Arthrose des Kniegelenks

Wenn sich der Gelenkknorpel stark abnutzt, kann das Kniegelenk nicht mehr "reibungslos" bewegt werden, es kann schmerzen und einsteifen.

Die Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) ist eine in Deutschland sehr häufige Gelenkerkrankung. Wie die Hüftarthrose zählt sie zu den "Top Ten" der häufigsten Diagnosen beim Orthopäden. So leidet etwa jeder 20. Erwachsene in Deutschland unter einer Arthrose des Kniegelenks. Die Knie müssen als tragende und stark beugefähige Gelenke zeitlebens intensiven Belastungen standhalten. Mit dem Alter und bei Vorliegen von Risikofaktoren werden stark belastete Knorpelflächen dünner, unelastischer und brechen auf. Im Extremfall verschwindet der Knorpel völlig, und Knochen reibt auf Knochen. Verschiedene Knorpelflächen des komplex aufgebauten Kniegelenks können einzeln oder zusammen betroffen sein: Sind es die inneren oder äußeren Gelenkflächen (Kondylen) von Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia), sprechen Mediziner von einer medialen oder lateralen Gon(=Knie)arthrose; ist Knorpel auf der Rückseite der Kniescheibe (Patella) oder ihrer Gleitrinne (Trochlea) am Oberschenkel abgenutzt, führt dies zur Femoropatellar-Arthrose.

Höheres Alter und erbliche Veranlagung können ohne sonstige Ursachen zu einer Kniegelenksarthrose führen. Mediziner sprechen dann von einer primären oder idiopathischen Arthrose. 
Die meisten Betroffenen haben jedoch eine sekundäre Arthrose mit erkennbaren Ursachen: 

  • Übergewicht (Body Mass Index über 25)
  • Fehlstellungen des Kniegelenks wie X- oder O-Beine
  • Dauernde Überlastungen im Beruf oder beim Sport, beispielsweise bei Fliesenlegern, Dachdeckern, Busfahrern, Fußballern, Gewichthebern
  • Komplikationen nach Knochenbrüchen, Verletzungen und Unfällen
  • Rheumatische Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Gicht und Schilddrüsenstörungen

Kommen mehrere Ursachen zusammen, steigt entsprechend das Risiko für eine Kniearthrose.

Eine Kniearthrose entwickelt sich schleichend. Über Jahre können kurzzeitig leichte Kniebeschwerden auftreten. Zum Beispiel kann das Knie zeitweise nicht schmerzfrei gestreckt werden; es können Knack- und Reibegeräusche im Gelenk auftreten (Krepitationen); dabei kann die Bewegung noch schmerzfrei sein. Die Geräusche stammen von Abriebteilchen des Knorpels, die auf der ehemals glatten Knorpeloberfläche schmirgeln. Zunehmend leidet die Beweglichkeit des Kniegelenks, es lässt sich schlechter beugen und strecken.

Arthrosetypische "Anlaufschmerzen" können nach längerem Liegen oder Sitzen auftreten. Besonders die ersten morgendlichen Bewegungen bereiten Probleme. Sind sie überwunden, folgt eine mehr oder weniger lange schmerzfreie Zeit. Über den Tag treten, abhängig vom Stadium der Arthrose und der Belastung der Gelenke, Ermüdungs- oder Belastungsschmerzen auf. Treppensteigen, Tragen von schweren Lasten, Gehen auf unebenem Untergrund und andere, das Knie belastende Tätigkeiten verstärken die Beschwerden. Häufig sind die Betroffenen empfindlich gegen feucht-kaltes Wetter. Im fortgeschrittenen Stadium schmerzt das Kniegelenk dauerhaft, auch in Ruhe und nachts.

