Hüftarthrose (Coxarthrose)

Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend. Das erste Anzeichen sind oft Schmerzen in Hüfte und Leiste bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist. Die wichtigsten Behandlungen sind Bewegung und Physiotherapie und Schmerzmittel, sowie bei fortgeschrittener Arthrose ein Gelenkersatz.

Bei einer Hüftarthrose wird die schützende Knorpelschicht der Knochen im Hüftgelenk dünner. Dadurch steigt die Druckbelastung der Knochen, und mit der Zeit lässt die Beweglichkeit des Gelenks nach. Das erste Anzeichen für eine Hüftarthrose sind oft Schmerzen im Hüft- und Leistenbereich bei Bewegung – vor allem, wenn man über 45 Jahre alt ist.

Eine Hüftarthrose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Viele Menschen haben über lange Zeit nur leichte Beschwerden, mit denen sie gut zurechtkommen. Manchmal schreitet die Erkrankung aber auch schnell voran und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die wichtigsten Behandlungen bei Hüftarthrose sind Bewegung und Physiotherapie, entzündungshemmende Schmerzmittel und – bei starkem Übergewicht – eine Gewichtsabnahme.

Wenn eine Hüftarthrose fortschreitet und zu immer mehr und stärkeren Schmerzen, Schlafproblemen und Einschränkungen im Alltag führt, kommt ein Gelenkersatz infrage.

Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend, über mehrere Monate oder sogar Jahre. Zunächst schmerzt das Gelenk oft nur bei Belastung oder auch am Ende eines anstrengenden Tages. Typisch sind Schmerzen beim Gehen und Treppensteigen, außerdem beim Bewegen des (angezogenen) Oberschenkels nach innen – zum Beispiel beim Übereinanderschlagen der Beine. Die Schmerzen können selten aber auch ins Gesäß oder zur Innenseite des Oberschenkels, manchmal sogar bis ins Knie ausstrahlen.

Nach längerer Ruhepause kann sich das Hüftgelenk für bis zu 30 Minuten etwas steif anfühlen, zum Beispiel morgens. Länger andauernde Morgensteifigkeit spricht eher für eine andere Erkrankung, wie zum Beispiel eine rheumatische Gelenkentzündung. Wenn die Hüfte auch in Ruhe oder nachts schmerzt, ist die Arthrose meist schon fortgeschritten.

Veränderungen am Knochen und Verformungen des Hüftkopfs können die Beweglichkeit einschränken und zum Beispiel das Anziehen von Strümpfen oder die Fußpflege erheblich erschweren. Wenn die Arthrose fortschreitet, kann sie zu starken Einschränkungen im Beruf, bei der Haushaltsführung, bei Freizeitaktivitäten und im Sozialleben führen. Diese Alltagsfolgen sind bei einer Hüftarthrose oft die größte Belastung.

In einem gesunden Hüftgelenk sind sowohl der Hüftkopf des Oberschenkelknochens als auch die Gelenkpfanne des Beckenknochens mit Knorpel überzogen. Zu Hüftarthrose kann es kommen, wenn der Gelenkknorpel abnutzt. Er weicht auf, wird rissig und verliert schließlich an Substanz. Umgangssprachlich wird Arthrose auch „Gelenkverschleiß“ genannt.

 

Grafik: links gesundes Hüftgelenk, rechts mit fortgeschrittener Arthrose

links gesundes Hüftgelenk, rechts mit fortgeschrittener Arthrose

 

Gesunder Gelenkknorpel ist sehr widerstandsfähig und bietet den Knochen geschmeidige Gleitflächen, die reibungsarme Bewegungen ermöglichen. Da sich Knorpelzellen kaum nachbilden können, kann sich der Knorpel nicht so gut selbst erneuern wie andere Gewebe. Einmal entstandene Schäden bleiben deshalb in der Regel bestehen.

