Krebs

Krebs hat viele Gesichter. Gemeinsam ist allen Krebserkrankungen, dass sie aus Zellen hervorgegangen sind, die sich der üblichen Kontrolle durch den Körper entziehen.

Krebs bedeutet, dass sich im Körper fehlerhaft veränderte Zellen unkontrolliert vermehren. Krebs ist deshalb so bedrohlich, weil er bösartig (maligne) wächst. Das heißt, er verdrängt gesundes Gewebe, durchsetzt Organe, stört deren Funktionen und kann Tochtergeschwulste (Metastasen) in entfernte Körperregionen streuen. Krebs kann prinzipiell überall im Körper entstehen. Er wird in der Regel nach seinem Ursprungsort benannt – man spricht deshalb beispielsweise von Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs.

Häufig werden Krebserkrankungen als Tumorerkrankungen bezeichnet. "Tumor" ist der lateinische Fachausdruck für "Schwellung". Nicht jeder Tumor ist automatisch Krebs. Es gibt auch gutartige (benigne) Tumoren, zum Beispiel Polypen im Darm oder manche Knoten in der Brust.

Krebs ist nicht gleich Krebs. Die Erkrankung verläuft bei jedem Menschen individuell. Wie schnell und aggressiv Krebs wächst, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Tumorart und dem Alter des Betroffenen.

In den letzten Jahrzehnten sind Krebserkrankungen häufiger geworden. Vor allem, weil die Lebenserwartung stetig steigt und moderne Diagnoseverfahren mehr bösartige Neubildungen aufspüren. Gleichzeitig sinkt aber die Zahl der Patienten, die an Krebs sterben. Wird der Krebs frühzeitig entdeckt und behandelt, ist er immer öfter gut kontrollierbar, in vielen Fällen sogar heilbar.

Im menschlichen Körper entstehen ununterbrochen neue Zellen. Gleichzeitig gehen genauso viele zugrunde, sodass die Gesamtzahl an Körperzellen immer ungefähr gleich bleibt. Stark strapaziertes Gewebe erneuert der Organismus besonders rasch. Hautzellen überleben im Schnitt gerade einmal zwei Wochen, Schleimhautzellen sogar nur wenige Tage. Jede Zelle trägt in ihrem Erbgut ein festes Programm: Es bestimmt, welche Aufgabe sie hat, wie oft sie sich teilen wird und nach welcher Zeitspanne sie sterben wird. Verändern sich bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz (Genmutation), hat dieses Programm einen Fehler. Viele Genmutationen kann der Körper reparieren. Gelingt das nicht, kann Krebs entstehen.

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die meisten Krebserkrankungen in einer einzigen bösartig veränderten Zelle ihren Ursprung haben. Bei Krebszellen ist das sensible Gleichgewicht von Zellteilung, -wachstum und -tod außer Kontrolle. Sie wuchern ungebremst. Krebszellen verlieren zudem ihre ursprüngliche Funktion und unterscheiden sich auch äußerlich von den Zellen ihres Ursprungsorgans. Je größer der Unterschied, desto bösartiger wächst ein Tumor.

