Knochenbruch

Ein Knochenbruch entsteht, wenn das Stützskelett des Körpers zu stark belastet wird. Oft reicht eine Ruhigstellung im Gipsverband, manche Knochenbrüche müssen operiert werden.

Knochen gehören zu den stabilsten Geweben des menschlichen Körpers. Wird ein Knochen jedoch zu stark belastet, kann er brechen. Mediziner bezeichnen einen Knochenbruch als (Knochen-) Fraktur.

Die Ursache für einen Bruch kann ein heftiger Aufprall sein, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall oder einem Sturz. Auch übermäßige Biegung oder Drehung lassen den Knochen brechen. Dies passiert zum Beispiel, wenn ein Skifahrer stürzt und sein Unterschenkel im Skistiefel feststeckt, der sich nicht aus der Bindung löst.

Bei einem sogenannten Ermüdungsbruch gibt der Knochen nach, wenn er dauerhaft überbeansprucht wird. Ein Beispiel ist die Marschfraktur des Mittelfußknochens, die bei langen Fußmärschen mit zusätzlichem Gewicht zum Beispiel eines Rucksacks, auftreten kann. Solche Stressfrakturen sind auf dem Röntgenbild oft nicht sofort zu erkennen, denn der Knochen hat mitunter nur einen feinen Riss.

Vorgeschädigte Knochen brechen schneller als gesunde. Ist das Gewebe beispielsweise durch Osteoporose geschwächt oder befinden sich Absiedlungen von bösartigen Tumoren (Metastasen) im Knochen, reicht eventuell schon eine Bagatellverletzung. Mediziner sprechen dann von einer pathologischen Fraktur. Manchmal bricht der Knochen ganz ohne äußere Gewalteinwirkung. Solche Brüche heißen Spontanfrakturen und kommen bei generalisierten Erkrankungen wie beispielsweise bei der Glasknochenkrankheit oder Osteoporose vor.

Je nach Verletzungsmechanismus, der Körperregion und der Beschaffenheit des Knochengewebes können Knochen auf ganz unterschiedliche Art brechen: Die Varianten reichen von einem feinen, mit bloßem Auge kaum sichtbaren Haarriss bis zur offenen Trümmerfraktur oder Amputationsverletzung. Bei einem offenen Bruch sind die Haut und die Weichteile über dem Knochen ebenfalls verletzt, so dass eine erhöhte Gefahr für eine Knochenvereiterung (Osteomyelitis) besteht.

Knochenbrüche können ganz unterschiedliche Beschwerden hervorrufen. Meistens geht ein Bruch mit starken Schmerzen einher, manchmal kommt es aber auch nur zu mäßigen Schmerzen, einer Schwellung oder einem Bluterguss wie bei einer Prellung. Sehr häufig besteht ein Funktionsverlust der betroffenen Stelle. Der Verletzte kann den gebrochenen Arm also beispielsweise nicht mehr anheben.

Abnorme Beweglichkeit oder Stellung eines Körperteils sowie sichtbare Knochenfragmente (-bruchstücke) weisen mit Sicherheit auf einen Bruch hin. Das gleiche gilt für ein schmerzhaftes, hörbares und fühlbares Aufeinanderreiben von Frakturteilen (Krepitation).

Bei Verdacht auf einen Knochenbruch wird der Patient/ die Patientin beim Arzt oder in der Klinik geröntgt. Dabei wird die verletzte Stelle aus zwei verschiedenen, meistens senkrecht zueinander stehenden Blickwinkeln (medizinisch "in zwei Ebenen") aufgenommen. Das Röntgenbild zeigt nur die Knochen, nicht aber die Weichteile (zum Beispiel Sehnen, Muskeln, Bänder). Es zeigt die Anzahl und Stellung der Bruchstücke, ob die Bruchstücke verschoben und ob zusätzlich Gelenke betroffen sind. Manche Brüche wie zum Beispiel feine Risse im Knochen bei Ermüdungsfrakturen sind auf dem Röntgenbild nicht erkennbar.

Bei einer Computertomografie (CT) wird die betroffene Stelle in vielen feinen Schichten geröntgt. Diese zusätzlichen Informationen können bei komplizierten Brüchen für eine genauere Einteilung und Therapieplanung wichtig sein. Die Kernspintomografie (MRT) stellt zusätzlich die Weichteile dar. Diese Untersuchung kann sinnvoll sein, um den Schaden der umgebenden Weichteile einzuschätzen. In seltenen Fällen muss auch eine Darstellung der Blutgefäße (Angiografie) erfolgen, die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Die Behandlung eines Bruchs richtet sich nach dem betroffenen Knochen, dem Ausmaß der Verletzung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Unverschobene oder nur gering verschobene Brüche können oft konservativ behandelt werden, das heißt ohne Operation. Zur Schmerzlinderung und damit die Knochenwunde heilen kann, müssen der Bruch und meistens auch die benachbarten Gelenke ruhiggestellt werden. Am häufigsten wird dazu ein Kunststoff- oder Gipsverband angelegt.

