Venenerkrankung (Varikosis)

Von Besenreisern bis Krampfadern - eine Venenerkrankung betrifft die oberflächlichen Venen in den Beinen. Sie können blau, knotig, geschlängelt und dick wie ein Bleistift werden. Frauen haben häufiger Krampfadern als Männer.

Eine Venenerkrankung (Krampfaderleiden, Varikosis) ist eine Krankheit des oberflächlichen Venensystems in den Beinen. Unter dem Einfluss verschiedener Risikofaktoren erweitern sich die Venen, sie können blau und geschlängelt aussehen, bei manchen sind sie knotig und dick wie ein kleiner Finger. Nicht jede Krampfader ist äußerlich erkennbar. Etwa jede sechste Frau und jeder achte Mann hat Krampfadern (Varizen). Sie mögen Ihnen vielleicht unansehnlich erscheinen, aber viel schlimmer sind die Beschwerden und Komplikationen, die solche Krampfadern verursachen können. Mit einer rechtzeitigen Therapie lässt sich das aber meist verhindern.

Mediziner unterscheiden eine primäre Varikosis, deren Ursache noch nicht geklärt ist, von einer sekundären Varikosis. Letztere tritt im Rahmen anderer Krankheiten auf, zum Beispiel bei einem Tumor im Bauch oder einer Herzschwäche. Bei der primären Form spielt die Vererbung eine große Rolle, beispielsweise eine vererbte Bindegewebsschwäche. Sie führt zu einer Venenaufweitung. Begünstigend können außerdem ein höheres Lebensalter, Übergewicht oder eine Schwangerschaft sein. Frauen haben insgesamt ein höheres Risiko als Männer. Auch Kinder können bereits an einer primären Varikosis erkranken, und je älter man wird, desto größer wird das Risiko.

Am Bein unterscheidet man drei Venensysteme: Das oberflächliche und das tiefe System sowie die so genannten Verbindungs- (Perforans-)Venen. Letztere verbinden oberflächliche und tiefe Venen. Normalerweise fließt das Blut von außen nach innen, das heißt von den oberflächlichen durch die Perforans- in die tiefen Venen. Von dort gelangt das Blut zur unteren Hohlvene und von dort zum Herzen.

Venenklappen in den oberflächlichen und Perforans-Venen sorgen dafür, dass das Blut nicht "anders herum" fließt. Die Klappen bewirken zusammen mit der Bewegung der Beinmuskeln, dass das Blut wie im Aufzug in Richtung Herz transportiert wird. Funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, ist der normale Blutfluss gestört und das Blut sackt dahin zurück, wo es herkommt: von den tiefen in die oberflächlichen Venen bzw. bis in die Füße. In diesen Bereichen staut sich das Blut. Durch den Rückstau erhöht sich zudem der Druck in den Venen. Diese erweiterten Venen müssen auf der Haut nicht als Krampfadern (Varizen) erkennbar sein. Dennoch wird die Wand der Gefäße geschädigt und sie lassen mehr Flüssigkeit, Eiweiße und Blutzellen hindurch. Als Folge schwellen die Beine an und die Haut entzündet sich.

Venenerkrankungen vorbeugen

Folgende Maßnahmen entlasten die Venen und beugen Krampfadern vor:

  • Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren.
  • Meiden Sie extreme Hitze (Sonne, Sauna).
  • Wechselduschen und kaltes Wasser verbessern die Blutzirkulation.
  • Sitzen und stehen ist schlechter als laufen und liegen.
  • Achten Sie besonders in der Schwangerschaft auf Ihre Beinvenen. Bei ersten Anzeichen für Krampfadern sind Kompressionstrümpfe empfehlenswert.

Eine Krampfadererkrankung beginnt oft mit Besenreisern - das sind kleine, erweiterte Venen. Sie verursachen meist keine Beschwerden, können aber auf eine fortgeschrittene Venenerkrankung hinweisen.

