Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die schubweise verläuft. Medikamente können die Beschwerden lindern.

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarms, die in Schüben verläuft. Betroffen sind vor allem die oberflächlichen Schleimhautschichten der Dickdarmwand. Dort bilden sich mit der Zeit Geschwüre, die leicht bluten können. Der Name Colitis ulcerosa leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet übersetzt "geschwürige Dickdarmentzündung". Typisch für die Krankheit sind blutiger Stuhl, Durchfälle und Unterleibschmerzen.

Die Entzündung der Darmschleimhaut beginnt am Mastdarm und breitet sich kontinuierlich unterschiedlich weit im Dickdarm aus. Das unterscheidet sie von Morbus Crohn, einer anderen häufigen chronisch entzündlichen Darmkrankheit, die neben dem Dickdarm alle Bereiche des Verdauungstraktes befallen kann. Colitis ulcerosa betrifft besonders junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten. In Deutschland erkranken etwa drei bis vier von 100.000 Menschen pro Jahr daran. Männer und Frauen sind etwa gleich oft von Colitis ulcerosa betroffen.

Die Colitis ulcerosa ist mehr als eine einfache Darmverstimmung. In den beschwerdefreien Phasen können die Betroffenen ein normales Alltagsleben führen. Ein akuter Schub aber verursacht nicht nur starke Schmerzen; manchmal ist als Folge der Durchfälle oder der Darmwandschäden auch ein Klinikaufenthalt nötig.

Bislang ist noch nicht geklärt, welche Ursachen einer Colitis ulcerosa zugrunde liegen. Forscher vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: Vererbung, Infektionen, ein gestörtes Immunsystem und Umwelteinflüsse. Möglicherweise ist die natürliche Barriere, die ein Eindringen von Darmbakterien in die Schleimhaut verhindert, gestört. Dadurch kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die das Gewebe der Darmschleimhaut schädigt und die Entwicklung von Geschwüren fördert.

Viele Betroffene vertragen bestimmte Nahrungsmittel nicht. Diese Unverträglichkeiten müssen aber keine direkte Ursache für die Colitis ulcerosa sein. Stress, Anspannung und Belastung hingegen können aktive Schübe auslösen. Dennoch ist die Colitis ulcerosa keine psychosomatische Krankheit.

Raucher erkranken seltener an Colitis ulcerosa. Auch Menschen, die keinen Blinddarm mehr haben, haben ein geringeres Risiko. Der Grund für diese Zusammenhänge ist nicht geklärt.

Häufig beginnt eine Colitis ulcerosa schleichend und der Krankheitsverlauf ist nicht vorhersagbar. Die Beschwerden können daher unterschiedlich stark ausgeprägt sein – je nachdem, wie weit die Krankheit sich bereits im Darm ausgebreitet hat.

Typisch sind blutige Durchfälle, die bis zu 20-mal pro Tag auftreten können, teilweise mit Eiter und Schleim. Der Blutverlust führt manchmal zu einer Blutarmut des Betroffenen, starke Blutungen können lebensbedrohlich sein. Auch ein dauerhaft schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmen) oder Stuhldrang in der Nacht ist charakteristisch. Es kommt zu kolikartigen Bauchschmerzen meist im linken Unterbauch, die unter Umständen mit Fieber einhergehen. Viele Betroffene leiden auch an starken Blähungen: Zusammen mit den Winden kann ungewollt auch etwas Stuhl abgehen, was Mediziner als "falschen Freund" bezeichnen. Als Folge der gestörten Verdauung und des Blutverlustes kommt es häufig zu Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Leistungsverlust.

Generell unterscheiden Mediziner verschiedene Phasen des Krankheitsverlaufs:

  • Akuter Schub: Typische Symptome sind etwa blutiger Durchfall, krampfartiger Stuhldrang und Unterbauchkrämpfe.
  • Chronisch-rezidivierender Verlauf: Phasen mit Entzündung wechseln sich mit Phasen ohne Entzündung ab. Zwischen den Schüben klingt die Entzündung ab, sodass sich die Schleimhaut erholt (Remission): Diesen Verlauf zeigen mehr als 80 von 100 Patienten.
  • Chronisch kontinuierlicher Verlauf: Die Darmentzündung klingt nach einem Schub nicht vollständig wieder ab, was bei etwa 10 von 100 Patienten der Fall ist.
  • Fulminanter Verlauf: Plötzlicher Krankheitsbeginn mit heftigen, blutigen Durchfällen, starken Bauchkrämpfen, hohem Fieber und Austrocknung. Betrifft nur wenige Patienten. Der fulminante Verlauf endet in etwa 30 Prozent der Fälle tödlich.   

