Asthma bronchiale

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Anfallsartig auftretende Luftnot ist das Hauptkennzeichen dieser Erkrankung. Asthma ist nicht heilbar, lässt sich aber mit Medikamenten meist gut behandeln.

Um Asthma bronchiale (kurz: Asthma) zu verstehen, ist es wichtig, sich die Abläufe der Atmung zu vergegenwärtigen. Die menschliche Lunge ist ähnlich aufgebaut wie ein Baum, der auf dem Kopf steht. Die von oben kommende Luftröhre bildet dabei den Stamm, der sich in einen rechten und linken Lungenflügel teilt. Die sich immer weiter verzweigenden Bronchien stellen die Baumäste dar. In deren äußersten Spitzen sorgen die Lungenbläschen wie Blätter für den lebensnotwendigen Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid.

Damit die Versorgung mit Sauerstoff schnell und reibungslos läuft, muss der Weg vom Stamm bis zu den Blättern frei und ohne Hindernisse sein. Vor allem während eines Anfalls ist das bei Asthmatikern aber nicht der Fall. Bei Ihnen sind die Atemwege, speziell die Bronchien, chronisch entzündet. Dadurch ist deren Schleimhaut stärker durchblutet und geschwollen (Schleimhautödem), der Innendurchmesser der Bronchien ist verringert. Die Folge: Die einströmende Luft muss einen höheren Widerstand überwinden.

Bei leichtem Asthma kann die Schwellung der Bronchien unbemerkt bleiben. Solange sich der Betroffene nicht anstrengt, fällt die Einschränkung nicht ins Gewicht. Allerdings leiden Asthmatiker zusätzlich an einer Überempfindlichkeit der Bronchien (bronchiale Hyperreagibilität): Durch bestimmte eigentlich harmlose Auslöser (Trigger) werden die Schleimhäute gereizt. Sie schwellen noch stärker an und produzieren ein zähes Sekret. Gleichzeitig verkrampft sich die Muskulatur der Bronchien, die hinter der Schleimhaut liegt. Das verengt die Atemwege, sodass das Ein- und besonders das Ausatmen schwieriger werden. Die Symptome können während eines solchen Asthmaanfalls von Kurzatmigkeit bis zur schwerwiegenden Atemnot mit Erstickungsangst reichen. Die Sauerstoffversorgung des Körpers kann in extremen Fällen so stark beeinträchtigt sein, dass die Betroffenen an den Folgen des Asthmaanfalls versterben. Schätzungsweise gibt es weltweit 300 Millionen Asthmakranke. Rund zehn von 100 Kinder unter 15 Jahren und fünf bis sieben von 100 Erwachsenen in Deutschland leiden unter der Atemwegserkrankung. In Deutschland sind pro Jahr etwa acht Millionen Menschen davon betroffen.

Warum jemand an Asthma erkrankt, ist noch nicht endgültig geklärt. Sicher ist, dass es eine erbliche Veranlagung für das Lungenleiden gibt. Aber auch die Prägung des Immunsystems und die Umweltbedingungen spielen bei der Entwicklung eine Rolle. Heuschnupfen, häufige Infektionen der Lunge, Übergewicht und Rauchen (aktiv und passiv) gelten als zusätzliche Risikofaktoren für Asthma.

Grundsätzlich werden beim Asthma zwei unterschiedliche Auslöser unterschieden, von denen es aber auch Mischformen gibt. Das heißt, jemand der eigentlich allergisches Asthma hat, kann auch einmal auf Kälte mit einem Asthmaanfall reagieren.

  • Allergisches Asthma: Die Atemprobleme werden durch eine Allergie ausgelöst. Häufige Auslöser sind Pollen, Tierhaare mit dem daran anhaftenden Speichel, der Kot der Hausstaubmilbe, Schimmelpilze, berufliche Allergene, bestimmte Medikamente oder Nahrungsmittel. Besonders häufig von dieser Form des Asthmas betroffen sind Kinder.
  • Nichtallergisches (unspezifisches) Asthma: Die Betroffenen reagieren auf äußere Reize wie Kälte, Wärme, Staub, chemische Reizstoffe, Rauch,, Medikamente, Abgase oder sonstige Reize wie körperliche Belastung (Anstrengungsasthma) oder Infekte. Allergische Reaktionen der Körperabwehr sind dabei aber nicht nachweisbar.  

