Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten ausgelöst wird. Obwohl sich Menschen häufig anstecken, bleiben die meisten Toxoplasmose-Infektionen unbemerkt. Gefährlich ist eine Infektion für Schwangere. Sie kann Fehlgeburten auslösen und beim Ungeborenen schwere Missbildungen verursachen.

Toxoplasmose ist eine weitverbreitete Infektionskrankheit. Auslöser ist der Parasit Toxoplasma gondii, der in erster Linie Katzen befällt. Die Tiere gelten als Hauptwirt. Beim Menschen, der den Erregern als Zwischenwirt dient, verläuft die Infektion in den meisten Fällen symptomlos. Anschließend besteht eine Immunität gegenüber Toxoplasma gondii. Nur immungeschwächte Menschen können öfter erkranken.

Für ungeborene Kinder ist die Toxoplasmose gefährlich. Steckt sich die werdende Mutter während der Schwangerschaft zum ersten Mal an, kann sie den Erreger über den Blutkreislauf und die Plazenta an den Fötus weitergeben. Die Infektion kann eine Fehlgeburt oder schwere Entwicklungsstörungen beim Kind auslösen.

Menschen können sich auf verschiedene Weise mit dem Toxoplasmose-Erreger infizieren. Sowohl eine Ansteckung über Katzen und deren Ausscheidungen als auch über Zwischenwirte ist möglich.

Auf seinem Weg durch die Wirtsorganismen durchläuft der Toxoplasmose-Erreger verschiedene Entwicklungsstufen: Aus den sogenannten Toxoplasma-Oozysten, die die Katzen ausscheiden, entwickeln sich innerhalb von einigen Tagen Sporen. Diese können lange Zeit außerhalb eines Wirts existieren. In feuchtem Erdreich überleben Toxoplasma-Sporen beispielsweise bis zu 18 Monate. Bei der Gartenarbeit oder wenn Kinder im Garten spielen, erreichen die Sporen den Menschen. Aber auch schon beim Streicheln einer Katze kann man sich anstecken, weil im Fell eines infizierten Tieres oft Sporen haften.

Der direkte oder indirekte Kontakt mit den Ausscheidungen des Tieres ist nur eine Möglichkeit der Infektion. Genauso häufig ist die Ansteckung über das Fleisch von Schlachttieren, die dem Erreger ihrerseits als Zwischenwirt dienten. Vor allem Schweine und Schafe gelten als Überträger von Toxoplasma gondii auf den Menschen. Die Tiere nehmen die Sporen mit dem Futter auf. Über den Darm und die Blutbahn gelangen sie als sogenannte Tachyzoiten unter anderem in die Muskelzellen, vermehren sich dort sehr stark und fallen dann in eine Art Ruhezustand. Auch in dieser Form sind die Toxoplasmose-Erreger sehr widerstandsfähig. So können sie wochenlang im Kühlschrank überleben und überstehen eine Zeit lang auch Temperaturen bis plus 50 Grad Celsius unbeschadet, bevor sie mit der Nahrung aufgenommen werden.

Besonders wichtig ist es für Schwangere, sich nicht zu infizieren. Denn eine Impfung gegen den Erreger gibt es nicht. Gefährlich ist vor allem die sogenannte Erstinfektion, bei der die werdende Mutter noch keine Antikörper gegen Toxoplasmose gebildet hat. Deshalb kann sie die Erreger leicht an das ungeborene Kind weitergeben. Das Risiko der Übertragung steigt mit der Dauer der Schwangerschaft. In den ersten drei Monaten infiziert sich etwa jedes siebte Ungeborene, in den letzten drei Monaten mehr als jedes zweite. Ob die werdende Mutter bereits vor der Schwangerschaft eine Infektion durchgemacht hat und eine Immunität besteht, lässt sich mit einem Bluttest feststellen, der nach Toxoplasmose-Antikörpern fahndet.

Am besten können Schwangere dem Risiko einer Ansteckung aus dem Weg gehen, indem sie den Kontakt mit Katzen und deren Ausscheidungen meiden. Wer eine Katze als Haustier hat, sollte sie nicht mit rohem Fleisch füttern. Streicheln ist erlaubt, Schwangere sollten aber darauf achten, dass sie die Hände danach nicht zum Mund führen, sondern vorher waschen. Das Reinigen des Katzenklos sollten Schwangere Anderen überlassen (empfohlen wird tägliches Reinigen mit heißem Wasser). Achtung: Eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht auch bei der Gartenarbeit und auf Kinderspielplätzen, beispielsweise in Sandkästen.

Um sicherzugehen, dass frisches Fleisch oder Fleischprodukte frei von Toxoplasmose-Erregern sind, sollte man sie bei minus 21 Grad einfrieren oder für 20 Minuten auf mindestens 50 Grad (Kerntemperatur) erhitzen. Nach dem Berühren von rohem Fleisch und ungewaschenem Gemüse und Früchten sollten Sie die Hände mit Seife waschen.

Zwischen Ansteckung und dem Ausbruch einer Toxoplasmose liegen meist zwei bis drei Wochen. Die Symptome hängen vom Zeitpunkt der Erstinfektion und der Abwehrkraft der Betroffenen ab.

