Kopfschmerzen

Kopfschmerzen quälen fast jeden Menschen von Zeit zu Zeit. In der Regel sind sie erträglich und verschwinden von alleine wieder. Manche Betroffene leiden jedoch unter chronischen Kopfschmerzen oder extrem heftigen Schmerzattacken, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können.

Kopfschmerzen sind weit verbreitet, innerhalb eines Jahres leiden etwa 70 von 100 Menschen daran. Doch Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz, es lassen sich mehr als  200 verschiedene Arten unterscheiden. Sie werden in primäre und sekundäre Kopfschmerzen eingeteilt. Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Erkrankungen wie z.B. Spannungskopfschmerz oder Migräne. Eine klar erkennbare Ursache ist nicht zu finden, der Kopfschmerz ist die Erkrankung. Sekundäre Kopfschmerzen sind dagegen ein Symptom bzw. Warnsignal einer anderen Krankheit wie beispielsweise Nasennebenhöhlen- oder Hirnhautentzündung. 95 von 100 Kopfschmerzerkrankungen gelten als primäre Erkrankung.

Zu den wichtigsten Kopfschmerzarten zählen:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz 
  • Clusterkopfschmerz
  • Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch

Die ersten drei Kopfschmerzformen gehören zum primären Typ, die Medikamenten-bedingten Kopfschmerzen zum sekundären.

Bei den meisten Menschen treten Kopfschmerzen nur ab und zu auf (episodisch). Sie können aber auch in einen chronischen Zustand übergehen. Mediziner sprechen von einem chronischen Kopfschmerz, wenn er sich an mehr als 15 Tagen im Monat für mehr als 4 Stunden täglich einstellt und das seit mindestens drei Monaten. Etwa 92 von 100 Patienten haben zunächst einen episodischen Kopfschmerz, bevor dieser chronisch wird.

Vor allem bei gelegentlichen (episodischen) Kopfschmerzen sind die Ursachen vielfältig, aber meist harmlos. Mögliche Gründe können zum Beispiel Stress, Muskelverspannungen oder fiebrige Infekte sein.

Die Ursachen der Migräne sind noch nicht endgültig geklärt. Experten gehen von einer genetischen Veranlagung aus, in deren Folge bestimmte Auslösefaktoren oder Überlastungen im Gehirn schmerzverarbeitende Zentren aktivieren und die Ausschüttung von schmerzvermittelnden Botenstoffen bewirken. Diese rufen an den Blutgefäßen der Hirnhäute eine Entzündungsreaktion hervor.

Auch wie der Spannungskopfschmerz entsteht, ist noch nicht vollständig bekannt. Experten gehen derzeit von einer erhöhten Anspannung der Nackenmuskulatur als Auslöser aus: Tritt diese Anspannung gehäuft auf, könnte in der Folge die Empfindlichkeit der Schmerzzentren im Gehirn zunehmen. Auch psychische Faktoren wie Stress können zum Auslöser der Spannungskopfschmerzen werden.

Menschen mit chronischen Spannungskopfschmerzen leiden oftmals ähnlich wie Menschen mit einer Migräne unter vermehrten Ängsten, depressiven Symptomen und Schlafstörungen.

Auch die Entstehung der Clusterkopfschmerzen ist noch unklar. Offenbar spielt aber der Hypothalamus eine zentrale Rolle. Diese Hirnregion ist unter anderem für die Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus zu-ständig. Tatsächlich treten Clusterkopfschmerzen oft zur gleichen Tageszeit, aber auch in Phasen gehäuft im Frühjahr oder Herbst auf. Der sogenannte Trigeminusnerv ist für das Spüren an großen Teilen des Gesichts zuständig. Man vermutet, dass er bei der Entstehung von Cluster-Kopfschmerzen eine große Rolle spielt. Einzelne Schmerzattacken werden dabei oftmals durch Triggerfaktoren wie Alkohol ausgelöst.

Wenn Patienten mit primären Kopfschmerzen wie Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerz zu häufig Schmerzmittel gegen ihre Beschwerden einnehmen, kann sich zusätzlich ein sogenannter Medikamenten-induzierter Kopfschmerz entwickeln. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn man über längere Zeit an mehr als 15 Tagen im Monat ein einfaches Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Ibuprofen oder an mehr als zehn Tagen im Monat ein Triptan, Opiat oder Kombinationspräparat - etwa mit ASS, Paracetamol und Koffein - einnimmt. Bei manchen Patienten kann aber auch schon ein geringerer Schmerzmittelgebrauch zum Medikamenten-induziertem Kopfschmerz führen. Diese Kopfschmerzart zählt zu den sekundären Kopfschmerzen.

