Arthrose des Hüftgelenks

Die Abnutzung des Hüftgelenks nimmt mit dem Alter zu. Krankhaft wird sie, wenn Übergewicht und andere Risiken den Verschleiß beschleunigen.

Die Hüftgelenksarthrose, Koxarthrose genannt, ist die häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland, dicht gefolgt von der Kniegelenksarthrose. Das Hüftgelenk ist zeitlebens starken Belastungen ausgesetzt. Mit zunehmendem Alter und vor allem, wenn Risikofaktoren bestehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Gelenkknorpel Schaden nimmt. Die Knorpelschicht der Kugelgelenke der Hüfte wird dann über die Jahre dünner und unelastischer und bildet sich zurück. Mit dem Knorpelabbau verengt sich der Gelenkspalt mehr und mehr. Schließlich kann der Knorpel komplett abgerieben werden, sodass Knochen auf Knochen reibt. Der Oberschenkelknochen und die Pfanne am Becken bilden zur Stützung knöcherne Auswüchse (Osteophyten), die das Hüftgelenk noch unbeweglicher machen.

Alter und erbliche Veranlagung können zu einer primären Hüftgelenksarthrose führen, das heißt, hier sind keine weiteren spezifischen Ursachen erkennbar.

Häufig spielen folgende sekundäre Faktoren eine Rolle, die den Verschleiß des Hüftgelenks beschleunigen:

  • Übergewicht (Body Mass Index über 25)
  • Angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks (Hüftdysplasie)
  • Angeborene Fehlstellungen am Schenkelhals des Oberschenkels
  • Dauernde Überlastungen in Beruf oder beim Sport
  • Komplikationen nach Knochenbrüchen, zum Beispiel am Becken
  • Diabetes, rheumatische Erkrankungen oder Gicht

Kommen mehrere dieser Ursachen zusammen, steigt das Risiko für eine sekundäre Hüftarthrose.

Arthrosetypische "Anlaufschmerzen" im Hüftbereich können nach längerem Liegen oder Sitzen auftreten. Typischerweise sind sie in der Früh nach dem Aufstehen am stärksten, da das Gelenk erst "eingelaufen" werden muss. Die Schmerzen können, je nach Stadium der Arthrose und Belastung der Gelenke, nach einigen Minuten verschwinden oder in Ermüdungs- oder Belastungsschmerzen übergehen. Das Abwärtssteigen von Stufen fällt oft schwerer als das Aufsteigen. Einseitige Gelenkabnutzung kann sich durch Hinken bemerkbar machen. Zunehmend leidet die Beweglichkeit des Hüftgelenks: Der Oberschenkel lässt sich schlechter beugen, strecken, abspreizen und drehen. Häufig sind die betroffenen Menschen wetterfühlig. Im fortgeschrittenen Stadium schmerzt das Hüftgelenk dauerhaft, auch in Ruhe und nachts.

Hüftbeschwerden können eine Reihe nicht-arthrotischer Ursachen haben, zum Beispiel eine Infektion, nicht-infektiöse Entzündungen wie bei rheumatischen Erkrankungen, Knochenbrüche der Hüftpfanne oder des Oberschenkelhalses, Tumoren und innere Erkrankungen.

Die Ärztin/der Arzt erfragt zunächst in einem ausführlichen Gespräch die Beschwerden und die Krankheitsvorgeschichte (Anamnese). Wichtig ist auch, ob Familienmitglieder ähnliche Probleme haben. Arthrosen können in Familien gehäuft auftreten.

Es folgt die körperliche Untersuchung, bei der auf Gang, Fehl- oder Schonhaltung geachtet und die Beweglichkeit und Funktion der Gelenke beurteilt wird. Durch Abtasten wird geprüft, ob eine Druckempfindlichkeit über der Leiste oder dem Knochenvorsprung an der Seite der Hüfte besteht. Auch die umgebende Muskulatur wird untersucht.

