Oberschenkelhalsbruch

Bei einem Oberschenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur) bricht der obere der Hüfte am nächsten gelegene Teil des Oberschenkelknochens. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, typischerweise nach einem Sturz, oft begünstigt durch verminderte Knochendichte.

Der Oberschenkelknochen (lateinisch: Femur) ist einer der stärksten Knochen im Körper. Der untere Teil des Oberschenkel-Knochens ist ein langer Schaft, der bis zum Knie reicht. Das obere Ende bildet der leicht abgewinkelte Hals mit dem Hüftkopf, einer kugeligen Struktur, die zusammen mit der Gelenkpfanne am Becken das Hüftgelenk bildet. Im Hals liegt die Schwachstelle des Oberschenkelknochens: durch seinen Winkel ist er gefährdet bei Druckeinwirkung zu brechen. Genau das passiert bei einem Oberschenkelhalsbruch (Schenkelhals-Fraktur).

Die meisten Patienten mit einem Bruch an dieser Stelle sind bereits älter. Das liegt daran, dass mit zunehmendem Alter die Knochendichte abnimmt (Osteoporose). Durch diesen Knochenschwund verliert das Knochengewebe an Stabilität. Die Osteoporose muss häufig nicht unmittelbar behandelt werden – erhöht aber die Gefahr eines Knochenbruches.

Laut Veröffentlichungen des Kuratoriums Knochengesundheit sind 26 Prozent der Deutschen von Osteoporose betroffen. Davon sind 6,5 Millionen Frauen und 1,3 Millionen Männer. Frauen leiden wesentlich öfter als Männer an Osteoporose, da die Wechseljahre durch die Hormonumstellung die Verminderung der Knochendichte begünstigen. Von den 7,8 Millionen Menschen mit Osteoporose erleiden jährlich vier bis fünf von 100 einen Knochenbruch.

Neben dem normalen Knochenabbau im Laufe des Lebens gibt es eine erbliche Vorbelastung für Osteoporose, aber auch Nikotin, starkes Unter- bzw. Übergewicht, wenig Bewegung oder die Langzeiteinnahme von bestimmten Medikamenten (Kortison) fördern den Abbau der Knochen.

Bei brüchigen Knochen reicht schon eine kleine Unachtsamkeit - zum Beispiel das Stolpern über einen Teppich - und der unsanfte Aufprall auf dem Boden hat einen Oberschenkelhalsbruch zur Folge. Ein Teil der Stürze wird verursacht von Schwindelanfällen oder kurzen Bewusstlosigkeiten, wie sie bei Herz-Kreislauf-, Nerven- oder Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes) auftreten können. Ebenso können manche Medikamente und vor allem Alkohol das Gleichgewicht beeinträchtigen und einen Sturz provozieren.

In seltenen Fällen ist ein Tumor die Ursache für den Oberschenkelhalsbruch, wenn die Absiedlung eines bösartigen Tumors (Metastase) an dieser Stelle den Knochen schwächt und einen Bruch ohne adäquates Trauma auslöst.

Die Kombination aus schwachen Knochen plus einem kleinen Unfall kann also einen Knochenbruch nach sich ziehen. Es gibt aber einige Dinge, die gefährdete Personen beachten können, um die Wahrscheinlichkeit eines Bruches zu mindern:

Die Ernährung sollte zum Beispiel reich an Kalzium sein – empfohlen wird bei gesunden Erwachsenen eine Tageszufuhr von 1.000 Milligramm (mg). Lieferanten dafür sind Kalziumreiche Mineralwässer, Obst, grünes Gemüse aber auch Milch- und Vollkornprodukte.

Auch Bewegung an der frischen Luft schützt die Knochen. Denn die Sonne hilft dem Körper, Vitamin D zu produzieren - das Vitamin ist wichtig für den Knochenaufbau. Moderater Sport oder regelmäßige Spaziergänge fördern zudem den Erhalt der unterstützenden Muskulatur und beugen aufgrund der Knochenbelastung einer übermäßigen Entkalkung des Knochens vor.

Sollte trotz dieser leicht durchzuführenden Maßnahmen der Knochen weiter übermäßig abgebaut werden (die objektive Messung erfolgt durch eine Knochendichtebestimmung), muss ein Knochenspezialist (Osteologe) gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie zum Beispiel mit Bisphosphonaten einleiten.

In der Wohnung sollten mögliche Gefahrenquellen beseitigt werden. Das bedeutet, auch nachts für gute Beleuchtung zu sorgen, Stolperfallen wie Türschwellen, lose Kabel oder Teppiche zu beseitigen und Handläufe anzubringen. Genauso ist es wichtig, dass eine Brille mit der richtigen Stärke getragen wird, sollte das Sehvermögen nachgelassen haben.

