Chronische Bronchitis

Bei einer chronischen Bronchitis sind die Atemwege dauerhaft entzündet. In den meisten Fällen ist diese Erkrankung eine Langzeitfolge des Rauchens – der Rauchstopp ist deshalb die wirkungsvollste Therapie. Wird diese nicht befolgt, drohen lebensgefährliche Folgeerkrankungen.

Hartnäckiger Husten mit Auswurf – das ist das klassische Symptom der chronischen Bronchitis, unter der vor allem Raucher und ehemalige Raucher leiden. Daher rührt auch der umgangssprachliche Name der Erkrankung: "Raucherhusten". Ausgelöst werden die Beschwerden durch chronische Entzündungen in der Lunge und dem dadurch gestörten Reinigungsmechanismus der Atemwege. Eigentlich ist das Abhusten von Lungensekret ein wichtiger Schutzmechanismus des menschlichen Körpers. Auch gesunde Menschen produzieren Auswurf als Teil des Reinigungsmechanismus der Bronchien. Der Schleim fängt Schadstoffe und Keime ein und wird durch die Bewegung sogenannter Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut aus der Lunge befördert. Gelegentlich unterstützen kräftige Hustenstöße diesen Prozess. Im Rachen angelangt, wird der größte Teil des Sekrets runtergeschluckt und im Magen unschädlich gemacht.

Bei der chronischen Bronchitis ist dieses natürliche Gleichgewicht gestört. Es kommt durch die dauerhafte Reizung der Schleimhaut zur vermehrten Bildung von Schleim. Besonders bei Rauchern ist außerdem der Transportmechanismus der Flimmerhärchen gestört, die Zellen sind regelrecht "gelähmt" und sterben schließlich ab. Das Sekret staut sich in der Lunge. Bestimmte "Husten-Fühler" in der Schleimhaut geben darum das Signal zum Husten – und das immer öfter.

Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht eine chronische Bronchitis, wenn Husten und Auswurf an den meisten Tagen des Jahres, mindestens aber drei Monate lang in zwei aufeinander folgenden Jahren auftritt. Andere Erkrankungen, die Husten verursachen wie z.B. Asthma bronchiale, müssen für die Diagnose "chronische Bronchitis" ausgeschlossen werden. Das Tückische an dieser Krankheit ist, dass sie schleichend beginnt. Viele Betroffene empfinden den Husten als normal, sodass sie erst spät eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen. Eine schubartige Verschlechterung erfolgt in den ersten Jahren vor allem dann, wenn zusätzlich eine Infektion mit Bakterien oder Viren die Lunge belastet. Zu erkennen ist das, wenn sich der normalerweise weißliche Auswurf gelb verfärbt.

In den meisten Fällen verursacht Rauchen die chronische Bronchitis. Aber auch das passive Einatmen der Schadstoffe scheint die Lunge zu schädigen. Deswegen sind die wichtigsten Therapieempfehlungen für die Behandlung der Krankheit der totale Rauchstopp und das Vermeiden von Passivrauchen. Nur so lassen sich bleibende Schäden an der Lunge verhindern.

Neben Zigarettenrauch kommen aber auch andere Auslöser für die chronische Bronchitis infrage. So können etwa Stoffe, die beim Schweißen oder bei Löscharbeiten entstehen, sowie Gase und Dämpfe von Lösungsmitteln die Lunge reizen. Auch Krankheiten wie die Mukoviszidose begünstigen die Entstehung einer chronischen Bronchitis. Zudem scheint es weitere erbliche Faktoren zu geben, welche die Anfälligkeit für dieses Lungenleiden erhöhen, etwa ein angeborener Mangel des Proteins Α1-Antitrypsin. Dabei handelt es sich um ein Bluteiweiß, das normalerweise der Lunge dabei hilft, gesund zu bleiben.

