Blutspende – Unkompliziert und sicher

Fremdes Blut kann Leben retten – unter Umständen auch das eigene. Doch es fehlt an regelmäßigen Spendern, um den stetig wachsenden Bedarf an Blutkonserven zu decken.

Spenderblut rettet täglich zahlreichen schwerverletzten Unfallopfern das Leben. Was viele Menschen nicht wissen: Noch häufiger sichert die Blutspende das Überleben von Krebspatienten oder Menschen mit Magen-Darmproblemen. Etwa 80 Prozent aller Bundesbürger sind, statistisch gesehen, mindestens einmal in ihrem Leben auf eine Transfusion oder auf Medikamente angewiesen, die aus Blutplasma hergestellt werden. Am größten ist der Bedarf an Blutkonserven der Blutgruppe A und 0.

Um den stetig steigenden Bedarf an Blut zu decken, werden in Deutschland jeden Tag durchschnittlich etwa 15.000 Spenden benötigt. Dass immer mehr Blut gebraucht wird, ist vor allem auf den zunehmenden medizinischen Fortschritt, die sich stetig weiterentwickelnde Notfallmedizin und die immer älter werdende Bevölkerung zurückzuführen. Zwar spenden in Deutschland jährlich rund zwei Millionen Menschen Blut, dennoch kommt es vor allem während der Sommermonate immer wieder zu Engpässen in der Versorgung.

Eine Alternative zur Blutspende gibt es derzeit jedoch nicht. Denn bis heute ist es nicht möglich, einen adäquaten Ersatz für Vollblut oder seine Komponenten mit ihren vielfältigen lebenswichtigen Funktionen künstlich herzustellen. Dazu gehören der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, die Abwehr von Krankheitserregern, die Blutstillung sowie der Wärmetransport innerhalb des Körpers.

Um das kostbare Spenderblut optimal nutzen und mit nur einer Blutentnahme gleich mehreren Menschen helfen zu können, wird heutzutage in der Regel kein Vollblut mehr übertragen. Stattdessen erhält der Empfänger nur die Blutkomponenten, die er auch braucht. Diese können entweder aus einer Vollblutspende oder als Blutkomponentenpräparat direkt vom Spender gewonnen werden.

Die Vollblutspende wird am häufigsten durchgeführt. Hierbei lässt sich der Spender maximal 500 Milliliter Blut aus der Armvene entnehmen. Davon dient ein kleiner Teil verschiedenen Laboruntersuchungen, der große Rest wird zentrifugiert und in seine Bestandteile zerlegt: Blutflüssigkeit (Blutplasma), rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Diese werden zu gefilterten Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentraten sowie gefrorenem Frischplasma weiterverarbeitet, um sie Patienten übertragen oder zur Herstellung von Medikamenten verwenden zu können.

Die Vollblutspende an sich dauert nicht länger als fünf bis zehn Minuten. Einschließlich Untersuchung, Ruhephase und Imbiss nimmt sie eine knappe Stunde in Anspruch.

Männer können bis zu sechsmal, Frauen bis zu viermal im Jahr zur Blutspende gehen. Damit der Körper ausreichend Zeit hat, den Blutverlust auszugleichen, sollte der Abstand zwischen den Spenden bei Männern acht Wochen betragen. Bei Frauen sollten mindestens 12 Wochen dazwischen liegen, da der weibliche Körper länger für die Regeneration des Blutes braucht.

Zwar wird auch bei der Thrombozytenspende Vollblut entnommen. Man behält jedoch nur die Blutplättchen zurück, während die übrigen Bestandteile dem Spender sofort wieder zugeführt werden.

Die winzigen Plättchen sind wichtig für die Blutgerinnung. Werden Blutgefäße verletzt, sind sie in der Lage, diese wieder abzudichten und auf solche Weise eine entstandene Blutung zu stoppen.