Warum manche Menschen Krebs bekommen und andere nicht, kann niemand sagen. Manchmal ist die Veranlagung erblich, zum Beispiel bei bestimmten Brustkrebs- und Darmkrebsformen. Zudem kennt man einige Faktoren, die Gene verändern und so die Krebsentstehung fördern können. Dazu gehören Tabakrauch, UV-Strahlen, chronische Infektionen, Chemikalien, übermäßiger Alkoholgenuss und ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung sowie wenig Obst und Gemüse.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 477.000 Menschen an Krebs. Etwa 252.000 davon sind Männer, knapp 225.000 Frauen. Je älter ein Mensch wird, desto weniger zuverlässig arbeiten seine körpereigenen Reparatursysteme. Entartete Zellen können weniger gut gestoppt werden. Deshalb entwickelt sich ein Großteil der Krebserkrankungen in späteren Lebensjahren. Für Männer und Frauen liegt das mittlere Erkrankungsalter bei etwa 69 Jahren. Es gibt aber auch Tumorerkrankungen, die häufiger in jüngeren Jahren auftreten. Ein Beispiel dafür ist Hodenkrebs: Dieser Tumor wird am häufigsten bei Männern im 39. Lebensjahr festgestellt.
Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs führen die Statistiken an. Am häufigsten ist die Diagnose Brustkrebs. Jedes Jahr wird in Deutschland bei mehr als 70.000 Frauen ein bösartiger Tumor in der Brust entdeckt. Der verbreitetste Männerkrebs wächst in der Prostata. Pro Jahr erkranken rund 65.000 Männer neu an Prostatakrebs. Darmkrebs ist bei beiden Geschlechtern die am zweithäufigsten auftretende Krebsart. Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts betrifft Darmkrebs jährlich rund 34.000 Männer und etwa 28.600 Frauen. Lungenkrebs wird bei beiden Geschlechtern am dritthäufigsten festgestellt. Er kommt bei Männern jedoch etwa doppelt so oft vor wie bei Frauen. Für das Jahr 2010 verzeichnet die Statistik bei Männern 35.040 Neuerkrankungen an Lungenkrebs und 17.030 bei Frauen.
Je früher eine Krebserkrankung entdeckt wird, desto besser ist sie in der Regel behandelbar und desto höher sind die Heilungschancen. Früherkennungsuntersuchungen können helfen, Gewebeveränderungen in möglichst frühen Stadien aufzuspüren; also bevor sich der Krebs durch Schmerzen oder andere Beschwerden bemerkbar macht. Bei oberflächlichen Krebsarten kann eine rechtzeitige Früherkennungsuntersuchung das Eindringen von Krebs in tiefere Schichten verhindern. Das gilt beispielsweise für Gebärmutterhalskrebs oder hellen Hautkrebs. Man weiß, dass diese Tumoren aus typischen Vorstufen entstehen. Werden diese entdeckt und behandelt, kann auch kein Krebs in die Tiefe wachsen. Einen Sonderfall stellt die Darmspiegelung bei Darmkrebsfrüherkennung dar: Hier kann durch die vorsorgliche Entfernung von gutartigen Darmpolypen deren Entwicklung zu Darmkrebs verhindert werden.

Krebs verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb gibt es auch für die Behandlung kein "Patentrezept", das allen Betroffenen gleichermaßen hilft. Je nach Tumorart, Schwere der Erkrankung, Alter und Allgemeinzustand des Betroffenen wird der Behandlungsplan für jeden Krebspatienten individuell zusammengestellt.

Es gibt viele Wege, das Wachstum von Tumorzellen einzudämmen. Die drei wichtigsten Säulen der Krebsbehandlung sind Operation, Chemo- und Strahlentherapie.

Operation

Ziel einer Krebsoperation ist es, den Tumor möglichst vollständig und mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe zu entfernen.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie bekommt der Patient chemische Substanzen, die das Wachstum von Krebszellen hemmen oder sie zerstören. Meistens werden Medikamente eingesetzt, die die Zellteilung stören. Die bei der Chemotherapie eingesetzten Medikamente schädigen aber nicht nur die Krebszellen, sondern auch gesunde Körperzellen. Darauf beruhen viele der unerwünschten Wirkungen der Chemotherapeutika.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) wird oft nach einer Operation eingesetzt, um eventuell im Körper verbliebene Krebszellen zu zerstören. Ionisierende Strahlen schädigen das Erbmaterial der bestrahlten Zellen – sowohl von gesunden als auch von Krebszellen. Im Gegensatz zu gesunden Zellen können Krebszellen solche Schäden kaum reparieren: Sie sterben ab.

Moderne Krebstherapien werden vor ihrer Zulassung weit strengeren Prüfungen unterzogen als noch vor einigen Jahren. Dabei spielt die sogenannte "evidenzbasierte Medizin" eine wachsende Rolle: Ein neues Medikament oder Verfahren wird nur angewendet, wenn seine Vorteile gegenüber älteren Methoden in klinischen Studien bewiesen sind.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Ulrike Henning, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformation.de
  • Servicetelefon des Krebsinformationsdiensts: Tel. 0800 – 420 30 40 (kostenlose Hotline)
  • Majorczyk, S. und Experten der Deutschen Krebsgesellschaft: Das Krebs-Buch. Verlag Zabert Sandmann, München 2011
  • Deutsche Krebshilfe e.V.: www.krebshilfe.de
  • Deutsche Krebshilfe e.V.: Die blauen Ratgeber (Broschüren für Krebs-Betroffene, Angehörige und Interessierte; Bestellung und Download)

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Webcode dieser Seite: s000516 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 24.03.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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