Migräne

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Allein in Deutschland leiden mehr als acht Millionen Menschen unter Migräne. Mediziner vermuten als Ursache eine Entzündung der Blutgefäße der Hirnhäute. Die Veranlagung zur Migräne wird wahrscheinlich vererbt.

Migräne ist ein heftiger, pulsierender, pochender und meist einseitiger Kopfschmerz, der anfallsartig auftritt. Er verschlimmert sich üblicherweise, wenn der Betroffene sich bewegt und körperlich aktiv ist. Oft bleibt es nicht bei den Kopfschmerzattacken allein, sondern es gesellen sich Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu sowie Lärm- und Geruchsempfindlichkeit hinzu. Die Schmerzintensität kann von Anfall zu Anfall ganz unterschiedlich sein. Da Kopfschmerzattacken bis zu drei Tagen dauern können, sind Migränepatienten oft tagelang außer Gefecht gesetzt.

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Mehr als acht Millionen Menschen sind allein in Deutschland betroffen. Das sind 10 bis 15 von 100 in Deutschland lebenden Menschen.

Bei rund 3 von 100 Patienten kann die Migräne auch chronisch werden. Das ist der Fall, wenn die typischen Kopfschmerzattacken an mindestens 15 Tagen im Monat auftreten. Besonders häufig ist dann auch ein Medikamentenübergebrauch zu beobachten, der wiederum die Chronifizierung mit unterstützen kann.

Die genaue Ursache für die Migräne ist noch nicht geklärt. Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, die häufig berichteten Nackenschmerzen sind nicht die Ursache, sondern die Folge der Migräne.

In der Wissenschaft geht man davon aus, dass es bei Migränepatienten phasenweise zu einer Übererregung einer äußeren Gehirnschicht (Großhirnrinde) kommt. Dadurch werden Schmerzfasern aktiviert, die eine Entzündungsreaktion in den Blutgefäßen der Hirnhäute verursachen. Diese entzündeten Gefäße lösen den typischen pulsierenden Schmerz aus.

Dieser Prozess kann einseitig erfolgen (halbseitiger Kopfschmerz) oder gleichzeitig beide Gehirnhälften betreffen (beidseitiger Kopfschmerz).
Menschen mit Migräne haben die genetische Veranlagung zu der vermehrten Erregbarkeit des Gehirns vermutlich geerbt. Ihr Gehirn reagiert auf bestimmte Auslöser oder Überlastungen mit einer Migräneattacke. Etwa zwei von drei Patienten haben Angehörige, die ebenfalls unter Migräne leiden.

Auslöser von Migräne – die Trigger

Bestimmte Faktoren, sogenannte "Trigger", können eine Migräneattacke auslösen. Sie sind individuell verschieden, häufig sind aber: 

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Reizüberflutung
  • Alkohol
  • Hormonelle Schwankungen (Menstruation = "menstruelle Migräne", Schwangerschaft, hormonelle Verhütungsmittel)

Risikofaktoren für Migräne mindern

Mit Hilfe eines Kopfschmerzkalenders können solche Trigger identifiziert und vielleicht Zusammenhänge erkannt werden, die vorher nicht aufgefallen sind. Im besten Fall kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduziert werden. In einem Kopfschmerzkalender werden folgende Informationen gesammelt: 

  • Tageszeit, Dauer und Stärke der Kopfschmerzen
  • Traten gleichzeitig Übelkeit, Lichtscheu oder Sehstörungen auf?
  • Haben Sie sich zuvor körperlich angestrengt oder gestresst gefühlt?
  • Haben Sie Ihre Menstruation oder nehmen Sie Hormone ein?
  • Welches Medikament gegen Migräne haben Sie in welcher Dosis eingenommen? Hat es geholfen?

Links zu Kopfschmerzkalendern finden Sie unter "Weiterführende Informationen".

Wichtig ist auch ein gesunder Lebensstil. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Tag regelmäßig verläuft und gut strukturiert ist. Das gilt für den Job, genauso wie für Mahlzeiten oder den Schlaf. Achten Sie außerdem auf Ihren Alkohol-, Koffein- und Nikotinkonsum. Den meisten gelingt das Strukturierungsprogramm unter der Woche gut, nicht aber am Wochenende. Schon kleine Abweichungen vom normalen Joballtag können die Schmerzzentren aktivieren. Planen sie kurze Ruhephasen in den Tagesablauf ein, machen sie einen Termin mit sich selber! Dazu gehört eventuell, dass Sie in der Freizeit entspannter sind, weniger Koffein aufnehmen oder mehr essen. Das Resultat kann eine „Wochenendmigräne“ sein – deshalb sollten die Lebensgewohnheiten nicht allzu abrupt gewechselt werden. Umgekehrt sollte das Programm eines gesunden Lebensstils auch keinen Stress verursachen, was wiederum für die Migräne kontraproduktiv wäre.

Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung, Yoga, Biofeedback oder Autogenes Training sind gute Mittel gegen Stress. Am besten ist, sich mindestens eine dieser Methoden anzueignen. Ein Erfolg stellt sich allerdings nur bei regelmäßiger Durchführung ein.