Auch bei verschobenen Brüchen ist eine konservative Therapie möglich. Dafür muss der Bruch zunächst eingerichtet, das heißt die Frakturteile wieder in ihre natürliche Position gebracht werden (Reposition). Für diese Reposition bekommt der Patient in der Regel Schmerzmittel und/oder die Verletzung wird örtlich betäubt. Manchmal ist auch eine kurze Vollnarkose sinnvoll. Nach der Reposition werden der Bruch und gegebenenfalls die angrenzenden Gelenke mit einem Kunststoff- oder Gipsverband ruhiggestellt.

Eine konservative Bruchbehandlung ist ebenfalls nötig, wenn der allgemeine Gesundheitszustand des Verletzten keine Operation erlaubt.

Bei frischen Brüchen wird der Gips zunächst vollständig in der Längsachse gespalten, um die Durchblutung des verletzten Körperteils nicht zu gefährden. Schwellen nämlich die verletzten Weichteile an, kann die Blutversorgung in einem festen Verband regelrecht abgedrückt werden. Der gespaltene Verband hingegen kann nachgeben. Sobald die Schwellung abgeklungen ist, kann ein endgültiger, geschlossener Gips angelegt werden.

Innerhalb der ersten zwei Wochen wird der Bruch in der Regel noch einmal geröntgt. Die Röntgenkontrolle zeigt, ob die Bruchenden noch richtig stehen. Bei späteren Röntgenkontrollen lässt sich auch neu gebildeter Knochen im Bruchspalt erkennen.

Offene Brüche, Brüche mit Gelenkbeteiligung oder instabile Knochenbrüche werden fast immer operiert. Bestehen neurologische Ausfälle am verletzten Körperteil, wird ebenfalls operiert, um Nervenschäden zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.

Es gibt verschiedene Methoden, um einen Knochenbruch operativ zu versorgen (Osteosynthese). Beispiele sind:

  • Draht: Ein Draht durchbohrt die Frakturteile und fixiert sie so in ihrer Position.
  • Cerclage: Eine Schlinge aus Draht oder einem resorbierbaren Material fixiert die Bruchstücke.
  • Zuggurtungsosteosynthese: Diese Methode wird eingesetzt, wenn die Muskulatur die Fragmente auseinanderzieht, beispielsweise bei einer gebrochenen Kniescheibe. Gezielt gesetzte Drähte und Drahtschlingen wandeln die Zugkräfte in Druck auf den Frakturspalt um.
  • Schraubenosteosynthese: Die Knochenfragmente werden mit einer oder mehreren Schrauben aneinander fixiert.
  • Plattenosteosynthese: Auf den Knochen wird eine Metallplatte geschraubt, die den Bruchspalt fixiert.
  • Fixateur externe: Das Haltesystem, beispielsweise eine Metallstange, befindet sich außerhalb des Körpers und ist durch die Haut mit dem Knochen verschraubt. Der Fixateur externe eignet sich vor allem für Brüche mit ausgedehnter Weichteilverletzung und offenen Frakturen.
  • Marknagelung: Hierbei wird der (Röhren-)Knochen von innen geschient, indem ein stabiler Metallstab in seinen Markraum eingebracht wird. Die Marknagelung eignet sich insbesondere für Brüche großer Röhrenknochen wie Schienbein, Oberschenkel oder Oberarm.

Ähnlich wie die Haut ist auch der Knochen in der Lage, eine Verletzung aus eigener Kraft zu reparieren. Liegen die Bruchenden unmittelbar aneinander, können neue Knochenzellen direkt in den Bruchspalt wandern. Dies ist zum Beispiel bei Rissen (Fissuren) der Fall, oder wenn die Bruchenden eng aufeinander gepresst stehen.

Weit häufiger ist die sogenannte sekundäre Bruchheilung. Dabei bildet sich zunächst ein Bluterguss zwischen den Bruchenden, in den Entzündungszellen einwandern. Anschließend sprossen knochenbildende Zellen und Blutgefäße ein. Bis dieser sogenannte Kallus mineralisiert, gefestigt und in vollwertiges Knochengewebe umgebaut ist, vergehen mehrere Monate.

