Tetanus (Wundstarrkrampf)

Durch effektive Impfungen und veränderte Lebensbedingungen ist Tetanus bei uns zu einem sehr seltenen Ereignis geworden. Die Vorbeugung sollte dennoch nicht vernachlässigt werden.

Tetanus, auf deutsch Wundstarrkrampf (von einer Wunde ausgehender Starrkrampf), ist eine mit schweren Muskelkrämpfen einhergehende oft tödliche Infektionskrankheit. Erreger ist Clostridium tetani, ein sporenbildendes Stäbchenbakterium. Meist gelingt es diesem Keim, über eine Wunde in den Körper einzudringen, sich zu vermehren und unter anderem das Gift Tetanospasmin zu produzieren. Dieses Gift wandert über die Nervenbahnen mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Millimetern pro Stunde in Richtung Rückenmark und Gehirn. Dabei wird das Nervengewebe geschädigt, so dass es zu schwersten Muskelkrämpfen kommt. Zunächst ist die Kiefer-, Zungen- und Nackenmuskulatur betroffen, dann greift es über auf die Rücken- und Bauchmuskulatur.

In Deutschland sehr selten

Aufgrund hier weit verbreiteter Tetanusschutzimpfungen und auch infolge veränderter Lebensbedingungen ist Wundstarrkrampf in Deutschland und anderen Industrienationen mittlerweile sehr selten geworden. In den letzten Jahren wurden hierzulande jährlich weniger als 15 Erkrankungen und weniger als fünf Todesfälle verzeichnet. Eine bundesweite Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz besteht nicht. Einige Bundesländer wollen aber eine Meldepflicht einführen oder haben dies bereits getan. In feuchtwarmen Ländern mit schlechtem Impfstatus und niedrigem medizinischem Versorgungsgrad ist Tetanus viel weiter verbreitet. Im Jahr 2006 starben weltweit schätzungsweise 290.000 Menschen an Wundstarrkrampf, darunter vor allem Neugeborene und Säuglinge, die sich meist über den Nabel mit dem Keim infizierten (neonataler Tetanus).

Der Tetanuserreger Clostridium tetani ist weit verbreitet. Er beziehungsweise seine äußerst widerstandsfähigen Sporen finden sich im Erdreich und auch in den Exkrementen von Säugetieren wie insbesondere Pferden. Bereits Bagatellverletzungen wie verschmutzte kleinste Wunden während der Gartenarbeit können für eine folgenschwere Infektion ausreichen. Für seine Entwicklung und Vermehrung im Wundbezirk ist der Keim aber auf eine sauerstoffreie oder sauerstoffarme Umgebung angewiesen, weshalb er in tiefen, zerklüfteten Wunden am besten gedeiht.

Beim Neugeborenen-Tetanus erfolgt die Infektion meist über den Nabel durch keimbelasteten Schmutz. Dabei kommt auch zum Tragen, dass in vielen Ländern zur Nabelpflege von Neugeborenen traditionelle Zubereitungen eingesetzt werden, die unsterile Erd- oder auch Fäkalienbestandteile enthalten.
Neben Impfungen dürfte insbesondere die abnehmende Zahl von Menschen, die im und mit Erdreich hantieren, zu den bei uns inzwischen sehr niedrigen Infektionsraten beigetragen haben. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Nachdem sich der Keim in einer Wunde ansiedeln konnte, vergehen in der Regel drei Tage bis drei Wochen, bis die ersten Symptome auftreten. In seltenen Fällen ist diese Inkubationszeit verkürzt oder bis zu mehreren Monaten verlängert. Eine verkürzte Inkubationszeit bedeutet eine höhere Toxinmenge im Körper. Umso schlimmer droht dann die Erkrankung zu verlaufen.