Ausdauersport wie Radfahren, Joggen, Wandern oder Schwimmen kann den Verlauf der Migräne positiv beeinflussen. Fordern Sie Ihren Körper, aber überanstrengen Sie sich nicht. Nebenbei hebt körperliche Bewegung die Stimmung. Migränepatienten leiden phasenweise auch unter Depressionen – deshalb ist Sport hier doppelt gut.

Ein Migräneanfall ist wesentlich komplexer als der normale Kopfschmerz. In vielen Fällen verlaufen die Beschwerden in vier Phasen, die unterschiedlich lang dauern. Sie müssen aber nicht alle zwingend und in dieser Reihenfolge auftreten.

Vorphase (Prodromalphase): Die Migräne kündigt sich Stunden bis Tage vor dem Anfall durch bestimmte Anzeichen an, etwa Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken.

Aura: 20 bis 30 von 100 Migränepatienten entwickeln neurologische Symptome, bevor der Kopfschmerz einsetzt. Man spricht von einer „Aura“ oder „migraine accompagnée“. Die Beschwerden können einzeln oder in Kombination auftreten:

  • Sehstörungen wie farbige Lichtblitze, Zickzack-Linien oder schwarze Löcher im Gesichtsfeld (Gesichtsfeldausfälle)
  • Sprachstörungen
  • Kribbeln und/oder Schwäche in einem Arm oder Bein
  • Gleichgewichtsstörungen

Die Symptome setzen Schritt für Schritt ein und klingen dann allmählich wieder ab – meist innerhalb einer Stunde. Nicht vor jeder Kopfschmerzphase muss eine Aura stehen und in seltenen Fällen kann die Aura auch während des Kopfschmerzes auftreten.

Kopfschmerzphase: Ein heftiger, pochender Kopfschmerz ist das wichtigste Anzeichen dieser Phase. Meist beginnen die Schmerzen auf einer Seite des Kopfes, können aber im Verlauf der Attacke auch auf die andere Seite wechseln. Bei manchen pulsiert der gesamte Kopf. Die Schmerzen nehmen bei körperlicher Aktivität zu – Treppensteigen oder ein kurzer Spaziergang reichen oft schon aus. Weitere Anzeichen sind Lichtscheu, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit. Ein ruhiger, abgedunkelter Raum kann die Symptome bessern. Auch Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen können hinzukommen. Diese Phase kann 4 bis 72 Stunden dauern.

Rückbildungsphase: Die Migränesymptome lassen langsam nach, es bleibt eine tiefe Müdigkeit und Erschöpfung. Es kann einige Stunden dauern, bis sich ein Migränepatient vollständig erholt hat. Der Kopfschmerz verschwindet auch ohne Behandlung.

Das wichtigste Instrument ist das Erfragen der Krankengeschichte (Anamnese). Je besser Sie den Kopfschmerz beschreiben können, umso sicherer kann die Diagnose gestellt werden.

Eine körperliche und neurologische Untersuchung gehören ebenfalls zur Diagnostik. Eine Neurologin oder ein Neurologe prüft die Sinne, die Reflexe und die Koordinationsfähigkeit und Muskelkraft.

Weitergehende Untersuchungen wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) sind nur in Einzelfällen erforderlich, etwa wenn die Migräne erst nach dem 40. Lebensjahr einsetzt oder untypische Begleitsymptome bestehen.

Ärzte müssen zudem ausschließen, dass es sich um andere Kopfschmerzformen handelt, beispielsweise Spannungskopfschmerz, medikamenteninduzierten Kopfschmerz oder Clusterkopfschmerz. Auch Tumoren, Entzündungen oder Verletzungen im Kopfbereich können als Verursacher des Kopfschmerzes infrage kommen.

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwischen der Therapie der akuten Migräneattacke und den vorbeugenden Maßnahmen, um den nächsten Migräneanfall zu verhindern (Migräneprophylaxe). Es gibt verschiedene Therapiebausteine – medikamentöse und nicht-medikamentöse – die auch miteinander kombiniert werden.

Therapie der Migräneattacke

Analgetika und Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) werden bei akuten Migräneattacken eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Metamizol. Etwa 80 von 100 Betroffenen können mit diesen Medikamenten ihre Attacken ausreichend behandeln.

Triptane sind die Medikamente der ersten Wahl bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken, die nicht ausreichend auf Analgetika und NSAR ansprechen. Sie wirken umso besser, je früher sie in der Migräneattacke eingenommen werden. Triptane bekämpfen zudem Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen. Bei einer Aura wirken sie aber oft nicht.

Beispiele für Triptane sind Almotriptan, Frovatriptan, Zolmitriptan, Naratriptan, Eletriptan oder Sumatriptan. Es gibt sie als Tablette, Zäpfchen, Nasenspray und Injektion unter die Haut (subkutane Injektion). Triptane lassen sich auch mit anderen Schmerzmitteln kombinieren. Triptane müssen frühzeitig bei nicht zu häufigen Attacken eingenommen werden (weniger als zehn Kopfschmerztage pro Monat). Außerdem muss es sich eindeutig um eine Migräneattacke handeln. Bei zu häufiger Einnahme besteht die Gefahr, dass sich ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entwickelt.

