Allergie – Wenn das Immunsystem reagiert

Eine Allergie ist eine überschießende Immunreaktion auf an sich unschädliche Substanzen. Erfahren Sie, welche Formen der Allergie es gibt und wie Sie sie bekämpfen.

Das Immunsystem soll den Organismus vor schädlichen Krankheitserregern schützen. Von einer Allergie spricht man, wenn das ausgeklügelte System spezialisierter Zellen auch solche Substanzen bekämpft, die für den Körper eigentlich unschädlich sind. Die Betroffenen reagieren überempfindlich (hypersensitiv) auf Stoffe, welche die Mehrzahl der Menschen problemlos verträgt.

Auslöser einer Allergie (Allergene) sind oft Pollen oder Lebensmittel wie Milch, Erdnüsse, Meeresfrüchte oder Eier. Daneben reagieren viele Menschen allergisch auf Schimmel, Hausstaubmilben, Inhaltsstoffe von Kosmetika, jodhaltige Substanzen, Antibiotika (wie Penicillin oder Tetracyclin), Pflanzenstoffe oder tierische Gifte (beispielsweise der Biene oder Wespe).

Eine Allergie kann sich mit unterschiedlichen Beschwerden äußern. Die Symptome reichen von einer laufenden Nase und tränenden, juckenden Augen über Hautausschläge oder Magen-Darm-Probleme bis zu Atembeschwerden. Die gleiche Substanz kann bei einer Person juckende Hautbläschen hervorrufen, bei einer anderen einen Asthmaanfall auslösen, während eine dritte Person auf diese Substanz überhaupt nicht reagiert. Eine Extremform der Allergie ist der anaphylaktische Schock, bei dem es zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch kommen kann.

Unabhängig von ihrem Auslöser lassen sich Überempfindlichkeitsreaktionen in vier Typen unterteilen. Sie unterscheiden sich danach, welcher Teil des Immunsystems maßgeblich für die allergische Reaktion verantwortlich ist. Auch die Zeit zwischen Allergenkontakt und ersten Beschwerden variiert zwischen den verschiedenen Allergieformen.

Allergie vom Soforttyp (Typ-I-Allergie, anaphylaktische Reaktion)

Heuschnupfen (Pollen-Allergie) und allergisches Asthma sind typische Soforttyp-Allergien. Diese Form der Allergie kommt am häufigsten vor. In Deutschland leiden rund 16 von 100 Menschen unter Heuschnupfen, etwa 5 von 100 der erwachsenen Bevölkerung sind von Asthma bronchiale betroffen. Innerhalb weniger Minuten nach Kontakt mit dem Allergen können die ersten Symptome auftreten.

Vor einer solchen allergischen Reaktion muss es einen sogenannten Erstkontakt geben. Dabei atmet der oder die Betroffene zunächst beispielsweise Birkenpollen ein, ohne dass eine spürbare Reaktion entsteht. Unbemerkt jedoch setzt der Körper eine Kette immunologischer Reaktionen in Gang. Zunächst bildet er natürliche Abwehrstoffe (Immunglobulin E, IgE) gegen die Pollen. Diese Antikörper stufen die harmlosen Pflanzenbestandteile ab sofort als gefährlich ein. Kommt es zu einem erneuten Kontakt, verbinden sich die Antikörper mit den Pollen und geben den Immunzellen das Kommando, Histamin und andere Botenstoffe freizusetzen. Sie vermitteln eine Entzündungsreaktion, die den vermeintlichen Eindringling ausschalten soll: Die Wände winziger Blutgefäße werden durchlässig, Eiweiß, Flüssigkeit und Zellen treten aus. Das Gewebe schwillt an, rötet sich und juckt. Da bei der Pollenallergie die Allergene eingeatmet werden, trifft es zuerst die Schleimhaut der Atemwege. Sie verengen sich und die Schleimsekretion steigt.

Seit einigen Jahren wird auch eine Allergie vom Sofort-Typ- beschrieben, die durch die Kombination von Weizen und Anstrengung hervorgerufen wird: weizenabhängige, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (WDEIA, wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis). Dabei kommt es erst dann zu Symptomen, wenn vor körperlicher Belastung weizenhaltige Nahrungsmittel verzehrt wurden.

Das Ausmaß der allergischen Reaktion variiert von Mensch zu Mensch. Nase (allergische Rhinitis) und Augen (allergische Konjunktivitis) können ebenso betroffen sein wie Haut (Dermatitis oder allergische Urtikaria) und Atemwege (allergisches Asthma). Der allergische Schock (Anaphylaxie) ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion: Haut, Atemwege, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System reagieren dabei gleichzeitig. Der anaphylaktische Schock ist lebensbedrohlich und muss sofort notfallmedizinisch behandelt werden.

Allergie vom verzögerten Typ (Typ-IV-Allergie, Spättyp-Allergie)

Bei der Allergie vom verzögerten Typ treten die Symptome in der Regel erst 12 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf. Meist sind die Auslöser Chemikalien oder Metalle, die nach Hautkontakt Ausschläge hervorrufen (allergisches Kontaktekzem). Typische Beispiele sind die Nickel-, Kobalt- oder Duftstoffallergien.

Die Allergie vom verzögerten Typ gehört zu den zellvermittelten Allergien. Bei sensibilisierten Personen reagieren spezialisierte Immunzellen auf Kontakt mit dem Allergieauslöser: Sie aktivieren Fresszellen, die in die Haut wandern und an der Kontaktstelle eine Entzündungsreaktion auslösen.