Hüftarthrose kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, unter anderem:

  • familiäre Veranlagung
  • angeborene Fehlstellungen der Hüfte (Hüftdysplasien)
  • seltene angeborene Hüfterkrankungen
  • starkes Übergewicht
  • schwere körperliche Arbeit, zum Beispiel auf dem Bau
  • Sportarten mit intensiven Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball
  • entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis
  • frühere Hüftverletzungen, zum Beispiel Knochenbrüche im Bereich des Hüftgelenks oder ein ausgerenktes Hüftgelenk
  • das sogenannte Hüftimpingement: Hierbei führen knöcherne Auswüchse am Gelenk zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne

Meist spielen bei der Entstehung einer Hüftarthrose mehrere Faktoren eine Rolle.

Wie viele Menschen in Deutschland eine Hüftarthrose haben, ist nicht genau bekannt. Nach Schätzungen aus anderen Ländern haben bis zu 20 % der Menschen über 50 Jahre auf Röntgenbildern sichtbare Anzeichen einer Hüftarthrose. Aber nur 5 % der Menschen über 50 haben auch Beschwerden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Die Gelenke verändern sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens: Der Knorpel wird dünner und der Gelenkspalt schmaler. Dadurch sind die Knochen nicht mehr so gut vor Druckbelastungen geschützt. Sie reagieren darauf, indem sie neue Knochensubstanz bilden, die dann als Knochen-Neubildungen (sogenannte Knochenspangen oder Osteophyten) im Röntgenbild sichtbar werden.

Verschleiß- und Reparaturvorgänge am Knochen können sich viele Jahre lang ausgleichen. Veränderungen am Gelenk führen daher nicht zwangsläufig zu Beschwerden. Man schätzt, dass etwa drei Viertel aller Menschen mit im Röntgenbild sichtbarer Arthrose gar keine oder kaum Symptome entwickeln. Dann handelt es sich um eine Altersveränderung, die nicht behandelt werden muss.

Wie eine Hüftarthrose verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. In einer großen niederländischen Studie wurden Menschen mit Hüftarthrose fünf Jahre lang regelmäßig untersucht, um den Verlauf der Erkrankung zu beobachten. Dort hatten etwa

  • 40 % leichte, über die fünf Jahre relativ gleichbleibende Schmerzen;
  • 20 % mittelstarke, ebenfalls relativ gleichbleibende Schmerzen;
  • 25 % mittelstarke Schmerzen, die im Laufe der fünf Jahre stärker wurden, und
  • 15 % andauernde starke Schmerzen.

Die Schmerzen können auch in Schüben auftreten: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Nicht immer bedeutet eine Arthrose, dass die Hüfte irgendwann so stark geschädigt ist, dass sie operiert werden muss.

Häufig kann die Ärztin oder der Arzt eine Hüftarthrose anhand von typischen Symptomen feststellen. Dazu fragt sie oder er, seit wann die Schmerzen bestehen, wie sie sich anfühlen und wann sie auftreten – zum Beispiel nur bei Bewegung oder auch in Ruhe. Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längeren Bewegungspausen auftritt und durch Bewegung schnell verschwindet. Auch nach weiteren Beschwerden wie Morgensteifigkeit sowie nach früheren Verletzungen wird gefragt.

Die Ärztin oder der Arzt tastet dann das Gelenk ab und untersucht, wie beweglich es ist, betrachtet den Gang und prüft, ob das Becken schief steht oder die Beine eine unterschiedliche Länge haben.

Durch eine Röntgenuntersuchung im Stehen werden typische Veränderungen sichtbar: So deutet ein schmaler Gelenkspalt auf eine Arthrose hin. Zudem kann das Röntgenbild Veränderungen am Knochengewebe zeigen, wie zum Beispiel Osteophyten, Knochenverhärtungen und Verformungen des Hüftkopfs. Nur selten ist zusätzlich ein Ultraschall, eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie nötig.

Wenn der Verdacht auf eine andere Erkrankung wie etwa rheumatoide Arthritis besteht, können weitere Untersuchungen wie die Bestimmung von Blutwerten sinnvoll sein. Mögliche Anzeichen für eine andere Erkrankung sind zum Beispiel Rötungen, Schwellungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle.

