Keuchhusten

Keuchhusten ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege und sehr ansteckend. Durch langanhaltende Hustenattacken ist die Erkrankung mit großem Leidensdruck für die Patienten verbunden. Obwohl eigentlich allgemein als Kinderkrankheit angesehen, erkranken auch immer mehr Erwachsene.

Keuchhusten (Pertussis) ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege, die durch den Erreger Bordetella pertussis hervorgerufen wird. Keuchhusten kann sich über mehrere Wochen bis Monate hinziehen. Vor allem für Neugeborene und Säuglinge kann Keuchhusten lebensbedrohlich sein. Charakteristisch ist "keuchender" Husten, begleitet von zähem Auswurf bis hin zu Erstickungsanfällen. Mit starkem Husten versucht der Körper vergeblich, die erkrankten Atemwege zu reinigen. Auch wenn der Keuchhusten-Erreger erfolgreich bekämpft wurde, bessern sich die Symptome erst, wenn sich das Gewebe wieder regeneriert hat. Eine Pertussis-Erkrankung dauert deshalb mitunter Wochen bis Monate.

Mit Pertussis kann man sich ganzjährig anstecken. Die ehemalige Kinderkrankheit betrifft heute in zwei Drittel aller Fälle Menschen über 19 Jahre. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) beträgt meist 9 bis 10 Tage. Eine überstandene Erkrankung bietet keinen dauerhaften Immunschutz.

Besonders in Entwicklungsländern ist Pertussis ein Problem. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es 2008 weltweit über 16 Millionen Fälle, davon 95 Prozent in den Entwicklungsländern.

Keuchhusten-Impfung

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen Pertussis im Alter von 2, 3 und 4 Monaten, eine weitere im Alter zwischen 11 und 14 Monaten sowie jeweils eine Auffrischungsimpfung mit 5 bis 6 Jahren und zwischen 9 und 17 Jahren. Die Auffrischungsimpfungen erfolgen mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (TdaP). Erwachsene sollten sich einmalig gegen Pertussis impfen lassen, und zwar mit der nächsten Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie (evtl. zusätzlich gegen Kinderlähmung). Denn die Erkrankungsfälle unter Erwachsenen nehmen zu: Lag 1995 das Durchschnittsalter der Pertussis-Erkrankten noch bei 15,1 Jahr, stieg es bis 2008 auf 41,7 Jahre.  Der Grund dafür ist, dass mit zunehmendem Alter der Impfschutz nachlässt. Viele Erwachsene lassen sich aber nicht wie empfohlen erneut impfen.

Der Erreger des Keuchhusten - Bordetella pertussis - ist ein stäbchenförmiges Bakterium. Er vermehrt sich auf den Flimmerhärchen der Bronchien beziehungsweise in Mund, Nase und Rachen der Erkrankten. Das Bakterium bildet unter anderem das Pertussis-Toxin, das die Schleimhaut der Atemwege angreift und zerstört.

Bordella pertussis ist der hauptsächliche Krankheitserreger. Infektionen sind aber auch mit Bordella parapertussis möglich. Hier ist der Krankheitsverlauf allerdings milder.

Übrigens können auch Geimpfte die Bakterien übertragen, ohne selbst an Keuchhusten zu erkranken.

Keuchhusten verläuft klassisch in drei Stufen (bei Erwachsenen weicht der Verlauf manchmal ab):

Stadium catarrhale (Dauer 1-2 Wochen): Das erste Stadium der Erkrankung ähnelt einer normalen Erkältung und beginnt wie ein banaler Infekt. Die Symptome sind grippeähnlich, mit leichtem Husten, Schnupfen, Schwäche und kein bis mäßiges Fieber. In dieser Phase sind Erkrankte aber besonders ansteckend. Innerhalb von circa einem Meter kann der Pertussis-Erreger durch Husten, Niesen und Sprechen von Mensch zu Mensch übertragen werden. 80 bis 90 von 100  Ungeimpften, die so mit den Tröpfchen in Kontakt kommen, erkranken.