Seltene Formen

Allergien vom Typ II (zytotoxische Allergie) und Typ III (Immunkomplex-Allergie) kommen seltener vor. Bei diesen Formen bildet der Körper Abwehrstoffe (Antikörper der Klassen IgG und IgM) gegen die Fremdstoffe und aktiviert komplexe Immunreaktionen. Beispiele seltener Allergieformen sind Transfusionszwischenfälle bei der Übertragung von Blutzellen (Typ II) oder die allergische Vaskulitis (Gefäßentzündung) (Typ III).

Allergenkarenz

Sicher verhindern lässt sich eine allergische Reaktion nur, wenn der Auslöser konsequent gemieden wird (Allergenkarenz). Manchmal ist das möglich, beispielsweise durch einen Wechsel der Hautcreme oder den Verzicht auf das allergieauslösende Nahrungsmittel.

Hyposensibilisierung

Oft ist der Kontakt mit dem Allergen jedoch unvermeidbar. Pollenallergiker haben beispielsweise keine Chance, den reizenden Blütenpollen aus dem Weg zu gehen. Das gleiche gilt bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Haustiere. In solchen Fällen kann eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein.

Diese auch als Desensibilisierung oder Spezifische Immuntherapie (SIT) bekannte Methode setzt die allergische Reaktionsbereitschaft schrittweise herab. Eine Hyposensibilisierung ist nur bei Antikörper (IgE) vermittelten Allergien vom Soforttyp möglich. Das Immunsystem des Patienten wird wiederholt mit geringen Mengen des Allergens in Kontakt gebracht. Durch eine schrittweise Erhöhung der Dosis steigt die Toleranzschwelle des Körpers gegenüber dem Allergen. Manche Patienten haben nach einer erfolgreichen Hyposensibilisierung keine Beschwerden mehr. In vielen Fällen verhindert sie, dass sich die Allergie verschlechtert oder dass durch einen sogenannten Etagenwechsel aus einem Heuschnupfen allergisches Asthma wird.

Medikamente

Medikamente, die eine allergische Reaktion abschwächen, behandeln lediglich die Symptome. Auf die Ursache der Erkrankung haben sie keinen Einfluss. Verschiedene Wirkstoffe stehen als Spray, Tropfen, Salbe, Tablette oder Spritze zur Verfügung. Antihistaminika wie Ceterizin oder Loratadin hemmen ebenso wie Glukokortikoide (Kortison) die allergische Entzündungsreaktion. Auch der Wirkstoff DNCG (Dinatriumcromoglicinsäure) soll Allergiesymptome lindern. DNCG ist ein sogenannter Zellstabilisator, der verhindern soll, dass Histamin und andere Botenstoffe der Entzündung ausgeschüttet werden. Anders als die Antihistaminika muss DNCG bereits vor Beginn der Symptome regelmäßig angewendet werde, um wirken zu können.

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagieren die Betroffenen überempfindlich auf bestimmte Lebensmittel. Die Symptome einer allergischen Reaktion reichen von Juckreiz, Schwellung von Lippen und Mundschleimhaut, Magen-Darm-Problemen und Hautausschlag bis hin zu Atembeschwerden oder einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch.

Die Beschwerden sind Folge einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Harmlose Nahrungsbestandteile werden von der körpereigenen Abwehr als bedrohlich eingestuft und bekämpft. Prinzipiell kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Allergien auf Milch, Hühnereiweiß, Nüsse sowie Obst und Gemüse sind am häufigsten.

Die Nahrungsmittelallergie muss von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit abgegrenzt werden. Bei einer Unverträglichkeit reagieren die Betroffenen empfindlich, weil ihr Organismus das Lebensmittel nur unzureichend verwerten kann. Das Immunsystem spielt in diesem Fall keine Rolle. Ein bekanntes Beispiel für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist die Laktose-Intoleranz. Die Betroffenen haben zu wenig Laktase – das Enzym, das Milchzucker (Laktose) abbaut. Kleine Milch-Mengen werden deshalb in der Regel vertragen. Milchallergiker reagieren dagegen schon auf kleinste Milch-Mengen allergisch.

Kreuzallergien sind Unverträglichkeitsreaktionen auf dem Boden einer bereits vorhandenen Allergie.

Das Immunsystem kann unzählige Fremdstoffe unterscheiden. Ähneln sich jedoch die chemischen Strukturen – ohne dass die Pflanzen (oder Tiere) näher miteinander verwandt sind – kann es zu Kreuzallergien kommen. Kreuzallergien zwischen Pollen und Lebensmitteln (sogenannte pollenassoziierte Lebensmittelallergien) sind die verbreiteste Form und die häufigste Ursache einer Lebensmittelallergie im Erwachsenenalter. Birkenpollen-Allergiker reagieren beispielsweise oft auf rohe Äpfel oder Birnen überempfindlich. Weitere häufige Kreuzallergien gibt es zwischen Naturlatex und Bananen oder Hausstaubmilben und Krabben/ Garnelen.

Die Symptome können schon beim ersten Kontakt mit dem zweiten "ähnlichen" Allergen auftreten.

 

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH, Dr. med. Utta Petzold, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Claudia Link, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie

Literatur

Weiterführende Informationen

Webcode dieser Seite: s000098 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 06.06.2012 Letzte Aktualisierung am: 17.11.2016
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