Wundrose und Phlegmone

Wenn die Haut verletzt ist und Bakterien eine Eintrittspforte bietet, kann eine Wundrose oder eine Phlegmone entstehen. Bei beiden Infektionen schwillt die Haut an und wird rot, warm und schmerzempfindlich. Wenn sie frühzeitig und richtig behandelt werden, heilen bakterielle Hautinfektionen meist ohne Folgeschäden aus.

Wenn die Haut verletzt ist und Bakterien eine Eintrittspforte bietet, kann eine Wundrose oder eine Phlegmone entstehen. Bei beiden Infektionen schwillt die Haut an und wird rot, warm und schmerzempfindlich. Wenn sie frühzeitig und richtig behandelt werden, heilen bakterielle Hautinfektionen meist ohne Folgeschäden aus. Unbehandelt können sie dagegen zu manchmal ernsten Komplikationen führen.

Mit Antibiotika lassen sich die meisten Infektionen wirksam bekämpfen. Damit die Haut gut abheilen kann, ist es wichtig, den betroffenen Bereich zu schonen. Gegen Schmerzen und begleitendes Fieber helfen entzündungshemmende Schmerzmittel.

Bakterielle Infektionen der Haut können an allen Körperstellen vorkommen, treten aber am häufigsten am Fuß oder Unterschenkel auf. Nicht selten sind auch die Wangen, die Haut um das Augenlid oder der Bauch betroffen.

Unterschieden werden zwei Formen bakterieller Hautinfektionen:

  • Wundrose (auch Erysipel genannt)
  • Phlegmone (auch Zellulitis genannt)

Bakterielle Infektionen der Haut können durch eine Vielzahl von Erregern ausgelöst werden. Meist steckt aber ein Bakterium aus der Gruppe der Streptokokken oder Staphylokokken dahinter.

Eine Wundrose wird in der Regel von Streptokokken verursacht und betrifft die oberen Hautschichten. Dies äußert sich typischerweise durch eine schmerzhafte, rot glänzende, relativ scharf begrenzte Schwellung. Die Rötung kann zungenförmige Ausläufer bilden, die durch die Entzündung der Lymphgefäße bedingt sind. Bei schweren Formen bilden sich auch Blasen. Manchmal schwellen die benachbarten Lymphknoten an und werden druckempfindlich. Eine Wundrose wird meist schon zu Beginn bei den ersten Hautrötungen von Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl begleitet.

 

Grafik: typische Eigenschaften einer Wundrose - wie im Text beschrieben Wundrose: die oberen Hautschichten entzünden sich

 

Eine Phlegmone hingegen wird meist von Staphylokokken verursacht. Sie ist oft Folge einer Wunde oder eines Geschwürs. Bei einer Phlegmone sind tiefere Hautschichten betroffen als bei der Wundrose: Die Entzündung reicht bis in die Unterhaut (Subkutis). Die sogenannte begrenzte Phlegmone ist am häufigsten und kann durch Antibiotika und eine gute Wundpflege behandelt werden. Die schwere Phlegmone ist eine tiefe eitrige Gewebeinfektion, bei der abgestorbenes Gewebe durch eine Operation entfernt werden muss.

 

Grafik: typische Eigenschaften einer Phlegmone - wie im Text beschrieben Phlegmone: die Entzündung reicht bis in die Unterhaut

 

Im Gegensatz zur Wundrose tritt eine Phlegmone schleichender in Erscheinung und verursacht zunächst kein allgemeines Krankheitsgefühl oder Fieber. Die Rötung ist bei einer Phlegmone außerdem weniger scharf begrenzt und oft dunkler und matter als bei einer Wundrose. Eine Phlegmone wird auch als Zellulitis bezeichnet. Dies hat aber nichts mit der harmlosen „Cellulite“ (umgangssprachlich „Orangenhaut“) zu tun.

Eine bakterielle Hautinfektion kann durch Hautschäden begünstigt werden, die den Bakterien eine Eintrittspforte bieten. Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Grindflechte, Pilzinfektionen oder Geschwüre erhöhen deshalb das Infektionsrisiko.

Sie können zudem Folge von Verletzungen, Nadelstichen, Insekten- oder Tierbissen sein. Auch wenn bei einer Operation Keime in die Wunde eindringen, kann es zu einer Wundrose oder Phlegmone kommen.

Besonders bei einem geschwächten Immunsystem haben Bakterien leichtes Spiel. Das Immunsystem kann zum Beispiel durch Medikamente geschwächt sein. Dazu gehören bestimmte Krebsmedikamente, Kortison oder Medikamente, die nach einer Organtransplantation eingesetzt werden und die körpereigene Abwehr hemmen. Außerdem steigt das Infektionsrisiko bei Menschen, die Durchblutungsstörungen haben – etwa infolge von Diabetes, einer Venenschwäche oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Bei einem geschwächten Immunsystem oder Durchblutungsstörungen wird es auch anderen Bakterien möglich gemacht, in das Gewebe einzudringen. Dann reicht die Infektion in noch tiefere Gewebeschichten und kann sich zur schweren Phlegmone entwickeln.