Die Zeit, nach der ein Knochenbruch wieder übungs- beziehungsweise belastungsstabil ist, hängt von der Lokalisation des Bruches, dem Ausmaß der Verletzung, der Behandlungsform sowie dem Alter und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Wann ein Knochenbruch wieder belastbar ist, ist deshalb von Fall zu Fall verschieden. Unkomplizierte Frakturen sind oft schon nach wenigen Wochen wieder belastbar. Komplizierte Frakturen müssen mitunter mehrere Monate lang entlastet werden.

Knochenbrüche heilen sehr oft komplikationslos. "Verrutscht" ein Bruch im Gips, muss er gegebenenfalls erneut eingerichtet oder operiert werden.

Die Ruhigstellung im Gips ist wichtig für die Knochenheilung, aber schlecht für die Durchblutung. Das Thromboserisiko steigt. Eine Thromboseprophylaxe ist deshalb heute Standard, wenn mit einer längeren Unbeweglichkeit zu rechnen ist.

Manchmal verschließt sich der Bruchspalt nicht, und es bildet sich eine sogenannte Pseudoarthrose. Solche "Falsch-Gelenke" können schmerzhaft sein und Funktionseinschränkungen nach sich ziehen.

Eine gefürchtete Komplikation ist die Infektion des Knochens. Offene Brüche bergen ein höheres Risiko für eine Knochenentzündung oder Knochenvereiterung. Insgesamt zählen sie aber zu den selteneren Komplikationen.

Knochen sind ein lebendiges, gut durchblutetes Gewebe, das sich ständig im Umbau befindet. Spezialisierte Knochenzellen, die sogenannten Osteoblasten, bilden neue Knochensubstanz. Ihre Gegenspieler, die Osteoklasten, sind dafür zuständig, überschüssige Knochensubstanz abzubauen.

Babys kommen mit einem "unfertigen" Skelett zur Welt, das noch zu großen Teilen aus Knorpel besteht. Ihre Knochen reifen und wachsen bis ins Jugendalter. Dabei arbeiten die Osteoblasten auf Hochtouren. Kinderknochen sind deshalb biegsamer und elastischer als Erwachsenenknochen und heilen schneller. Knochenbrüche bei Kindern müssen seltener operiert werden. Oftmals reicht es, die Fraktur mit einem Gipsverband ruhigzustellen. Komplikationen der Bruchbehandlung wie Gelenkversteifungen oder Fehlgelenke kommen bei Kindern kaum vor, selbst wenn der Bruch längere Zeit ruhiggestellt ist. Auch verknickt zusammengewachsene Brüche (Achsenfehlstellung), Verschiebungen oder Lücken zwischen den Bruchstücken kann der kindliche Körper bis zu einem gewissen Grad korrigieren. Gegen verdreht zusammengewachsene Brüche (Rotationsfehlstellung) kann das Längenwachstum allerdings nichts ausrichten. Sie würden ohne operative Therapie bestehen bleiben.

Bei jungen Erwachsenen halten sich der Knochenaufbau und -abbau die Waage. Im mittleren Alter nimmt die Knochenmasse langsam ab und die Knochen werden poröser. Der Knochen verliert Calcium und andere Mineralien und bildet weniger Kollagenfasern. Frauen sind bereits nach den Wechseljahren betroffen, da bei ihnen in dieser Zeit hormonelle Veränderungen wie die Abnahme des Östrogens stattfinden. Diese beeinflussen die Knochenfestigkeit. Die Knochen älterer Menschen brechen aufgrund dieser Alterungsprozesse also tendenziell leichter und heilen langsamer.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin

Literatur

  • Wirth, C.J., Mutschler W. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag, 2. Auflage, 2009
  • Koletzko, B.: Kinder- und Jugendmedizin. Springer Medizin Verlag, 13. Auflage, 2007
  • Tortora, G.J., Derrickson B.H.: Anatomie und Physiologie. Wiley-Blackwell, 2008
  • Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Walter De Gruyter, 263. Auflage, 2011
  • Paetz, B.: Chirurgie für Pflegeberufe. Georg Thieme Verlag, 2013
  • Freyschmidt, J.: Skeletterkrankungen. Springer Verlag, 2008

Weitere Informationen

  • Malteser: Erste-Hilfe-Handbuch. Wissen, Ratschläge, Selbsthilfe. Dorling Kindersley Verlag, 2012

Lesen Sie auch unsere Redaktionellen Grundsätze.

 

Webcode dieser Seite: s000547 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 11.08.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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