Kopfläuse

Kopfläuse fühlen sich auch auf saubersten Häuptern wohl, solange sie Haare zum Festhalten und Verstecken vorfinden. Mit etwas Disziplin wird man sie aber zuverlässig wieder los.

Kopfläuse sind flügellose blutsaugende Insekten, die ausschließlich den Menschen und dabei den behaarten Kopf befallen. Sie können weder fliegen noch springen, sondern bewegen sich schnell krabbelnd. Die Kopflaus ist eng verwandt mit der Kleiderlaus und kann sich mit dieser bei Gelegenheit sogar erfolgreich paaren, nicht jedoch mit der Filzlaus. Wobei die Filzlaus in allen Körperbehaarungen zu finden ist, aber praktisch nie im Kopfhaar. Der Mensch und seine Kopflaus haben sich in einer so genannten Koevolution gemeinsam entwickelt. Bereits unsere Vorfahren aus dem Affenreich waren Wirt für die Ahnen der Kopflaus.

Während der engmaschige Wäschewechsel des modernen Menschen die Lebensbedingungen der Kleiderlaus dramatisch verschlechtert hat und sie bei uns zu einem sehr seltenen Ereignis geworden ist, kennen auch heute noch fast alle Eltern den regelmäßig wiederkehrenden Kopflausalarm in Kindergärten und Schulen. Der Befall (Infestation) mit den kleinen Parasiten ist lästig und stigmatisierend, weil zu Unrecht immer noch Hygienemängel unterstellt werden, aber üblicherweise nicht gefährlich. Denn in unseren Breiten spielt die Kopflaus als Überträger von Infektionskrankheiten so gut wie keine Rolle.

Das gesamte Leben der Kopflaus spielt sich auf den Köpfen von Menschen ab. Aus an Haaren befestigten Eiern (Nissen) schlüpfen nach acht bis zehn Tagen Larven. Diese ähneln bereits dem ausgewachsenen Insekt, sind aber deutlich kleiner und deshalb auch schlechter zu sehen. Die ebenfalls Blut saugenden Larven reifen in wiederum acht bis zehn Tagen zum erwachsenen, bis rund drei Millimeter großen Tier heran. Männchen leben 15 bis 20 Tage, Weibchen 30 bis 40 Tage und können dabei bis zu über 100 Eier legen.

Kopfläuse erwirbt man fast ausschließlich über den direkten Haar-zu-Haar-Kontakt mit einer bereits befallenen Person. Nach jeder alle zwei bis vier Stunden stattfindenden Blutmahlzeit wandert das befruchtete Weibchen von der Kopfhaut an oberflächlich liegende Haarbereiche. Bekommt es von dort mit seinen Klammerbeinen Kopfhaare eines anderen Menschen zu greifen, wechselt es den Wirt. Mit der meist noch am gleichen Tag startenden Ablage von täglich zwei bis zehn Eiern, die es kopfhautnah an Haare kleistert, gründet es eine neue Population. Dass eine Laus versehentlich vom Kopf fällt, ist angesichts ihrer zu perfekten Haarklammern umgewandelten Beine selten und sie hat deshalb in ihrer Evolution auch keine Strategien erworben, wieder auf einen Kopf zurück zu finden. Auch verlassen sie das Haar praktisch nie, um sich etwa in einer Mütze festzusetzen. Kopfläuse können sich deshalb nur dort ausbreiten, wo Menschen ihre Köpfe zusammen stecken und es zum Haar-zu-Haar-Kontakt kommt.
Als erstes Anzeichen eines Kopflausbefalls gilt gemeinhin ein neu auftretendes ungewöhnliches Kopfjucken. Dieses Symptom kann auch andere Ursachen haben, sollte aber immer Anlass sein, nach Läusen zu fahnden. Tückisch ist, dass Kopfläuse am Anfang oft keine Beschwerden bereiten. Ihre Stiche fangen erst an zu jucken, wenn der Körper gegen den Speichel sensibilisiert ist. Bis dahin können sich die Tiere auf dem eigenen Kopf schon ausgebreitet und auch bereits weitere Köpfe besiedelt haben. Umso wichtiger ist, bei Läusealarm auf den Köpfen aller Menschen, die mit einem aktuell Betroffenen engen Kontakt hatten, nach den kleinen Krabblern zu fahnden.
Kopfläuse und ihre Larven können sich zwischen den Haaren äußerst geschickt bewegen und verstecken. Solange sie den Kopf nicht in größerer Zahl besiedeln, entgehen sie deshalb oft auch intensiven Blicken und selbst der Suche mit dem Läusekamm. Wichtig ist deshalb, gezielt auf Indizien der Anwesenheit von Läusen zu achten: Kleine rote Punkte auf der Kopfhaut, die als Läusestiche in Frage kommen, Kratzspuren und vor allem Nissen, die als etwa 0,8 Millimeter große tropfenförmige Gebilde am Haarschaft nahe der Kopfhaut kleben. Im Unterschied zu Kopfschuppen lassen sich Nissen nicht oder nur schwer von einem Haar abstreifen. Wichtig ist, bei verdächtigem Juckreiz oder bei gesichertem Läusebefall im persönlichen Umfeld die Köpfe aller Betroffenen beziehungsweise aller Kontaktpersonen gründlichst bei gutem Licht und eventuell unter Zuhilfenahme einer Lupe abzusuchen. Bevorzugte Stichstellen sind der Haaransatz hinter den Ohren, an den Schläfen und im Nacken. Larven und erwachsene Läuse findet man oft nur unter Einsatz eines Läusekamms. Dabei ist wichtig, das feuchte Haar Strähne für Strähne vom Haaransatz bis zur Spitze auf ein weißes Tuch auszukämmen. Handelsübliche Pflegespülungen erleichtern das Kämmen und hindern die Läuse am Weglaufen. Bereits eine entdeckte Laus reicht, um eine Behandlung zu veranlassen.

