Scharlach

Scharlach ist eine ansteckende Infektionskrankheit mit plötzlichem Beginn, meist hohem Fieber, einer schmerzhaften Rachen- und Mandelinfektion, sogenannter Himbeerzunge und feinfleckigem Hautausschlag. Die Krankheit wird von Bakterien hervorgerufen und tritt hauptsächlich bei Kindern auf.

Scharlach gehört zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten in Deutschland und tritt vermehrt während der Wintermonate auf. Scharlach wird durch Bakterien verursacht, den so genannten ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Diese Infektion kann in jedem Alter auftreten, ist jedoch am häufigsten bei Sechs- bis Zwölfjährigen, weshalb Scharlach als klassische Kinderkrankheit gilt. Besonders hoch ist die Gefahr einer Ansteckung beim Zusammenleben auf engem Raum, so zum Beispiel in Gemeinschaftseinrichtungen wie etwa Kindergärten oder Schulen.

Übertragen werden die Bakterien meist durch Tröpfcheninfektion und bei Hautinfektionen durch Kontakt. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der durch Streptokokken verursachten akuten Halsentzündungen in Deutschland bei einer bis anderthalb Millionen pro Jahr.

Den heute verfügbaren Antibiotika ist es zu verdanken, dass Folgekrankheiten des Scharlachs wie z.B.rheumatisches Fieber selten geworden sind. Wird der Scharlach früh und ausreichend lange mit Antibiotika behandelt, heilt die Erkrankung im Allgemeinen ohne Komplikationen aus.

Scharlach ist gekennzeichnet durch eine Rötung (Enanthem) im Rachen, eine Rachen- und Mandelinfektion (Tonsillopharyngitis), eine gerötete Zunge mit hervorstehenden Geschmacksknospen (sogenannte Himbeerzunge) und feinfleckigen Hautausschlag (Exanthem). Die Racheninfektion beginnt plötzlich mit meist hohem Fieber, gestörtem Allgemeinbefinden, Schluckbeschwerden und teilweise Erbrechen.

Scharlach wird durch eine Infektion mit Gruppe A-Streptokokken – auch Streptococcus pyogenes genannt – verursacht. Es existieren bei den A-Streptokokken verschiedene Untergruppen, die M-Proteine genannt werden, wovon mehr als 80 Typen bekannt sind. Der Scharlacherreger besiedelt vor allem die Schleimhäute im Nasen- und Rachenraum und ist auch für eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen verantwortlich, siehe unten Abschnitt Folgeerkrankungen.

Streptokokken der Gruppe A sind in der Lage, giftige Substanzen, sogenannte pyrogene Exotoxine, zu produzieren. Diese lösen den typischen Hautausschlag (Scharlachexanthem) aus. Manche Menschen sind auch nur Keimträger der Streptokokken, aber erkranken nicht an Scharlach. So lässt sich insbesondere in den Wintermonaten bei bis zu einem Fünftel der Bevölkerung eine Besiedlung des Nasen-Rachen-Raums nachweisen, ohne dass entsprechende Symptome vorhanden sind.

Übertragen werden die Erreger in den meisten Fällen durch Tröpfcheninfektion, also durch winzige bakterienhaltige Sekrettröpfchen, die während des Sprechens, Hustens oder Niesens an die Luft abgegeben und von anderen eingeatmet werden. Durch einen direkten Kontakt mit Wunden (Schmierinfektion) kann Wundscharlach entstehen.

Bei Scharlach dauert es etwa ein bis drei Tage, bis nach der Infektion die ersten Beschwerden auftreten. Während dieser sogenannten Inkubationszeit besteht allerdings bereits Ansteckungsgefahr. Eine einmal durchgemachte Erkrankung hinterlässt keinen lebenslangen Schutz gegen die Erkrankung, da viele verschiedene Untergruppen von Streptokokken als Auslöser infrage kommen. Eine Immunität kann immer nur für die überstandene Untergruppe erworben werden.

Ein bis drei Tage nach der Infektion kommt es plötzlich zu einem deutlich gestörten Allgemeinbefinden mit Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen und meist hohem Fieber, das auf über 39, gelegentlich auch mehr als 40 Grad Celsius ansteigen kann. Die Betroffenen fühlen sich sehr krank und können zusätzlich unter Übelkeit und Erbrechen leiden.

Charakteristisch, jedoch nicht spezifisch, sind Veränderungen an Haut- und Schleimhaut sowie an den Mandeln (Tonsillen), die vergrößert und gerötet sind und oft weißliche bis gelbliche Beläge aufweisen. Der Rachen (Pharynx) ist hochrot und entzündet. Sowohl die entzündeten Mandeln als auch der Rachen verursachen die schmerzhaften Schluckbeschwerden. Die Lymphknoten am Hals und im Kieferwinkel schwellen an und können schmerzen. Die Zunge ist weiß belegt und rötet sich ab dem dritten oder vierten Krankheitstag himbeerfarben unter Schwellung der Geschmacksknospen (Papillen). Man spricht dann auch von einer für den Scharlach so typischen "Himbeerzunge".

