Schlaganfall

Rufen Sie bei Verdacht auf Schlaganfall sofort einen Notarzt. Jede Sekunde zählt. Je früher der Patient in einer Spezialeinrichtung behandelt wird, desto größer ist seine Überlebenschance.

Ein Schlaganfall (Apoplex) entsteht durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns (Hirninsult, Hirnschlag, ischämischer Schlaganfall) oder – seltener – durch den Austritt von Blut in das Gehirngewebe (Hirnblutung, hämorrhagischer Schlaganfall). Ein Schlaganfall ist ein akuter Notfall. Je schneller die Patientin oder der Patient in einer Spezialeinrichtung (Stroke Unit) behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen und desto geringer ist die Gefahr für bleibende Schäden. Rufen Sie bei einem Verdacht auf Schlaganfall sofort den Notruf 112; er gilt europaweit.

Fast 270.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. Ungefähr sechs von zehn Betroffenen überleben das erste Jahr nach dem Schlaganfall. Rund die Hälfte der Überlebenden bleibt jedoch dauerhaft behindert. Nach Herz- und Krebserkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Hauptursache für den Hirninsult sind in der Regel verstopfte Blutgefäße. Sie entstehen entweder durch Arteriosklerose, wenn sich also Fett oder Kalk in den Arterien ablagern, oder durch ein Blutgerinnsel. Eine Hirnblutung ist meist Folge eines stark erhöhten Blutdrucks, seltener Folge einer Gefäßmissbildung. (Aneurysma). In sehr seltenen Fällen liegt eine genetische Ursache vor.

Zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall zählen: hoher Blutdruck, hoher LDL-Cholesterinspiegel, Diabetes, Übergewicht, Rauchen (auch Passiv-Rauchen), übermäßiger Alkoholkonsum, Einnahme der Pille, Hormonersatztherapie, Schlaganfall bei einem Verwandten ersten Grades sowie Erkrankungen des Herzens, etwa Vorhofflimmern.

Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, einer Ernährung mit viel Gemüse und Vollkorn sowie – falls erforderlich – eine medikamentöse Einstellung des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels senken das Risiko für einen ersten und einen erneuten Schlaganfall. Experten schätzen, dass sich viele Schlaganfälle durch Meiden der genannten Risikofaktoren verhindern ließen.

Typische Anzeichen für einen Schlaganfall sind ein plötzlicher Schwächeanfall, Schwindel sowie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungsgefühle in Arm oder Bein – meist nur auf einer Körperseite. Charakteristisch ist etwa ein einseitig herunter hängender Mundwinkel. Manche Betroffene sehen doppelt oder erkennen Dinge nicht mehr, die rechts oder links im Gesichtsfeld liegen. Einige haben Schwierigkeiten mit der Aussprache, die Sätze klingen nuschelig oder abgehackt. Plötzliche starke Kopfschmerzen, eventuell verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, können ebenfalls Hinweis auf einen Schlaganfall sein. Unter Umständen verschwinden diese Symptome nach kurzer Zeit wieder. Dies ist trotzdem kein Anlass zur  Entwarnung. Auch diese Vorboten eines Schlaganfalls, TIA (transitorische ischämische Attacke) genannt, gelten als Notfall und sollten sofort abgeklärt werden. Nach einer TIA kommt es häufig innerhalb weniger Monate zu einem "echten" Schlaganfall. 

Zuerst stabilisiert der Arzt Atmung und Kreislauf des Betroffenen. Dann nimmt er Blut ab zur Messung der Basislaborwerte. Er prüft die Reflexe, Orientierungs- und Koordinationsfähigkeit des Patienten und analysiert mögliche Sprach- und Sehstörungen. Durch Befragen des Patienten oder eines Angehörigen/Bekannten informiert sich der Arzt über mögliche Vorerkrankungen, Risikofaktoren und eingenommene Medikamente. Zur Unterscheidung zwischen Hirninfarkt und Hirnblutung wird sofort eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Zudem können etwa Ultraschalluntersuchungen und Gefäßröntgen (Angiografie) sinnvoll sein.

Therapieziel ist, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wieder herzustellen. Dazu dient im Falle einer Gefäßverstopfung (ischämischer Schlaganfall) die so genannte systemische Thrombolyse. Dazu wird ein Medikament gespritzt (rt-PA, auch Alteplase genannt), das die Gefäßverstopfung auflöst. Die Maßnahme sollte am besten innerhalb von viereinhalb Stunden nach dem Beginn der Symptome erfolgen. Grundsätzlich gilt: Je weniger Zeit verstrichen ist, desto aussichtsreicher die Therapie.