Stadium convulsivum (Dauer 4-6 Wochen): Zwischen vier bis sechs Wochen dauert das zweite Stadium, das sich durch Hustenattacken auszeichnet und mit durchschnittlich 5 bis 50 Anfällen innerhalb von 24 Stunden (vor allem nachts) einhergeht. Eine Attacke wird oft durch Herauswürgen von zähem Schleim oder durch Erbrechen beendet. Ist die Hustenattacke vorbei, entsteht beim Einatmen durch die geschlossene Stimmritze ein keuchendes Geräusch, das der Erkrankung den Namen gegeben hat. Fieber fehlt normalerweise oder ist nur mäßig. Hohes Fieber tritt dann auf, wenn sich der Patient eine bakterielle Zweitinfektion zugezogen hat. Unbehandelt können Patienten bis zu drei Wochen nach Beginn der zweiten Krankheitsphase ansteckend sein.

Stadium decrementi (Dauer 6-10 Wochen): Im dritten Stadium, das weitere sechs bis zehn Wochen dauert, klingt der Husten langsam ab.

Länger andauernder Husten sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Der Keuchhusten-Erreger Bordetella pertussis kann schon im Anfangsstadium (Stadium catarrhale) in einem Rachenabstrich nachgewiesen werden. Mit diesem Abstrich wird eine Kultur von Bakterien angelegt. Der Nachweis in der Kultur dauert aber mindestens drei Tage. Während bei ungeimpften Säuglingen das Bakterium noch in 70 von 100 Fällen auf diese Weise nachgewiesen werden kann, sinkt die Quote bei Jugendlichen und Erwachsenen auf unter 5 von 100 Betroffenen. Der Nachweis in der Bakterienkultur gelingt nicht immer.

Eine weitere Möglichkeit ist, eine DNA-Analyse (PCR) des Abstriches zu machen. Auch diese ist sicher und schnell im Ergebnis, allerdings relativ kostenintensiv. Auch kann sie nur am Anfang der Erkrankung zum Nachweis verwendet werden, mit zunehmendem Krankheitsverlauf wird sie ungenauer.

Bei der Blutuntersuchung wird unter anderem nach Antikörpern gegen Pertussis gesucht. Bei akutem Keuchhusten sind diese jedoch erst ab dem Übergang zum zweiten Krankheitsstadium nachweisbar. Eine hohe Anzahl an Leukozyten (weißen Blutkörperchen) weist allgemein auf eine Infektion hin.

Antibiotika können die Dauer des katarrhalischen Stadiums verkürzen. Erythromycin oder andere Antibiotika der Gruppe der Makrolide wie Azithromycin, Clarithromycin und Roxithromycin werden dafür eingesetzt. Wichtig ist dabei, dass die Ansteckungsgefahr für andere herabgesetzt wird. Allerdings werden meist der Verlauf und die Heftigkeit der Hustenattacken durch die Antibiotikagabe nicht beeinflusst. Hustenstillende Präparate sind nicht wirksam.
Die Infektion mit Bordetella pertussis verursacht Gewebeschäden im Atemwegsbereich. Diese Gewebeschäden begünstigen Infektionen mit Bakterien. Mögliche Folgen sind Lungen- oder Mittelohrentzündungen. Weitere mögliche Komplikationen – insbesondere durch die Hustenattacken – sind Inkontinenz (Blasenschwäche), Rippenbrüche, Pneumothorax (hier können Teile des Lungenflügels nicht mehr richtig Luft ansaugen) und Leistenbruch.
Da bei vielen Schwangeren die letzte Keuchhustenimpfung schon zu lange zurückliegt, können diese Mütter ihren Neugeborenen über die Plazenta keine sichere Immunität („Nestschutz“) mitgeben. Daher sind Neugeborene besonders gefährdet zu erkranken. Der junge Säugling muss mittels Impfung vor der Infektion geschützt werden. Säuglinge müssen wegen der akuten Erstickungsgefahr oft stationär im Krankenhaus behandelt werden. Neugeborene und Säuglinge haben darüber hinaus ein höheres Risiko für Komplikationen des Keuchhustens. Eine Lungenentzündung etwa tritt bei bis zu 10 Prozent der erkrankten Säuglinge (und älteren Menschen) auf, aber viel seltener bei älteren Kindern und jüngeren Erwachsenen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie und Dr. med. Utta Petzold, Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer, und Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer

Literatur

Weiterführende Informationen

  • Keicher, Ursula: "Kinderkrankheiten: Schnell erkennen gezielt behandeln", Gräfe und Unzer Verlag, August 2011
  • Impfinformationen der Ständigen Impfkommission:  www.rki.de, Thema: Pertussis 
Webcode dieser Seite: s000544 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 22.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 19.06.2018
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