ADHS im Kindesalter

Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS, handelt es sich im Wesentlichen um eine Funktionsstörung im Gehirn. Die Hauptmerkmale sind Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und Hyperaktivität. Diese psychische Störung beginnt in der frühen Kindheit und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS, handelt es sich um eine vielschichtige psychische Störung. Die betroffenen Kinder fallen durch Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität und Impulsivität auf. Die ADHS wird oft von weiteren Störungen begleitet, wie ausgeprägtem Trotzverhalten (oppositionelles Verhalten), Sozialverhaltensstörungen, emotionale (affektive) Störungen (zum Beispiel Ängste) oder unwillkürliche Muskelzuckungen (Tics). Seltener äußert sich das Syndrom jedoch auf andere Art und Weise: Die Betroffenen sind sehr verträumt, wirken abwesend und neigen zum sozialen Rückzug.

Die ADHS wird auch als Hyperkinetische Störung, kurz HKS oder im Volksmund als „Zappelphilipp-Syndrom“ bezeichnet. Ist dagegen von einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS) die Rede, so ist eine Unterform gemeint, die eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität beschreibt.

ADHS ist die am weitesten verbreitete psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen, von der in Deutschland etwa drei bis fünf von hundert betroffen sind. Bei Jungen wird ADHS etwa viermal häufiger diagnostiziert als bei Mädchen.

Die Erkrankung beginnt bereits im frühen Kindesalter. Da die Diagnose üblicherweise erst im Grundschulalter sicher gestellt werden kann, können die früheren Auffälligkeiten jedoch nur nachträglich gewertet werden. Die ADHS kann individuell und in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht der Betroffenen in sehr unterschiedlicher Form und Ausprägung auftreten. Deswegen ist es wichtig, alle Auffälligkeiten zu erfassen und die Behandlung immer auf das einzelne Kind und seine individuelle Lebenssituation abzustimmen.
Lange glaubte man, dass ADHS nur im Kindesalter auftritt. Inzwischen weiß man, dass jeder dritte Betroffene auch im Erwachsenenalter noch unter Symptomen wie Konzentrationsschwäche und Unruhe leidet, die Privat- und Arbeitsleben belasten.

Heute wird davon ausgegangen, dass es sich bei der ADHS um eine Funktionsstörung im Gehirn handelt, bei der ein relativer Mangel an den Botenstoffen Noradrenalin beziehungsweise Dopamin besteht. Ererbte Faktoren spielen eine wichtige Rolle beim Auftreten von ADHS. Dies belegen mehrere Zwillingsstudien. Inzwischen ist es britischen Forschern auch gelungen nachzuweisen, dass sich das Erbgut von Kindern mit ADHS von dem nicht erkrankter Kinder oft unterscheidet.

Es scheint aber von weiteren Faktoren abzuhängen, ob diese vererbte Neigung auch tatsächlich zur Ausbildung einer ADHS führt. Ist beispielsweise ein Kind während der Schwangerschaft Giften wie Nikotin, Alkohol oder bestimmten Medikamenten ausgesetzt, kann das sein Erkrankungsrisiko erhöhen. Als weitere Risikofaktoren gelten Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen oder ein zu niedriges Geburtsgewicht. Das gleiche gilt für Verletzungen und Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Knapp ein Drittel der Säuglinge mit Regulationsstörungen (exzessives Schreien, Schlaf- oder Fütterstörungen) leidet im späteren Lebensalter unter ADHS.

Ungünstige familiäre und auch schulische Bedingungen, wie beengte Wohnverhältnisse, wenig emotionale Zuwendung oder ungünstiges Erziehungsverhalten können zusätzlich dazu beitragen, typische Verhaltensauffälligkeiten zu verschlimmern. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass es durch ein komplexes Zusammenwirken dieser Faktoren zu einem fehlerhaften Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen kommt, die die verschiedenen Hirnabschnitte miteinander vernetzen. Eine zentrale Rolle kommt hierbei den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin zu. Sie sind in bestimmten Hirnabschnitten, vor allem in Teilen des Frontalhirns und im Kleinhirn für koordinierte Bewegung, emotionale Steuerung und zielgerichtete Aufmerksamkeit zuständig.

