Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine Entzündung des Lungengewebes, meist aufgrund einer Infektion mit Bakterien. Vor allem bei Kindern, immunschwachen Menschen und Senioren kann das schwere Folgen haben: Die Lungenentzündung ist weltweit die Infektionskrankheit mit den meisten Todesfällen. In der Mehrzahl der Fälle heilt sie allerdings ohne Schäden aus.

Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) lösen Krankheitserreger oder Fremdpartikel eine Entzündung im Lungengewebe aus. Die Erreger stammen aus dem Nasen-Rachenraum oder werden durch infizierte Personen zum Beispiel durch Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Die dadurch hervorgerufene Entzündung der Lungenbläschen lässt das umgebende Gewebe anschwellen, Flüssigkeit sammelt sich an und stört die Funktion der Lungenbläschen. Das führt zu Luftnot, da der Gasaustausch in der Lunge erschwert wird.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer Lungenentzündung, die im privaten oder beruflichen Umfeld, also "zu Hause" (ambulant) erworben wurde oder im Krankenhaus (nosokomial). Im letzteren Fall ist die Erkrankung besonders für ältere Menschen gefährlich. Die Sterblichkeit bei nosokomialen Lungenentzündungen liegt um das 22fache höher als bei ambulant erworbenen. Der Hauptgrund: Bakterien im Krankenhaus sind immer öfter unempfindlich (resistent) gegen die üblicherweise eingesetzten Antibiotika.

In Deutschland wird die Häufigkeit der Lungenentzündung auf 400.000 bis 600.000 Erkrankte pro Jahr geschätzt. Rund jeder Dritte muss im Krankenhaus behandelt werden. In den meisten Fällen heilt eine Pneumonie unter Antibiotika-Behandlung einfach ab. Sie gehört allerdings zu jenen Infektionskrankheiten, die weltweit am häufigsten zum Tode führen. Insgesamt gehen Schätzungen in Deutschland von jährlich 40.000 bis 50.000  Todesfällen aus, die durch eine Lungenentzündung verursacht wurden.

Pneumonien werden überwiegend von Bakterien, seltener durch Viren, Pilze oder auch Parasiten verursacht. Speziell ein Bakterium macht etwa die Hälfte aller Infektionen aus: Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken-Infektion). Aber auch Legionellen, Chlamydien oder Mykoplasmen verursachen gelegentlich die Entzündung in der Lunge. Manchmal können die Erreger auch über das Blut ins Lungengewebe eindringen. Weitere mögliche Auslöser sind ätzende Gase oder eingeatmete Partikel, die über die Luftröhre in die Lunge gelangen. Ebenso können allergische Erkrankungen oder eine Strahlentherapie eine Lungenentzündung verursachen.

Menschen mit schwachem Immunsystem, dazu zählen auch kleine Kinder und ältere Personen, sind von einer Lungenentzündung besonders bedroht - in vielen Fällen als Komplikation einer Grippeinfektion. Als risikosteigernd gelten das Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Ebenfalls anfällig sind Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge wie chronische Bronchitis, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Mukoviszidose sowie anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt Menschen über 60 Jahren und Kleinkindern vor dem 2. Lebensjahr eine Impfung gegen Pneumokokken, die besonders häufig eine Lungenentzündung auslösen. Die gleiche Empfehlung gilt für immunschwache Personen.
Daneben wird zu einer jährlichen Grippeimpfung bei den vorgenannten Risikogruppen als präventive Maßnahme gegen Pneumonien geraten.

Verlauf und auch Beschwerden einer Lungenentzündung sind individuell sehr unterschiedlich. Die klassische Pneumonie (von Bakterien verursacht) tritt vor allem im Winter auf. Oft geht ihr ein grippaler Infekt voraus. Die Symptome treten akut auf. Betroffene leiden unter hohem Fieber, Schüttelfrost, Husten und zunächst uncharakteristischem Auswurf, der sich rostbraun verfärben oder eitrig werden kann. Tiefes Einatmen und Husten bereiten mitunter Schmerzen. Vor allem ältere Patienten mit Pneumonie fühlen sich schlapp und krank und können Zeichen von Verwirrtheit zeigen. Im fortgeschrittenen Stadium einer Lungenentzündung atmen die Kranken meist deutlich schneller und angestrengt. Infolge des Sauerstoffmangels können sich Lippen und Fingernägel blau verfärben. Es kann sich in größerer Menge Flüssigkeit in der Lunge ansammeln.

Bei atypischen Pneumonien, die meist durch Viren, Chlamydien oder Mykoplasmen verursacht werden, entwickeln sich die Anzeichen deutlich langsamer. Betroffene klagen über Kopf- und Gliederschmerzen. Alle anderen Symptome sind wesentlich verhaltener als bei der klassischen Lungenentzündung. Das bedeutet, das Fieber steigt nicht besonders hoch, es tritt meist kein Schüttelfrost auf und der Husten ist vor allem trocken und hält lange an.

