Cluster-Kopfschmerzen

Bei Cluster-Kopfschmerzen kommt es zu sehr starken, immer einseitigen Schmerzen, meist im Bereich des Auges oder der Schläfe. Die Attacken treten phasenweise auf. Linderung verschaffen meist das Einatmen reinen Sauerstoffs oder bestimmte Migränemittel. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Bei Cluster-Kopfschmerzen kommt es zu häufigen Attacken mit heftigen, immer einseitigen Kopfschmerzen, meist im Bereich des Auges oder der Schläfe. Cluster-Kopfschmerzen unterscheiden sich von anderen Kopfschmerzen auch durch ihre typischen Begleitsymptome wie Augentränen, eine laufende Nase oder ein leicht hängendes Augenlid. Linderung verschaffen dann meist das Einatmen reinen Sauerstoffs oder bestimmte Migränemittel.

Von Cluster-Kopfschmerzen spricht man, weil sich die Beschwerden bei dieser Kopfschmerzart in einer bestimmten Zeit häufen (engl. cluster = Gruppe, Häufung). Die Zeit dazwischen ist meist beschwerdefrei. Warum es zu den Beschwerden kommt, ist nicht bekannt. Fachleute zählen Cluster-Kopfschmerzen – auch Bing-Horton-Kopfschmerzen genannt – deshalb zu den primären Kopfschmerzen, zu denen auch Spannungskopfschmerzen und Migräne gehören. Diese kommen viel häufiger vor als Cluster-Kopfschmerzen, sind aber weniger schmerzhaft.

Bei einer Cluster-Kopfschmerzattacke bauen sich in kurzer Zeit sehr starke bohrende, stechende oder brennende Schmerzen im Bereich eines Auges auf. Auch die Schläfe und die angrenzende Stirnpartie können sehr weh tun. Manche Patienten beschreiben den Schmerz, als ob ein Nagel durch das Auge sticht.

Häufig ist das betroffene Auge gerötet und tränt. Weitere mögliche Begleiterscheinungen sind:

  • verstopfte oder laufende Nase
  • Schwitzen an Stirn und Wangen
  • verkleinerte Pupille
  • geschwollenes oder hängendes Augenlid
  • Überempfindlichkeit gegen Geräusche oder Licht

Weil die Schmerzen bei Bewegung etwas nachlassen, sind viele Betroffene unruhig und gehen während einer Attacke zum Beispiel umher. Nach 15 Minuten bis drei Stunden verschwinden die Schmerzen meist so schnell wieder, wie sie gekommen sind. In der Regel ist immer dieselbe Kopfseite betroffen.

Was dazu führt, dass ein Mensch an Cluster-Kopfschmerzen erkrankt, ist nicht bekannt. Fachleute vermuten unter anderem, dass die Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns, die auch für die Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich sind, „überaktiv“ sind. Weil in manchen Familien Cluster-Kopfschmerzen gehäuft vorkommen, könnte auch Vererbung eine Rolle spielen.

Ähnlich wie bei der Migräne gibt es auch bei Cluster-Kopfschmerzen bestimmte Auslöser (Trigger) – also unterschiedliche Stoffe oder Situationen, die eine Schmerzattacke hervorrufen können. Viele Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen bekommen zum Beispiel eine Schmerzattacke, wenn sie Alkohol getrunken haben. Weitere mögliche Auslöser sind:

  • Aufenthalt in großen Höhen
  • nitroglyzerinhaltige Medikamente (zum Beispiel Mittel gegen Brustenge bei koronarer Herzkrankheit)

Diese Trigger lösen jedoch nur dann Attacken aus, wenn sich die Betroffenen in einer aktiven Phase der Erkrankung befinden, in denen es generell häufig zu Attacken kommt.

Einige Menschen berichten, dass bestimmte Gerüche bei ihnen Cluster-Kopfschmerzen auslösen können. Häufig werden auch Nahrungsmittel wie bestimmte Käsesorten oder Wurstwaren mit Cluster-Kopfschmerzen in Verbindung gebracht. Dass sie Schmerzattacken auslösen können, ist aber nicht belegt.

Von 1000 Menschen hat nur etwa einer Cluster-Kopfschmerzen. Damit ist diese Kopfschmerzform im Vergleich zu Spannungskopfschmerzen und Migräne sehr selten.

Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Cluster-Kopfschmerzen sind in jedem Alter möglich, treten aber das erste Mal meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf.

Typischerweise treten die Cluster-Kopfschmerzattacken meist nur in bestimmten Phasen auf. Diese auch Cluster genannten Episoden dauern einige Tage bis Wochen. Zwischen zwei Episoden vergeht oft eine längere Zeit – manchmal sogar Jahre – ohne Beschwerden. Häufig fallen die Schmerzepisoden ins Frühjahr oder den Herbst.

Während einer Episode können die Attacken alle zwei Tage bis mehrmals pro Tag auftreten. Oft setzen sie jeweils zur selben Uhrzeit ein, vor allem in den frühen Morgenstunden oder ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen.

Bei 15 von 100 Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen sind die Beschwerden besonders häufig: Die Episoden dauern bei ihnen ein Jahr – oder die beschwerdefreie Zeit zwischen zwei Episoden ist kürzer als ein Monat. Dann spricht man von chronischen Cluster-Kopfschmerzen. Manchmal geht ein episodischer in einen chronischen Verlauf über, vor allem wenn die Erkrankung erst in einem höheren Alter beginnt. Es kann aber auch sein, dass chronische Cluster-Kopfschmerzen zu episodischen werden.

Die Diagnose ergibt sich aus einem ausführlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden unter anderem im Rahmen einer neurologischen Untersuchung die Wahrnehmung von Berührung und die Muskelkraft geprüft. Um sicherzugehen, dass keine andere Erkrankung der Grund für die Schmerzen ist, wird meist einmal eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes gemacht.

Mittel, die grundsätzlich verhindern können, an Cluster-Kopfschmerzen zu erkranken, sind nicht bekannt. Eine Möglichkeit, Attacken vorzubeugen, ist jedoch herauszufinden, was sie auslöst und diese Auslöser dann zu vermeiden. Dazu ist es hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, in das man unter anderem einträgt, was man vor einer Attacke gegessen, getrunken oder unternommen hat.

Es gibt auch einige Medikamente, die häufigen Attacken vorbeugen können: Manchmal werden dazu Lithium oder Kortison eingesetzt – am häufigsten aber der Wirkstoff Verapamil. Er kann allerdings zu Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen führen und ist in Deutschland nicht offiziell zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen zugelassen („Off-Label-Use“).

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können akute Cluster-Kopfschmerzen nicht lindern. Vielen Menschen hilft es aber, reinen Sauerstoff einzuatmen. Dazu benötigt man ein Sauerstoffgerät mit Atemmaske. Wichtig ist, dass eine ausreichende Sauerstoffkonzentration erreicht wird. Deshalb muss eine Atemmaske verwendet werden, die Mund und Nase abdeckt.

Auch zwei Migränemittel (Triptane) können akute Cluster-Kopfschmerzen lindern, wenn sie als Spritze oder Nasenspray angewendet werden. Zu Beginn der Therapie kann ein Krankenhausaufenthalt nötig sein.

Cluster-Kopfschmerzen können so heftig sein, dass sie oft als unerträglich beschrieben werden. Während einer Attacke ist es meist nicht möglich, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, Alltagstätigkeiten nachzugehen oder am Straßenverkehr teilzunehmen. Während eines Clusters ist das Berufs- und Familienleben in Mitleidenschaft gezogen, auch Freizeitaktivitäten sind erschwert. Belastend ist auch, dass die Attacken häufig in der Nacht auftreten und den Schlaf stören. Hinzu kommt, dass viele Betroffene lange Zeit nicht wissen, was mit ihnen los ist. Manche befürchten, lebensbedrohlich erkrankt zu sein. Einige Menschen verlieren durch die Cluster-Kopfschmerzen sogar ihren Lebenswillen.

Viele sind erleichtert, wenn sie erfahren, dass sie eine Kopfschmerzerkrankung haben und dass es wirksame Behandlungen gibt. Je nach Therapie sind einige Umstellungen zu meistern – etwa zu lernen, wie man mit einer Sauerstoffmaske umgeht oder sich ein Medikament selbst unter die Haut spritzt.

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Für Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen gibt es in Deutschland verschiedene Angebote zur Unterstützung, etwa Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden.

Textnachweise

Quelle: Gesundheitsinformation.de

Herausgeber: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000934 Autor: Barmer Erstellt am: 22.05.2018 Letzte Aktualisierung am: 25.10.2018
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