Auf die Transfusion von Thrombozyten sind Patienten angewiesen, deren Körper aufgrund von Erkrankungen wie beispielsweise Blutkrebs (Leukämie) oder als Nebenwirkung von Chemotherapien und Bestrahlungen, nicht mehr in der Lage ist, funktionsfähige Blutplättchen in ausreichender Menge zu bilden. Auch bei schweren Verletzungen oder großen Operationen mit massiven Blutungen kann es durch einen erhöhten Verbrauch an Thrombozyten zu einer gefährlichen Blutplättchenarmut kommen, die durch Infusionen ausgeglichen werden muss.

Die Thrombozytenspende dauert zwischen 60 und 90 Minuten.

Da Konzentrate aus Blutplättchen nur vier Tage haltbar sind, finden die Spenden nach Terminvereinbarung und sehr zeitnah statt, weshalb die Spender besonders zuverlässig und flexibel sein müssen.

Thrombozytenspenden sind in zweiwöchigem Abstand möglich. Nebenbei kann die Vollblutspende in den gewohnten Intervallen fortgesetzt werden, wobei allerdings zwischen den beiden Spenden nicht weniger als zwei Tage liegen sollten.

Bei der Plasmaspende verwendet man nur den flüssigen Anteil des Blutes, während die festen, zellulären Bestandteile dem Spender zurückgegeben werden. Die klare, gelbliche Flüssigkeit besteht zu 90 Prozent aus Wasser. Darin gelöst ist eine Vielzahl weiterer Substanzen, wie Salze, Hormone, Vitamine und Proteine, die lebenswichtige Aufgaben erfüllen. Dazu gehören der Transport verschiedener Stoffe sowie die Aufrechterhaltung des Blutvolumens. Während der 30 bis 45 Minuten dauernden Spende werden etwa 650 Milliliter Blutplasma gewonnen.

Benötigt wird es vor allem zur Herstellung von wichtigen Medikamenten, die größtenteils der Blutgerinnung oder der Verbesserung der Immunabwehr dienen. Zwischen den Spenden wird ein Mindestabstand von einer Woche empfohlen. Der Zeitabstand zwischen einer Blutspende und einer Plasmaspende sollte allerdings mindestens 14 Tage betragen.

Die Auswahl geeigneter Spender ist in der Hämotherapie-Richtlinie geregelt: "Jeder Blutspender muss sich nach ärztlicher Beurteilung in einem gesundheitlichen Zustand befinden, der eine Blutspende ohne Bedenken zulässt." Dabei ist sowohl das Wohl des Spenders also auch die risikoarme Gewinnung von Blutbestandteilen oberstes Kriterium.

Vor der ersten Spende erfolgt eine ärztliche Untersuchung zur Tauglichkeit als Spender. Dabei wird unter anderem geprüft, ob der Spender augenscheinlich gesund ist, mindestens 50 Kilogramm wiegt, zwischen 18 und 68 Jahren alt ist und nicht regelmäßig Medikamente einnimmt.

Nach der Richtlinie sind von der Blutspende unter anderem alle Personen ausgeschlossen, die an bestimmten schweren oder chronischen Erkrankungen oder Infektionskrankheiten leiden, weiterhin Drogen- oder Medikamentenabhängige sowie Personen, bei denen von einem deutlich erhöhten Risiko für Infektionen ausgegangen wird. Dazu gehören laut Richtlinie heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) sowie männliche und weibliche Prostituierte.

Darüber hinaus beschreibt die Richtlinie viele Einschränkungen, die Spender für einen begrenzten Zeitraum von der Spende ausschließen, wie beispielsweise Urlaub in einem Malariagebiet, frische Piercings oder Tätowierungen, operative Behandlungen, Zahnextraktionen, Impfungen, Schwangerschaft oder Stillzeit.

Vor einer Blutspende ist es wichtig, ausreichend zu trinken und etwas zu essen, allerdings keine fetten Speisen. Innerhalb der letzten 12 Stunden vor der Spende gilt zudem Alkoholabstinenz.