Die Diagnose einer Hüftarthrose sichern Röntgenbilder. Zuverlässige Zeichen einer Hüftgelenksarthrose sind eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, Ausziehungen des Knochens an der Hüftpfanne oder dem Hüftkopf, eine Verdichtung der Knochensubstanz unterhalb der Gelenkflächen (subchondrale Sklerosierung) sowie Löcher in der Knochenoberfläche (Geröllzysten). In Einzelfällen können weitere bildgebende Verfahren notwendig sein, zum Beispiel

  • um eine aktivierte Arthrose von einer chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankung abzugrenzen,
  • wenn Röntgenbild und Beschwerden im Widerspruch stehen oder
  • wenn bei der Behandlung der Erfolg ausbleibt.

Eine Hüftgelenksarthrose ist nicht heilbar. Die Behandlung zielt im Wesentlichen darauf ab, die Funktion der Gelenke zu erhalten, Schmerzen zu lindern und Entzündungsvorgänge zu unterbinden.

Wer an Hüftarthrose leidet, kann selbst auf vielerlei Weise dazu beitragen, die Funktionsfähigkeit des Hüftgelenks zu erhalten und das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen:

  • Übergewicht abbauen: Die Entlastung der Hüft- und Kniegelenke mindert das Fortschreiten des Gelenkverschleißes.
  • Regelmäßige, maßvolle Bewegung im schmerzfreien Bereich. Das Ziel ist der Erhalt der Beweglichkeit, eine Entlastung des Gelenks durch Kräftigung der umgebenden Muskulatur und die Förderung der Durchblutung. Der kontinuierliche Wechsel von maßvoller Belastung und Entlastung des Hüftgelenks fördert die Ernährung des Gelenkknorpels. Zu den gelenkfreundlichen Sportarten zählen Schwimmen, Rad fahren in der Ebene oder auf dem Fahrradergometer, Nordic Walking, Gymnastik oder Skiwandern. Das Training sollte nie die Schmerzschwelle überschreiten. Zu vermeiden sind Sportarten mit raschen Bewegungsabläufen und großer Impulsbelastung. Dazu gehören zum Beispiel Tennis, Squash, Ballsportarten, Kampfsport, Sprungdisziplinen, Eislauf, aber auch extremes Bergwandern.

Nicht-medikamentöse Behandlung
Physiotherapie

Eine Bewegungstherapie beim Physiotherapeuten (Krankengymnastik) kann viel Positives bei Hüftarthrose bewirken: Geeignete Übungen verbessern die Beweglichkeit, beseitigen Muskelverspannungen und Druck auf den Gelenken, kräftigen die Muskeln. Andere Übungen schulen Gang, Haltung und Koordination ("Gehschule").

Wärmeanwendungen lindern erfahrungsgemäß Beschwerden bei nicht entzündlicher Arthrose. Neben warmen Bädern stehen unter anderem Wärmepflaster, Fangopackungen und Salben mit durchblutungsfördernder Wirkung zur Verfügung. Achtung: Bei einer aktivierten Arthrose mit Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Überwärmung) ist Wärme das falsche Mittel – hier kann Kälte Linderung bringen.

Auch bestimmte Elektrotherapien können arthrotische Schmerzen und Funktionseinschränkungen lindern, zum Beispiel die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation (TENS). Bei der TENS-Therapie können mithilfe niederfrequenter elektrischer Ströme leichte Schmerzen reduziert werden.

Orthopädietechnik
Gehhilfen wie Stöcke oder Gehstützen können ein krankes Hüftgelenk wirksam entlasten. Die Gehhilfe wird dabei auf der gesunden Seite benutzt.

Medikamentöse Behandlung
Vorübergehende Schmerzen oder Entzündungen im Hüftgelenk können mit Arzneistoffen fast immer in einen "stummen", schmerzfreien Zustand überführt werden. Hingegen ist die spürbare Regeneration des arthrotisch abgebauten Knorpels durch Medikamente bis heute ein Wunschtraum.