In den verengten Bronchien von Asthmatikern entstehen typische Atemgeräusche beim Ein- und Ausatmen. Mediziner bezeichnen die pfeifenden Töne als „Giemen“. Dazu kommen trockener Husten oder Husten mit meist klarem, zähem Schleim. Zusätzlich können ein Engegefühl in der Brust und Atemnot auftreten.

Bei einem Asthmaanfall schwillt die Schleimhaut besonders stark an, die Muskulatur um die Bronchien verkrampft sich. Dies kommt vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden vor, wenn die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Kortison im Blut am geringsten ist. Zusätzlich kann im Liegen die sogenannte Atemhilfsmuskulatur (Brustmuskeln und Muskulatur des Schultergürtels) nicht aktiv werden und das Zwerchfell muss vermehrt gegen den Druck aus dem Bauchraum anarbeiten. So wird es für die Betroffenen besonders schwer, die verbrauchte Luft aus- und frische, sauerstoffreiche Luft einzuatmen. Zu dem Gefühl der Atemnot kommt Angst, die wiederum die Symptome des Anfalls verstärken kann.

Ein Asthmaanfall variiert in Stärke und Dauer. Er kann aber zum medizinischen Notfall werden, der dann umgehend behandelt werden muss (Notruf 112). Daher ist das Wissen über die individuelle Entstehung von Asthma und die richtige Reaktion auf einen Anfall für die Betroffenen sehr wichtig.

Um den Grad einer Asthmaerkrankung richtig einschätzen zu können, ist es sinnvoll, wenn die Betroffenen in einer "schlechten" Phase die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Am Anfang der Untersuchung steht eine ausführliche Befragung des Patienten, das sogenannte Anamnesegespräch. Die Ärztin / der Arzt erfährt dabei, wann und wie die Beschwerden auftreten und wodurch sie sich verschlimmern. Für das Gespräch ist es auch wichtig, dass die Asthmapatienten nicht nur über die eigene, sondern auch die Krankengeschichte der Familie berichten können. Denn die Anfälligkeit für Allergien und Asthma kann vererbt worden sein.

Der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Dabei wird mit einem Stethoskop die Lunge abgehört und nach asthmatypischen Geräuschen gefahndet. Mit einem Lungenfunktionstest wird geprüft, wie stark der Luftstrom in den Bronchien gebremst wird und wie viel Luft nach erfolgter Ausatmung in der Lunge gefangen bleibt. Meist kommt dafür die sogenannte Spirometrie zur Anwendung, mit der der Luftstrom über ein Mundstück direkt gemessen wird. Noch genauere Ergebnisse lassen sich mit einer (Ganzkörper) Plethysmografie erheben. Im Unterschied zur Spirometrie sitzt der Patient dabei in einer geschlossenen Glaskabine, eine aktive Mitarbeit ist nicht notwendig, sodass die Untersuchung auch für kleine Kinder leicht durchzuführen ist.

Deuten die Untersuchungen auf Asthma bronchiale hin, wird die Diagnose mit dem sogenannten Reversibilitätstest (auch Bronchospasmolysetest) überprüft. Dafür inhaliert der Patient ein Medikament, das die verengten Bronchien erweitern soll. Anschließend wird die Lungenfunktion ein weiteres Mal getestet. Fällt das Ergebnis jetzt deutlich besser aus als vor der Medikamentengabe, gilt die Diagnose Asthma als sehr wahrscheinlich.

In diesem Fall kann die Suche nach den Auslösern beginnen: Mit einem Allergietest – beim Prick-Test bringt ein winziger Schnitt zum Beispiel den vermuteten Allergieauslöser unter die Haut – wird untersucht, ob der Patient auf bestimmte Stoffe überempfindlich reagiert.

Besteht keine Allergie, oder der Patient ist zum Zeitpunkt der Untersuchung beschwerdefrei, kann eine "Bronchoprovokation" Aufschluss darüber geben, ob Asthma besteht. Dafür werden entweder durch körperliche Anstrengung oder mit einem zu inhalierenden Reizstoff die Bronchien künstlich unter Stress gesetzt und anschließend die Lungenfunktion gemessen. Fallen die Ergebnisse jetzt schlechter aus als vor der Provokation, ist auch hier die Diagnose Asthma wahrscheinlich.

Zur Erstuntersuchung gehört meist auch eine Röntgenaufnahme der Lunge, um andere Erkrankungen auszuschließen bzw. mögliche Folgeerkrankungen wie das Lungenemphysem sichtbar zu machen. Ansonsten kann man bei Asthma einen unauffälligen Röntgenbefund erwarten.

