Diphtherie

Diphtherie ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die von Bakterien verursacht wird. Sie beginnt typischerweise im Rachenraum, kann aber auch die inneren Organe angreifen.

Diphtherie ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Sie betrifft zuerst die oberen Atemwege, besonders den Rachen. Die Krankheit geht mit starkem Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber einher. Der Erreger der Diphtherie, ein Bakterium mit dem Namen Corynebacterium diphtheriae, sondert ein Gift (Diphtherietoxin) ab, das die Körperzellen angreift. Über das Blut gelangt das Diphtherietoxin auch in andere Organe. Dort kann es lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Hinzu kommt, dass eine starke Schwellung des Halses bei den Betroffenen zum Ersticken führen kann.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome, beträgt in der Regel zwei bis fünf, selten bis acht Tage. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr werden die Patienten in der Regel isoliert und nur von geimpftem Klinikpersonal gepflegt.

Diphtherie zählt zu den meldepflichtigen Erkrankungen. In Deutschland tritt die Erkrankung seit Einführung einer entsprechenden Impfung nur noch sehr selten auf: Pro Jahr werden etwa vier bis acht Erkrankungsfälle und bis zu drei Todesfälle gemeldet. In vielen Entwicklungsländern, aber auch in den ehemaligen Ostblockstaaten ist sie aber noch immer weit verbreitet.

Diphtherie-Impfung

Wichtigste Vorsorgemaßnahme gegen Diphtherie ist die Schutzimpfung. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Erwachsene empfohlen. Geimpft wird mit einem Toxoid-Impfstoff. Die so erzeugte Immunität kann weitgehend verhindern, dass der Geimpfte erkrankt. Allerdings kann der Erreger sich auch in geimpften Menschen ansiedeln, die dann keine Symptome zeigen, aber den Keim weitergeben können. 

Normalerweise findet die Grundimmunisierung schon im Säuglingsalter zusammen mit den anderen Standardimpfungen statt. Über 97 von 100 Klein- und Vorschulkindern in Deutschland sind auf diese Weise gut geschützt.

Die Auffrischung sollte zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr sowie zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr erfolgen. Für einen sicheren Impfschutz müssen sich Erwachsene anschließend alle zehn Jahre erneut impfen lassen. Dies wird allerdings häufig vernachlässigt, sodass nur etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland über einen ausreichenden Impfschutz verfügt.

Wer nicht geschützt ist, kann das über zwei Impfungen im Abstand von vier bis acht Wochen, sowie eine dritte Impfung nach sechs bis zwölf Monaten nachholen. Insbesondere vor Reisen in Länder, in denen Diphtherie noch weiter verbreitet ist, sollte unbedingt ein ausreichender Impfschutz bestehen.

Der Erreger der Diphtherie ist das Bakterium Corynebacterium diphtheriae. Es wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Küssen weitergegeben, aber auch durch Kontakt mit kontaminierten Gegenständen.

Zunächst befallen die Erreger die Schleimhaut des Rachens, wo sie sich stark vermehren und schließlich auf die Mandeln, mitunter aber auch die Nase oder den Kehlkopf übergreifen können. Dabei bilden die Bakterien ein Gift, das nicht nur die Körperzellen der oberen Atemwege angreift, sondern auch innere Organe wie Herz, Leber, Nieren und das Nervensystem schädigen kann.

Erste Symptome einer Diphtherie sind Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Dieser Zustand dauert etwa ein bis zwei Tage an.

Mandel- und Rachendiphtherie

Meist bilden sich auf den Mandeln und im Rachen zunächst grau-weiße, später bräunliche Beläge, die sogenannten Pseudomembranen. Sie sitzen sehr fest, lassen sich auch mit einem Spatel kaum abstreifen und bluten leicht. Die Lymphknoten unterhalb der Kieferwinkel schwellen schmerzhaft an. Typisch für Diphtherie ist ein faulig-süßer Mundgeruch.