Manche Menschen haben nicht nur Besenreiser, sondern dicke und mitunter geschlängelte Adern, welche die Haut wulstig hervorwölben können. Manchmal fühlen sich die Beine schwer an, schmerzen oder jucken. Einige bekommen Wadenkrämpfe, die Beine schwellen an. Besteht die Venenerkrankung schon länger, kann sich die Haut bräunlich verfärben. Bei warmen Temperaturen verschlimmern sich die Beschwerden oft. Das Aussehen der Krampfadern hängt aber nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden zusammen: Wenig auffällige Krampfadern können starke Symptome hervorrufen, während große, knotig verdickte Venen überhaupt keine Beschwerden verursachen müssen.

Den Schweregrad der Krampfadererkrankung geben Ärzte mit verschiedenen Klassifikationen an. Eine ist die CEAP-Einteilung. Der Schweregrad reicht von C0 bis C6 und beschreibt die äußerlich sichtbaren Symptome. C0 bedeutet keine Zeichen einer Venenkrankheit, C1 sind Besenreiser und C6 ein offenes Unterschenkelgeschwür ("offenes Bein", Ulcus cruris venosum).

Eine ältere Einteilung ist die Widmer-Klassifikation. Grad 1 bedeutet dabei erste Besenreiser am seitlichen Fuß sowie Schwellungen der Beine. Grad 2 steht für Krampfadern mit ausgeprägten Symptomen wie Hautverfärbungen und –vernarbungen. Im Grad 3 schließlich besteht ein frisches oder abgeheiltes Beingeschwür. Schweregefühl oder Schmerzen können zu jedem Zeitpunkt auftreten.

Am Anfang der Diagnostik stehen eine Befragung des Patienten und die körperliche Untersuchung. So gewinnen Ärztinnen bzw. Ärzte einen Eindruck vom Schweregrad der Venenerkrankung. Außerdem liefert dies Hinweise, ob es sich eher um eine primäre oder sekundäre Form der Erkrankung handelt. Die Diagnose wird mittels Ultraschall (Doppler- oder Duplexsonografie) gestellt. So lässt sich je nach Methode sogar die innere Struktur der Venen erkennen bzw. sehen, in welche Richtung das Blut fließt.

Mit anderen Techniken lässt sich darstellen, ob das Blut in den Venen bei der Beinbewegung gut "nach oben" transportiert wird, und ob der Druck in den Venen durch zurückgestautes Blut erhöht ist, weil die Klappen nicht mehr richtig schließen. Wenn die Krampfadern operiert oder verödet werden sollen, kann eine Phlebografie erforderlich sein. Dabei wird Kontrastmittel in eine Vene des Fußrückens gespritzt, um die Venen des Beines auf dem Röntgenbild darzustellen. Andere Untersuchungen wie Computer- oder Magnetresonanztomografie sind nur in Einzelfällen notwendig.

Behandelt werden sollte eine Krampfadererkrankung dann, wenn sie Beschwerden verursacht bzw. der Blutfluss in den Beinen gestört ist, weil die Klappen nicht mehr richtig schließen. Die Therapie sollte so früh wie möglich einsetzen, um die Entstehung offener Beingeschwüre an den Unterschenkeln sowie eine dauerhafte Überlastung der tiefen Beinvenen zu vermeiden.

Viele Betroffene profitieren zunächst von nicht-operativen Verfahren. Dazu zählen:

  • Kompressionsstrümpfe tragen,
  • Liegen und Laufen statt Sitzen und Stehen,
  • Übergewicht vermeiden,
  • regelmäßige körperliche Bewegung.
  • Medikamente, die Wasseransammlungen reduzieren (Heilen können diese Medikamente Krampfadern aber nicht.)

Eine Verödungstherapie (Sklerosierungstherapie) kommt vor allem bei Besenreisern und erweiterten Seitenästen der Venen in Frage. Es wird ein flüssiges oder aufgeschäumtes Verödungsmittel in die Vene gespritzt. Dies schädigt die Venenwand, und die Vene "klebt" unter einem Druckverband zusammen.

Eine Operation ("Venenstripping") ist immer noch die Standardtherapie. Die klassische Operation besteht meist aus mehreren Schritten:

  1. Crossektomie: Ein Chirurg trennt die größere oberflächliche Vene (Stammvene) an der Stelle ab, an der sie in eine tiefere Vene mündet. Meist ist dies in der Leiste, seltener in der Kniekehle.
  2. Stripping: Die Stammvene wird mit Hilfe eines Drahtes herausgezogen.
  3. Miniphlebektomie: Die Seitenäste werden durch die Haut des Beines mit kleinen Häkchen herausgezupft und die Verbindungsvenen zwischen oberflächlichen und tiefen Venen getrennt.