Die Diagnose "Lungenentzündung" lässt sich meist durch den Krankheitsverlauf stellen – darum steht am Anfang immer ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Durch Abhören der Lunge mit dem Stethoskop kann die Ärztin oder der Arzt bestimmte Atemgeräusche (typische Rasselgeräusche) wahrnehmen, die als relativ sicherer Hinweise auf das Lungenleiden gelten. Ein Blutbild gibt Aufschluss darüber, welche und wie viele Immunabwehrzellen im Blut kursieren. Wichtig ist, dass als Ursache für die Beschwerden andere Krankheiten wie Lungenembolie oder -infarkt, Lungenkrebs sowie Tuberkulose ausgeschlossen werden.

Erhärtet sich im Anamnesegespräch der Verdacht auf eine Lungenentzündung, wird ein Röntgenbild angefertigt, auf dem sich das entzündete vom gesunden Gewebe sichtbar abhebt. Mithilfe des Bildes können erste Rückschlüsse auf den Erregertyp und den Ursprung der Entzündung gewonnen werden. Dies ist vor allem bei der atypischen Pneumonie wichtig, bei denen die Symptome eher diffus sind.

Für eine genauere Bestimmung des Erregers ist eine bakteriologische Untersuchung notwendig. Dabei wird der Auswurf auf einem Nährmedium kultiviert und die Bakterien nach dem Wachstum näher analysiert. Dadurch ist es nicht nur möglich, die Erreger zu identifizieren. Auf dem Nährboden lässt sich auch testen, welches Antibiotikum am besten gegen den Keim wirkt (Antibiogramm).

Wird als Ursache für die Lungenentzündung ein eingeatmeter Fremdkörper vermutet, kann im Rahmen einer Endoskop-Untersuchung (Bronchoskopie) dieser auch während des Eingriffs gleich entfernt werden.

Je nach Schweregrad der Symptome, dem Alter des Patienten oder wenn Komplikationen zu befürchten sind, ist eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich. Normalerweise wird eine Lungenentzündung ohne Komplikationen jedoch ambulant mit Antibiotika behandelt – auch wenn der Erreger noch nicht genauer bekannt ist. In der Regel werden deshalb sogenannte Breitband-Antibiotika (meist Penicillin oder verwandte Substanzen) verschrieben, die gegen ein größeres Spektrum von Bakterien wirken. Wurde der Keim identifiziert und auf seine Empfindlichkeit getestet, wird gegebenenfalls der Wirkstoff angepasst. Ist ein Virus der Erreger der Entzündung, kann mit Medikamenten nicht viel ausgerichtet werden. Hier zielt die Behandlung vor allem darauf ab, Komplikationen zu vermeiden und die Symptome erträglich zu machen.

Wurde die Infektion im Krankenhaus erworben, muss so schnell wie möglich mit der Antibiotika-Therapie begonnen werden. Da die Erreger mittlerweile immer häufiger resistent gegen bestimmte Antibiotika sind, ist es wichtig, den Wirkstoff so spezifisch wie möglich zu wählen. Oft werden auch verschiedene Antibiotika kombiniert, um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen. Wenn nötig, bekommt der Patient über eine Nasensonde Sauerstoff verabreicht.

Grundsätzlich gilt für alle Menschen mit Lungenentzündung: Ab ins Bett und schonen! Patienten sollten außerdem viel trinken - vor allem dann, wenn sie Arzneimittel zur Schleimlösung einnehmen. Dies ist angezeigt, wenn sich in der Lunge zäher Schleim gebildet hat, der sich nur schwer abhusten lässt.

Wird eine Lungenentzündung nicht rechtzeitig erkannt oder nicht richtig behandelt, kann es zu Komplikationen kommen. Die schlimmste ist, wenn der Patient nicht mehr richtig atmen kann und es zu einem schweren Sauerstoffmangel kommt (respiratorische Insuffizienz). Auch eine Blutvergiftung (Sepsis) tritt manchmal auf, wenn sich die Erreger im ganzen Körper ausbreiten.

Aus der akuten Pneumonie entwickelt sich in manchen Fällen eine chronische Entzündung in der Lunge. In der Folge kann das Lungengewebe vernarben, die Atemleistung ist dann dauerhaft eingeschränkt.

Weitere mögliche Folgeerkrankungen sind die Hirnhautentzündung (Meningitis), Brustfellentzündung (Pleuritis) oder eine Eiteransammlung im Gehirn (Abszess) oder in anderen Organen.

Sowohl sehr alte als auch sehr junge Menschen sind durch eine Lungenentzündung besonders gefährdet. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Immunsystem noch nicht voll ausgebildet und die Lunge damit anfälliger für Infekte. Bei Senioren dagegen lässt der Immunschutz im Alter oft nach, zudem treten bei ihnen häufiger Nährstoffmangel oder Flüssigkeitsdefizite auf, die der Pneumonie Vorschub leisten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben beispielsweise 2013 weltweit 935.000 Kinder unter fünf Jahren an Pneumonie, damit ist sie bei so jungen Kindern die führende Todesursache.

Kinder mit Lungenentzündung sind meist auffallend blass und sehen sehr krank aus. Ansonsten sind die Symptome ähnlich wie bei Erwachsenen. Insbesondere das heftige Mitbewegen der Nasenflügel bei der Atmung gilt als deutliches Zeichen für eine schwere Lungenentzündung.

 

Webcode dieser Seite: s000551 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 26.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 14.02.2018
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