Windpocken

Windpocken sind sehr ansteckend und gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus. Meist erkranken Kinder, es kann aber auch Erwachsene treffen. Vorbeugend wird eine Impfung empfohlen.

Windpocken (Varizellen) sind eine Infektionskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht wird. Das Virus zählt zur Familie der Herpesviren. Charakteristisch ist ein juckender Hautausschlag mit Bläschen (Exanthem), in denen sich die Viren befinden. Windpocken sind weltweit verbreitet, hochgradig ansteckend und gehören deshalb zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern. Auch Erwachsene können an Windpocken erkranken. Wer einmal Windpocken hatte, ist in der Regel lebenslang vor der Krankheit geschützt. 

Die Viren können zwei verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen: Windpocken bei der Erstinfektion und eine Gürtelrose (Herpes Zoster), wenn die Viren im Körper reaktiviert werden. Die Viren ziehen sich in die Nervenknoten neben der Wirbelsäule zurück, sie "schlafen" dort. Bei Personen mit schlechter Immunlage können die Viren wieder aktiv werden. Jeder, der früher einmal an Windpocken erkrankt war, kann später eine Gürtelrose entwickeln. Gehäuft tritt sie jenseits des 50. Lebensjahres auf, vor allem bei Erwachsenen mit einer Abwehrschwäche. Man schätzt, dass rund 20 von 100 Erwachsenen einmal im Leben an einem Herpes Zoster erkranken.

Im Kindesalter verlaufen Windpocken unangenehm, aber meist harmlos. Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Schwangere und Neugeborene in den ersten Lebenstagen können sie jedoch gefährlich werden.

Durch eine Windpocken-Impfung ist die Erkrankung vermeidbar. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts die Impfung für Kinder in Deutschland – davor erkrankten jährlich etwa 750.000 Personen an Windpocken. Bei mehr als 95 von 100 Erwachsenen sind Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus nachweisbar.

Windpocken-Impfung

Geimpft wird in der Regel zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, dann erneut zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat. Der Mindestabstand zwischen den beiden Impfdosen sollte – je nach Impfmedikament – vier bis sechs Wochen betragen. Es gibt Kombinationsimpfstoffe für eine gleichzeitige Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV). Auch hier sind zwei Impfdosen notwendig.

Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren, die als Säugling nicht geimpft wurden und noch keine Windpocken hatten, sollten sich ebenfalls impfen lassen. Das gilt auch für Frauen mit Kinderwunsch, Personen vor einer Organtransplantation oder immunsuppressiver Therapie, sowie Patienten mit schwerer Neurodermitis, die keine Antikörper gegen die Windpockenviren haben (seronegative Personen). Eine Impfempfehlung gibt es auch für Menschen, die in engem Kontakt mit solchen Personen stehen. Geimpft werden sollten zudem seronegative Personen, die im Gesundheitsdienst oder in einer sozialen Einrichtung arbeiten, beispielsweise im Krankenhaus oder in Kindergärten.

Eingesetzt wird ein sogenannter Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Erreger enthält. Sie können aber die Erkrankung nicht auslösen. Das Immunsystem vernichtet den Impferreger nach und nach - und wird so gegen die Krankheit immun.

Windpocken sind extrem ansteckend. 90 von 100 Personen, die dem Varizella-Zoster-Virus ausgesetzt sind und zuvor noch nicht mit ihm in Kontakt waren, erkranken. Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion in der Luft, also durch Niesen, Husten oder Sprechen. Die virenhaltigen Tröpfchen können sogar im Umkreis von mehreren Metern zur Ansteckung führen. Wer sich eine Stunde in einem Zimmer mit einem Infizierten aufhält, steckt sich relativ sicher an. Menschen können sich aber auch über den Kontakt mit dem Bläscheninhalt oder den Krusten (Schmierinfektion) anstecken.