Ein Oberschenkelhalsbruch schmerzt teilweise sehr heftig, vor allem in der Hüfte und/oder der Leistengegend, die Schmerzen können aber auch bis zum Knie ausstrahlen. Das verletzte Bein kann nicht mehr ausgestreckt werden, außerdem kann der Patient weder gehen noch stehen. Im Liegen fällt auf, dass das betroffene Bein verkürzt erscheint und leicht nach außen verdreht sein kann. In manchen Fällen ist der Oberschenkel im Bereich des Hüftkopfes geschwollen oder es treten Blutergüsse auf.
Neben den typischen Symptomen – den Schmerzen in Hüfte und Leiste – sichert eine Röntgenuntersuchung die Diagnose "Oberschenkelhalsbruch". Ausmaß und Verlauf der Fraktur sind auf den Aufnahmen in der Regel gut zu erkennen. Diese Informationen brauchen die Ärzte, um zu entscheiden, wie der Bruch weiter behandelt werden soll.

Zuerst wird dafür gesorgt, dass der Schmerz durch entsprechende Medikamente nachlässt. In den meisten Fällen werden die Patienten innerhalb von 24 Stunden operiert, damit das Gelenk möglichst schnell wieder belastbar ist.

Je nach Art und Schwere des Bruches, Fitness des Patienten und dessen allgemeinen Gesundheitszustand wird ein hüftkopferhaltendes (Osteosynthese) oder hüftkopfersetzendes Verfahren (Endosynthese) angewandt. In wenigen Fällen können beide Operationsmethoden zum Einsatz kommen. Beide Verfahren haben unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Bei der Osteosynthese werden die Knochenbruchstücke mithilfe von metallischen Implantaten so verbunden, dass sie wieder richtig heilen können – das wird vor allem bei jüngeren Patienten gemacht. Wenn durch den Bruch Blutgefäße verletzt wurden, die den Knochen versorgen, kann es in seltenen Fällen zu einer sogenannten Nekrose, einem Absterben des Hüftkopfes kommen.

Im Gegensatz dazu wird bei der Endoprothese das eigene durch ein künstliches Gelenk ersetzt – ein Verfahren das eher bei Älteren oder Menschen mit Osteoporose angewandt wird. Vorteil ist hier, dass das Gelenk sehr schnell nach der Operation wieder belastet werden kann. Eine gefürchtete und langwierige Komplikation können Infektionen mit Bakterien sein, die glücklicherweise aber nur selten vorkommen. Vor allem bei Patienten mit Osteoporose kann es auch zu einem frühzeitigen Ausbruch oder Lockerung der Prothesenteile kommen. Die Prothese muss dann auf ein meist größeres Modell gewechselt werden. Die normale Lebenserwartung von heutigen modernen Hüftprothesen kann sogar 20 Jahre überschreiten.

Generelles Ziel der Behandlung ist ein möglichst rascher Beginn mit Physiotherapie und rasche Mobilisierung aus dem Bett.

Eine Schenkelhalsfraktur ist vor allem für alte beziehungsweise vorerkrankte Menschen eine lebensbedrohende Erkrankung. Etwa 20 bis 30 von 100 Patienten sterben innerhalb von einem Jahr nach einer Operation. Der Blutverlust durch die Fraktur und Operation kann kritisch sein. Durch die Bettlägerigkeit besteht ein hohes Risiko für Thrombosen. Die sich dadurch bildenden Blutgerinnsel können lebensgefährliche Lungenembolien auslösen. Es muss deshalb immer eine Thrombose vorbeugende Therapie - meistens durch Spritzen von Heparin – eingeleitet werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Thromboseprophylaxe und Vorbeugung weiterer häufig im Zusammenhang auftretender Erkrankungen, zum Beispiel einer Lungenentzündung, ist die rasche Mobilisierung. Denn durch Schonhaltung oder Angst vor erneuten Brüchen wird auch die Bewegungsfähigkeit und langfristig die Lebensqualität eingeschränkt.

Trotz gelungener Therapie kann es zu einer dauerhaften Gehbehinderung oder einem leichten Hinken kommen, weil das Gelenk nicht mehr voll belastbar ist. Rund die Hälfte der Patienten bleiben längerfristig beeinträchtig, ein Viertel ist dauerhaft auf Unterstützung angewiesen.

In den allermeisten Fällen ereignet sich ein Oberschenkelhalsbruch bei Menschen ab 60 Jahren – denn ab 40 Jahren werden die Knochen im Körper eher ab- als aufgebaut. Nach Schätzungen nimmt der Mineralgehalt im Körper pro Jahr dann um 0,5 bis 1 Prozent ab.

Sind die Patienten wesentlich jünger, ist der Auslöser für den Bruch eher eine sehr starke Gewalteinwirkung, zum Beispiel ein Verkehrsunfall oder ein Sturz aus großer Höhe.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin und Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000557 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 26.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 01.08.2018
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