Permanente Reizüberflutung
Da bei Kindern mit ADHS die Balance der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin gestört ist, kommt es zu einer fehlerhaften Übertragung und Verarbeitung von Reizen. Als Folge wird jede eintreffende Information ungefiltert aufgenommen, ohne dass ein Abgleich mit bestehenden Erfahrungen sowie ein Ordnen und Beurteilen stattfindet. So stürmen auf die betroffenen Kinder ständig neue Reize ein. Ihnen gelingt es dadurch nur schwer, ihre Aufmerksamkeit, ihren Bewegungsdrang und ihre Gefühle zu kontrollieren. Kinder mit ADHS sind nicht weniger intelligent als andere. Sie bleiben allerdings oft hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Nicht jeder Unruhegeist, dem es schwerfällt, dem Unterricht zu folgen, leidet zwangsläufig an einer ADHS. Hinter solchen Auffälligkeiten können beispielsweise auch Lernstörungen, familiäre Konflikte oder Probleme mit dem Lehrer stecken.

  • Typisch für eine ADHS ist der frühe Beginn der Verhaltensauffälligkeiten weit vor dem sechsten Lebensjahr.
  • Nur wenn diese in ihrer Ausprägung weder dem Alter noch dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen,
  • über einen Zeitraum von mehr als sechs Monate bestehen,
  • in verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Schule oder Freizeit gleichzeitig auftreten und
  • dort zu starken Beeinträchtigungen führen, spricht man von einer ADHS.

"Zappelphilipp" oder "Träumer"?
Bei der ADHS stehen Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit im Vordergrund. Diese einzelnen Symptome können jedoch unterschiedlich ausgeprägt sein, wodurch sich drei Untergruppen herauskristallisieren.

Den vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ (ADHS) bezeichnet man im Volksmund auch als "Zappelphilipp", da bei ihm die motorische Unruhe, also die Hyperaktivität und Impulsivität überwiegt. Die Unaufmerksamkeit fällt kaum ins Gewicht oder ist gar nicht vorhanden. Dieser Typ wird häufiger bei Jungen festgestellt.

Der überwiegend unaufmerksame Typ (ADS) gilt eher als "Träumer". Da bei diesen Kindern die Merkmale der Hyperaktivität und der Impulsivität weitgehend fehlen, fallen sie weniger unangenehm auf, weshalb die Krankheit oftmals spät diagnostiziert wird. Dieser Typ wird vor allem bei Mädchen gesehen.

Schließlich gibt es noch den Mischtyp, der in allen drei Kernbereichen auffällig ist, also Symptome der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität zeigt.

Kinder, die an ADHS leiden, können zudem durch teilweise starke Stimmungsschwankungen auffallen, sind oft missmutig, unzufrieden und innerlich unruhig. Sie haben Konzentrationsprobleme in der Schule, können frustrierende Situationen schlecht aushalten (geringe Frustrationstoleranz) und zeigen oft wenig Ausdauer. Die Erledigung der Hausaufgaben kann zur täglichen Zerreißprobe werden. Außerdem mangelt es den Betroffenen an Selbstorganisation, sie sind vergesslich, trödeln und erbringen schlechte Leistung trotz Anstrengung. Zudem neigen sie zu Suchtverhalten.

Vom trotzigen Kleinkind zum chaotischen Jugendlichen
Die Ausprägung der Symptome hängt nicht nur vom Geschlecht der Betroffenen ab, sondern auch von ihrem Lebensalter. Da die Diagnose meist erst im Grundschulalter sicher gestellt werden kann, gewinnen die Symptome des Säuglings- und Kleinkindalters erst nachträglich an Bedeutung.

Schon im Säuglingsalter können manche Kinder, die später eine ADHS entwickeln, unausgeglichen, unruhig, reizbar und schreckhaft wirken. Diese Säuglinge leiden unter einer Regulationsstörung. Neben exzessivem Schreien („Schreibabys“) können auch Fütter- oder Schlafprobleme auftreten.

Im Kleinkindalter sind die Betroffenen motorisch oft extrem umtriebig, zeigen plan- und rastlose Aktivität und geringere Ausdauer beim Spielen als ihre gesunden Spielkameraden. Sie sind häufiger in Unfälle verwickelt, integrieren sich schlechter und verhalten sich nicht selten aggressiver gegenüber Gleichaltrigen. Sie machen Eltern und Betreuern das Leben schwer, indem sie nicht nur ausgeprägte Trotzreaktionen zeigen, sondern auch Grenzen und Anweisungen ignorieren.

