Kropf (Struma)

Ein Kropf ist zunächst nur eine vergrößerte Schilddrüse. Beschwerden und Funktionsstörungen treten oft mit fortschreitendem Alter der Betroffenen auf.

Ein Kropf (Struma) ist eine Schwellung im Hals durch eine vergrößerte Schilddrüse. Ursache ist meist chronischer Jodmangel. Rund 33 von 100 Menschen in Deutschland haben eine Struma. Ein kleiner Kropf ist tastbar und bei zurückgeneigtem Kopf nicht oder leicht sichtbar (Stadium I). Einen größeren Kropf sieht man schon bei gerader Kopfhaltung mehr oder weniger gut (Stadium II und III).

Die Größe allein sagt nichts über die Funktion der Schilddrüse. Ihre Aufgabe, die Produktion der lebens-wichtigen Schilddrüsenhormone, kann sie auch bei einem Kropf erfüllen. Mediziner sprechen dann von einer euthyreoten Struma. Mit der Vergrößerung können aber auch funktionelle Störungen wie eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse einhergehen.

Dies ist vor allem bei Kröpfen mit Knoten der Fall. In einem Kropf ist das Schilddrüsengewebe nur anfangs gleichmäßig vermehrt (diffuse Struma). Im Laufe der Zeit bilden sich knotige Veränderungen (Knotenkropf oder nodöse Struma). So genannte "heiße" Knoten (autonome Adenome) produzieren zu viele Schilddrüsenhormone. "Kalte" Knoten bilden gar keine mehr. Untersuchungen zufolge lebt jeder vierte Erwachsene in Deutschland mit Knoten in der Schilddrüse, oft ohne davon zu wissen.

Jodmangel

Die weitaus häufigste Ursache einer Vergrößerung der Schilddrüse ist eine unzureichende Jodzufuhr. Jod ist unentbehrlicher Baustein der Schilddrüsenhormone. Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen sendet die Gehirndrüse "Hypophyse" das Aktivierungshormon TSH (Thyreoideastimulierendes Hormon) an die Schilddrüsenzellen mit dem Auftrag, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zu bilden. Fehlt den Schilddrüsenzellen jedoch der "Baustoff" Jod, können sie ihre Hormonbildung nicht steigern. Die Schilddrüse versucht nun, den Mangel durch einen Zuwachs an Gewebe auszugleichen. So wächst ein Kropf  ohne dass jedoch mehr Hormone produziert werden.
Seltener entsteht ein Kropf etwa durch Medikamente (wie Lithium), Schilddrüsenentzündungen oder Schilddrüsenkrebs.

Jodversorgung
Erwachsene sollen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich 200 Mikrogramm Jod zu sich nehmen (das sind 0,2 Milligramm oder 0,0002 Gramm), Kinder und Jugendliche zwischen 100 und 200 Mikrogramm. Schon Säuglinge brauchen für ihre normale Entwicklung eine Mindestmenge an Jod von 40 bis 80 Mikrogramm . Grundwasser und Böden in Deutschland enthalten jedoch zu wenig Jod. Jodreich hingegen sind Meeresfische und Algen, weil das Jod in der Erdgeschichte aus den Böden ins Meer geschwemmt wurde.
Zugaben im Tierfutter und die Einführung des jodierten Speisesalzes haben die Jodversorgung in Deutschland verbessert. Die mittlere Tageszufuhr von Jod beträgt mittlerweile etwa 120 Mikrogramm pro Tag bei Jugendlichen und Erwachsenen. Das entspricht rund zwei Drittel der empfohlenen Zufuhr.

Risikogruppen für Jodmangel

  • Ein Großteil der Menschen in Deutschland nimmt täglich weniger als 100 Mikrogramm Jod auf  die kritische Mindestmarke der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Bei manchen Bevölkerungsgruppen kommt eine Jod-Unterversorgung besonders häufig vor:
  • Schwangere und Stillende,
  • Jugendliche in der Pubertät,
  • Vegetarier, Veganer und Personen, bei denen eine spezielle Diät notwendig ist,
  • Menschen, die aufgrund einer Kuhmilch- oder Fischallergie oder einer Milchzuckerunverträglichkeit Fisch oder Milchprodukte meiden müssen,
  • Raucherinnen und Raucher.

Wer dazu zählt, sollte mit seinem Arzt/seiner Ärztin über eine Jodergänzung sprechen. Fast immer geboten ist sie bei Schwangeren und Stillenden. Die empfohlene Zufuhr liegt bei 230 Mikrogramm pro Tag in der Schwangerschaft und 260 Mikrogramm in der Stillzeit. Dies ist auch mit einer bewussten Ernährung kaum zu erreichen. Schwangere und Stillende sollten nach Rücksprache mit dem Frauenarzt/ der Frauenärztin zusätzlich zur Nahrung 100 bis 150 Mikrogramm Jodid pro Tag als Tablette einnehmen, je nach Ernährungsgewohnheiten.