Im Gegensatz zu einer systemischen Lyse wird bei der lokalen Lyse das Medikament über einen Katheter direkt zum Blutgerinnsel in der Arterie gebracht. Dies ist unter bestimmten Vorrausetzungen bis sechs Stunden nach Symptombeginn möglich.

Bei einem Schlaganfall durch Einbluten (hämorrhagischer Schlaganfall) muss das ausgetretene Blut entfernt und das gerissene Gefäß verschlossen werden. Kommt es in der Folge des Schlaganfalls zu einem Anschwellen des Gehirns, entnimmt der Chirurg einen Teil des Schädelknochens, um die Gefahr einer Gehirnquetschung zu senken. Das Knochenstück wird später wieder eingefügt.

Zu den häufigen Langzeitfolgen gehören Lähmungen, Körperempfindungsstörungen, Sprach- und Sehprobleme, Vergesslichkeit, Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsstörungen und Depressionen. Durch Rehabilitationsmaßnahmen können diese Folgen deutlich gemindert werden. Ein spezielles Training von Muskeln und Gehirn hilft dabei, beeinträchtigte Funktionen teilweise oder ganz wiederherzustellen. Neue Studien zeigen, dass unser Gehirn erstaunlich flexibel ist und lernen kann, auch schwere Ausfälle zu kompensieren.

40 von 100 der Menschen, die von einem ischämischen Schlaganfall betroffen waren, erleben in den folgenden zehn Jahren einen weiteren, meist in den ersten sechs Monaten nach dem Erstereignis. Mit geeigneten Maßnahmen lässt sich das Rückfallrisiko deutlich senken. Dazu zählt die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) zur Gerinnungshemmung.

Bei Menschen, deren Schlaganfallrisiko etwa aufgrund einer verengten Halsschlagader erhöht ist, kann eine Operation (Ausschälung der Kalkablagerungen in der Schlagader) oder das Einbringen einer Gefäß-stütze per Katheter das Risiko senken.

Die wichtigste Vorbeugung für einen erneuten Schlaganfall ist: Bewegung, gesunde Ernährung, Einstellen von Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinspiegel, wenn nötig Gewichtsreduktion, Rauchstopp sowie die regelmäßige Vorsorge beim Arzt.

Männer haben ein höheres Risiko für Schlaganfall. Absolut gesehen erleiden aber mehr Frauen einen Schlag – wegen der höheren Lebenserwartung. Ihre Überlebenschancen sind zudem geringer, weil sie zum Zeitpunkt der Erkrankung meist älter und damit weniger regenerationsfähig sind als Männer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schlaganfall-Symptome bei Frauen oft weniger eindeutig sind als bei Männern. Das erschwert eine schnelle Diagnose und damit auch eine rechtzeitige Therapie eventuell.

In Schwangerschaft und Wochenbett ist das Schlaganfall-Risiko leicht erhöht, weil das Blut in dieser Zeit leichter gerinnt: Das begünstigt die Bildung von Gerinnseln und diese können Hirngefäße verstopfen.

Das Schlaganfall-Risiko steigt mit dem Alter an. So sind etwa die Hälfte aller Patienten über 75 Jahre. Ein Schlaganfall kann aber auch schon bei jüngeren Menschen und sogar bei Kindern auftreten. Experten schätzen, dass ungefähr 15 von 100 Schlaganfall-Patienten jünger als 45 Jahre sind. Die Ursachen für Schlaganfälle bei jungen Menschen sind meist Blutgerinnsel aus dem Herzen (etwa bei Vorhofflimmern) sowie seltene Ursachen. Dazu gehört das Einreißen von Hirngefäßen (Dissektion). Die Folgen der Erkrankung unterscheiden sich nicht zwischen Jung und Alt, jedoch sind jüngere Patienten oftmals besser in der Lage, beeinträchtigte Funktionen wie Gehen oder Sprechen neu zu lernen.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Prof. Dr. med. Martin Middeke, Facharzt für Innere Medizin

Literatur

Weiterführende Informationen

 

Webcode dieser Seite: s000565 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 24.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 29.10.2018
Nach oben