Masern

Masern sind eine sehr ansteckende Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Bei den Masern handelt es sich keineswegs um eine harmlose Erkrankung, es kann zum Teil zu gefährlichen Komplikationen kommen.

Die Masern-Erkrankung ist eine Virusinfektion, die sehr ansteckend ist. Meist reicht schon ein kurzer Kontakt mit einem Masern-Patienten aus, um die Krankheit zu übertragen. Sie führt zu Beschwerden in den oberen Atemwegen und einem typischen Hautausschlag. Es gibt auch "stille" Infektionen ohne Symptome, diese sind allerdings nach dem Neugeborenenalter extrem selten. Die Masern-Infektion kann auch eine lebensbedrohliche Lungenentzündung oder Gehirnentzündung zur Folge haben.

Jede Masern-Erkrankung muss an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Auch der bloße Krankheitsverdacht ist meldepflichtig. Seit Einführung der Masernschutzimpfung ist die Zahl der gemeldeten Fälle in Deutschland zurückgegangen. Mittlerweile werden jährlich unter 2000 Erkrankungsfälle gemeldet. Nach Meinung von Experten gibt es allerdings eine hohe Dunkelziffer. Regional kommt es auch immer wieder zu zeitlich begrenzten Masernausbrüchen, da zu viele Kinder nicht geimpft werden.

Eine einmal überstandene Masern-Infektion bewirkt in der Regel lebenslange Immunität. Ein Bluttest kann über den Immunstatus Auskunft geben. Mütter, die bereits an Masern erkrankt waren, geben den Schutz für die ersten fünf Lebensmonate an ihre Kinder weiter (sogenannter Nestschutz).

Masern-Impfung

Eine Impfung mit abgeschwächten Masern-Viren macht den Körper immun und schützt ihn vor einer Infektion. Die Masernimpfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen. Sie wird in der Regel in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln verabreicht (MMR-Impfung) und gut vertragen. Kinder erhalten die erste Impfung normalerweise zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Eine zweite Impfung sollte zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat erfolgen. So sind die Kinder bis ins Erwachsenenalter vor der Erkrankung mit Masern geschützt.

Selbst bei nichtvorhandener Immunität kann eine passive Impfung innerhalb von drei Tagen nach der Infektion die Krankheit verhindern oder abschwächen. Anders als bei der normalen Masern-Impfung spritzt der Arzt/die Ärztin dabei die Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Masern-Virus direkt.

Masern werden über winzige Tröpfchen von Speichel oder Nasensekret beim Husten, Sprechen oder Niesen von einem Menschen zum anderen übertragen. Die in den Sekreten enthaltenen Viren gelangen über die Atemluft auf die Schleimhäute, setzen sich darin fest und verteilen sich mit dem Blut im gesamten Körper.

Bis die Krankheit ausbricht, vergehen in der Regel acht bis zehn Tage (Inkubationszeit). Ungefähr zwei Wochen dauert es, bis sich der charakteristische Hautausschlag bildet. Bereits drei bis fünf Tage, bevor die typischen Flecken auftauchen, sowie bis zu vier Tage danach sind die Infizierten ansteckend.

Die Masern-Erkrankung verläuft in verschiedenen Stadien. Zu Beginn äußert sich die Infektion wie eine starke Erkältung mit Schnupfen, trockenem Husten, Fieber und Bindehautentzündung. Die Betroffenen sind lichtempfindlich und haben ein aufgedunsenes Gesicht. Zudem bilden sich auf Höhe der Backenzähne kleine weiße Flecken (Koplik-Flecken) an der Wangenschleimhaut, die wie Kalkspritzer aussehen. Gegen Ende dieses ersten Krankheitsstadiums, das drei bis fünf Tage dauert, geht das Fieber zurück.

Es folgt das Hauptstadium mit dem typischen rot-fleckigen Hautausschlag: Er beginnt meist hinter den Ohren und an der Halsseite. Die Flecken sind zuerst unregelmäßig und verschmelzen im weiteren Verlauf miteinander. Während sie im Gesicht verblassen, breiten sie sich über den gesamten Körper aus. Mitunter treten kleine Hautblutungen auf. Auch das Fieber steigt in dieser Phase noch einmal an. Manchmal schwellen auch die Lymphknoten am Hals an, und es kommt zu Halsschmerzen.

Sobald das Fieber und der Hautausschlag zurückgehen, kann es zu einer kleieartigen Schuppung der Haut kommen. Allmählich erholt sich der Kranke, selbst wenn er anfänglich noch geschwächt und empfindlich gegenüber anderen Infektionen ist. Bis eine fühlbare Besserung des Krankheitszustandes eintritt, können eine Woche bis zehn Tage vergehen.