Weitere Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen

Sekundäre Kopfschmerzen können auch eine konkrete organische Ursache haben, beispielsweise:

  • Infektionen (z.B. Hirnhautentzündung (Meningitis), Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Kieferfehlstellungen, nächtliches Zähneknirschen
  • Grüner Star (Glaukom)
  • Nächtliche Atemaussetzer (Schlaf-Apnoe)
  • Bluthochdruck
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Schlaganfall durch Minderdurchblutung oder Hirnblutung
  • Gefäßstörungen im Bereich von Kopf oder Hals (wie Gefäßentzündungen)
  • Tumorerkrankungen   

Kopfschmerzen können aufgrund ihrer teils sehr unterschiedlichen Beschwerden voneinander abgegrenzt werden.

  • Migräne: Typisch für Migräne ist, dass sich die Schmerzen häufig einseitig und pulsierend-pochend äußern. Sie können sehr stark sein, werden oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und Ruhebedürfnis begleitet. Die Attacken dauern bei Erwachsenen vier bis 72 Stunden, bei Kindern sind sie oft kürzer.
  • Spannungskopfschmerz: Die leichten bis mittelstarken Schmerzen betreffen meist den ganzen Kopf und werden als dumpf und drückend empfunden. Es bestehen meist keine Begleitsymptome wie Übelkeit. Unter normaler körperlicher Belastung wie Treppensteigen nehmen sie nicht zu und bessern sich oft an der frischen Luft.
  • Clusterkopfschmerz: Cluster-Kopfschmerzen werden als unerträglich stark beschrieben. Sie treten meist periodisch gehäuft für einige Wochen bis Monate auf, und zwar oft zur gleichen Uhrzeit (gehäuft in der Nacht) – manchmal auch mehrmals am Tag. Die einzelnen Schmerzattacken dauern meist 15 Minuten bis drei Stunden an und betreffen in der Regel nur eine Kopfseite. Der stärkste Schmerz wird meist um das Auge herum oder hinter dem Auge empfunden. Charakteristisch sind Begleiterscheinungen wie Augentränen, verstopfte oder laufende Nase, Schwitzen im Gesicht und eine Bewegungsunruhe.
  • Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch fühlen sich dumpf und drückend an, erfassen den ganzen Kopf und treten nahezu täglich auf. Bei Migränepatienten mit Übergebrauch an Triptanen steigert sich gelegentlich die Häufigkeit von Migräneattacken.

Treten Kopfschmerzen akut und heftig auf oder verstärkt sich ein bestehender schwächerer Kopfschmerz massiv, sollte umgehend ein Arzt/ eine Ärztin aufgesucht werden. Kommen Fieber, Lähmungserscheinungen, Nackensteife oder gar epileptische Anfälle hinzu, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden (Notruf 112).

Die Ärztin/der Arzt ermittelt zunächst die Art der Kopfschmerzen. Dazu befragt sie/er den Patienten. Hinweise liefern:

  • die Dauer und Häufigkeit der Schmerzattacken
  • der Bereich, in dem der Schmerz sitzt
  • die Art des Schmerzes und seine Intensität
  • mögliche Auslöser wie Unfall oder Stress
  • bekannte Erkrankungen und familiäre Vorbelastungen
  • die Einnahme von Schmerzmitteln und anderen Medikamenten

Meist lässt sich anhand der Angaben klären, ob es sich beispielsweise um einen Spannungskopfschmerz oder eine Migräne handelt. Das Führen eines Kopfschmerztagebuches oder -kalenders kann Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin wichtige Hinweise für eine schnellere Diagnostik liefern. Links finden Sie unter "Weiterführende Informationen".

Apparative Untersuchungen sind meist nur bei Verdacht auf einen sekundären Kopfschmerz notwendig, um der zugrunde liegenden Erkrankung auf die Spur zu kommen. Je nach Bedarf kann der Arzt/die Ärztin zum Beispiel eine Computertomografie (CT, CCT), Kernspintomografie (MRT), ein Elektroenzephalogramm (EEG), Labor- oder Gefäßuntersuchungen oder eine Punktion des Nervenwassers (Lumbalpunktion) veranlassen.

Für die häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen stehen spezifische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Um einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz vorzubeugen, sollte die Therapie eng mit dem Arzt/ der Ärztin abgesprochen werden. Das gilt auch für frei verkäufliche Medikamente.