Wenn Knorpelabrieb die sensible Gelenkinnenhaut (Synovialis) reizt, kann es zu einer Entzündung kommen (Synovitis). Der Knorpel selbst ist gefäß- und nervenfrei und schmerzt deshalb nicht, die Schmerzen rühren meist von der Synovialis. Die Gelenkinnenhaut produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit, es kommt zu einem Gelenkerguss. Das Gelenk lässt sich nicht mehr so gut bewegen und zeigt einen Spannungsschmerz. Entleert sich Gelenkflüssigkeit in die Kniekehle, kommt es auch an dieser Stelle zu einer Schwellung, die vor allem die Beugung beeinträchtigt. Man spricht hier von einer "Bakerzyste". Außerdem kann es wie bei jeder Entzündung zu einer Rötung, Schwellung, Überwärmung und Druckempfindlichkeit vor allem am Gelenkspalt des Kniegelenks kommen. Es handelt sich bei diesem akuten Stadium um eine aktivierte Kniearthrose.

Am Anfang steht ein ausführliches Arztgespräch. Erfragt werden die Beschwerden, die Krankheitsvorgeschichte (Anamnese), das Vorkommen von Gelenkbeschwerden in der Familie. Es folgt die körperliche Untersuchung. Die Ärztin/der Arzt beurteilt den Gang, Fehl- oder Schonhaltung und die Beweglichkeit und Funktion der Gelenke. Durch Abtasten wird geprüft, ob sie druckempfindlich, geschwollen oder überwärmt sind. Auch die Muskulatur wird untersucht.

Die Diagnose einer Kniearthrose sichern Röntgenbilder. Charakteristisch ist eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, des Zwischenraums zwischen den Gelenkoberflächen. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich möglicherweise Ausziehungen des Knochens (Osteophyten) und eine Verdichtung der Knochensubstanz unterhalb der Gelenkflächen (subchondrale Sklerosierung).

Im Einzelfall können weitere bildgebende Verfahren nötig sein. Eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) eignet sich gut, um einen Kniegelenkserguss oder eine Bakerzyste zu erkennen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann Schäden am Gelenkknorpel aber auch an Bändern, Sehnen oder Menisken des Knies darstellen. Nur in sehr seltenen Fällen, zum Beispiel wenn freie Gelenkkörper oder Meniskusrisse die Funktion des Gelenks beeinträchtigen, sollte bei Arthrose eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt werden. Dabei werden über kleine Schnitte im Kniebereich Untersuchungsinstrumente in das Gelenk eingeführt. Die Ärztin/der Arzt erhält einen Einblick in das Gelenk, kann den Zustand des Knorpels beurteilen und gegebenenfalls eine Knorpelglättung vornehmen. Die Gelenkpunktion, das Abziehen von Gelenkflüssigkeit per Kanüle, liefert Hinweise auf Keime oder Entzündungsstoffe im Gelenk.

Erstrebenswert ist "Bewegen ohne Belasten": Bewegung setzt jene Mechanismen in Gang, die den Gelenkknorpel ernähren, nämlich den Wechsel von Kompression und Entlastung. Bewegungsarmut wie auch übermäßige Belastung können dem Knorpel schaden ("Wer rastet, der rostet"). Weiterhin sollte man folgende Faktoren beachten:

  • Eine Gewichtsabnahme bessert bei übergewichtigen Menschen mit Kniearthrose die Beweglichkeit und entlastet die Gelenke.
  • Regelmäßige Bewegung im schmerzfreien Bereich. Gelenkfreundliche Sportarten sind beispielsweise Schwimmen, Rad fahren in der Ebene oder auf dem Fahrradergometer, Wandern in der Ebene, Gymnastik oder Skiwandern.
  • Starke Kniebeugung vermeiden.
  • Keine schweren Lasten tragen.
  • Kein langes Gehen und Stehen.
  • Kniegesunde Schuhe mit flachen Absätzen, festem Halt und weicher Puffersohle tragen.
  • Gehstöcke verwenden – sie können bei richtigem Gebrauch ein oder beide kranke Kniegelenke wirksam entlasten. Das gilt vor allem beim Bergabwandern.

