Krupp-Husten

Beim Krupp-Husten (Pseudokrupp) handelt es sich um eine Entzündung der Schleimhäute des Kehlkopfes und der Luftröhre, meist verursacht durch eine Virusinfektion. Typische Kennzeichen sind bellender Husten und Atemnot, die allerdings nur selten bedrohlich wird.

Der Krupp-Husten ist eine vorübergehende Entzündung der Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfes (Larynx) und der Stimmbänder, die zu einer Einengung der Luftwege führt. Sie tritt meist in Folge einer durch Viren ausgelösten leichten Erkältung auf. Die meisten Fälle werden bei feuchtkaltem Wetter während der Herbst- und Wintermonate beobachtet mit einem akuten Hustenanfall in den Nachtstunden.

Der Krupp-Husten wird auch als viraler Krupp, Infektkrupp oder medizinisch als stenosierende Laryngotracheitis bezeichnet. Auch der Begriff "Krupp-Syndrom" wird verwendet; er bezeichnet die Kombination aus den drei typischen Symptomen des Krupp-Hustens: bellender Husten (vor allem am Abend und in der Nacht), heisere Stimme und das pfeifende oder zischende Geräusch beim Einatmen (inspiratorischer Stridor). Vielen Eltern ist die Erkrankung auch unter der Bezeichnung "Pseudokrupp" ein Begriff, mit dem der Husten früher von einem „echten" Krupp, der Diphtherie, abgegrenzt wurde. Die Diphterie tritt aber in Europa aufgrund der Impferfolge kaum noch auf. Am Krupp-Husten erkranken hingegen etwa 15 Prozent der Kinder zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr. Bei älteren Kindern oder Erwachsenen ist die Atemwegserkrankung dagegen sehr selten. In den meisten Fällen verläuft ein Krupp-Anfall harmlos, und die Krankheit heilt in der Regel innerhalb einiger Tage von alleine aus. Nur selten kommt es zu bedrohlicher Atemnot.

Überwiegend werden Krupp-Anfälle durch Virusinfektionen ausgelöst, zum Beispiel durch banale Erkältungsviren, eine Virusgrippe (Influenza) oder Masern-Viren. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Möglich ist auch eine Übertragung durch den Kontakt mit infizierten Gegenständen wie Gläsern oder Taschentüchern. Zum Krupphusten kommt es, wenn sich durch die Infektion die Kehlkopfschleimhaut unterhalb der Stimmbänder entzündet und anschwillt. Dadurch verengen sich die Atemwege, was zu den typischen Atembeschwerden führt. Denn bei Klein- und Vorschulkindern sind die anatomischen Verhältnisse im Kehlkopfbereich noch sehr eng. Gleichzeitig reagieren die Schleimhäute in diesem Alter besonders empfindlich auf Infektionen und Reizungen.

Manchmal wird der Krupp-Husten auch durch eine bakterielle Infektion verursacht. Selten ist die Ursache eine allergische Reaktion etwa auf Tierhaare.

Starke Schadstoffbelastung in der Luft (besonders Tabakrauch) scheint das Risiko für einen Krupphusten zusätzlich zu erhöhen beziehungsweise die Erkrankung zu verschlimmern.

Meistens sind die Kinder ein bis drei Tage zuvor erkältet und leiden unter leichtem Husten, Schnupfen und etwas Fieber. Der eigentliche Krupp-Anfall beginnt plötzlich, meist abends oder in der Nacht. Das Kind hustet trocken und stark bellend oder röhrend, ohne Unterlass, ist mitunter heiser. Es hat vor allem beim Einatmen Probleme, was sich in pfeifenden und quietschenden Atemgeräuschen (Stridor) und starken Bewegungen des Brustkorbs äußert. Tagsüber ist das Kind im Allgemeinen beschwerdefrei. Obwohl ein Krupp-Anfall für das Kind und seine Umgebung sehr bedrohlich wirkt, bleibt er doch meist ohne Folgen. Schon am nächsten Morgen oder nach der zweiten Nacht kann alles vorbei sein. In den meisten Fällen klingt der Krupp-Husten also rasch und auch komplikationslos wieder ab. Manchmal kann die Erkrankung aber auch mehrere Tage andauern. Bei einigen Kindern breitet sich die Entzündung zudem auf das Mittelohr, die Luftröhre oder sogar die Lunge aus.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Beschwerden sind, unterscheidet man vier Schweregrade der Krankheit:

  • Grad 1: bellender Husten, Heiserkeit, leichte Pfeifgeräusche beim Einatmen (inspiratorischer Stridor)
  • Grad 2: stärkere Atemgeräusche beim Einatmen, leichte Atemnot
  • Grad 3: deutliche Atemgeräusche beim Einatmen mit Einziehungen der Haut am Hals und am Oberbauch, deutliche Atemnot, Unruhe, schneller Herzschlag
  • Grad 4: schwere Atemnot, die Atmung ist nicht mehr ausreichend tief, sodass sich Haut und Schleimhäute bläulich verfärben, evtl. Bewusstseinsstörung, niedriger Blutdruck

Es gibt eine Krankheit, die dem Pseudokrupp ähnelt, allerdings weit gefährlicher ist: die akute Kehlkopfentzündung (Epiglottitis), deren hauptsächlicher Erreger Bakterien namens Hämophilus influenzae Typ B (HiB) sind. Die gefährliche Erkrankung kommt seit Einführung der HiB- Impfung zum Glück kaum mehr vor. Da sie aber, wenn sie auftritt, für das Kind lebensgefährlich werden kann, sollten Eltern sofort den Notarzt rufen, wenn:

  • sich das Befinden des Kindes sehr schnell verschlechtert,
  • seine Stimme nicht heiser, sondern hell, leise und kloßig klingt, als habe es eine heiße Kartoffel im Mund,
  • es fiebert und
  • nichts trinken will, weil ihm das Schlucken Schmerzen bereitet und ihm Speichel aus dem Mund läuft. 

