Verordnungen erfolgen in Deutschland für Patientinnen und Patienten über 60 Jahre. Auch deshalb sind ältere Menschen von Nebenwirkungen häufiger betroffen als jüngere.

Trotz aller Vorsicht ist nicht jede ärztliche Verordnung von Medikamenten sinnvoll und angemessen. Bei der Behandlung älterer Menschen müssen Ärzte besonders beachten, dass die Dosierung von Medikamenten dem Lebensalter angepasst werden muss. Veränderungen im Organismus bewirken, dass Medikamente bei älteren Menschen verzögert wirken und länger im Körper bleiben, als bei Menschen im jüngeren oder mittleren Lebensalter. Trotzdem sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit dem behandelnden Arzt oder Ärztin abgestimmt sein.

Bei einigen Medikamenten besteht die Gefahr einer Abhängigkeit. Das ist vor allem bei Medikamenten der Fall, die einen Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine enthalten. Benzodiazepine werden vor allem wegen ihrer angstlösenden und schlaffördernden Wirkungen verschrieben. Außerdem werden sie auf Grund ihrer muskelentspannenden Wirkung auch bei durch Muskelverkrampfungen verursachten Rückenschmerzen eingesetzt. Eine körperliche Gewöhnung setzt allerdings meist bereits nach wenigen Wochen der regelmäßigen Einnahme ein. Ein unmittelbares Risiko für ältere Menschen ist vor allem die erhöhte Gefahr von Stürzen und anderen Unfällen infolge von Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeit, verminderter Bewegungskontrolle, verlangsamter Reaktionen und Konzentrationsstörungen.

Nehmen Sie Medikamente bereits seit einem längeren Zeitraum ein, um Ihr psychisches Befinden zu verbessern, Schmerzen zu lindern oder besser schlafen zu können? Wenn das der Fall ist, so können Sie sich die folgenden Fragen stellen:

  • Beunruhigt Sie die Vorstellung, mehrere Tage oder sogar Wochen auf „Ihr“ Medikament verzichten zu müssen?
  • Haben Sie sich zur Sicherheit einen Vorrat dieses Medikaments angelegt?
  • Haben Sie über die Zeit der Einnahme hinweg die Dosis gesteigert, da die Wirkung des Medikaments nachließ und die ursprünglichen Beschwerden trotz Einnahme des Medikaments wieder auftraten?
  • Verbergen Sie vor anderen, dass Sie dieses Medikament einnehmen bzw. wie häufig und in welcher Dosis Sie dieses Medikament einnehmen?

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie fachliche Hilfe und professionellen Rat aufsuchen. Auf jeden Fall sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Medikamentenabhängigkeit vorliegt. Wenn Sie diese Befürchtung hegen, sollten Sie jedoch auf keinen Fall eigenmächtig eine verordnete Dosis ändern oder das Medikament ganz absetzen. Jede Veränderung der Einnahme muss vorher mit der Ärztin bzw. dem Arzt abgestimmt werden!

Fachleute orientieren sich deshalb an der 4K-Regel. Dieser Merksatz dient verantwortlichen Personen (z.B. Ärzten und Apothekern) als Empfehlung und Hilfestellung:

Die 4K-Regel lautet:

  • Klare Indikation (das Medikament nur einnehmen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht)
  • Kleinste notwendige Dosis
  • Kurze Anwendung
  • Kein abruptes Absetzen 

Nähere Informationen sind unter folgendem Link einsehbar: 4-K-Regel zur Medikamenteneinnahme und "4-K-Kampagne"

 

Dem Thema Sucht im Alter ist eine Internetseite der Deutschen Hauptstelle für Suchfragen (DHS) e.V. mit Unterstützung der Barmer GEK gewidmet: Unabhängig im Alter - Suchtprobleme sind lösbar

Die Internetseite bündelt Informationen über Alkohol-, Tabak- und Medikamentenabhängigkeiten im Alter und bietet Materialien und Wegweiser für Rat und Hilfe an. Nützliche Links und Presseinformationen sind dort ebenfalls gesammelt.

Die zentrale Botschaft der Seite ist, dass Missbrauch und Abhängigkeit die Lebensqualität gerade im Alter gefährden und mit besonderen Krankheits- und Unfallschäden verbunden sind. Und dass es sich – entgegen vieler Vorurteile – auch in späteren Lebensjahren lohnt und aussichtsreich ist, Missbrauch und Abhängigkeiten zu beenden.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:

 

Textnachweis

  • Autor: Barmer GEK Andrea Jakob-Pannier
  • Qualitätssicherung: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Peter Raiser

Literatur

  • DHS/Barmer GEK (Hrsg.), Alkohol, Medikamente, Tabak: Informationen für die Altenpflege, 042013

 

Webcode dieser Seite: s000053 Autor: Andrea Jakob-Pannier Erstellt am: 25.09.2015 Letzte Aktualisierung am: 17.11.2016
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