Der Name "Windpocken" geht auf die hohe Ansteckungsgefahr zurück, die auch ohne körperlichen Kontakt mit Kranken besteht. Die Windpocken werden sozusagen "mit dem Wind" verbreitet.

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit – kann acht bis 28 Tage betragen. Meist liegt sie aber zwischen 14 und 16 Tagen. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt schon ein bis zwei Tage vor dem Auftreten der Hautbläschen und endet fünf bis sieben Tage nach der Entwicklung der letzten Hautbläschen.

Erkrankungsspitzen kommen vor allem im Winter und Frühjahr vor. Windpocken sind nach dem Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung.

Ein bis zwei Tage vor Krankheitsbeginn verspüren die meisten uncharakteristische Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen. Dazu kann Fieber kommen, das allerdings selten über 39 Grad Celsius steigt. Schließlich entwickelt sich ein juckender Hautausschlag – das Hauptmerkmal der Windpocken. Erst bilden sich rote Flecken, dann linsengroße Knötchen und Bläschen. Der Hautausschlag beginnt meist am Körperstamm (Rumpf) und im Gesicht, dann breitet er sich schubweise über den gesamten Körper aus – auch auf den behaarten Teil des Kopfs sowie Arme und Beine. Die Schleimhäute in Mund und Genitalien sowie die Bindehäute können ebenfalls betroffen sein. Der Hautausschlag besteht aus Papeln, Bläschen und Schorf, die sich alle in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden. Fachleute sprechen vom "Sternenhimmel". Die Schwere des Hautausschlags kann sehr unterschiedlich sein. Kleinere Kinder bilden meist weniger Bläschen aus als ältere Menschen.

Nach einigen Tagen platzen die Bläschen, trocknen aus und heilen schließlich ab, indem sich Krusten bilden. Diese fallen nach ein bis zwei Tagen ab. Einige Wochen bleiben helle Flecken zurück, die später aber verschwinden. Durch das Aufkratzen der juckenden Bläschen kann es zur bakteriellen Hautinfektion und Hauteiterungen kommen - oft entstehen so bleibende Narben.

Windpocken sind gut an dem charakteristischen Hautausschlag erkennbar, bei dem sich innerhalb kurzer Zeit juckende Bläschen bilden. Meist kann der Arzt die Diagnose "Windpocken" schon anhand des äußeren Erscheinungsbildes stellen. Die Viren lassen sich auch direkt aus dem Bläscheninhalt nachweisen, was aber aufwändig und langwierig ist. Alternativ kann man auch die Antikörper gegen die Viren im Blut bestimmen. Eine solche Diagnostik ist aber nur in Ausnahmefällen nötig.

Tipp! Wer einen Verdacht auf Windpocken hat, sollte unbedingt vorher die Arztpraxis davon informieren. Es gibt abgetrennte Bereiche, damit man möglichst keine anderen Personen ansteckt.

Es gibt keine ursächliche Therapie der Windpocken. Die Behandlung besteht vor allem darin, die Beschwerden und Begleiterscheinungen zu lindern sowie Komplikationen vorzubeugen (symptomatische Therapie).

Achten Sie auf eine kühle Umgebung, weil Wärme und Schwitzen den Juckreiz verstärken. Kalte Umschläge helfen gegen den Juckreiz. Außerdem gibt es Medikamente, die den Juckreiz stillen. Dazu gehören beispielsweise zinkhaltige, entzündungshemmende Lotionen, die auf die Haut aufgetragen werden. Antihistaminika (als Tropfen), die normalerweise bei allergischen Krankheiten eingesetzt werden, können  außerdem gegen den manchmal sehr starken Juckreiz helfen.

Wichtig ist auch eine sorgfältige Hautpflege (tägliches Baden, bei Bedarf Verbände, Cremes), die bakterielle Sekundärinfektionen verhindern kann. Wenn die Bläschen aufgekratzt werden, können sich dort Bakterien ansiedeln und eitrige Entzündungen auslösen. Zudem können sich Narben bilden. Am besten ist es, die Fingernägel kurz zu schneiden.