Nach der Registrierung, für die ein Reisepass, Personalausweis oder Führerschein benötigt wird, und dem Ausfüllen eines medizinischen Fragebogens erfolgt ein kurzer ärztlicher Check, um die Eignung des potenziellen Spenders festzustellen. Dabei wird anhand eines kleinen Tropfens Blut der Hämoglobinwert (Hb), also der Anteil des roten Blutfarbstoffs überprüft, der unter anderem Auskunft darüber gibt, ob eine Blutarmut (Anämie) vorliegt. Zusätzlich misst der Arzt Blutdruck, Puls sowie Körpertemperatur und bespricht mit dem Spendewilligen den zuvor ausgefüllten Fragebogen.

Bei jeder Blutspende werden zusätzliche Teströhrchen mit Blut für die erforderlichen Labortests abgenommen. Sie dienen dem Ausschluss von Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, HIV oder Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und zur Bestimmung der Blutgruppe. Erst wenn alle Testergebnisse eindeutig negativ sind und die Blutgruppenbefunde bestätigt wurden, erfolgt die Freigabe des Blutprodukts für den Einsatz am Patienten.

Nach der Blutspende ist es ratsam, sich noch mindestens 20 Minuten auszuruhen, reichlich zu trinken und etwas zu essen. In der Regel ist vor Ort für kostenlose Verpflegung gesorgt. Frühestens 30 Minuten nach der Spende darf man wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.

Jeder Erstspender erhält etwa vier bis fünf Wochen nach der Blutentnahme einen kostenlosen Blutspendeausweis, der Informationen zu Blutgruppe und Rhesusfaktor enthält. Aktuell wird die bisherige Variante in Papierform gerade nach und nach durch den neuen bundesweit einheitlichen Blutspendeausweis im Scheckkartenformat abgelöst. Er soll den Anmeldeprozess bei einer Blutspende vereinfachen und passt nicht nur in jede Hosentasche, sondern verfügt auch über einen elektronischen Chip. Dieser enthält neben Angaben zur Person auch eine bundeseinheitliche Spendernummer.

Gespendet werden kann in Unikliniken und Krankenhäusern, beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes sowie bei kommunalen und privaten Blutspendedienst.

Da durch die Adern eines erwachsenen Menschen je nach Größe und Gesamtgewicht zwischen viereinhalb und sechs Liter Blut fließen und ihm bei einer Blutspende nur ein geringer Teil davon entnommen wird, verkraftet ein gesunder Erwachsener selbst einen regelmäßigen Aderlass problemlos. Das Plasmaeiweiß kann der Körper innerhalb von zwei Tagen kompensieren. Bei den entnommenen Blutzellen dauert es etwa zwei Wochen. Um den Eisenverlust auszugleichen benötigt er hingegen bis zu zwei Monate. Da bei vielen Frauen, bedingt durch die monatliche Blutung, eher ein Mangel an Eisen besteht, kann es bei ihnen etwas länger dauern. Sie sollten gegebenenfalls mit ihrem Arzt besprechen, ob die Einnahme von Eisentabletten erforderlich ist. Durch eine gesunde Lebensweise lässt sich eine rasche Blutneubildung zusätzlich fördern. Dauerspender haben sogar den Vorteil, dass sie regelmäßig völlig gratis einen kleinen Gesundheits-Checkup und eine kostenlose Blutuntersuchung erhalten.

Was Nebenwirkungen anbelangt, so können unmittelbar nach der Blutentnahme vorübergehend harmlose Kreislaufstörungen auftreten. An der Einstichstelle kommt es darüber hinaus gelegentlich zur Bildung eines Blutergusses oder einer allergischen Reaktion gegen das verwendete Desinfektionsmittel oder Pflaster.

 

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Rudolf Inderst, Arzt; Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Claudia Tobis, Dr. med. Utta Petzold

Literatur

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000103 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 16.01.2014 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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