Das auffälligste Symptom der chronischen Bronchitis ist der Husten. Die Betroffenen plagt der Husten besonders morgens, wenn sich durch Liegen und flache Atmung der Schleim in der Lunge ansammelt. Dieser hartnäckige, oft weißliche Auswurf ist zähflüssig und lässt sich nur schwer abhusten. Danach sind die Betroffenen oft für mehrere Stunden beschwerdefrei. Bei Fortschreiten der Erkrankung äußert sich der Husten allerdings auch tagsüber und immer häufiger. Bei feucht-kaltem Wetter verschlimmern sich die Beschwerden meistens.

Bei knapp 20 Prozent aller Patienten und Patientinnen mit einer einfachen chronischen Bronchitis stellt sich mit der Zeit noch eine dauerhafte Verengung (Obstruktion) der Atemwege ein. Mediziner sprechen dann von einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COB). Die Patienten bemerken die Verengung an einer zunehmenden Kurzatmigkeit, die anfangs vor allem bei Anstrengung auftritt. Später bekommen die Betroffenen auch in Ruhe schlechter Luft. Unbehandelt verschlimmert sich die Krankheit immer weiter.

Die Diagnose, ob eine chronische Bronchitis vorliegt oder nicht, wird vor allem durch eine ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) gestellt. Insbesondere der morgens besonders stark auftretende Husten mit weißlichem bis gelblichem Auswurf sowie Rauchen in der Vorgeschichte sind wegweisende Informationen. Zur Anamnese gehört aber auch die Frage nach Medikamenten, die eingenommen werden. So können beispielsweise bestimmte Blutdruckmedikamente (ACE-Hemmer) ebenfalls zu chronischem Hustenreiz führen.

Anschließend wird der Arzt/die Ärztin mit einem Stethoskop die Lunge des Patienten/ der Patientin abhören. Ist zu viel Schleim in der Lunge, entsteht in den Bronchien ein rasselndes Geräusch. Eine Röntgenuntersuchung hilft zu unterscheiden, ob statt einer Bronchitis eine verschleppte Lungenentzündung, ein Lungenemphysem oder Lungenkrebs Auslöser für die Beschwerden sind. Die Röntgenaufnahme der Lunge kann auch Auskunft darüber geben, ob bei bestehender chronischer Bronchitis bereits das Herz in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Dann werden zusätzlich weitere Herzuntersuchungen wie z.B. ein EKG (Elektrokardiogramm) notwendig.

Bei Menschen mit Refluxkrankheit kann aus der Speiseröhre aufsteigende Magensäure in die Luftröhre gelangen und dort die Schleimhaut reizen. Dies geschieht vor allem nachts im Liegen und fördert einen Hustenreiz am Morgen. Deshalb gehört bei dem Verdacht auf eine solche Erkrankung – etwa bei häufigem Sodbrennen – auch eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen zur Ursachenforschung.

Das Ausmaß der Bronchienschädigung lässt sich mit einer Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) erkennen Die Untersuchung kann auch helfen zu klären, ob statt einer chronischen Bronchitis eine Asthmaerkrankung vorliegt – oder ob eine asthmatische Begleiterkrankung die chronische Bronchitis noch verschlimmert. Oft wird die Lungenfunktionsprüfung ergänzt durch eine sogenannte Blutgasanalyse: Aus einem Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen lassen sich Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut bestimmen. Die Werte geben wichtige Informationen über die Funktionsfähigkeit der Lunge. Ein körperlicher Belastungstest (Ergometrie) kann ebenfalls zeigen, ob die Lunge bereits Schaden genommen hat.

Chronische Bronchitis (ohne Obstruktion) ist, frühzeitig erkannt und behandelt, in der Regel heilbar. Die wichtigste therapeutische (und präventive) Maßnahme ist der sofortige Rauchstopp beziehungsweise das Meiden anderer Auslöser. Zusätzlich verschreiben behandelnde Mediziner nach Bedarf schleimlösende oder die Schleimproduktion bremsende Medikamente. Auch entzündungshemmende und schleimhautabschwellende Medikamente werden bei Bedarf eingesetzt.
Die Atemwegsverengung bei der chronisch obstruktiven Bronchitis bildet sich auch bei Behandlung im Allgemeinen nicht mehr zurück. Gegen die Atemnot, die bei Belastung oder auch schon in Ruhe auftritt, können bronchienerweiternde Wirkstoffe helfen. Sie erleichtern das Atmen. Bei Infektionen kommen wegen der erhöhten Gefahr von Komplikationen Antibiotika zum Einsatz.