Wie eine Hüftarthrose behandelt wird, hängt vor allem davon ab, wie stark und belastend die Beschwerden sind. Das Stadium der Erkrankung, der sonstige Gesundheitszustand und persönliche Aspekte wie der Beruf und die Erwartungen an die Behandlung spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Wirksamkeit vieler Methoden zur Behandlung von Hüftarthrose ist bisher nur unzureichend untersucht – im Gegensatz zu Behandlungen bei Kniearthrose. Daher orientiert sich die Behandlung teilweise an Methoden, die bei Kniearthrose nachweislich helfen können.

Zu den empfohlenen Behandlungen gehören:

  • flache, gut dämpfende und bequem sitzende Schuhe
  • Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und des Gleichgewichtssinns
  • Wassergymnastik
  • entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zum Einnehmen
  • bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme

Sich trotz Schmerzen zu bewegen und Sport zu treiben, ist für manche Menschen nur schwer vorstellbar. Einige befürchten, ihren Gelenken dadurch zusätzlich zu schaden. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil: Studien zeigen, dass regelmäßiges Kräftigungs-, Beweglichkeits- und Ausdauertraining die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Möglicherweise lässt sich dadurch sogar eine Hüftoperation etwas hinauszögern. Auch wenn die Gelenke wehtun, ist es in der Regel sinnvoll, in Bewegung zu bleiben. Wichtig ist, geeignete Übungen und Sportarten auszuwählen.

Vor allem, wenn Bewegungstraining und Schmerzmittel die Beschwerden nicht ausreichend lindern können und sie den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kommt ein künstliches Hüftgelenk infrage (auch Hüft-Total-Endoprothese genannt, kurz Hüft-TEP). Ein künstliches Hüftgelenk kann die Beschwerden bei über 90 % der Menschen deutlich bessern. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation wichtig – und Geduld, bis man sich an das neue Gelenk gewöhnt und der Körper sich von dem Eingriff erholt hat.

Für viele andere Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie helfen – dazu gehören unter anderem:

  • Kortisonspritzen
  • Hyaluronsäure-Spritzen
  • Glättung des Knorpels im Rahmen einer Hüftspiegelung (Arthroskopie)
  • Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel mit Chondroitin, Glucosamin oder Vitaminen
  • pflanzliche Präparate, zum Beispiel auf Basis von Teufelskralle oder Brennnesseln
  • Homöopathie
  • Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja oder Avocado
  • Ultraschall-Therapien
  • Goldimplantation
  • Röntgenreizbestrahlung (auch: Orthovolttherapie): Hierbei wird das Gelenk über mehrere Wochen 6- bis 12-mal mit schwacher Röntgenstrahlung behandelt.

Insbesondere Spritzen in das Hüftgelenk können Nebenwirkungen haben und selten auch zu ernsthaften Komplikationen führen. Wenn sie eingesetzt werden, ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt Erfahrung damit hat und auf eine ausreichende Hygiene achtet. Sie oder er sollte zum Beispiel ein Ultraschallgerät verwenden, um die Spritze richtig zu setzen, damit sie wirken kann und möglichst keine Nerven, Gefäße oder andere Strukturen verletzt werden.

Eine fortgeschrittene Hüftarthrose kann viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Viele Menschen lernen aber mit der Zeit, den Alltag trotz Erkrankung zu meistern – zum Beispiel nehmen sie sich mehr Zeit für Haushaltsarbeiten und passen ihre körperlichen Aktivitäten an.

Gehhilfen wie Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Gelenke entlasten und die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern. Wie man Hilfsgeräte richtig einstellt und mit ihnen umgeht, können Physio- oder Ergotherapeutinnen und -therapeuten und Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie zeigen.

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Textnachweise

Quelle: Gesundheitsinformation.de

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000945 Autor: IQWiG Erstellt am: 03.01.2019 Letzte Aktualisierung am: 12.12.2018
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