Krätze

Die Zahl an Krätze erkrankter Menschen steigt. Nach einer Analyse der Barmer ist die Zahl an Verordnungen von wichtigen Krätze-Medikamenten zwischen 2016 und 2017 um 60 Prozent gestiegen. Eine ähnliche Steigerungsrate wird für die Anzahl der Erkrankten angenommen.

Krätze (Skabies) ist eine juckende Hauterkrankung, die durch die Krätzmilbe verursacht wird. Diese Milbe gehört zu den Spinnentieren und ist maximal 0,5 Millimeter groß. Die Krätze kommt auf der ganzen Welt vor und kann Personen jeden Alters treffen. Schätzungsweise 300 Millionen Menschen sind weltweit infiziert. In Mitteleuropa kommt Krätze als vereinzelt auftretende Erkrankung oder in Form von Ausbrüchen vor.

Eine Krätze-Infektion ist unangenehm und den Betroffenen manchmal peinlich. Dabei ist mangelnde Hygiene nicht die Ursache.

Eine besonders heftige Form ist die Borkenkrätze. Hierbei ist der Milbenbefall sehr stark und die Füße, Hände, Knie und Ellenbogen zeigen eine starke Krustenbildung.

Verursacht wird die Krankheit nicht durch mangelnde Hygiene, sondern durch die sogenannte Krätzmilbe Sarcoptes scabiei. Gelangt eine befruchtete weibliche Milbe auf die Haut eines Menschen, gräbt sie sich in die oberste Hautschicht ein und legt dort in bis zu einem Zentimeter langen Kanälen ihre Eier ab. Auch der Kot der Milbe bleibt zurück. Dadurch entzündet sich die Haut. Sie beginnt zu jucken und zu brennen.

Die Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch durch engen Körperkontakt. Die Übertragung von Krätzmilben ist nur bei länger andauerndem Haut-zu-Haut-Kontakt über einen Zeitraum von mindestens 5 bis 10 Minuten möglich. Kontaktpersonen, die sich mit Krätze anstecken können, sind daher im Regelfall Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, z.B. Paare, Geschwister, Eltern mit Kleinkindern oder pflegebedürftige Personen und deren Betreuer. Das Infektionsrisiko steigt mit der Anzahl der Milben auf der Hautfläche des Patienten. Bei der Borkenkrätze ist die Anzahl an Milben auf der Haut der Betroffenen besonders hoch. Deshalb ist diese Form im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Krätze hochansteckend.

Das Tückische ist, dass es zwei bis  fünf Wochen dauern kann, bis sich erste Anzeichen zeigen. Man kann also symptomfrei sein und sich trotzdem bereits infiziert haben und seine engsten Mitmenschen anstecken.

Eine Übertragung von Krätzmilben über Textilien wie Bettwäsche, Wolldecken, Unterwäsche oder Verbandsstoffe ist möglich aber selten.  Händeschütteln, Begrüßungsküsse, Umarmungen oder eine medizinische Untersuchung der Haut dauern in der Regel zu kurz für eine Ansteckung.

Selbst gute Körperhygiene kann eine Ansteckung nicht vollständig verhindern. Eltern von infizierten Kindern oder Mitarbeiter im Pflegebereich sollten daher beim Eincremen der Kranken Handschuhe tragen. Handelt es sich um die Behandlung einer Borkenkrätze, werden zusätzlich Schutzanzüge empfohlen.

Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Pflegeheime oder Krankenhäuser müssen eine Krätze-Erkrankung sofort melden. Infizierte müssen dann solange der Einrichtung fernbleiben, bis sie niemanden mehr anstecken können.

Bei einer Erstinfektion treten die ersten Symptome nach zwei bis fünf Wochen auf; bei einer Wiederansteckung schon nach vier bis acht Tagen. Wichtiges Symptom ist neben den typischen Körperregionen der charakteristische, starke Juckreiz. Aufgrund des Juckreizes weist die Haut häufig Kratzspuren auf.

Die Milben legen ihre Eier bevorzugt an warmen Körperstellen mit dünner Hornschicht ab. Daher zeigen sich Hautrötungen und Papeln am häufigsten in Fingerzwischenräumen, Achseln und Genitalien. Bei Säuglingen und Kleinkindern findet man die typischen Hauterscheinungen auch am behaarten Kopf, im Gesicht sowie an Handflächen und Fußsohlen.

Viele Betroffene denken nicht zuerst an eine Krätzmilben-Erkrankung, sondern vermuten einen harmlosen Hautausschlag. Dies muss abgeklärt werden. Bei den ersten Anzeichen auf Krätze wie geröteten Papeln zwischen den Fingern, in den Achseln oder im Intimbereich in Kombination mit nächtlich auftretendem Juckreiz sollten Betroffene deshalb zügig einen Arzt aufsuchen.