Es gibt verschiedene Medikamente, die die Beschwerden bei Asthma in Schach halten können. Welche zum Einsatz kommen, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Das Ziel der Behandlung ist, das Asthma mit möglichst wenigen Medikamenten möglichst gut "zu kontrollieren".

Für die Therapie werden zwei Arzneimittelgruppen unterschieden:

  • Dauermedikation: Sie enthält meist ein Kortisonpräparat, das die Entzündungsbereitschaft der Bronchien herabsetzt. Funktioniert diese Einstellung gut, und die Asthmaerkrankung ist nur mittelmäßig ausgeprägt, werden die
  • Bedarfsmedikamente lediglich im Notfall oder vorbeugend vor einer potenziell Anfall auslösenden Situation angewendet. Bei diesen Medikamenten handelt es sich um Wirkstoffe, die die Bronchialmuskulatur schnell entspannen (schnellwirkende Betamimetika).

In den meisten Fällen werden Asthmamedikamente inhaliert. So können die Wirkstoffe direkt am Ort des Geschehens eingreifen. Bei besonders schwerem Asthma wird auf Kortison in Tablettenform zurückgegriffen. Diese von Medizinern als "systemisch" bezeichnete Anwendung entfaltet jedoch mehr Nebenwirkungen als bei der Inhalation. In Notfällen werden die Asthmamedikamente direkt in die Vene gespritzt, weil die Betroffenen bei einem schweren Asthmaanfall die Medikamente oft gar nicht mehr tief genug in die Bronchien einatmen können.

Asthmatiker können auch selbst einiges tun, um ihre Krankheit in den Griff zu bekommen. In speziellen Asthmaschulungen lernen sie, die Symptome ihres Körpers, die auf einen beginnenden Anfall hindeuten, früher zu erkennen und mit Notfallsituationen richtig umzugehen. Zusätzlich werden sie für mögliche Auslöser sensibilisiert, die sie meiden sollten. Eine gesunde Lebensweise mit Rauchverzicht und regelmäßigem, leichtem Ausdauersport kann bei der Beherrschung der Krankheit einen wichtigen Beitrag leisten. Wichtig ist es auch, mögliche Allergieauslöser zu meiden und die verordneten Asthmamedikamente regelmäßig und in der vorgesehenen Dosis einzunehmen.

Asthma ist bisher nicht heilbar, bei manchen klingen die Symptome allerdings bis zur völligen Beschwerdefreiheit ab. Das ist bei Kindern und Jugendlichen deutlich öfter der Fall als bei Erwachsenen.

Wird Asthma rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt, bedroht die Erkrankung die Lebensqualität kaum. Die Lebenserwartung ist nicht geringer als bei gesunden Menschen.

Es gibt aber Folgeerkrankungen, die ein Asthmatiker durch die erhöhte Entzündungsbereitschaft der Lunge bekommen kann. Dazu gehören die chronische Bronchitis und Lungenentzündungen. Auch können die Lungenbläschen dauerhaft überbläht werden (Lungenemphysem). Zudem wird bei Asthmatikern das Herz stärker belastet, weil es mehr arbeiten muss, um genug Sauerstoff ins Gewebe zu transportieren. Zusätzlich ist der Widerstand im Lungenkreislauf oft erhöht, was für die rechte Herzkammer eine Mehrarbeit bedeutet. In der Folge kann eine sogenannte Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) entstehen.

Asthmamedikamente können langfristig Nebenwirkungen haben. So werden hohe Dosen von Kortison unter anderem mit dem vermehrten Auftreten von Osteoporose, Gewichtszunahme und Diabetes sowie mit einer Störung der körpereigenen Cortisol-Produktion (in der Nebennierenrinde) in Verbindung gebracht. Manche die Bronchien erweiternden Medikamente können den Herzschlag beschleunigen und zu Herzrhythmusstörungen führen.

Bei Kindern gilt Asthma als die häufigste chronische Erkrankung. Jedes zehnte Kind unter 15 Jahren in Deutschland ist davon betroffen, bei Erwachsenen ist es jeder Zwanzigste. Bei Kindern überwiegt im Gegensatz zu den Erwachsenen das allergische Asthma.
Unter Kindern erkranken Jungen häufiger an Asthma als Mädchen. In der Pubertät gleicht sich dieser Unterschied wieder aus. Tritt Asthma erstmalig im Erwachsenenalter auf, sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin, Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin 

Literatur

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Webcode dieser Seite: s000204 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 01.04.2015 Letzte Aktualisierung am: 26.04.2017
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