Röteln

Die Röteln-Erkrankung ist eine Infektionskrankheit, die durch das Röteln-Virus ausgelöst wird. Normalerweise verläuft sie bei dem Erkrankten ohne Komplikationen und größere Beschwerden.

Bei Röteln handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die von Viren verursacht wird. Charakteristisch ist ein rötlich-fleckiger Ausschlag am ganzen Körper. Häufig führt die Infektion nur zu einer sehr abgeschwächten Form der Krankheit, bei denen sich gar keine Symptome zeigen. Eine einmalige Röteln-Erkrankung führt in der Regel zu lebenslanger Immunität gegenüber einer erneuten Infektion.

Eine Röteln-Infektion während der Schwangerschaft kann beim ungeborenen Kind schwere Fehlbildungen verursachen.

Röteln-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt die Röteln-Impfung für alle Kinder, Frauen im gebärfähigen Alter sowie Erwachsene mit unklarem Impfstatus, die beruflich mit schwangeren Frauen oder Kleinkindern Kontakt haben.

Eine Impfung kann der Röteln-Infektion am wirksamsten vorbeugen. Für Kinder steht ein kombinierter Impfstoff zur Verfügung, der auch gleichzeitig gegen Mumps und Masern (MMR) oder auch Windpocken immunisiert. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, die Grundimmunisierung gegen Röteln ab dem 11. bis 14. Lebensmonat durchzuführen. Um einen effektiven Schutz zu erreichen, sollte im zweiten Lebensjahr eine zweite Impfung durchgeführt werden.

Während der Schwangerschaft kann eine Röteln-Infektion beim Ungeborenen zu schweren Entwicklungsstörungen führen. Eine Impfung ist daher extrem wichtig für Mädchen, um diese Komplikation im späteren Leben zu verhindern. Aber auch Jungen sollten sich impfen lassen, denn das verhindert die Ausbreitung der Röteln-Viren. Falls der Immunschutz unklar ist, sollte im Zweifelsfall eine kombinierte Impfung durchgeführt werden, da auch bei mehrmaligen MMR Impfungen bisher keine unerwünschten Nebenwirkungen bekannt sind.

In Ländern, in denen die Impfung kein Standard ist, erkranken vor allem Kinder (80 bis 90 von 100 Infektionen). Insgesamt treten Röteln in Deutschland relativ selten auf, denn die meisten Menschen sind geimpft. So wurden für das Jahr 2014 deutschlandweit 151 Fälle von Röteln an das RKI gemeldet. Allerdings kommt die Infektionskrankheit in Deutschland immer noch häufiger vor als in anderen Ländern wie zum Beispiel Finnland, Schweden oder den USA.

Röteln werden durch das Röteln-Virus, auch Rubella-Virus genannt, ausgelöst. Die Übertragung erfolgt als Tröpfcheninfektion: Beim Husten, Niesen oder Sprechen können die Erreger in kleinsten Speicheltröpfchen auf noch empfängliche Personen übertragen werden. Dort setzen sie sich auf der Schleimhaut des Nasen- und Rachenraums fest. Von dort gelangen die Viren über die Blutbahnen in den gesamten Körper.

Nach der Infektion mit Röteln-Viren dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen, bis die Krankheit ausbricht (Inkubationszeit). Rund die Hälfte aller betroffenen Kinder zeigen überhaupt keine Symptome. Die Infizierten sind sieben Tage vor dem charakteristischen Hautausschlag sowie bis zu sieben Tage danach ansteckend.

Im Anfangsstadium treten leichte grippeartige Symptome wie Kopfschmerzen oder ein leichter Katarrh auf. Selten bekommen die Erkrankten auch eine Bindehautentzündung. Manchmal schwellen die Lymphknoten im Nacken und hinter den Ohren an.

Ein bis zwei Tage später zeigt sich der Ausschlag beginnend hinter den Ohren mit kleinen, hellroten Flecken. Nach und nach breitet er sich auf Gesicht, Hals, Arme, Beine und schließlich auf den ganzen Körper aus. Juckreiz besteht nur wenig oder gar nicht. Die Flecken sind hellrot und selten größer als fünf Millimeter. Manchmal kommt es auch zu einem Ausschlag am Gaumen (Enanthem).

