Eine Frau wird am Rücken akupunktiert.

Arztbesuch – Wie bereite ich mich vor?

So sehr sie uns quälen, gefährlich sind Rückenschmerzen selten. Bei manchen Symptomen sollten Sie jedoch unverzüglich zum Arzt gehen. Vorbereitung macht den Arzttermin effektiver.

Nur jeder Zehnte in Deutschland, der unter Rückenschmerzen leidet, geht zum Arzt. In bestimmten Fällen sollten Sie einen Arztbesuch jedoch nicht aufschieben.

Ein Arzttermin wird dann nötig, wenn die Beschwerden neu auftreten, wenn sie länger als sechs Wochen anhalten, wenn sie wiederkehren oder schlimmer werden, wenn sie besonders quälend sind, oder wenn Vorbeuge- und Behandlungsratschläge nicht weiterhelfen.

Zudem gibt es eine Liste von Alarmzeichen, die auf mögliche bedeutende Schäden von Wirbeln und Nerven hindeuten. Mediziner haben sie als "Rote Flaggen" (red flags) bei Rückenschmerzen zusammengefasst.

  • Zunehmende Muskelschwäche oder –lähmung an Armen oder Beinen

  • Unfähigkeit, Urin oder Stuhl bei sich zu halten (Kauda-Syndrom)

  • Rote Flaggen betreffen auch Vorerkrankungen und Behandlungen, die Sie auf Anhieb nicht mit Ihren Rückenschmerzen in Verbindung bringen

  • Unfreiwilliger Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Schmerz vor allem nachts, Tumorleiden in der Vorgeschichte

  • Kürzlich aufgetretenes Fieber/Schüttelfrost, durchgemachte bakterielle Erkrankung, immunsuppressive Medikamente

  • vorangegangener Unfall oder Sturz bei höherem Alter, bekannter Osteoporose oder langfristiger Cortison-Therapie

Treten solche Warnhinweise auf, ist eine ärztliche Untersuchung umgehend erforderlich. Durch eine Befragung (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung kann Ihr Arzt/Ihre Ärztin gefährliche Ursachen von Rückenproblemen fast immer erkennen bzw. ausschließen.

Am Anfang der Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese. Ihr Arzt sollte möglichst viel über Ihren Rückenschmerz und seine Umstände erfahren.

Er sollte Sie nach den Alarmzeichen (Rote Flaggen) und gegebenenfalls auch nach Risikofaktoren der Chronifizierung (Gelbe Flaggen) fragen. Bei einigen Fragen denken Sie möglicherweise: was hat dies mit dem Rückenschmerz zu tun? Am besten ist aber, Sie teilen Ihrem Arzt vertrauensvoll alle Ihre Beobachtungen und Erfahrungen mit. Es geht vor allem um folgende Fragen:

  • Wo haben Sie Schmerzen? Strahlen sie aus?

  • Haben Sie Gefühlsstörungen? Haben Sie einen Kraftverlust?

  • Wann sind Ihre Beschwerden erstmalig aufgetreten?

  • Lag ein Sturz, Unfall oder eine andere Gewalteinwirkung vor?

  • Hatten Sie schon früher einmal Rückenschmerzen?

  • Wodurch werden die Beschwerden stärker oder schwächer (Bewegung/Ruhe, Wärme/Kälte)?

  • Wie ist der zeitliche Verlauf der Schmerzen (tagsüber, nachts)?

  • Haben sich die Schmerzen in den letzten Tagen/Wochen/Monaten verändert?

  • Wie stark sind die Schmerzen? Schränken sie Sie bei täglichen Verrichtungen ein?

  • Wie sind Sie bisher behandelt worden?

  • Bewegen Sie sich regelmäßig, treiben Sie Sport?

  • Leiden Sie an einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression?

  • Haben Sie Stress, Ängste oder fühlen sich häufig angespannt/überarbeitet?

Stellen Sie sich auf diese möglichen Fragen schon zu Hause ein. Ihre offene und genaue Beantwortung hilft Ihrem Arzt, die richtige Diagnose zu stellen und so bald wie möglich die für Sie richtige Behandlung einzuleiten. Machen Sie sich gegebenenfalls Notizen, um nichts Wichtiges zu vergessen. Das macht es auch einfacher, sich auf das Gespräch zu konzentrieren.

Liegen keine Hinweise auf einen gefährlichen Verlauf (keine "Rote Flaggen") vor und schildern die Personen Beschwerden im Rücken ohne Hinweise auf eine Nervenkompression, brauchen erst einmal keine weiteren Untersuchungen durchgeführt zu werden. Die Beschwerden werden zunächst als "nichtspezifischer Kreuzschmerz" eingestuft und behandelt.

Liegen aber Warnhinweise für eine Nervenkompression (radikuläres Syndrom) vor, wird der Arzt auf Schmerzen, Taubheitsgefühl, Lähmungserscheinungen, Muskelkraft und Reflexe testen. Die Sinneswahrnehmung am Bein wird beispielsweise durch Bestreichen der Haut und die Auslösung der Reflexe mit dem Reflexhämmerchen überprüft. Auffälligkeiten bei dieser neurologischen Untersuchung lassen auf den Ort der Nervenschädigung schließen, also das betroffene Segment der Wirbelsäule. Die Nerven, die das Rückenmark verlassen, versorgen je nach Segmenthöhe bestimmte Körperareale, somit auch typische Hautbereiche und Muskeln.

Laboruntersuchungen sind erst angebracht, wenn ein konkreter Verdacht auf entzündliche oder infektiöse Vorgänge oder einen Tumor besteht. So werden Entzündungen beispielsweise mit einem Blutbild, der Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG) und dem C-reaktiven Protein (CRP) abgeklärt. Bei Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung wie Morbus Bechterew ist die Bestimmung des Proteinkomplexes HLA-B27 sinnvoll.