Vor allem Kinder sollten bei den ersten Anzeichen einer Masernerkrankung, besonders wenn sie Kontakt zu infizierten Personen hatten, zum Arzt/zur Ärztin gehen. Die Diagnose Masern lässt sich meist schon anhand des äußeren Erscheinungsbildes des Kranken, der typischen Symptome und des Krankheitsverlaufs stellen. Um sicherzugehen, entnimmt der Arzt/die Ärztin zusätzlich Blut, das im Labor untersucht wird. Bei Masern-Kranken finden sich zum Beispiel spezielle Antikörper gegen das Masern-Virus oder virales Erbgut (Masernvirus-RNA) im Blut. Tritt zusätzlich eine Hirnhautentzündung auf, kann das Virus mittels der Entnahme von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Lumbalpunktion) nachgewiesen werden.

Eine spezielle Masern-Therapie gibt es nicht. Wichtig ist Bettruhe, bei schmerzhaften Augenentzündungen kann ein abgedunkeltes Zimmer angenehm sein. Auch die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig, vor allem wenn der Patient Fieber hat. Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, können fiebersenkende Maßnahmen (Wadenwickel, Fieberzäpfchen) und hustenlösende Medikamente hilfreich sein. Verzichten Sie nach Möglichkeit auf hustenreizhemmende (hustenstillende) Mittel. Der Schleim wird damit nicht ausgehustet, sodass sich leichter Bakterien ansiedeln und eine Lungenentzündung verursachen können. Sollte eine zusätzliche Infektion mit Bakterien auftreten, ist der Einsatz von Antibiotika ratsam. Bei ernsten Komplikationen wie etwa einer Hirnhautentzündung müssen die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden.

Auch wenn Fieber und Ausschlag verschwunden sind, sollten sich die Genesenden noch schonen. Nach ein bis zwei Wochen sind die Abwehrkräfte wieder vollständig vorhanden und die Krankheit ist überwunden.

Masern sind keineswegs eine harmlose Kinderkrankheit. Im Jahr 2013 starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mehr als 145.000 Menschen daran, vor allem in den Entwicklungsländern. Im Zuge einer Masernerkrankung können lebensbedrohliche Folgeerkrankungen auftreten.
So schwächt die Infektion etwa für sechs Wochen das Immunsystem, was bakterielle Infektionen begünstigt, zum Beispiel Lungenentzündung, Bronchitis, Durchfall (Diarrhoe) und Mittelohrentzündung.

Treten drei bis neun Tage nach Auftreten des Hautausschlages Kopfschmerzen, hohes Fieber, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen auf, hat die Masern-Infektion zu der gefürchteten Gehirnentzündung geführt. Diese postinfektiöse Enzephalitis entwickelt sich bei einem von 1.000 Masern-Kranken. Zehn bis 20 Prozent der Betroffenen versterben, weitere 20 bis 30 Prozent tragen bleibende Schäden des Zentralen Nervensystems davon wie Lähmungen oder Sprachstörungen.

Ganz selten stellt sich durchschnittlich sechs bis acht Jahre nach der Maserninfektion als Spätkomplikation ebenfalls eine Hirnentzündung ein: Die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) beginnt mit Verhaltensänderungen und führt im weiteren Verlauf zu neurologischen Störungen (Muskelzuckungen, Krämpfe etc.) und Nervenausfällen. Im Endstadium wird das Gehirn zerstört. Die SSPE endet immer tödlich. 

Bei den sogenannten toxischen Masern kommt es zu blutendem Ausschlag, Schleimhautblutungen, lang andauerndem hohen Fieber sowie Krämpfen. Zwar tritt diese Masernform sehr selten auf, oft endet sie aber tödlich. Hauptsächlich abwehrgeschwächte Personen können daran erkranken.

Bei Erwachsenen verläuft eine Masernerkrankung oft schwerer als bei Kindern. Es dauert länger, bis sie sich von der Infektion erholt haben. Zudem sind Erwachsene anfälliger für Komplikationen. Aber auch Kinder im Säuglingsalter und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, Komplikationen zu entwickeln. Vor allem Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie Hirnentzündungen sind dabei häufig.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie

Literatur

  • Robert Koch-Institut: www.rki.de  (Abruf vom 06.05.2015)
  • Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abruf vom 06.05.2015)
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch - Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Thieme Verlag. 5. Auflage 2009
  • Lentze, M.J. et al.: Pädiatrie, Springer Verlag, 2013
  • Hahn H. et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Verlag. 6. Auflage 2008
  • World Health Organization: www.who.int  (Abruf vom 06.05.2015)
  • Herold G.: Innere Medizin, 2012

Weiterführende Informationen

  • Kinder- und Jugendärzte im Netz, Thema: Masern 
  • Keicher U: Kinderkrankheiten: Schnell erkennen gezielt behandeln. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2011
  • Nitsch C: Dr. Mama: Das andere Buch der Kinderkrankheiten. Bassermann Verlag, 2009
  • Vagedes J, Soldner G: Das Kinder-Gesundheitsbuch: Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2013

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Webcode dieser Seite: s000553 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 06.05.2015 Letzte Aktualisierung am: 30.07.2018
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