Bei einer Colitis ulcerosa fragt der Arzt oder die Ärztin den Betroffenen nach der Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Diese schließt eine Inspektion des Afters und das Austasten des Mastdarms (Rektum) mit ein.

Um abzuklären, ob eine Entzündung vorliegt und wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, ist eine Darmspiegelung (Koloskopie) die beste Methode. Dabei führt der Arzt oder die Ärztin ein biegsames Endoskop über den After in den Darm ein. Über eine Kamera an der Spitze wird das Innere des Darms auf einen Bildschirm übertragen. Über einen Arbeitskanal im Endoskop kann der Arzt oder die Ärztin kleine Instrumente einführen, um aus dem untersuchten Darmsegment Schleimhautproben zu entnehmen. Diese werden im Labor genauer untersucht. Eine weitere Darmspiegelung mit einer erneuten Entnahme von Gewebeproben sichert die Diagnose ab. Der zeitliche Zwischenraum zwischen  beiden Untersuchungen hängt vom jeweiligen Krankheitsverlauf ab.

Im Blut lassen sich verschiedene Werte bestimmen, die Aufschluss über den Verlauf der Colitis ulcerosa geben. Der Entzündungsparameter C-reaktives Protein (CRP) zeigt an, wie stark die Entzündung ausgeprägt ist. Die Blutuntersuchung gibt auch Hinweise auf Höhe und Dauer eines möglichen Blutverlustes. Zusätzlich kann der Arzt oder die Ärztin anhand der Blutwerte feststellen, ob erhöhte Leberwerte - vor allem Gamma-GT und Alkalische Phosphatase (AP) – vorliegen.

Sowohl zur Erstdiagnose als auch bei Untersuchungen im weiteren Krankheitsverlauf führt der Arzt oder die Ärztin eine äußerliche Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) durch. Sie zeigt, ob die Entzündung auch tiefere Schichten der Darmwand erfasst hat.

Um eine Infektion mit krankheitsverursachenden (pathogenen) Darmbakterien als Ursache der Beschwerden auszuschließen, ist zudem eine bakteriologische Stuhl-Untersuchung notwendig.

Allgemeine Therapie

Entzündungshemmende Medikamente können eine Colitis ulcerosa zwar nicht heilen. Sie mildern aber Krankheitsschübe und können die Zeit zwischen zwei Schüben verlängern.

Medikamente mit 5-ASA (5-Aminosalicylsäure) gelten als Standardtherapie. Sie werden zur Behandlung von leichten bis mäßigen Schüben und in Kombination mit Glukokortikoiden zur Behandlung von schweren Schüben eingesetzt. Zudem können sie beschwerdefreie Phasen (Remissionsphasen) verlängern. 5-ASA ist lokal (Zäpfchen etc.) oder systemisch (Tablette etc.) anwendbar.

Glukokortikoide (Kortison) werden bei schweren Schüben und bei Versagen der 5-ASA-Therapie eingesetzt - in Form von Tabletten oder auch als Zäpfchen oder Einlauf. Sie eignen sich aufgrund der Nebenwirkungen allerdings nicht zur Langzeitbehandlung.

Immunsuppressiva sind eine Alternative zu Kortison, zum Beispiel wenn dieses nicht ausreichend wirkt oder zu viele Nebenwirkungen auslöst.

Auch die Einnahme von Medikamenten, die spezielle Bakterien (Escherichia coli Nissle) enthalten, kann einen erneuten Schub hinauszögern. Zu beachten ist: Das Bakterien-Medikament bedarf permanenter Kühlung und es ist nur wenige Monate haltbar.

In manchen Fällen von Colitis ulcerosa werden Antikörper (wie Infliximab) gegeben, die eine unspezifische entzündungshemmende Wirkung ausüben. Zum Einsatz kommen sie nur in schweren Krankheitsfällen, bei denen Glukokortikoide nicht ausreichend wirken, und zwar im akuten Schub und auch zur Remissionserhaltung.