Bei Verdacht auf eine virale oder bakterielle Infektion kann auch die Untersuchung des Gehirnwassers (Liquor) notwendig werden.

Computertomografie (CT) wie auch Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) – auch Kernspin genannt – liefern detaillierte Bilder der Wirbelsäule. Das CT arbeitet dazu mit Röntgenstrahlen, das MRT mit Magnetfeldern. Sowohl für eine MRT- als auch eine CT-Untersuchung werden Sie in eine Art Röhre geschoben.

Der Blick in den Körper mittels Röntgen & Co. ist aber bei den meisten Rückenschmerzpatienten überflüssig. Aus diesen Gründen: Oft machen die High-Tech-Bilder altersbedingte Veränderungen wie Wirbelabnutzung sichtbar, die gar nichts mit dem Schmerz zu tun haben; es besteht keine sichere Verbindung zwischen dem Bilderbefund und den Beschwerden des Patienten. Wohl aber kann der Anblick einer verschobenen Bandscheibe den Glauben verfestigen, dass man an einer schweren Krankheit leidet. Man spricht vom Nocebo-Effekt: Die Macht der Vorstellung kann schaden. Hinzu kommt, dass Röntgen und Computertomografie (CT) immer mit einer Strahlenbelastung des Körpers verbunden sind.

Bildgebende Verfahren bei Rückenschmerzen sind erst unter folgenden Voraussetzungen angezeigt:

  • wenn Befragung und körperliche Untersuchung Risikofaktoren aufgedeckt haben (Rote Flaggen),

  • wenn starke Kreuzschmerzen trotz Behandlung länger als sechs Wochen dauern oder sich verschlimmern. Auch bei chronischen Rückenschmerzen (länger als zwölf Wochen), vor allem bei Hinweisen auf organische Ursachen, kann es sinnvoll sein, den Betroffenen "in die Röhre zu schieben".

Die Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule in zwei Ebenen ist die erste bildgebende Untersuchung und kann Erkenntnisse über Frakturen und andere Schäden am Knochen durch Osteoporose oder Tumore bringen. Zudem können Veränderungen an den Bandscheibenfächern Hinweise auf Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule bringen. Je nach Verdachtsdiagnose kann in einem zweiten Schritt ein Schnittbildverfahren zur Diagnosesicherung gewählt werden. So zeigt die Magnetresonanztomografie (MRT) gut die Weichteile rund um die Wirbelsäule wie z.B. die Bandscheiben oder das Rückenmark. Das dabei angewendete Magnetfeld schädigt nach heutigen Erkenntnissen dem Körper nicht. Wenn genauere Informationen über den Knochen benötigt werden z.B. bei komplexen Wirbelkörperbrüchen kommt die Computertomografie (CT) zum Einsatz.

Übrigens: Bei der Suche nach dem Arzt, der zu Ihnen passt, kann die Suchfunktion des Barmer Arztnavi hilfreich sein. Hier bewerten und empfehlen Patienten ihre Ärzte.

Die Zahl der Operationen an der Wirbelsäule ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen, obwohl Experten seit Jahren auf die Risiken und den teilweise begrenzten Nutzen hinweisen. Innerhalb von nur sechs Jahren ist ein Anstieg der Zahl der Rücken-Operationen um rund 75 Prozent zu verzeichnen. Durch eine differenzierte Indikationsstellung und geeignete konservative Behandlungsalternativen könnte ein großer Teil der geplanten Eingriffe verhindert und mehr Nachhaltigkeit in der Behandlung von Rückenschmerzen erzielt werden.

Patienten, die vor einer Rückenoperation stehen, bietet die Barmer bundesweit eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung an. Ermöglicht wird dies im Rahmen einer Integrierten Versorgung mit spezialisierten regionalen Behandlernetzwerken der FPZ AG.

Barmer Versicherte können sich vor einer geplanten Rückenoperation zunächst beim Barmer Teledoktor ausführlich beraten und dann ggf. zu einem erfahrenen niedergelassenen Rückenspezialisten in Wohnortnähe vermitteln lassen. Der Arzt ermöglicht innerhalb von einer Woche den Zweitmeinungstermin, wirft dabei einen zweiten Blick über alle bisherigen Befunde und Therapieempfehlungen und berät den Patienten umfassend über Behandlungsoptionen. Ziel dabei ist es, Patienten mehr Sicherheit für ihre persönliche Therapieentscheidung zu geben und bei Bedarf eine alternative Behandlungsplanung einzuleiten. Das Zweitmeinungsverfahren ist dabei Teil des Versorgungsprogramms "Pro Rücken" der Barmer. Es soll Patienten mit Rückenbeschwerden mit individuellen Behandlungsangeboten und speziellen konservativen Therapien nachhaltig helfen.

Mehr Informationen zur Zweitmeinung vor Rückenoperationen erhalten Sie beim Barmer Teledoktor unter der Telefonnummer 0800 33 33 500 (Anrufe aus den deutschen Fest- und Mobilfunknetzen sind für Sie kostenfrei).

 

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Überarbeitung: Internetredaktion Barmer
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. Med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Claudia Tobis, Dr. Med. Utta Petzold

Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 4. Auflage 2008
  • MSD Manual, Urban & Fischer Verlag, München, 7. Auflage 2007
  • Medizinisches Wissensnetzwerk der Universität Witten/Herdecke. der Universität Witten/Herdecke (Abruf vom 09.09.2015)
  • Barmer: Rücken aktiv - Bewegen statt schonen, 032015

Weiterführende Informationen

 

Webcode dieser Seite: s000748 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 25.09.2012 Letzte Aktualisierung am: 10.04.2017
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