Die ersten Symptome sind unspezifisch wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit und manchmal leichtes Fieber. Eine zunehmende krampfartige Erhöhung der Muskelspannung erfasst zumeist zunächst die Kiefer und Zungenmuskulatur, um sich im weiteren Verlauf schmerzhaft über fast den gesamten Körper auszubreiten. Die Kranken zeigen teils starre teils zappelnde Muskelkrämpfe, verzerren unwillkürlich das Gesicht, fletschen die Zähne oder demonstrieren ein "eingefrorenes Lächeln". Typisch ist auch ein überstreckter Rumpf bei rückwärts gebeugtem Kopf. Arme und Beine bleiben von diesen Muskelentgleisungen oft weitgehend ausgespart. Sind Atem- und Kehlkopfmuskulatur beteiligt, kommt es zu lebens-gefährlichen Atem- und Schluckstörungen. Das Bewusstsein bleibt erhalten.

Erkranken Menschen mit Teilimmunität – etwa bei zulange zurück liegender Impfung – dennoch an Wund-starrkrampf, beschränken sich die Krämpfe oft auf Muskeln in der Nähe der Eintrittspforte. Diese so genannte "lokale Tetanuserkrankung" ist in der Regel durch einen milden Verlauf gekennzeichnet.
Ein Neugeborenen-Tetanus (neonataler Tetanus) tritt meist in den ersten beiden Lebenswochen auf Die betroffenen Kinder wirken steif und entwickeln eine Trinkschwäche und Krämpfe.

Auch wenn die Krankheit bei uns inzwischen so selten ist, dass die meisten Ärzte nie einen Fall in der eigenen Praxis erleben werden, ist die Symptomatik so eindeutig, dass allein damit die richtige Diagnose gestellt wird. Zur Absicherung kann ein Nachweis von Giften des Wundstarrkrampf-Erregers aus Blut oder Wundmaterial erfolgen. Tetanus ist bei Menschen ohne oder mit unvollständigem Impfschutz wahrscheinlicher als bei regelrecht geimpften, weshalb der Impfstatus bei der Diagnosefindung immer mitberücksichtigt wird.

Ist ein Wundstarrkrampf ausgebrochen, gibt es nur noch schadensbegrenzende Behandlungsmöglichkeiten. Um das noch ungebundene krampfauslösende, nervenschädigende Gift des Wundstarrkrampf-Erregers unschädlich zu machen, werden den Patienten sozusagen als neutralisierendes Gegengift Tetanusgift-spezifische Antikörper (Tetanus-Immunglobuline) gespritzt. Zusätzlich wird durch Antibiotikagaben und chirurgische Wundausräumung versucht, den Wundstarrkrampferreger aus dem Organismus zu entfernen und so den Giftnachschub zu unterbinden. Bereits an Nervenstrukturen gebundenes Bakteriengift wird durch all diese Maßnahmen nicht erreicht, weshalb sich die Symptomatik noch für mehrere Tage bis Wochen unvermindert fortsetzt. Dagegen kann den Patienten nur symptomatisch mit muskelkrampflösenden Medikamenten, Schmerz- und Beruhigungsmitteln geholfen werden. Um die Zeit bis zur spontanen Heilung zu überbrücken, ist oft eine intensivmedizinische Betreuung notwendig. Ist etwa durch die Muskelkrämpfe die Atmung massiv behindert, kann eine vorübergehende künstliche Beatmung einschließlich Luft-röhrenschnitt erforderlich werden. Da visuelle, akustische und sensorische Reize Muskelkrämpfe auslösen und verstärken können, ist auf eine reizarme Umgebung (ruhiges, abgedunkeltes Zimmer) zu achten.