Grundsätzlich sollten Eltern jeden bellenden Husten ihres Nachwuchses ernst nehmen und das Kind auch nach einem leichteren Anfall kinderärztlich untersuchen lassen. Anhand des charakteristischen Hustens, verbunden mit Heiserkeit und den typischen Atemgeräuschen erkennt der Arzt bzw. die Ärztin meist schnell, dass es sich um einen Krupp-Husten handelt. Fragen zu Beginn und Dauer der Beschwerden, den Begleitsymptomen und eventuell zu früheren Anfällen (Anamnese) liefern dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin weitere Hinweise für die Diagnose.

Wichtig ist der Arztbesuch auch, um andere mögliche Ursachen auszuschließen. Dazu gehören die gefährliche Epiglottitis, spastischen Bronchitis beziehungsweise Infektasthma und eine Entzündung der kleinsten Bronchien (Bronchiolitis). Bei Verdacht auf eine bakterielle Entzündung ist es dem Arzt möglich, mit Hilfe eines Rachenabstrichs und einer Keimkultur den Erreger zu bestimmen.

Ein Krupp-Anfall wirkt immer beängstigend. Umso wichtiger ist es für das betroffenen Kind, dass die Eltern unbedingt Ruhe bewahren, das verstörte Kind in den Arm nehmen und beruhigend auf es einwirken. Durch Schreien oder Reden schwillt die Schleimhaut noch weiter an. Eine aufrechte Haltung erleichtert dem Kind das Atmen.

Zusätzlich empfiehlt es sich, für feucht-kühle Luft zu sorgen, indem Sie ein Fenster öffnen oder das Kind vor den geöffneten Kühlschrank setzen. Das verschafft ihm Linderung. Das Gleiche gilt für feucht-warme Luft: Sie können zum Beispiel die Badewanne mit heißem Wasser füllen und Ihr Kind den Dampf einatmen lassen, am besten in aufrechter Haltung.

Ätherische Öle sind zur Linderung von Krupp-Symptomen dagegen ungeeignet, da sie die Beschwerden eher noch verstärken.

Sobald sich das Kind etwas beruhigt hat, sollten ihm kühle Getränke in kleinen Schlucken gegeben werden, zum Bespiel Wasser oder Tee.

Bringen Sie Ihr Kind nach dem Anfall an die frische Luft oder ans offene Fenster – das tut ihm gut.

Was der Arzt bzw. die Ärztin tun kann

Bessert sich der Zustand des Kindes durch die beschriebenen Maßnahmen nicht, färben sich Lippen und Fingernägel gar bläulich oder besteht Erstickungsgefahr, muss sofort der Notarzt gerufen werden!

Der Arzt bzw. die Ärztin kann dann kortisonhaltige Medikamente (etwa Zäpfchen) geben, die entzündungshemmend und abschwellend auf die Schleimhäute wirken. In manchen  Fällen ist auch die Gabe von Adrenalin über ein Inhaliergerät hilfreich. Es wirkt gefäßverengend und lässt dadurch innerhalb weniger Minuten die Schleimhäute abschwellen. Das lindert die Atemnot.

Ist der Sauerstoffgehalt im Blut des Kindes durch die anhaltende Atemnot zu gering, bekommt es eventuell eine Sauerstoffmaske aufgesetzt. Ganz selten ist eine künstliche Beatmung notwendig, weil Erstickungsgefahr droht.

Kein Schutz vor Neuerkrankungen

Leider führt der Krupp-Husten nicht zu einer Immunität, die vor Neuerkrankungen schützt. Da viele Viren als Ursache infrage kommen, sind neue Krankheitsschübe, vor allem in der kalten Jahreszeit, keine Seltenheit.

Jungen erkranken häufiger an Pseudokrupp, weil sie kleinere Atemwege als Mädchen haben.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie

Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch - Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Thieme Verlag. 6. Auflage, 2013
  • Rieger et al.: Pädiatrische Pneumologie, Springer Verlag, 2013
  • Kerbl et al.: Checkliste Pädiatrie, Thieme Verlag, 2011
  • Karges & Wagner: Pädiatrie…in 5 Tagen, Springer Verlag, 2010
  • Saloga, Klimek, Buhl, Mann, Knop: Allergologie-Handbuch. Schattauer GmbH, 2006
  • Krams, Frahm, Kellner, Mawrin: Kurzlehrbuch Pathologie. Georg Thieme Verlag KG, 2010
  • Suttorp, Mielke, Kiehl, Stück: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Georg Thieme Verlag, 2004
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Abruf vom 15.05.2015)
  • Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abruf vom 15.05.2015)

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000550 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 15.05.2015 Letzte Aktualisierung am: 31.07.2018
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