Kinder oder Erwachsene mit einem gesunden Immunsystem spüren die Infektion meist nicht. Bei etwa acht bis neun von 10 Betroffenen bleiben jegliche Symptome aus. Ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt grippeähnliche Symptome mit Fieber und einer Entzündung und Schwellung der Lymphknoten – vor allem im Kopf- und Halsbereich. Sehr selten kann eine Entzündung der Netzhaut des Auges oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) auftreten.

  • Bei Menschen mit einem geschwächten oder durch Medikamente unterdrückten Immunsystem kann eine im Körper schlummernde Infektion plötzlich aktiv werden. Unter anderem kann eine Infektion des Lungengewebes (interstitielle Pneumonie) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) entstehen. Besonders gefährdet sind Patienten nach einer Transplantation oder mit einer HIV-Infektion.
  • Beim ungeborenen Kind sind die möglichen Auswirkungen umso gravierender, je früher das Kind über den mütterlichen Blutkreislauf mit den Erregern in Kontakt kommt. Die Infektion kann beim Fötus zu einer Fehlgeburt führen, schwere Schäden an den Augen oder einen Wasserkopf (Hydrocephalus) mit Gehirnschädigung verursachen.         

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit Toxoplasma gondii, kann eine Blutprobe wichtige Informationen liefern. Gab es bereits früher einen Kontakt mit dem Erreger, so lassen sich im Blut Antikörper nachweisen. Gesucht wird hierbei nach den Antikörpern (Immunglobulinen) IgG und IgM. Eine sogenannte PCR (Polymerase-Kettenreaktion) bringt ans Licht, ob Keime im Körper zirkulieren. Hat sich eine Schwangere mit Toxoplasmose-Erregern angesteckt, sollte das Fruchtwasser untersucht werden. Es zeigt, ob sich das Ungeborene bereits angesteckt hat. Im Zweifelsfall können die Ärztin oder der Arzt auch Nabelschnurblut des Fötus für die Suche nach Toxoplasma gondii verwenden. Manche durch Toxoplasmose ausgelöste Organveränderungen lassen sich beim ungeborenen Kind schon im Ultraschall darstellen. Eine Toxoplasmose-Infektion des Kindes während der Schwangerschaft (oder zum Zeitpunkt der Geburt) ist nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Eine Toxoplasmose-Infektion wird mit Antibiotika behandelt. Diese wirken besonders gut gegen Tachyzoiten - die frühe Entwicklungsstufe von Toxoplasma gondii. In dieser Phase teilen sich die Zellen schnell und sind daher besonders empfindlich gegen Medikamente. Am effektivsten sind die Substanzen Spiramycin, Pyrimethamin, Sulfadiazin und Clindamycin. Behandelt werden müssen Schwangere, Neugeborene und Patienten mit schwachem oder künstlich unterdrücktem Immunsystem.

Zwar gibt es noch keine sicheren Belege dafür, dass Antibiotika bei infizierten Schwangeren das Risiko der Übertragung auf den Fötus verringern, trotzdem sollte die Behandlung durchgeführt werden. Infektionsmediziner empfehlen, Schwangere bis zur 16. Woche mit Spiramycin zu behandeln, danach mit einer Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folsäure. Letzteres soll Knochenmarkschäden beim Ungeborenen vorbeugen.

Bei Menschen mit Immunschwäche kann Toxoplasma gondii eine Gehirnentzündung auslösen. Diese kann zu Wesensveränderungen, Lähmungen und einer erhöhten Neigung zu Krampfanfällen führen. Die Beeinträchtigungen können auch über die Infektionskrankheit hinaus bestehen bleiben.

Kinder, die sich während der Schwangerschaft bei ihrer Mutter mit Toxoplasmose angesteckt haben, können blind und/ oder taub zur Welt kommen - je nach Zeitpunkt und Schwere der Erkrankung. Sie können außerdem unter schweren Störungen der Gehirnentwicklung leiden und sich geistig und motorisch langsamer entwickeln. Eine Entzündung der Netzhaut des Auges kann auch erst nach Monaten oder Jahren zur Blindheit führen.

Bei Kindern und Erwachsenen mit einem gesunden Immunsystem heilt eine Toxoplasmose in der Regel ohne Folgen ab.

Das Risiko für eine Infektion und der Krankheitsverlauf unterscheiden sich bei beiden Geschlechtern nicht. Bei Frauen im gebärfähigen Alter bedeutet eine Infektion mit dem Toxoplasmoseerreger jedoch ein besonderes Risiko, weil sie den Erreger im Fall einer Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen können.
Ungeborene Kinder und Neugeborene sind für eine Infektion mit Toxoplasmose besonders anfällig, weil ihr Immunsystem noch keinen Schutz gegen den Erreger aufbauen kann. Ab dem Kindesalter ist das Immunsystem in der Lage, Antikörper gegen Toxoplasma gondii zu bilden. Die meisten Infektionen bleiben daher bei Kindern wie Erwachsenen ohne sichtbare oder spürbare Symptome.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Olaf Dathe, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Dr. med. Andrea Reiter

Literatur

Weiterführende Informationen

  • Robert Koch-Institut: Toxoplasmose bei Mutter und Kind – Erkennung, Behandlung und Verhütung. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 1999
  • Dr. med. Brigitte Holzgreve: 300 Fragen zur Schwangerschaft. Der große GU Kompass, GU-Verlag 
  • Birgit Mehlhorn: Gesunde Katzen - Schmusen ohne Gefahr, Springer Verlag
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de - Stichwort "Toxoplasmose"

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Webcode dieser Seite: s000569 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 09.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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