Spezielle Schub-Therapie

Die Therapie eines akuten Krankheitsschubes richtet sich nach seiner Schwere. Leichte Schübe behandelt der Arzt oder die Ärztin mit 5-ASA-Präparat (5-Aminosalicylsäure). Bei mittelschweren Schüben werden zusätzlich Kortisontabletten verabreicht. Bei schweren Schüben bekommen Betroffene Medikamente und Nährlösungen über eine Infusionslösung (Tropf). Die meisten Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Colitis ulcerosa sind ambulant behandelbar. Bei allen anderen ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Operation

Bei einer operativen Behandlung der Colitis ulcerosa wird der gesamte Dickdarm entfernt. Eine Operation ist notwendig

  • wenn sich eine Colitis ulcerosa nicht mehr mit Medikamenten kontrollieren lässt,
  • wenn Darmkrebs beziehungsweise Krebsvorstufen nachgewiesen wurden,
  • in bestimmten Notfallsituationen (zum Beispiel Darmdurchbruch, lebensbedrohliche Blutungen),
  • bei einem fulminanten Schub, der sich mit Medikamenten nicht behandeln lässt,
  • bei einem toxischen Megakolon (siehe Abschnitt "Welche Folgeerkrankungen können auftreten?"), das sich mit Medikamenten nicht behandeln lässt,
  • bei einer anhaltenden Blutung, die mittels Medikamenten nicht zum Stillstand kommt.

Psychologische Hilfe

Häufig bestimmt die Colitis ulcerosa das gesamte Leben. Eine Psychotherapie oder psychosomatische Betreuung kann die Beschwerden verringern. Die Betroffenen lernen, mit der Krankheit umzugehen und auf ihr eigenes Wohlbefinden zu achten.

Ernährung

Generell gibt es keine spezielle Diät oder Ernährungstherapie, um die Krankheit selbst oder einen akuten Krankheitsschub zu verhindern. Viele Betroffene leiden aber in der Folge der Darmwandentzündung an Mangelzuständen wie Blutarmut (Anämie), Eisen- oder Folsäuremangel oder verminderte Knochendichte (Osteopenie). Eine ausreichende Nahrungsergänzung durch Eisen- oder Folsäuretabletten ist sinnvoll. Das Risiko einer Knochenschädigung lässt sich durch die zusätzliche Gabe von Kalzium und Vitamin D verringern.

Die Colitis ulcerosa kann sehr starke Blutungen auslösen. Auch häufige leicht blutige Durchfälle können zudem zu Blutarmut führen.

Seltener kommt es zum sogenannten Toxischen Megakolon: Die Schäden in der Darmwand bewirken eine Darmlähmung, der Dickdarm dehnt sich auf. Ähnlich wie bei einer Vergiftung reagiert der Körper mit Fieber und Abwehrreaktionen. Häufig kommt eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) hinzu, auch das Risiko eines Darmdurchbruchs (Perforation) besteht. Das kann lebensbedrohlich sein.

In seltenen Fällen treten Folgeerscheinungen auf, die nicht den Darm betreffen, zum Beispiel Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Haut oder Augen (Uveitis).

Eine Colitis ulcerosa begünstigt die Entstehung von Darmkrebs und der primär sklerosierenden Cholangitis (Entzündung und Einengungen der Gallenwege).

Bei Kindern kann eine Colitis ulcerosa außerdem zu Wachstumsstörungen führen.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Anna Krause, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie

Literatur 

  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa. Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz", Stand: September 2011 (Abruf vom 22.07.2015)
  • Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.: www.dccv.de (Abruf vom 22.07.2015)
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abruf vom 22.07.2015)
  • Adler, G. et al.: Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag. 2013
  • Hoffmann, R. et al.: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Thieme Verlag. 2009
  • Deutsche Gastro-Liga e.V.: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Ratgeber für Patienten.
  • Wehling, M.: Klinische Pharmakologie. Thieme Verlag. 2011
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer Verlag. 1. Auflage 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag. 2012
  • Baenkler, H.-W. et al.: Innere Medizin. Thieme Verlag. 2. Auflage 2009

Weiterführende Informationen

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Webcode dieser Seite: s000533 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 22.07.2015 Letzte Aktualisierung am: 25.10.2018
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