Nasendiphtherie

Insbesondere bei Säuglingen befällt der Erreger auch die Nasenschleimhäute und löst blutig-eitrigen Schnupfen aus.

Kehlkopfdiphtherie

Mitunter breitet sich die Infektion in Richtung Kehlkopf aus. Die Stimme wird heiser oder bleibt ganz weg. Der Patient hustet bellend (echter Krupphusten). Dabei können die Schleimhäute in der Kehle stark anschwellen. Typisch ist dann ein ziehendes Atemgeräusch bei der Einatmung (Stridor). Bei starker Schwellung bekommt der Patient Atemnot bis hin zur drohenden Erstickung, so dass er intubiert werden muss.

Hautdiphtherie

Selten äußert sich die Infektion auch auf der Haut. Es bilden sich Geschwüre, die mit einem weißlichen Belag überzogen sind.

Voranschreitende Diphtherie

Eine voranschreitende (progrediente) Diphtherie geht meist von den infizierten Mandeln aus. Es bilden sich innerhalb weniger Stunden an mehreren Stellen Pseudomembranen, die miteinander verschmelzen. Bei solchen aggressiveren Verläufen gelangen größere Mengen bakteriellen Giftes in den Körper (toxische/maligne Diphtherie). Der Patient leidet unter hohem Fieber. Die anwachsenden Ödeme (Wassereinlagerung im Gewebe) können monströse Formen annehmen, zum Beispiel am Hals in Form eines sogenannten Cäsarenhalses. Teile des Gewebes können aufgrund der bakteriellen Attacken absterben. Ein plötzlicher Herztod, auch nach scheinbar beginnender Genesung, ist dabei eine große Gefahr.

Diphtherie kann wegen der ähnlichen Symptome anfangs leicht mit einer Mandelentzündung (Angina) verwechselt werden. Zur Abklärung nimmt der Arzt/die Ärztin einen Abstrich im Rachen, beziehungsweise von den befallenen Hautpartien oder der Nasenschleimhaut. Im Labor wird auf dieser Basis eine Bakterienkultur angelegt und anschließend auf den Diphtherieerreger Corynebacterium diphtheriae hin untersucht. Auch das Gift der Bakterien selbst lässt sich im Labor nachweisen.
Eine Diphtherie muss möglichst rasch und intensiv behandelt werden. Daher beginnt die Therapie bereits im Verdachtsfall, noch bevor die Laboruntersuchungen abgeschlossen sind. Dazu erhält der Patient zum einen ein Antiserum, dass das Bakteriengift Diphtherietoxin im Körper neutralisiert. Es wirkt aber nur, wenn sich das Gift noch nicht an den Körperzellen festgesetzt hat. Gleichzeitig werden Antibiotika gegeben, die die Vermehrung der Erreger stoppen sollen. Dafür kommen Penicillin, Erythromycin oder auch andere Antibiotika wie Tetrazykline, Rifampicin und Clindamycin infrage.
Eine lebensgefährliche Komplikation der Diphtherie tritt ein, wenn die Schleimhäute im Hals so stark anschwellen, dass der Patient keine Luft mehr bekommt. Das Gift der Erreger kann aber auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auslösen und so das Herz schädigen oder die Nervenzellen der Schlund-, Augen- und Atemmuskulatur angreifen. Zu den selteneren Komplikationen der Infektion gehören Nierenversagen, Hirnhautentzündungen (Enzephalitis), Schlaganfall, Lungenembolie und eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis).

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Cornelia Czap, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie; Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin

Literatur

  • Koletzko, Berthold, Kinder und Jugendmedizin, 14. Auflage, Springer Medizin Verlag Heidelberg 2013
  • Kinder- & Jugendärzte im Netz: www.kinderaerzte-im-netz.de  (Abruf am 15.07.2015)
  • Robert Koch-Institut: www.rki.de, Ratgeber Diphtherie  (Abruf vom 15.07.2015)

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Webcode dieser Seite: s000536 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 15.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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