Mumps

Mumps ist eine sehr ansteckende Infektionskrankheit, die durch das Mumps-Virus ausgelöst wird. Die Krankheit verläuft oft komplikationslos, kann aber auch schwerwiegende dauerhafte Folgen wie Unfruchtbarkeit oder Schwerhörigkeit haben.

Mumps ist eine Infektionskrankheit, die sehr ansteckend ist und von Viren verursacht wird. Das Mumpsvirus ist weltweit verbreitet. Typisches Symptom von Mumps ist eine schmerzhafte Schwellung der ohrnahen Speicheldrüsen. Im Volksmund ist Mumps auch unter dem Namen Ziegenpeter bekannt.

Bevor der Mumpsimpfstoff eingeführt wurde, trat Mumps vor allem zwischen dem zweiten und 15. Lebensjahr auf und zählt damit zu den Kinderkrankheiten.

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung mild, oder wird sogar gar nicht diagnostiziert. Komplikationen sind selten, aber gefürchtet. So kann das Mumps-Virus Entzündungen der Hirnnerven verursachen, die in Einzelfällen zu einer dauerhaften Innenohrschwerhörigkeit führen. Seltener ist eine Beteiligung der Hoden mit nachfolgender Unfruchtbarkeit. Besonders gefürchtet sind Mumps-bedingte Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten (Meningoenzephalitis). Diese gehören  zu den sehr seltenen Komplikationen der Infektion, führt aber dann häufig zu Dauerschäden. Für drei von zweihundert betroffenen Mumpspatienten endet diese Komplikation tödlich.

Mumps-Impfung

Da die Impfung gegen Mumps heutzutage standardmäßig für Kinder empfohlen wird, ist die Infektionskrankheit selten geworden. In der Regel verleiht eine Impfung gegen das Mumps-Virus mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff lebenslangen Schutz. Die ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (kurz STIKO) empfiehlt die Impfung im Kindesalter zusammen in Kombination mit dem Masern- und Rötelnimpfstoff. Die erste Impfung findet normalerweise ab dem elften Lebensmonat statt. Für einen vollständigen Schutz ist eine zweite Impfung nötig, die frühestens vier Wochen nach der ersten Dosis, spätestens aber bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahrs gespritzt wird. Auch nachträglich kann man sich noch impfen lassen. Selbst bei älteren Kindern und Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und bislang keine Impfung erhalten haben, rät die STIKO zur Immunisierung. Auch wenn die zweite Impfung fehlt, gilt diese Empfehlung.  

Mumps wird durch Viren (Paramyxovirus parotitis) ausgelöst. Die Erreger befinden sich im Speichel oder im Nasensekret. Durch winzige Tröpfchen dieser Flüssigkeiten, die durch Niesen, Husten oder Sprechen in die Luft verteilt und von anderen Personen eingeatmet werden, gelangen die Keime in den Körper und lösen dort eine Infektion aus. Besonders in geschlossenen Räumen besteht eine große Ansteckungsgefahr. Auch über direkten Körperkontakt können die Viren übertragen werden, etwa wenn Spielsachen oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Speichel eines mit Mumps infizierten Menschen verunreinigt sind. Dieser Ansteckungsweg ist aber selten.

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) vergehen in der Regel 16-18 Tage. Infizierte sind zwei Tage vor bis vier Tage nach Ausbruch der Krankheit am ansteckendsten. Eine Übertragung des Virus ist sieben Tage vor bis zu neun Tage nach Beginn der Speicheldrüsenschwellung möglich.

Nicht immer kommt es bei einer Mumps-Erkrankung zu Symptomen. Etwa 35 von 100 Infizierten haben keine oder unspezifische Beschwerden. Typisch können zu Beginn zum Beispiel leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und Kopfschmerzen sein.

Im weiteren Verlauf schwellen die ohrnahen Speicheldrüsen schmerzhaft an, zuerst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Nach zwei Tagen erreicht die Schwellung ihren Höhepunkt. Manchmal sind davon auch weitere Drüsen unterhalb des Kiefers betroffen, sodass die Kieferkante nicht mehr sichtbar ist und die Betroffenen ein regelrechtes Mondgesicht haben. Die geschwollenen Speicheldrüsen verursachen vor allem beim Kauen und Schlucken Schmerzen, sodass Essen und Trinken unangenehm sein können.

Normalerweise lassen Fieber und Schmerzen nach sechs bis sieben Tagen nach. Auch die Schwellung wird nach etwa sieben Tagen schwächer. Insgesamt kann der Heilungsprozess bis zu zwei Wochen dauern.

Auch die zusätzliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist möglich. Charakteristische Symptome dafür sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Nach einer Woche klingen die Probleme - meist ohne Folgebeschwerden zu verursachen – wieder ab.

Daneben kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns selbst (Enzephalitis) kommen. Normalerweise sind die Heilungschancen bei einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung durch Mumps gut.

Der Arzt/die Ärztin kommt meist schon aufgrund der typischen Symptome, zum Beispiel durch die Schwellung der Speicheldrüsen, zu einer Diagnose der Mumps-Erkrankung. Hatte der/die Betroffene zwei bis drei Wochen vor Beginn der Beschwerden Kontakt mit einem Mumps-Patienten, lässt sich der Verdacht auf eine Infektion mit dem Mumps-Virus schnell bestätigen.