Über einen Nachweis von Milben und Eiern im Mikroskop, von Milben im Dermatoskop (Auflichtmikroskop) oder mittels Klebebandtest wird die Diagnose Krätze gesichert. Fehlt ein solcher Nachweis, kann eine Gewebeprobe aus abgeschabter Haut zur Diagnosestellung beitragen.

Auch enge Kontaktpersonen von Erkrankten sollten zum Arzt gehen, sich untersuchen und vorsorglich behandeln lassen.

Erstes Ziel einer Therapie ist es, die Krätzmilben sowie ihre Eier und Larven abzutöten. Außerdem sollen der ausgeprägte Juckreiz sowie Hautentzündungen und Folgeinfektionen eingedämmt werden.

Für eine Behandlung der Krätze stehen wirksame Medikamente, sogenannte Skabizide, zur Verfügung. Die meisten Mittel werden äußerlich angewendet und die Haut der Erkrankten mit einer Salbe eingerieben – bei kleinen Kindern auch die Kopfhaut. Genutzt werden verschreibungspflichtige Salben, Cremes oder Lotionen mit den Wirkstoffen Permethin, Benzylbenzoat oder Crotamiton. Unter den in Deutschland zugelassenen Mitteln gegen Krätze hat sich der Wirkstoff Permethin als am wirksamsten und zuverlässigsten erwiesen und wird daher – unabhängig vom Lebensalter der Erkrankten – als Therapie der Wahl angewendet.

Seit 2016 sind in Deutschland auch Medikamente mit dem Wirkstoff Ivermectin zum Einnehmen zugelassen.

Für die Behandlung von Schwangeren ist offiziell keines der Medikamente zugelassen. Allerdings kann nach sorgfältiger medizinischer Abwägung im Einzelfall äußerlich behandelt werden. Stillende sollten aus Sicherheitsgründen nach der Behandlung eine Stillpause von 5 Tagen einlegen.

Eine stationäre Behandlung von Krätze-Kranken ist in der Regel nur bei Säuglingen, nicht anders therapierbaren Kleinkindern oder Patienten mit Borkenkrätze erforderlich.

Bei einer akuten Erkrankung kann eine gute Hygiene die Heilung unterstützen. Kleidung, Schuhe, Handtücher und Bettwäsche sollten täglich gewechselt werden.

Die Übertragungswahrscheinlichkeit von Krätzmilben über Textilien lässt sich noch weiter reduzieren, indem man Kleidung, Bettwäsche oder andere eventuell befallenen Gegenstände (z.B. Stofftiere) reinigt. Waschbare Textilien sollten mindestens 10 Minuten bei 50 Grad (am besten in der Waschmaschine) gewaschen und anschließend im Trockner getrocknet werden. Nicht waschbare Dinge verpackt man am besten 72 Stunden lang luftdicht bei Raumtemperatur (21 Grad). Sinnvoll ist es außerdem, Polstermöbel und Matratzen täglich mit einem starken Staubsauger abzusaugen.

Intensives Händewaschen kann möglicherweise auf die Haut gelangte Krätzmilben (z.B. bei einer Untersuchung) beseitigen. Eine Desinfektion der Hände oder einfaches Händewaschen verringert die Anzahl der anhaftenden Milben dagegen nicht. Die Händedesinfektion ist daher keine sichere Vorsichtsmaßnahme. Stattdessen empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können Juckreiz und Hautveränderungen noch wochenlang anhalten. Die Betroffenen sind aber nicht mehr ansteckend und sollten ihre Haut rückfettenden Pflegecremes und gegebenenfalls antientzündlichen Salben behandeln. Letztere kann der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin verordnen.

Mangelhafte Hygiene ist zwar nicht die Ursache der Krätze, kann allerdings zu Komplikationen im Verlauf einer Krätze-Erkrankung führen: Bakterien können sich in der bereits gereizten oder aufgekratzten Haut festsetzen. Dadurch kann es zu weiteren Hautinfektionen wie Eiterflechte (Impetigo contagiosa), Wundrose (Erysipel) oder schlimmstenfalls zur Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Unbehandelt verläuft die Krätze chronisch. In seltenen Fällen heilt sie nach mehreren Jahren spontan aus.

Jeder kann sich mit Krätze anstecken. Besonders gefährdet sind Kinder und ältere oder kranke Menschen, deren körpereigene Abwehr die Kratzmilbe nicht so wirksam bekämpfen kann. Deshalb können sich Krätzmilben besonders leicht in Kindergärten, Pflegeheimen oder Krankenhäusern ausbreiten.

Textnachweis:

  • Autor: Barmer Internetredaktion
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Utta Petzold, Fachärztin für Dermatologie

Quellen:

  • S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Skabies
  • Infektionsschutz.de: Krätze (Skabies), Informationen über Krankheitserreger beim Menschen der BZgA, letzter Abruf 16.03.2018

 

Webcode dieser Seite: s000895 Autor: Barmer Erstellt am: 19.06.2018 Letzte Aktualisierung am: 20.06.2018
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