Migräne
Leichte Migräneattacken lassen sich nach Absprache mit der Ärztin/dem Arzt mit klassischen Schmerzmitteln gut behandeln, z.B. Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Tabletten eines Kombinationspräparates aus ASS, Paracetamol und Koffein. Wirken diese Medikamente nicht ausreichend, dann sollten migränespezifische Schmerzmittel, sogenannten Triptane, eingesetzt werden.

Spannungskopfschmerz
Da akute Spannungskopfschmerzen oft keine erkennbare Ursache haben, konzentriert man sich auf die Behandlung der Symptome. Oft bringen schon einfach Hausmittel wie Pfefferminzöl für Schläfen und Nacken Linderung. Kurzzeitig lassen sich die Schmerzen auch mit Schmerztabletten behandeln wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen, Metamizol oder eine Kombination daraus. Sie dürfen aber maximal an zehn Tagen im Monat eingenommen werden, da sie sonst chronisches (medikamentenbedingtes) Kopfweh verursachen können. Bei häufigen Kopfschmerzattacken hilft Stressabbau, beispiels-weise durch regelmäßigen Sport oder eine Entspannungstechnik wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen kann die Ärztin/der Arzt zusätzlich Medikamente zur Vorbeugung verordnen. Oft werden sogenannte Antidepressiva eingesetzt, deren Dosis langsam gesteigert wird. Als alleinige Maßnahme durchgeführt helfen sie rund 40 bis 45 von 100 Patienten. Diese Erfolgsquote lässt sich steigern, wenn der Patient zusätzlich ein Training zur Stressbewältigung absolviert. In einigen Fällen tragen auch physiotherapeutische Maßnahmen und Manuelle Therapie dazu bei, den chronischen Kopfschmerz zu reduzieren.

Cluster-Kopfschmerzen
Cluster-Kopfschmerzen sind extrem schmerzhaft. Bei ihnen können Triptane aus der Migränetherapie Erleichterung verschaffen. Die Attacken lassen sich oft auch durch das Inhalieren reinen Sauerstoffs stoppen. Ebenfalls bewährt hat sich die Anwendung von betäubungsmittelhaltigen Nasensprays.
Neben dieser Akuttherapie wird üblicherweise auch eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten durchgeführt. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Verapamil, Topiramat, Lithium und Kortison.

Kopfschmerzen bei Medikamentenübergebrauch
Steckt ein übermäßiger Medikamentengebrauch hinter den Kopfschmerzen, hilft nur noch das Absetzen der Schmerzmittel (Entzug). Je nach Art der eingenommenen Schmerzmittel, kann das ambulant, in einer Tagesklinik oder stationär, beispielsweise in einer Schmerzklinik, erfolgen. Parallel dazu oder im Anschluss kann mit einer medikamentösen Prophylaxe der ursprünglichen Kopfschmerzen (wie Migräne) begonnen werden.

Insgesamt leiden Frauen häufiger unter Kopfschmerzen als Männer. So kommt zum Beispiel Migräne zwar vor der Pubertät bei Jungen und Mädchen etwa gleich häufig vor; nach der Pubertät sind Frauen aber bis zu dreimal häufiger betroffen. Umgekehrt ist es bei Cluster-Kopfschmerzen: Sie kommen bei Männern dreimal so häufig vor wie bei Frauen. Da diese Form aber insgesamt selten ist, fällt die Zahl wenig ins Gewicht.
Kopfschmerzen, insbesondere Spannungskopfschmerzen, sind sehr weit verbreitet. Sie können in allen Altersklassen auftreten. Die häufigsten Kopfschmerzformen bei Kindern und Jugendlichen sind Spannungskopfschmerz und Migräne. Migräneattacken sind im Kindesalter oft weniger charakteristisch und dauern kürzer an als bei Erwachsenen. Die Schmerzen sind bei Kindern oft nicht einseitig und pulsierend wie bei Erwachsenen, sondern äußern sich eher an beiden Seiten der Stirn (bifrontal), dumpf und drückend. Außerdem geht die Migräne bei Kindern häufiger mit Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Erbrechen einher.

Textnachweis

Autor: almeda GmbH
Medizinische Qualitätssicherung: Prof.Dr.med. Andreas Straube, Facharzt für Neurologie und Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

 

Literatur

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000549 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 17.06.2015 Letzte Aktualisierung am: 17.05.2017
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