Manchmal untersucht der Arzt/ die Ärztin Blut, Urin oder Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, um das Mumps-Virus nachzuweisen, zum Beispiel wenn der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Mumps-Meningitis) besteht. Auch eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) der Speicheldrüsen sowie der Bauchspeicheldrüse und des Hodens führt er/sie nur in bestimmten Fällen durch.

Gegen das Mumps-Virus selbst gibt es kein Medikament. Es werden daher vor allem die Symptome behandelt. Gegen Fieber und Kopfschmerzen können fiebersenkende und schmerzstillende Maßnahmen (Wadenwickel, Fieberzäpfchen oder -saft) helfen. Ein verbreitetes Hausmittel zur Behandlung von Schwellungen und Schmerzen im Halsbereich sind Quarkauflagen oder Quarkwickel, die eine kühlende Wirkung entfalten. Bettruhe oder zumindest körperliche Schonung und ausreichender Schlaf ist ratsam, um das Immunsystem in der Bekämpfung der Viruserkrankung zu unterstützen.

Damit die Schluckbeschwerden, die durch die Schwellungen auftreten, nicht verstärkt werden, sollten die Betroffenen vor allem flüssige oder weiche Speisen wie zum Beispiel Brei oder Suppe zu sich nehmen. Vermieden werden sollten zudem saure Lebensmittel (zum Beispiel Orangensaft, Zitrusfrüchte), da die Speicheldrüsen durch die Säure noch mehr arbeiten müssen. Das könnte die Schmerzen verstärken.
Hat sich der Hoden entzündet (Mumps-Orchitis), sollte er hochgelagert werden. Das lindert die Schmerzen. Auch entzündungshemmende Medikamente können hier zum Einsatz kommen. Bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kann es sinnvoll sein, den Patienten/die Patientin im Krankenhaus für kurze Zeit künstlich zu ernähren.

Um die Ansteckung gering zu halten, sollten Mumps-Patienten für mindestens neun Tage nach Abklingen der Drüsenschwellung zu Hause bleiben und keine öffentlichen Einrichtungen besuchen (Schule oder Arbeit).

Insgesamt sind die Heilungschancen bei Mumps sehr gut. Komplikationen mit Folgeerkrankungen sind selten.
Einer von 10.000 Erkrankten erleidet durch die Entzündung der Speicheldrüsen eine Schwerhörigkeit des Innenohrs, die permanent bestehen bleibt.

Weitere Folgeschäden sind Unfruchtbarkeit sowie bleibende Beeinträchtigungen aufgrund entzündlicher Prozesse im zentralen Nervensystem.

Bei etwa einem Viertel der männlichen Mumps-Patienten, die während oder nach der Pubertät erkranken, kommt es zusätzlich zu einer Hodenentzündung. Sie tritt einige Tage nach der Schwellung der Ohrspeicheldrüse auf und dauert etwa eine bis zwei Wochen an. Mögliche Folge dieser sogenannten Orchitis ist Unfruchtbarkeit (Sterilität). Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, wenn beide Hoden von der Entzündung betroffen sind.

Bei Frauen ist eine Entzündung der Brustdrüse (Mastitis) eine häufige Komplikation, Sie tritt bei bis zu 30 Prozent der Erkrankten auf. Etwa jede 20. Frau erleidet eine Entzündung eines oder beider Eierstöcke, die in seltenen Fällen zur Unfruchtbarkeit führt.

Bei Kindern ist eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) die häufigste Komplikation. Typische Anzeichen dafür sind starke Kopfschmerzen, Fieber und ein steifer Hals. In der Regel heilt die durch Mumps ausgelöste Meningitis ohne Probleme wieder ab. Nur vereinzelt treten dauerhafte Schäden wie zum Beispiel eine Gesichtslähmung auf.

Die Komplikation der Hodenentzündung kommt vermehrt bei einer Infektion in der Pubertät oder im Erwachsenenalter vor.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie, Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

  • Herold G.: Innere Medizin, 2012
  • Robert Koch-Institut, Ratgeber Mumps: www.rki.de (Abruf vom 25.06.2015)
  • Kinderärzte im Netz: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abruf vom 25.06.2015)
  • Suttorp N. et al.: Infektionskrankheiten. Thieme Verlag. 1. Auflage 2004
  • Sitzmann C.F.: Pädiatrie. Thieme Verlag. 3. Auflage 2007
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch - Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Thieme Verlag. 5. Auflage 2009

Weiterführende Informationen

  • Kinder- und Jugendärzte im Netz, Thema Mumps
  • Keicher U.: Kinderkrankheiten: Schnell erkennen gezielt behandeln. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2011
  • Nitsch C.: Dr. Mama!: Das andere Buch der Kinderkrankheiten. Bassermann Verlag, 2009
  • Vagedes J., Soldner G.: Das Kinder-Gesundheitsbuch: Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2013

 Lesen Sie auch unsere Redaktionellen Grundsätze.

 

Webcode dieser Seite: s000556 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 25.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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