Es ist nicht genau bekannt, wie häufig bakterielle Hautinfektionen auftreten. In Deutschland werden pro Jahr etwa 1 bis 2 von 1000 Menschen wegen einer Wundrose oder Phlegmone behandelt.

Unbehandelt kann eine bakterielle Infektion der Haut zu verschiedenen, teilweise ernsten Komplikationen führen. Mögliche Folgen sind:

  • Bildung eines Abszesses: Ein Abszess ist ein geschlossener, mit Eiter gefüllter Hohlraum, der sich infolge einer Phlegmone bilden kann. Eiter besteht vor allem aus toten Keimen, Gewebs- und Abwehrzellen.
  • Lymphödem: Nach einer Wundrose können die entzündeten Lymphgefäße teilweise zerstört sein, die Lymphflüssigkeit wird nicht abtransportiert und staut sich.
  • Blutvergiftung (Sepsis): Gelangen Bakterien in die Blutbahn, können sie eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Aus einer tiefen bakteriellen Hautinfektion im Gesicht kann sich manchmal eine Hirnhautentzündung entwickeln.

Solche Komplikationen sind sehr selten. Wenn Komplikationen auftreten, kann aber nur eine schnelle Behandlung größere Schäden verhindern.

Anzeichen für einen ernsten Verlauf sind:

  • erhebliche Schmerzen
  • Fieber, kalter Schweiß, Blässe
  • Übelkeit
  • beschleunigte Atmung oder Herzrasen
  • Beeinträchtigungen des Bewusstseins, zum Beispiel Benommenheit oder Verwirrtheit

Wenn solche Symptome auftreten, ist es wichtig, den notärztlichen Dienst anzurufen.

Meist erkennen Ärztinnen und Ärzte eine Wundrose oder Phlegmone bereits anhand der typischen Symptome und des Erscheinungsbilds der Haut. Die Erkrankungsgeschichte oder vorangegangene Verletzungen weisen oft auf die mögliche Ursache hin.

Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich. Manchmal kann es hilfreich sein, die Wundflüssigkeiten auf Erreger zu untersuchen. Dies macht man zum Beispiel, wenn ein spezieller Erreger als Auslöser vermutet wird, etwa weil sich die Haut nach einem Tierbiss entzündet hat.

Bei Menschen, die eine Wundrose oder Phlegmone hatten, kommt es nach erfolgreicher Behandlung relativ oft zu einer erneuten Infektion. So kommt es bei rund einem Drittel der Wundrose-Infektionen zu einem Rückfall. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einem Rückfall vorzubeugen. Wenn eine Erkrankung wie Diabetes, eine pAVK, Neurodermitis oder ein Hautpilz zu der Infektion beigetragen hat, ist es sinnvoll, zunächst diese Ursache zu behandeln. Für Menschen mit Diabetes und Durchblutungsstörungen der Füße ist zum Beispiel eine gute Fußpflege und Fußhygiene wichtig.

Kommt es trotzdem wiederholt zu einer Wundrose, kann eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika infrage kommen. Dazu müssen über mehrere Monate täglich Antibiotika eingenommen werden.

Eine Wundrose oder Phlegmone wird mit Antibiotika behandelt. Bei einer schweren Infektion werden die Medikamente über einen Tropf direkt in die Vene geleitet. Bei leichteren Infektionen reicht es, sie als Tabletten einzunehmen. Die Wahl des Antibiotikums hängt von verschiedenen Faktoren ab: Unter anderem, ob es sich um eine Wundrose oder eine Phlegmone handelt, ob die Infektion eitrig ist und welcher Erreger vermutet wird. Bei schweren Infektionen ist ein operativer Eingriff nötig, bei dem das abgestorbene Gewebe entfernt wird.

Hat sich die Haut an einem Bein entzündet, wird empfohlen, es hochzulegen, am Anfang zu kühlen und möglichst wenig zu belasten. Ein bisschen Bewegung ist aber sinnvoll, damit sich kein Blutgerinnsel (Thrombose) bildet. Hautcremes können die Haut davor bewahren, trocken und rissig zu werden. Bei einer Infektion im Gesicht ist es besser, möglichst wenig zu sprechen und zu kauen. Schmerzen und Fieber lassen sich durch entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen lindern.

Um den Erfolg der Behandlung zu überwachen, wird das betroffene Hautareal mit einem Stift umrandet. Dadurch lässt sich beobachten, ob die Antibiotika wirken und sich die Infektion zurückbildet. Wenn die Infektion im Krankenhaus behandelt wird, ist mit einem Aufenthalt von gut einer Woche zu rechnen.

Textnachweise

Quelle: Gesundheitsinformation.de

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Literatur

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. 04.2011 (AWMF Leitlinien; Band 012/038).

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Webcode dieser Seite: s000837 Autor: IQWiG Erstellt am: 15.06.2016 Letzte Aktualisierung am: 05.09.2017
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