Als effektive und gut verträgliche Behandlungsmaßnahme gegen Kopflausbefall hat sich das mehrmalige gewissenhafte Auskämmen mit einem Läuse- und Nissenkamm in Verbindung mit dem Einsatz eines zugelassenen lokal in das Haar aufzutragenden Läusemittels etabliert. Bei allen Läusemitteln ist die Anwendung streng nach Packungsbeilage entscheidend. Insbesondere ist auf die Einhaltung der für jedes Mittel unterschiedlichen Dosierung und Einwirkzeit sowie auf die zwingend mindestens einmalige Wiederholungsbehandlung nach acht bis zehn Tagen zu achten. Nur so werden auch Tiere zuverlässig erreicht, die nach der ersten Behandlung aus übrig gebliebenen Nissen geschlüpft sind. Werden auch noch nach der ersten Wiederholungsbehandlung beim kontrollierenden Auskämmen Läuse oder intakte Nissen gefunden, ist eine weitere Behandlung nach wiederum acht bis zehn Tagen nötig.

Zugelassene Läusemittel lassen sich in chemisch und physikalisch wirksame Substanzen unterteilen. Erstere enthalten als Wirkstoff so genannte Pyrethrine oder Pyrethroide, also natürliche oder künstlich nachgebaute Gifte der Pflanze Chrysantheme. Physikalische Mittel enthalten Silikonöle wie Dimeticon, Kokosöle oder auch Neembaumsamen-Extrakt. Während die chemisch wirksamen Substanzen das Nervensystem der Läuse todbringend beschädigen, verschließen die physikalisch wirksamen Produkte die Atemwege der Parasiten oder trocknen sie aus. Bei silikonhaltigen Mitteln ist zu beachten, dass sie, solange sie nicht aus-gespült sind, die Entflammbarkeit des Haares erhöhen können. Zu den chemisch wirksamen Substanzen gibt es Hinweise einer Resistenzentwicklung. Das heißt, dass regionale Lauspopulationen möglicherweise immer weniger empfindlich gegen diese Mittel werden.

Die in manchen Ratgebern immer noch geforderten Wasch- und Desinfektionsorgien zur Reinigung von beispielsweise Teppichen, Kuscheltieren, Bett- und Sitzmöbeln sind unnötig. Die auf ihren Wirt hoch spezialisierten Läuse können ohne Haarschaft schlecht laufen und abseits des Kopfes nicht länger als 55 Stunden überleben (siehe "Wie bekommt man Kopfläuse"). Diese Zeit sollte besser für eine wirklich gründliche Lausfahndung auf dem Kopf aller engen Kontaktpersonen eines Betroffenen und für eine regelgerechte Anwendung der Antilausmittel verwendet werden. Denn überlebt nur eine Laus, kann die Ausbreitung rasch von neuem starten.

Theoretisch können auch Kopfläuse einige Infektionskrankheiten wie etwa das durch Bakterien der Gattung Rickettsien ausgelöste Fleckfieber übertragen. Dass sie es tatsächlich tun, ist in unseren Breiten aber so gut wie ausgeschlossen. Denn sie müssten den Erreger erst bei einem bereits damit Infizierten aufnehmen, um ihn weitergeben zu können. Mit kopflausrelevanten Erregern Infizierte sind aber in unserer modernen, medizinisch gut überwachten Gesellschaft inzwischen extrem rar. Hinzu kommt, dass eine Kopflaus in ihrem Leben, wenn überhaupt, dann meist nur einmal den Wirt wechselt. Auch deshalb ist sie zum Infektionsüberträger wenig geeignet. Allerdings können sich aufgekratzte Läusestiche mit unterschiedlichsten Erregern aus der Umwelt, etwa mit Staphylokokken, infizieren. Ein solches Risiko ist aber bei einem Läusestich keinesfalls größer als bei einem Mückenstich und somit ebenfalls eher gering.
Es gibt in Deutschland kaum statistische Daten über die Verbreitung der Kopfläuse. In Mitteleuropa sind zwei bis vier Prozent der Kinder von Kopfläusen betroffen, und zwar Mädchen etwa doppelt so häufig wie Jungen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Mädchen beim Spielen häufigeren und engeren Körperkontakt haben als Jungen. Auch ihre längeren Haare könnten dazu beitragen, dass Läuse leichter von Kopf zu Kopf gelangen.
Hauptrisikogruppe für Kopflausbefall sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Der in dieser Lebensphase noch häufige enge körperliche Kontakt untereinander erleichtert den Läusen, von Kind zu Kind zu wandern. Da die Kinder dann aber zu Hause auch wieder mit ihren Eltern oder älteren Geschwister kuscheln, sind diese ebenfalls gefährdet, befallen zu werden. In der Regel endet die Weitergabe dann aber an dieser Stelle, da Ältere zu ihrem sonstigen sozialen Umfeld meist genug Abstand wahren und somit den Kopfläusen einen Übertritt verwehren.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Kopfläuse ... was tun? Köln 2011
  • Homepage der Deutschen Pediculosis Gesellschaft: www.pediculosis-gesellschaft.de
  • Birgit und Heinz Mehlhorn: Läusealarm: ein vergnüglicher Ratgeber für Eltern, Lehrer, Kindergärtnerinnen und Ärzte; Düsseldorf 2009

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Webcode dieser Seite: s000548 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 10.08.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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