Nach ein bis drei Tagen verschwinden die Flecken wieder. Die Temperatur ist meistens nur leicht erhöht (weniger als 38,5 Grad Celsius), richtig krank fühlen sich nur wenige Betroffene, dann meist Erwachsene.

Bei der Untersuchung fragt der Arzt nach der Krankengeschichte und den Symptomen. Der für Röteln typische Hautausschlag kann allerdings auch den Hautveränderungen anderer Krankheiten wie zum Beispiel Masern oder Scharlach ähneln. Eine sichere Diagnose kann deshalb nicht nur anhand der klinischen Symptome und des äußeren Erscheinungsbildes gestellt werden. Für eine eindeutige Bestimmung der Krankheit ist eine Blutuntersuchung notwendig. Diese ist aber nur angezeigt, wenn es bei einer ungeschützten Schwangeren zu einem Kontakt gekommen ist. Durch spezielle Labortests weist dann der Arzt bestimmte Eiweiße (Antikörper) nach, die der Körper bei dem Kontakt mit den Röteln-Viren bildet.
Es gibt keine speziellen Medikamente gegen das Röteln-Virus. Treten Fieber oder Schmerzen auf, können entsprechende fiebersenkende oder schmerzstillende Arzneimittel die Beschwerden lindern. Betroffene Kinder sollten möglichst erst acht bis zehn Tage nach dem Abklingen der Beschwerden und des Hautausschlages wieder zur Schule oder in den Kindergarten gehen. In dieser Zeit ist die Ansteckungsgefahr für andere Kinder und Erwachsene ohne Immunschutz noch hoch.
Die Röteln-Erkrankung verläuft meist komplikationslos. Spätschäden oder Todesfälle sind sehr selten. Ganz vereinzelt kann es zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen, die unmittelbar nach dem Hautausschlag auftritt. Die typischen Symptome sind starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Berührungsempfindlichkeit sowie Verhaltensauffälligkeiten. Auch andere zusätzlich auftretende Entzündungen wie zum Beispiel des Ohrs (Otitis) sowie des Herzmuskels (Myokarditits) oder des Herzbeutels (Perikarditis) können vorkommen.

Besonders bei Mädchen und Frauen kann die Röteln-Infektion zu Gelenkschwellungen oder -schmerzen (Arthritiden) führen. Sie bilden sich normalerweise ohne Therapie wieder zurück.

Infizierte sollten keinen Kontakt zu schwangeren Frauen haben, die nicht geimpft oder durch eine frühere Erkrankung immun gegen das Röteln-Virus sind. Eine Infektion der nichtimmunisierten Mutter kann das Ungeborene besonders in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten schwer schädigen (unter anderem Herzfehler, Taubheit, geistige Behinderung). Auch das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt ist erhöht, wenn sich eine nichtimmune Schwangere mit Röteln ansteckt.

Bei Erwachsenen kann eine Röteln-Erkrankung mitunter sehr schwer verlaufen. Je älter die Erkrankten sind, desto größer ist das Risiko für Komplikationen. Es kann zum Beispiel zu einer Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung, einer Bronchitis oder einer Ohrenentzündung kommen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie und Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Thieme Verlag 6. Auflage 2013
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Virale Meningoenzephalitis (Stand: 2015, verlängert bis 2017)
  • Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut; Stand: August 2014
  • Robert Koch-Institut: www.rki.de (Abruf vom 26.06.2015)
  • Sitzmann F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme-Verlag. 3. Auflage 2007
  • Harnack GA (Autor), Koletzko B (Hrsg.): Kinder- und Jugendmedizin. Springer 2012

Weiterführende Informationen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.kindergesundheit-info.de - Thema Röteln
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/roeteln
  • Kinder- und Jugendärzte im Netz: www.kinderaerzte-im-netz.de - Thema Röteln 
  • Keicher U: Kinderkrankheiten: Schnell erkennen gezielt behandeln. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2011
  • Vagedes J, Soldner G: Das Kinder-Gesundheitsbuch: Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2013
  • Renz-Polster H., Menche N. und Schäffler A.: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin – Naturheilverfahren – Selbsthilfe; Kösel-Verlag, 2013
  • BARMER Ratgeber "Impfen"

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Webcode dieser Seite: s000560 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 26.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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