Dem Jodmangel-Kropf vorbeugen durch richtige Ernährung
Wichtig ist, auf eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung zu achten, die jodreiche Lebensmittel einschließt. Zu empfehlen sind

  • der tägliche Verzehr von Milch und Milchprodukten;
  • der Verzehr von Seefisch ein- bis zweimal pro Woche;
  • die konsequente Verwendung von Jodsalz im Haushalt ("Wenn Salz, dann Jodsalz") sowie
  • der bevorzugte Kauf von Lebensmitteln, die mit Jodsalz hergestellt wurden.

Jodsalz enthält zwischen 15 und 25 Milligramm Jod pro Kilogramm Salz. Auch für die Kinderernährung kann es verwendet werden. Besprechen Sie die Verwendung von Salz mit dem Kinderarzt. Beim Kauf von Lebensmitteln lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste: Nicht alle Hersteller verwenden Jodsalz.
Extrem viel Jod enthalten bestimmte Algen- und Seetangprodukte. Vor ihrem Verzehr wird in Deutschland gewarnt.

Ein hoher Konsum von Kohl, Rettich, Mais und Hirse kann die Jodaufnahme in die Schilddrüse verhindern. Ursache ist das enthaltene Thiocyanat. Cyanate bilden sich auch beim Zigarettenrauchen, was dessen kropfbildenden Effekt erklärt. Den Jodstoffwechsel stören kann auch ein Mangel an Selen, Zink und Eisen.
Eine zusätzliche Einnahme von Jodtabletten sollten Sie zuvor mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin besprechen.

Die meisten Kröpfe sind gutartig und verursachen keine Symptome. Es kann aber unabhängig voneinander zu mechanischen und funktionellen Störungen kommen.

Bei mechanischen Störungen kann zunächst die Kragenweite zunehmen, Halsketten und Rollkragenpullover engen ein. Die wachsende Schilddrüse drückt auch nach innen auf Speise- und Luftröhre. Die Betroffenen spüren ein Kloßgefühl im Hals, später Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Atemprobleme.
Die funktionellen Störungen äußern sich als Über- bzw. Unterfunktion .

Nach dem ärztlichen Gespräch wird in der Regel zunächst eine Tastuntersuchung durchgeführt. Das Ab-tasten des Halses mit den Händen, die so genannte Palpation, gibt Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin Hinweise, wie die Schilddrüse beschaffen ist und ob sie sich vergrößert hat.

Ultraschalluntersuchung

Sie zeigt Größe und Lage der Schilddrüse auf und macht knotige Gewebeveränderungen sichtbar. Von einer Struma sprechen Mediziner, wenn das Schilddrüsenvolumen bei einer Frau 18 Milliliter überschreitet, bei einem Mann 25 Milliliter. Für Kinder gelten niedrigere Werte. Bei Knoten in der Schilddrüse wird häufig eine Szintigrafie, eine nuklearmedizinische Untersuchung (siehe unten), durchgeführt.

Blutuntersuchung

Eine gestörte Schilddrüsenfunktion spiegelt sich früh in einer Veränderung beim TSH (Thyreoideastimulierendes Hormon) wieder. Ist der Wert auffällig, werden auch die Schilddrüsenhormone (T4 und T3) selbst bestimmt. Aus dem Verhältnis der drei Hormone zueinander lassen sich Rückschlüsse auf Über- und Unterfunktion der Schilddrüse und ihre Ursache ziehen.

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenentzündung wird nach Schilddrüsen-Antikörpern gesucht.
Das von der Schilddrüse produzierte Hormon Calcitonin wird nicht routinemäßig bestimmt. Lediglich wenn der Verdacht auf eine bestimmte Form des Schilddrüsenkrebses besteht, wird der Blutspiegel erhoben.

Szintigrafie

Sie macht den Stoffwechsel der Schilddrüse sichtbar. Dabei wird in die Armvene ein schwach radioaktiver Stoff (meist Technetium 99m = 99mTc)gespritzt, der sich in aktiven Bezirken der Schildrüse anreichert. So lassen sich heiße von kalten Knoten unterscheiden.

Feinnadelpunktion

Mit einer feinen, dünnen Nadel werden Gewebeproben entnommen und im Labor untersucht. Die Untersuchung gibt Hinweise, ob es sich um gut oder bösartige Veränderungen oder um Entzündungen des Gewebes handelt.

Ein Kropf ohne Beschwerden und mit normaler Hormonbildung wird oft nur regelmäßig kontrolliert. Es kann aber auch sogleich eine Verkleinerung angestrebt werden, um weiteren Erkrankungen (wie Funktionsstörungen) vorzubeugen. Bei bestehenden Beschwerden wird ein Kropf stets behandelt.
Dies kann prinzipiell medikamentös oder chirurgisch geschehen. Im Folgenden wird die Behandlung bei euthyreoter Struma beschrieben, also wenn die Schilddrüse trotz Vergrößerung Schilddrüsenhormone in normaler Menge produziert.