Nicht-medikamentöse Behandlung
Die Physiotherapie umfasst Bewegungstherapie und bestimmte physikalische Therapien. Eine Bewegungstherapie (Krankengymnastik) kann die Beweglichkeit verbessern, Muskelverspannungen und Druck auf den Gelenken vermindern und die Muskeln kräftigen. Bestimmte Übungen schulen auch Gehen, Haltung und Koordination ("Gehschule"). Wärmeanwendungen lindern erfahrungsgemäß Beschwerden bei nicht entzündlicher Arthrose, bei akuten Beschwerden kann die Anwendung von Eis hilfreich sein. Die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation (TENS) bedient sich zur Linderung leichter Schmerzen niederfrequenter elektrischer Ströme. Als orthopädische Hilfen kommen maßgefertigte Einlagen oder Spezialschuhe, bestimmte Bandagen, Gehhilfen wie Stöcke, Gehstützen oder Rollatoren in Betracht.

Medikamentöse Behandlung
Schmerzen oder Entzündungen im Kniegelenk lassen sich medikamentös in aller Regel kontrollieren. Hingegen ist die spürbare Regeneration des arthrotisch abgebauten Knorpels durch Medikamente bis heute ein Wunschtraum.
Nichtsteroidale Analgetika (NSAR) können Schmerzen und Entzündung bei einer Kniegelenksarthrose lindern, die Beweglichkeit der Gelenke verbessern und so die die Bewegungstherapie erst ermöglichen. Ihre Anwendung sollte wegen der Gefahr unerwünschter Wirkungen immer so niedrig dosiert und so kurz wie möglich erfolgen.

  • Paracetamol eignet sich bei nichtentzündlichem Arthroseschmerz (maximal vier Gramm pro Tag!)
  • NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac reduzieren den Arthroseschmerz etwas stärker als Paracetamol und hemmen zudem Entzündungen, was bei einer aktivierten Kniearthrose hilfreich ist. Als Dauermedikation sind NSAR wegen Nebenwirkungen an Magen, Darm und Niere nur eingeschränkt geeignet, insbesondere nicht bei älteren Patienten.

Bei sehr starken Schmerzen können Opioide hilfreich sein.

Kortison (Glukokortikoid) kann in ein schmerzendes und entzündetes (aber nicht infiziertes!!) Kniegelenk gespritzt werden. Die "Kortisonspritzen" wirken als starke Entzündungshemmer, können aber den verbliebenen Knorpel und den Knochen schädigen (Knochennekrosen). Deswegen sollten Glukokortikoide nur in Gelenken, die bereits ein Endstadium der Arthrose erreicht haben, angewandt werden. Aufgrund der Nebenwirkungen sollten höchstens vier Injektionen pro Jahr und Gelenk gegeben werden.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Baustein des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. Das Einspritzen von Hyaluronsäure-Präparaten in das Kniegelenk soll die Schmierung des Gelenks bessern und den Knorpel schützen. Es gibt keine sicheren Belege für diese Wirkungen. Als Nebenwirkungen können Schmerzen und Gelenkentzündungen vorkommen.

Operative Maßnahmen
Fehlstellungen von Ober- und Unterschenkel (X- oder O-Bein) können durch eine gelenkerhaltende Operation (Osteotomie) korrigiert werden. Bei einem arthroskopischen Eingriff lassen sich lose Knorpelstücke aus dem Gelenk spülen oder Begleiterkrankungen wie Meniskusschäden reparieren. Knorpelzelltransplantationen kommen nur bei kleinen umschriebenen Knorpelschäden infrage, bei Arthrose haben diese Verfahren keine Besserung erzielt. Letzte Möglichkeit ist der operative Ersatz von Knorpelflächen des Kniegelenks (vgl.Gelenkersatz bei Arthrose).

Als chronisch-degenerative (abbauende) Erkrankung schreitet die Arthrose mit dem Alter voran. Ab etwa dem 50. Lebensjahr wird sie deutlich häufiger. So sind in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen Frauen nur etwas ein bis zwei von 100 von Arthrose betroffen. Unter den 70- bis 79-Jährigen ist es jede zweite Frau und jeder dritte Mann. Die Arthrose in jungen Jahren ist häufig eine Folge von Sportverletzungen (zum Beispiel Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen) oder Unfällen mit Knochenbrüchen, die die Gelenkfläche in Mitleidenschaft ziehen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin, Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000526 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 01.04.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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