Mutterkornalkaloide (Ergotamine) sind ebenfalls bei akuter Migräne wirksam. Allerdings wirken sie weniger gut als die Triptane. Außerdem haben Ergotamine mehr Nebenwirkungen. In der Praxis werden sie deshalb kaum mehr eingesetzt.

Antiemetika wie Metoclopramid (nicht bei Kindern unter 14 Jahren) oder Domperidon (nicht bei Kindern unter 10 Jahren) wirken gegen die Übelkeit und das Erbrechen während einer Migräneattacke. Sie bessern nachweislich die Beschwerden im Anfall.

Achtung Schwangerschaft: Schwangere sollte vor der Medikamenteneinnahme immer ihren Arzt befragen.

Migräneprophylaxe

Migräneattacken kann man auch vorbeugen oder ihre Anzahl und Stärke verringern. In folgenden Fällen ist eine Prophylaxe mit Medikamenten sinnvoll:

  • Drei und mehr Migräneattacken pro Monat.
  • Migräneattacken, die länger als 72 Stunden anhalten.
  • Migräneattacken, die besonders schwer verlaufen.
  • Eine Akuttherapie wirkt nicht ausreichend.
  • Triptane dürfen nicht eingenommen werden (Kontraindikation).
  • Die Attacken werden häufiger.
  • Der Patient nimmt an mehr als zehn Tagen pro Monate Migränemittel ein.

Mittel der ersten Wahl zur Migränevorbeugung sind die Betablocker Propranolol und Metoprolol – eigentlich Mittel gegen Bluthochdruck. Außerdem der Kalziumantagonist Flunarizin sowie die Wirkstoffe Valproinsäure und Topiramat - eigentlich Wirkstoffe gegen Epilepsie. Erst rund zwei Monate nach Beginn der Medikamenteneinnahme lässt sich abschätzen, ob die Therapie wirkt oder nicht. Das Kriterium dafür ist, dass die Migränetage um mindestens ein Drittel reduziert werden konnten.

Achtung Schwangerschaft: Hier gilt nur die Einnahme von Metoprolol als vertretbar.

Mittel der zweiten Wahl sind bestimmte Antidepressiva (Amitriptylin, Venlafaxin), Analgetika (ASS, Naproxen) sowie der Betablocker Bisoprolol.

Das können Sie selbst tun

Viele Migränepatienten suchen instinktiv ruhige, dunkle Orte auf, weil dort die Intensität der Kopfschmerzen nachlässt. Manche fühlen sich auch besser, wenn sie Kälte- oder Wärmepackungen auf Nacken und Stirn legen. Körperliche und innere Ruhe senken den Schmerzpegel weiter, und auch einige Stunden Schlaf können beim Migräneanfall helfen.

Normalerweise hat die Migräne keine Folgen für das Gehirn. Eine Migräne mit Aura kann aber bei Frauen unter 45 Jahren ein Risikofaktor für einen Schlaganfall sein. Dies gilt allerdings nur, wenn ein zusätzlicher Risikofaktor wie insbesondere das Rauchen und die Einnahme von hormonhaltigen Verhütungsmitteln ("Pille") hinzukommt.

12 bis 14 von 100 Frauen aber nur 4 bis 6 von 100 Männern leiden an Migräne. Gut jede dritte Frau hat einmal in ihrem Leben eine Migräneattacke.

Migräne beginnt bei Frauen oft kurz nach der Pubertät, bei Männern meist später - nämlich zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Am häufigsten treten Migräneattacken zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. In diesem Alter sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer.

Auch eine Schwangerschaft kann die Migräne beeinflussen: Bei 50 bis 80 von 100 betroffenen Frauen bessert sich die Migräne spürbar ab dem dritten Schwangerschaftsmonat, bei anderen verändert sich nichts und bei manchen verschlimmern sich die Attacken sogar. Nach der Geburt und Stillzeit normalisiert sich die Migräne meist wieder auf den Rhythmus vor der Schwangerschaft.

Die Häufigkeit der Migräne ist am höchsten zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr (10 bis 15 von 100 Personen). Vor der Pubertät sind nur vier bis fünf von 100 Kindern von einer Migräne betroffen – Jungen und Mädchen gleichermaßen. Bei Kindern fallen die Migräneattacken meist kürzer und weniger charakteristisch aus als bei Erwachsenen. Auch die Begleitsymptome sind andere: Am häufigsten treten Bauchschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auf.

Nach dem 45. Lebensjahr werden die Migräneattacken bei vielen milder und seltener – dies gilt für beide Geschlechter.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Prof. Dr. med. Andreas Straube, Facharzt für Neurologie, Dr. med. Andrea Reiter

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000554 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 10.09.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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