Gehörgangsentzündung

Ist der Gehörgang entzündet, spricht man oft auch von einer „Bade-Otitis“. Das Ohr kann verstopft sein, sich unangenehm anfühlen oder wehtun. Ursache sind meist Bakterien oder Pilze. Wer regelmäßig schwimmt, hat öfter damit zu tun, ebenso Kinder und Menschen mit Hörgeräten.

Eine Entzündung im äußeren Gehörgang zeigt sich oft durch eine rote Schwellung. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Ohrenschmerzen. Eine Entzündung des Gehörgangs wird häufig von Bakterien verursacht. Aber auch Pilze, Viren oder Allergien können eine Gehörgangsentzündung hervorrufen.

Das äußere Ohr beginnt mit der Ohrmuschel und endet beim Trommelfell. Dazwischen liegt der äußere Gehörgang. Ist er entzündet, sprechen Fachleute auch von Otitis externa. „Otitis“ ist die lateinische Bezeichnung für eine Ohrenentzündung.

Bei einer Gehörgangsentzündung kann das Ohr schmerzen oder sich unangenehm anfühlen – besonders wenn man es berührt oder daran zieht. Typisch ist auch Juckreiz.

Außerdem ist die Haut im Bereich des Gehörgangs gerötet und angeschwollen, manchmal schuppt sie sich oder sondert Flüssigkeit ab. Dadurch kann das Ohr verstopft sein und man hört möglicherweise nicht so gut wie sonst.

Bei ungefähr jedem dritten Menschen mit Gehörgangsentzündung sind die Beschwerden so stark, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Etwa jeder Fünfte bleibt wegen der Beschwerden einige Tage der Arbeit oder Schule fern.

Meist entzündet sich der Gehörgang durch eine Infektion mit Bakterien. Ein Pilzbefall, zum Beispiel mit einem Hefepilz, kann ebenfalls eine Ursache sein. Manchmal führen auch Viruserkrankungen, etwa eine Grippe oder eine Sonderform der Gürtelrose (Zoster oticus), zu einer Gehörgangsentzündung. Außerdem kommt eine allergische Reaktion – zum Beispiel auf ein Shampoo – als Ursache infrage.

Eine Gehörgangsentzündung wird manchmal auch „Bade-Otitis“ genannt, weil beim Baden oder Schwimmen mit dem Wasser leicht Krankheitserreger in den Gehörgang gelangen. Wer regelmäßig schwimmen geht, hat deshalb ein höheres Risiko für eine Gehörgangsentzündung. Außerdem wird sie durch kleinere Verletzungen – zum Beispiel durch das Benutzen von Wattestäbchen – oder das häufige Tragen von einsteckbaren Kopfhörern („In-Ear-Kopfhörer“) oder Hörgeräten begünstigt. Auch Menschen, die in der Vergangenheit schon einmal eine Gehörgangsentzündung hatten oder allgemein infektanfällig sind, haben häufiger mit der Erkrankung zu tun.

Entzündungen des Gehörgangs sind verbreitet: Ungefähr einer von zehn Menschen hat im Laufe seines Lebens eine Gehörgangsentzündung.

In der Regel verläuft die Erkrankung mild und verschwindet nach Tagen oder Wochen von selbst wieder. Bei manchen Menschen hält sie jedoch länger an. Selten dehnt sich die Entzündung dabei weiter in benachbarte Gewebe aus.

Um einer Gehörgangsentzündung vorzubeugen, ist es wichtig, den Gehörgang nicht zu reizen oder gar zu verletzen. Spitze Gegenstände dürfen auf keinen Fall in den Gehörgang eingeführt werden. Verletzungsgefahr besteht aber auch, wenn man versucht, die Ohren mit Wattestäbchen zu reinigen. Dies ist zudem überflüssig, weil sich die Ohren durch die Bildung von Ohrenschmalz selbst reinigen. Tritt es aus dem Ohr aus, kann man es mit einem Tuch entfernen. Bei größeren Mengen oder einem Ohrenschmalz-Pfropfen lässt sich Ohrenschmalz aufweichen, etwa mit Olivenöl, sodass er leichter abfließen kann. Wichtig ist, dabei vorsichtig zu sein. Im Zweifelsfall ist es besser, wenn die Ärztin oder der Arzt das Ohr spült und den Ohrenschmalz-Pfropf entfernt.

Außerdem kann es hilfreich sein, folgende Dinge zu beachten oder auszuprobieren:

  • Eine gut sitzende Badekappe hilft beim Schwimmen, Duschen und Baden, das Eindringen von Wasser ins Ohr zu vermeiden.
  • Wer beim Schwimmen Ohrstöpsel verwendet, sollte darauf achten, dass die Stöpsel weich sind und gut sitzen.
  • Wenn doch einmal Wasser ins Ohr gelangt, reicht es meist, den Kopf zur Seite zu neigen, damit es wieder herauslaufen kann. Ein leichtes Ziehen am Ohrläppchen sowie Hüpfen kann nachhelfen.
  • Bei empfindlichen Gehörgängen nicht zu oft Ohrstöpsel zum Schutz vor Lärm, Staub oder Wasser verwenden. Das gilt auch für In-Ear-Kopfhörer; auf andere Kopfhörer auszuweichen, kann sinnvoll sein.

Wer die Erfahrung gemacht hat, dass bestimmte Shampoos, Seifen oder andere Kosmetikartikel die Entzündung hervorrufen, verzichtet besser auf diese Produkte und probiert andere aus.

Zu den üblichen Medikamenten, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, gehören Schmerzmittel und desinfizierende Ohrentropfen oder Ohrensprays. Bei einer akuten Gehörgangsentzündung durch Bakterien werden aber häufig auch rezeptpflichtige Ohrentropfen eingesetzt.

Bei einer schweren oder seit Wochen anhaltenden Entzündung wird die Ärztin oder der Arzt möglicherweise ein in Ohrentropfen getränktes Schwämmchen oder Gazestreifen in den Gehörgang einsetzen. Manchmal sind weitere Medikamente nötig – zum Beispiel, wenn eine Gürtelrose zu der Entzündung geführt hat.

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Textnachweise

Quelle: Gesundheitsinformation.de

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Literatur

Burton MJ, Singer M, Rosenfeld RM. Extracts from The Cochrane Library: Interventions for acute otitis externa. Otolaryngol Head Neck Surg 2010; 143(1): 8-11.

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). S2k-Leitlinie: Ohrenschmerzen. AWMF-Registernr.: 053-009. 11.2014.

Hajioff D, MacKeith S. Otitis externa. BMJ Clin Evid 2015.

Kaushik V, Malik T, Saeed SR. Interventions for acute otitis externa. Cochrane Database Syst Rev 2010; (1): CD004740.

Lenarz T, Boenninghaus HG. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Berlin: Springer; 2012.

Webcode dieser Seite: s000713 Autor: IQWiG Erstellt am: 30.11.2017 Letzte Aktualisierung am: 20.06.2018
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