Nichtsteroidale Analgetika/Antirheumatika (NSAR) können Schmerzen und Entzündung bei einer Hüftgelenksarthrose lindern und somit die Funktion der Gelenke verbessern. Ihre Anwendung sollte aber wegen der Gefahr unerwünschter Wirkungen immer so niedrig dosiert und so kurz wie möglich erfolgen.

  • Paracetamol eignet sich bei leichtem Arthroseschmerz (maximal vier Gramm pro Tag!). Auch Metamizol wirkt bei leichten Schmerzen zuverlässig und ist im Allgemeinen gut verträglich.
  • NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac reduzieren Arthroseschmerz etwas stärker als Paracetamol und hemmen zudem Entzündungen, etwa bei einer aktivierten Arthrose. Als Dauermedikation sind NSAR wegen Nebenwirkungen an Magen, Darm und Niere weniger geeignet, insbesondere bei älteren Patienten. Eine neuere Wirkstoffgruppe sind die Coxibe, die deutlich geringere Nebenwirkungen im Verdauungstrakt haben.

Opioidanalgetika können bei mittleren und starken Schmerzen hilfreich sein, beispielsweise bei einer fortgeschrittenen Hüftarthrose mit Dauerschmerz, der auch in Ruhe auftritt, insbesondere bei Patienten, die (noch) nicht operiert werden können. Neben der Einnahme als Tabletten oder Tropfen ist auch die Anwendung über ein Hautpflaster möglich, das über Tage den Wirkstoff kontinuierlich freisetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt in ihren Leitlinien eine stufenweise Kombination der einzelnen Wirkstoffgruppen. Dadurch kann die Dosis der einzelnen Medikamente und damit auch die Nebenwirkungsrate reduziert werden.

Glukokortikoid-Injektionen können in ein schmerzendes und entzündetes Hüftgelenk gespritzt werden. Auch die Injektion in einen Muskel ist möglich. Die "Kortisonspritzen" wirken als starke Entzündungshemmer, schädigen aber den verbliebenen Knorpel und Knochen (Gefahr von Knochennekrosen). Deshalb sollten sie nur im absoluten Akutfall und nicht öfter als etwa viermal pro Jahr und Gelenk verabreicht werden.

Operative Methoden
Man unterscheidet gelenkerhaltende und gelenkersetzende Operationen.

Fehlstellungen von Oberschenkelknochen (Femur) oder Hüftpfanne können in frühen Stadien der Hüftarthrose durch eine gelenkerhaltende Operation (Osteotomie) korrigiert werden. Man versucht, die natürliche Gelenkachse herzustellen, um Fehlbelastungen des Knorpels zu beseitigen und das Fortschreiten der Arthrose zu verzögern. Schrauben und Platten fixieren vorübergehend die neue Position. Möglich ist auch eine korrigierende Operation am Becken selbst. Die Erfolgschancen der Osteotomie sinken mit zunehmendem Arthrosestadium und Alter.

Die gelenkersetzende Operation (Hüft-Endoprothese) sollte nach Möglichkeit in höherem Alter mit entsprechendem Leidensdruck des Patienten vorgenommen werden (vgl.Gelenkersatz bei Arthrose).

Frauen haben ein etwas höheres Risiko für eine Hüftarthrose als Männer. Eine angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks (Hüftdysplasie) haben rund vier von 100 Neugeborenen, Mädchen sind davon sechsmal häufiger betroffen als Jungen.
Als chronisch-degenerative (abbauende) Erkrankung schreitet die Arthrose mit dem Alter voran. Ab etwa dem 50. Lebensjahr wird sie deutlich häufiger. Schätzungsweise einer von zehn Menschen in Deutschland im sechsten Lebensjahrzehnt weist Zeichen einer Hüftarthrose auf, die Hälfte von ihnen leidet unter Schmerzen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Stephan Lorenz, Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin, Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000521 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 01.04.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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