Kropf ohne Knoten (Struma diffusa)

Die Beseitigung des Jodmangels ist das Behandlungsziel. Die alleinige Gabe von Jodidtabletten verspricht umso mehr Erfolg, je jünger die Betroffenen sind. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhalten 150 bis 200 Mikrogramm Jodid pro Tag. Alternativ kommt bei Erwachsenen die Kombination von Jodid mit einem synthetisch hergestellten Schilddrüsenhormon (Levothyroxin) in Frage. Unter dieser Kombinationstherapie schrumpft die Schilddrüse in den meisten Fällen innerhalb von 12 bis 18 Monaten.

Kropf mit Knoten (Struma nodosa)
Heiße Knoten (autonome Adenomen) sollten auch bei normalem Schilddrüsenhormonspiegel (Euthyreose) behandelt werden, denn sie steigern das Risiko für eine Überproduktion an Hormonen (Hyperthyreose).
Um eine (beginnende) Überfunktion zu beseitigen, kann der Patient zunächst Medikamente erhalten: Sogenannte Thyreostatika hemmen die Bildung und Freisetzung der Schilddrüsenhormone. Im Anschluss sollte eine chirurgische Therapie oder eine Radiojodtherapie erfolgen.

Chirurgische Maßnahmen lindern bei einem Knotenkropf sofort mechanische Beschwerden wie Schluckbeschwerden und Atemnot. Idealerweise entfernt die Operation alle Knoten, die zu einem Rückfall führen können. Bei Krebsverdacht ist die Operation zwingend. Hier erfahren Sie mehr zur Schilddrüsenoperation.
Die Radiojodbehandlung kann eine Alternative zur Operation sein, zum Beispiel bei einer kleinen Schilddrüse mit mehreren oder vielen "heißen Knoten" (multifokale Autonomie) oder wenn jemand aus bestimmten Gründen nicht operiert werden kann. Dabei wird radioaktives Jod eingenommen, das sich in der Schilddrüse sammelt und sie schrumpfen lässt. Als Nebenwirkung kann in manchen Fällen später eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten.

Mit der Entwicklung eines Kropfes können funktionelle Störungen einhergehen. Mit der Zeit kann sich eine funktionelle Autonomie entwickeln. Das bedeutet, dass Bereiche der Schilddrüse beginnen, unabhängig vom aktuellen Bedarf Schilddrüsenhormone zu produzieren. Wenn das autonome Gewebe in der Schilddrüse überwiegt, kann das zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.

Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann bei der werdenden Mutter und beim Ungeborenen zur Kropfbildung führen. Wenn ein Kind durch Jodmangel zu wenig Schilddrüsenhormone produziert, kann das seine körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen. Daher ist eine ausreichende Jodversorgung bei Schwangeren und bei Heranwachsenden sehr wichtig.

Aufgrund eines Jodmangels in der Jugend haben viele ältere Menschen einen Kropf mit "heißen Knoten". Diese Tumoren führen meist nicht zu Krebs, aber oft zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit Symptomen wie Herzklopfen, innerer Unruhe und Gewichtsabnahme trotz guten Appetits.

Durch die zunehmende Verwendung von Jodsalz hat die Kropfbildung in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Daher haben heute junge Menschen im Durchschnitt seltener eine vergrößerte Schilddrüse als früher.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin

Literatur

  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abruf vom 04.09.2015)
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: www.endokrinologie.net (Abruf vom 04.09.2015)
  • Arbeitskreis Jodmangel: www.jodmangel.de (Abruf vom 04.09.2015)
  • Führer, D. et al.: Euthyreote Struma mit und ohne Knoten – Diagnostik und Therapie, in: Dtsch Ärztebl Int 2012; 109(29-30): 506-16
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: www.bfr.bund.de (Abruf vom 04.09.2015)
  • Block, B.: Facharztprüfung Innere Medizin, Thieme Verlag, 2011
  • Comberg, Klimm (Hrsg.): Allgemeinmedizin, Thieme Verlag, Stuttgart, 4. Auflage 2004
  • Stiftung Warentest: Handbuch Medikamente, 8. Auflage 2010
  • MSD Manual Urban&Fischer Verlag, 7. Auflage 2007
  • Mutschler: Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 9. Auflage 2008

Weiterführende Informationen

  • Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.: www.schilddruesenliga.de (Broschüren, Selbsthilfegruppen)
  • Spelsberg F, Negele T.: Schilddrüse – Patientenratgeber. Deutscher Apotheker Verlag, 2011

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Webcode dieser Seite: s000566 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 04.09.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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