An chronischer Bronchitis erkrankte Menschen können aber auch selbst Einiges tun, um die Abheilung der Krankheit zu fördern. Dazu gehört eine spezielle Atemgymnastik genauso wie Klopfmassagen, die das Abhusten des Schleims erleichtern. Verrauchte oder mit Schadstoffen belastete Räume und Plätze sollten gemieden werden. Außerdem ist es für die Betroffenen wichtig, viel zu trinken und mit sportlicher Betätigung das Immunsystem und die Bronchien zu stärken. Ebenso sind sowohl Über- wie auch Untergewicht bei einer chronischen Bronchitis ungünstig.

Wird die chronische Bronchitis früh erkannt und behandelt, kann sich die Überproduktion des Schleimes zurückbilden, die Flimmerhärchen in den Bronchien können sich wieder erholen. Wird die Krankheit allerdings nicht konsequent behandelt oder der krankheitsauslösende Reiz besteht weiter, entstehen unumkehrbare Schäden und teilweise lebensbedrohliche Folgeerkrankungen.

Besteht die chronische Bronchitis über einen längeren Zeitraum, verengen sich die Bronchien dauerhaft. Ursache dafür ist die chronische Entzündung der Bronchien in deren Folge es zur Verkrampfung der Bronchialstruktur und Schwellung der Schleimhaut mit erhöhter Schleimproduktion kommt. Die Betroffenen haben deutliche Probleme beim Ausatmen. Diese chronisch obstruktive Bronchitis (COB) kann mit oder ohne Überblähung der Lungenbläschen (Lungenemphysem) einhergehen. Die Kombination aus chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem wird als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet und "Chronisch obstruktive (verengende) Atemwegserkrankung" (COPD, engl.: Chronic Obstructive Pulmonary Disease) genannt.

Die COPD ist eine fortschreitende Erkrankung und nicht heilbar. Medikamente können die Verengung der Atemwege nicht vollständig rückgängig machen. Die Überblähung der Lungenbläschen beeinträchtigt den Gasaustausch in der Lunge, was die Lebenserwartung verkürzt.  Die Atmung wird zur Schwerstarbeit und geht mit dauerhafter Erschöpfung einher. Gegebenenfalls ist eine Langzeit-Sauerstofftherapie erforderlich. COPD ist stark verbreitet und steht derzeit auf Platz fünf der häufigsten Todesursachen weltweit.

Durch die Überblähung der Lungenbläschen steigt der Druck in den Lungengefäßen und es kommt zu einer Steigerung des Blutdrucks im Lungenkreislauf. Das belastet vor allem die rechte Herzkammer, so dass eine dauerhafte Rechtsherzschwäche (Cor pulmonale) auftreten kann. Erste Anzeichen hierfür sind eine weitere Verstärkung der Kurzatmigkeit und Wassereinlagerungen, vor allem in den Unterschenkeln und Füße.

In den Industrieländern leiden ungefähr fünf bis zehn Prozent aller Erwachsenen unter einer chronischen Bronchitis. Männer sind dabei etwa drei Mal häufiger betroffen als Frauen, was vermutlich darauf zurück-zuführen ist, dass mehr Männer als Frauen rauchen – noch, denn während die Zahl der rauchenden Männer ungefähr konstant bleibt, steigt die Zahl der rauchenden Frauen jährlich an.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an einer chronischen Bronchitis zu erkranken. Das liegt einerseits an der Hauptursache, dem Zigarettenrauch, dessen schädliche Wirkung mit jedem "Raucherjahr" zunimmt. Zusätzlich verringert sich die Funktionstüchtigkeit der Lunge im Alter generell.

Textnachweis 

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000530 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 18.05.2015 Letzte Aktualisierung am: 30.07.2018
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