Laser oder Radiowellen werden seit etwa zehn Jahren eingesetzt. Dabei wird eine Spezialfaser in die Vene eingeführt, die mit Laserlicht oder Radiowellen die Venenwand erwärmt. Die Vene entzündet sich, verklebt und vernarbt unter einem Kompressionsverband. Nach einiger Zeit wird sie vom Körper abgebaut. Eine Crossektomie ist hier nicht erforderlich, nur die Miniphlebektomien der Seitenäste müssen in der Regel zusätzlich erfolgen.

Den Erfolg einer Varizentherapie beurteilen Experten danach, wie häufig erneut Krampfadern entstehen. Das Problem ist oft, dass man nicht weiß, warum erneut Varizen aufgetreten sind. Das kann drei Gründe haben:

  • Bisher gesunde Gefäße können sich zu Krampfadern erweitern.
  • Neue Blutgefäße können in der Nähe der behandelten Krampfadern wachsen und sich zu Varizen ausdehnen.
  • Bei der Behandlung mit Laser oder Radiowellen kann sich die Vene wieder öffnen, weil die Behandlung nicht ausreichend gewirkt hat.

Bei den neuen Verfahren gibt es zudem unterschiedliche Techniken, etwa verschiedene Wellenlängen beim Laser. Im Fazit kann man feststellen: Laser und Radiowellen wirken ähnlich gut wie eine Operation – Langzeitergebnisse über mehrere Jahre gibt es für die neuen Verfahren allerdings noch nicht.

Werden Krampfadern nicht behandelt, kommt es häufig zu Komplikationen: Auf der Haut bildet sich ein roter Ausschlag (Ekzem), die Haut über dem Schienbein wird dünner und verhärtet sich oder die Krampfadern entzünden sich (Varikophlebitis). Schließlich können offene Stellen (Geschwüre) auftreten. Die Patienten mit Venenerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für ein Blutgerinnsel in den Venen. Eine solche Thrombose kann lebensgefährlich sein, denn Teile des Gerinnsels können sich lösen und Blutgefäße in der Lunge verstopfen (Lungenembolie).
Frauen bekommen häufiger Krampfadern als Männer. Es könnte an den weiblichen Hormonen liegen, durch die das Bindegewebe – auch das der Venen - an Festigkeit verliert. So ist das Risiko höher in Lebensphasen mit einem erhöhten Hormonspiegel, wie etwa in der Schwangerschaft oder unter Einnahme von Hormontabletten, beispielsweise Empfängnisverhütung (Pille) oder Hormontherapie in den Wechseljahren.
Je älter ein Mensch wird, desto größer ist das Risiko für Krampfadern. Im Alter kann eine zunehmende Bindegewebsschwäche die Funktionsfähigkeit des Venensystems einschränken, so dass das Blut eher in den Beinvenen zurückstaut als zum Herzen zurückzufließen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Marion Paskuda (Praktische Ärztin) und Dr. med. Christian Wack (Facharzt für Gefäßchirurgie)

Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: S2-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Krampfadererkrankung.2010 (Abruf: 24.9.2012)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de Thema: Krampfadern (Abruf: 24.9.2012)
  • Nüllen H., Noppeney T.: Diagnose und Therapie der primären Varikose. Chirurg 2010;81:1125–1138
  • Maddern G.: Systematic Review Treatment for varicose veins. Australian Safety and Efficacy Register of New Interventional Procedures - Surgical. Ann Vasc Surg. 2009 Mar;23(2):264-76
  • Van den Bos R.: Endovenous therapy of lower extremity varicosities. A meta-analysis. Journal of Vascular SurgeryVolume 49, Issue 1 , January 2009, Pages 230–239
  • Bruning G., Altmann B.: Moderne Varizenchirurgie. Hautarzt 2011; 62: 347-353
  • Mayo Clinic: www.mayoclinic.com (Abruf: 24.9.2012)

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000571 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 25.02.2013 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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