Ebenfalls charakteristisch für Scharlach ist der nicht juckende Hautausschlag (Exanthem), der sich zwischen dem ersten und zweiten Krankheitstag in Form von leicht erhabener, rauer Haut mit roten Flecken zeigt und weggedrückt werden kann. Der Ausschlag ist typisch für diese Form der Streptokokkeninfektion, kann aber auch ausbleiben! Ausgehend vom Gesicht, das Munddreieck jedoch aussparend, breitet er sich innerhalb von 24 Stunden über den Hals- und Brustbereich über den gesamten Körper aus, wobei er in den Achseln und der Leistengegend besonders ausgeprägt ist. Nach zwei Tagen beginnt dieser Hautausschlag zu verblassen. Eine Woche später beginnt sich die Haut zu schuppen, insbesondere an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Wie oben bereits erwähnt sind dafür die von den Streptokokken der Gruppe A gebildeten pyrogenen Toxine verantwortlich. Bei einer erneuten Scharlach-Infektion kann der Ausschlag allerdings ausbleiben.

Wegen der möglichen Folgeerkrankungen nach Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A sollte bei Anzeichen für Scharlach immer ein Arzt aufgesucht werden. In den meisten Fällen ergibt sich die Diagnose schon aus den typischen Beschwerden mit den charakteristischen Veränderungen im Rachen, der Schwellung der Halslymphknoten sowie dem Hautausschlag und der scharlachroten Zunge.

Um die Diagnose zu sichern, führt man an den entzündeten Mandeln einen sogenannten Rachenabstrich durch. Ein Schnelltest kann bei positivem Testergebnis nach wenigen Minuten ein sicheres Ergebnis liefern. Selbst wenn die typischen Symptome des Scharlachs fehlen, ist es damit möglich, sicher eine Diagnose zu stellen. Bei negativem oder nicht eindeutigem Testergebnis sollte allerdings zur Absicherung eine Bakterienkultur des Rachenabstrichs angelegt und im Labor untersucht werden.

Scharlach wird mit einem Antibiotikum behandelt, um die akute Infektion zu bekämpfen und das Risiko von Ansteckung und Komplikationen zu verringern. Die 10-tägige Behandlung mit Penicillin V gilt immer noch als Therapie der Wahl. Kinder erhalten den Wirkstoff meist in Form eines schmackhaften Safts. Bei einer Penicillinallergie kommen alternativ Cephalosporine, Makrolide und Clindamycin in Frage.

Obwohl die Beschwerden nach Beginn der antibiotischen Therapie in der Regel rasch abklingen, ist es wichtig, die vom Arzt verordnete Therapiedauer einzuhalten, da sonst Rückfälle und Komplikationen drohen. Schon 24 Stunden nach der ersten Einnahme des Antibiotikums ist der Scharlach nicht mehr ansteckend. Geht es dem Patienten oder der Patientin wieder gut, kann auch wieder eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindergarten oder Schule besucht werden. Ohne die antibiotische Therapie besteht dagegen noch bis zu drei Wochen nach den ersten Krankheitszeichen Ansteckungsgefahr.  Eine Impfung, die vor Scharlach schützt, gibt es nicht.

Unterstützende Maßnahmen

Solange Fieber und Krankheitsgefühl anhalten und der Allgemeinzustand beeinträchtigt ist, ist auf jeden Fall Bettruhe angesagt. Anhaltend hohes Fieber ab etwa 39 Grad Celsius lässt sich zusätzlich mit kühlenden Wadenwickeln oder fiebersenkenden Medikamenten, beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol, behandeln. Gegen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden helfen antiseptische Gurgellösungen, Kaltgetränke und Speiseeis.

Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen.

Bleibt die Scharlach-Erkrankung unbehandelt, kann das weitreichende Folgen haben. In seltenen Fällen können Streptokokken der Gruppe A andere Organe infizieren, z.B. Nebenhöhlen, Mittelohr und Lymphknoten. Außerdem können sie zu Haut- und Weichteilinfektionen bzw. Abszessen führen.

Zu gefürchteten Folgekrankheiten zählen das rheumatische Fieber sowie eine Entzündung des Nierengewebes (akute Glomerulonephritis). Das rheumatische Fieber ist eine Autoimmunreaktion, die etwa zwei bis fünf Wochen nach einer Erkrankung durch Streptokokken der Gruppe A auftritt. Etwa einer von 5.000 Infizierten ist davon betroffen. Es kann dabei zu Entzündungen der Gelenke, des Herzens und der Herzklappen, Bewegungsstörungen, Rheumaknötchen (erbsengroße, schmerzlose Knötchen unter der Haut) und blassrosa Hautrötungen (Erythema marginatum) kommen. Patienten mit rheumatischem Fieber müssen sofort antibiotisch behandelt werden und teilweise Monate oder auch Jahre nach der auslösenden Infektion Antibiotika einnehmen.

Wirklich äußerst selten, aber besonders gefährlich ist das durch Streptokokken der Gruppe A verursachte Toxin-Schock-Syndrom. Es ist durch Schock, Organversagen, Fieber und Ausschlag mit Schuppung charakterisiert. Risikofaktoren sind hierfür insbesondere das Vorliegen anderer (Grund-) Erkrankungen (beispielsweise Diabetes, Windpocken) oder auch die Einnahme von Medikamenten (zum Beispiel Steroide).

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Tim Bodeewes, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologe; Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin 

Literatur

  • Schnekenburger, Deutsch: Pädiatrie und Kinderchirurgie: Für Pflegeberufe. Thieme Verlag KG, 2009
  • Lentze, Schaub, Schulte: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 4. Auflage 2014
  • Speer, Gahr: Pädiatrie. Gabler Wissenschaftsverlage, 3. Auflage 2009
  • DGPI Handbuch, 6. Auflage 2013
  • Nelson Textbook of Pediatrics, 20th Edition 2015
  • RKI – Ratgeber für Ärzte, Stand: 12.03.2009  (Abruf: 26.06.2015)

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000561 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 26.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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