Bei schweren Fällen von Windpocken können auch virenhemmende Mittel (Virustatika) eingesetzt werden. Die Medikamente töten zwar die Viren nicht ab, verhindern aber deren Vermehrung. Infrage kommen Virustatika vor allem für Patienten mit einer geschwächten Immunabwehr.

Jeder Windpockenpatient ist so lange infektiös, bis alle Krusten abgefallen sind und keine neuen Bläschen mehr hinzukommen. Eine Person mit Windpocken sollte auf keinen Fall in die Öffentlichkeit gehen, sondern zu Hause bleiben.

Windpocken verlaufen normalerweise gutartig und heilen komplikationslos von selbst aus. Zwischen sieben und zehn Tagen dauert die Krankheit bei Kindern, bei Erwachsenen etwas länger.

Bei Neugeborenen und Patienten mit schwacher Immunabwehr können Windpocken auch sehr schwer verlaufen und tödlich enden. Bei Kindern mit Leukämie verlaufen Windpocken unbehandelt häufig tödlich. Auch bei ansonsten gesunden Kindern werden solche Verläufe beobachtet. Zu den möglichen Komplikationen zählen:

  • Bakterielle Sekundärinfektion der Haut (meist Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus)
  • Varizellen-Lungenentzündung (Varizellen-Pneumonie): Dies ist eine sehr schwere Komplikation, die häufiger bei Erwachsenen als bei Kindern vorkommt. Sie beginnt meist drei bis fünf Tage nach dem Ausbruch der Windpocken. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet.
  • Beteiligung des Zentralen Nervensystems: zum Beispiel Gehirn- und Hirnhautentzündung

Windpocken in der Schwangerschaft: Eine Gefahr besteht für Schwangere, die noch keine Windpocken hatten, und auch nicht geimpft sind. Bei Infektionen in den ersten fünf Monaten einer Schwangerschaft können schwere Fehlbildungen beim Ungeborenen auftreten (fetales Varizellensyndrom).

Erkrankt eine ungeschützte Mutter um den Geburtstermin herum (fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Entbindung), können Windpocken beim Neugeborenen lebensbedrohlich verlaufen. Zum einen hat die Mutter noch nicht genügend schützende Antikörper gebildet, um dem Neugeborenen einen ausreichenden Nestschutz zu gewähren. Zum anderen ist das Immunsystem des Kindes noch zu schwach, um die Infektion zu bekämpfen.

Windpocken verlaufen oft bei Erwachsenen schwerer als bei Kindern. In der Regel dauert die Erkrankung auch länger. Wer älter ist, entwickelt außerdem oft eine viel größere Zahl an Bläschen auf der Haut. Auch Komplikationen wie eine Lungenentzündung durch Varizellen oder eine Meningitis (Hirnhautentzündung)sind bei Erwachsenen häufiger.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie 

Literatur

  • Robert Koch-Institut: www.rki.de (Abruf vom 03.09.2015)
  • Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj): www.kinderaerzte-im-netz.de (Abruf vom 03.09.2015)
  • Niessen, Karl-Heinz: Pädiatrie, 6. Aufl., Georg Thieme Verlag, 2007
  • Schellenberg, I., Schellenberg, C., Blanck, N, Reiche, D.: Kinderkrankheiten von A – Z. Das Handbuch, Trias, 2012 

Weiterführende Informationen

  • Keicher, Ursula: Kinderkrankheiten, Gräfe und Unzer Verlag, 2011
  • Schellenberg, I., Schellenberg, C., Blanck, N., Reiche, D.: Kinderkrankheiten von A – Z. Das Handbuch, Trias, 2012
  • Menche, N., Schäffler, A., Renz-Polster. H.: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin - Naturheilverfahren – Selbsthilfe, 6. Aufl., Kösel-Verlag, 2013
Webcode dieser Seite: s000574 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 03.09.2015 Letzte Aktualisierung am: 29.10.2018
Nach oben