Vorbeugen besser als heilen

Tetanus ist ein Paradebeispiel für die Aussage, wonach vorbeugen besser als heilen ist. Auch wenn manche Impfkritiker immer wieder das Gegenteil behaupten, gilt die Tetanus-Schutzimpfung in Expertenkreisen als zuverlässig und sicher. Die aktive Immunisierung richtet sich hier nicht gegen den Erreger, sondern gegen sein krampfinduzierendes Gift Tetanospasmin. Die Grundimmunisierung kann in jedem Alter erfolgen. Um mit möglichst wenig Injektionen so früh als möglich breit geschützt zu sein, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO), die Grundimmunisierung gegen Tetanus nach dem voll-endeten zweiten Lebensmonat mit einem Kombinationsimpfstoff zu starten, der vor bis zu fünf weiteren Infektionskrankheiten schützt (nämlich Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B). Die zweite Grundimmunisierungsimpfung ist dann nach dem vollendeten dritten Lebensmonat vorgesehen, die dritte nach dem vollendeten vierten Lebensmonat und die vierte im elften bis 14. Lebensmonat. Jeweils eine Auffrischungsimpfung wird im sechsten Lebensjahr sowie zwischen dem 10. und 18. Lebensjahr empfohlen. Wenn jemand den Termin einer solchen Auffrischung verabsäumt, genügt in der Regel eine einmalige Auffrischungsimpfung, um wieder vollständig vor Tetanus geschützt zu sein. Liegt die letzte Tetanus-Impfung allerdings extrem lang zurück (etwa 40 Jahre oder mehr), können eventuell zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten sinnvoll sein. Bei Bedarf kann der aktuelle Schutzstatus eines Menschen über eine Messung der Antikörperkonzentration gegen Tetanusgift bestimmt werden. Bei völlig unklarem Impfstatus sollte wie bei einem ungeimpften Menschen verfahren werden, also die Grundimmunisierung durchgeführt werden. Um solche Zweifel auszuschließen und unnötige Impfungen zu vermeiden, ist es wichtig, alle Impfungen gewissenhaft in einem Impfpass zu dokumentieren.

Neugeborene regelrecht gegen Tetanus geimpfter Mütter haben einen Nestschutz gegen Tetanus, der sie mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Neugeborenen-Tetanus bewahrt.

Immunprophylaxe nach Verletzung

Bei nicht, unzureichend oder fraglich geimpften Menschen kann im Falle einer Verletzung versucht werden, die aktive Schutzimpfung schnellstmöglich nachzuholen. Bei besonders riskant anmutenden Verletzungen wie tiefen, verschmutzten Wunden, Biss-, Stich- oder Schussverletzungen werden oft zusätzlich neutralisierende Immunglobuline gegen das Wundstarrkrampf verursachende Bakteriengift im Sinne einer vorbeugenden passiven Immunisierung injiziert. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen und ein gewissenhaft geführter Impfpass ersparen im Verletzungsfall Sorgen beziehungsweise unnötige Impfungen.

Auch unter modernster intensivmedizinischer Betreuung überleben ein bis zwei von zehn Betroffenen die Erkrankung nicht. Häufigste Todesursache sind Atem- und Herzversagen. Durch heftigste Muskelkrämpfe kann es zu Knochenbrüchen und anderen Verletzungen des Bewegungsapparates kommen. Eine behinderte Atmung begünstigt Lungenentzündungen.
Bei schlechtem hygienischen Standard können sich ungeimpfte Frauen während und kurz nach der Geburt über den Geburtskanal oder bei der Durchtrennung der Nabelschnur mit dem Tetanuserreger infizieren. Laut UNICEF sterben weltweit jährlich über 30.000 Frauen an den Folgen einer während der Geburt erlittenen Tetanus-Infektion. Hauptsächlich betroffene Regionen finden sich in Afrika, im mittleren Osten und in Südostasien.
In Entwicklungsländern sind vor allem Neugeborene über Nabelinfektionen tetanusgefährdet. In Industrienationen sind ältere Menschen überproportional betroffen. Dies zum einen, weil gerade Ältere öfter Impflücken aufweisen als Jüngere. Zum anderen nehmen im Alter schwere Durchblutungsstörungen zu. Bei Verletzungen eingebrachte Erreger finden deshalb eher ein für ihre Vermehrung günstiges sauerstoffarmes Milieu vor.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

 

Webcode dieser Seite: s000567 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 17.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 29.10.2018
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