Als Grundschulkinder sind die Kinder ablenkbar und unkonzentriert, es fällt ihnen schwer den Regeln in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft zu folgen. Sie leiden unter Konzentrationsproblemen bei den Hausaufgaben und zeigen wenig Ausdauer, sind schnell frustriert oder enttäuscht und stören im Unterricht. Ihre Arbeitsaufträge werden wenig ordentlich ausgeführt, nicht gemacht oder zu Hause vergessen. Sie sind motorisch sehr umtriebig (aufstehen, rumlaufen, Stuhl schaukeln), gedanklich sehr sprunghaft, fallen anderen ins Wort und stören den Unterricht durch Reden und Geräuscheproduktion. In vielen Situationen sind Mimik, Gestik und Körpersprache unpassend. Auch sind bei ihnen Unfälle häufig.

Im Jugendalter tritt die motorische Unruhe zunehmend in den Hintergrund. Oft bereiten dann ausgeprägte Impulsivität in Verbindung mit Regelverletzungen bis hin zur Unfähigkeit, sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen (Dissozialität) die größten Probleme. Die Jugendlichen ecken mit diesem Verhalten in Schule, Beruf aber auch in ihrem weiteren Lebensumfeld an und sind mit ihrer Lebenssituation unzufrieden. Betroffene Jugendliche schließen sich gerne Altersgenossen mit ähnlichen Problemen an und häufig ist auch Alkohol- und Drogenmissbrauch im Spiel. Geringe Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit und ein chaotischer Arbeitsstil führen häufig zu Schulabbrüchen oder einem Schulabschluss unterhalb des Möglichen. Dadurch wird der Einstieg ins Berufsleben trotz oft normaler oder gar überdurchschnittlicher Intelligenz erschwert, was die Unzufriedenheit noch verstärken kann.

Begleiterkrankungen sind häufig
Bei vielen betroffenen Kindern treten weitere begleitende Störungen auf: Häufig sind Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörungen: Viele leiden auch unter einem begleitenden Tic-Syndrom mit unkontrollierten Muskelzuckungen. Auch eine Störung des Sozialverhaltens mit ausgeprägtem Trotzverhalten ist häufig. Zudem können Zwänge, Autismus und Schlafstörungen eine ADHS begleiten. Mehr als ein Drittel der Patienten leidet unter affektiven Störungen (Depressivität, Ängstlichkeit).

Die Diagnose einer ADHS ist sehr zeitaufwendig und kann erst ab einem Alter von etwa sechs Jahren sicher gestellt werden. Aufgrund der typischen Verhaltensauffälligkeiten lässt sich die Diagnose in manchen Fällen aber auch schon früher stellen. Besteht der Verdacht auf eine ADHS, bedarf es der gründlichen Abklärung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater oder einen Kinder- und Jugendarzt. Die Ärztin oder der Arzt sollte große Erfahrung mit dieser Erkrankung haben, damit die Chance auf eine korrekte Diagnose und eine gezielte Therapie steigt. Die Erfahrung ist vor allem auch notwendig, um die Verhaltensauffälligkeiten von altersgemäßen typischen Verhaltensweisen und anderen Problemen wie Lernschwierigkeiten, depressiven Verstimmungen oder Ängsten abzugrenzen.

Ausführliche Befragung
An erster Stelle steht die ausführliche Befragung der Eltern beziehungsweise der Betroffenen zu Lebenssituation, Krankheitsgeschichte und familiärer Vorbelastung. Mit Hilfe von Fragebögen für Eltern, Lehrer und Erzieher wird gezielt nach ADHS-typischen Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes in unterschiedlichen Situationen gefahndet. Wichtig ist aber auch der telefonische oder direkte Kontakt zu den Betreuern.

Verhaltensbeobachtung
Zusätzliche Hinweise liefert das Verhalten des Kindes in der Untersuchungssituation. In einzelnen Fällen können auch Verhaltensbeobachtungen in der alltäglichen Umgebung des Kindes, beispielsweise anhand von Videoaufnahmen aus der Familie, mit herangezogen werden. Weitere Hinweise liefern Entwicklungs-, Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests.

Körperliche Untersuchung
Zu jeder Abklärung von ADHS gehören auch eine gründliche körperliche sowie eine neurologische Untersuchung der Fein- und Grobmotorik und der Bewegungskoordination. Diese Untersuchungen dienen dazu, körperliche oder neurologische Krankheiten als Ursache auszuschließen. Bei Bedarf kann der Arzt weitere Untersuchungen wie beispielsweise die Ableitung eines Hirnstrombildes (EEG) veranlassen.

Steht die Diagnose ADHS fest, wird ein auf das jeweilige Kind zugeschnittener Behandlungsplan erstellt, der bei ADHS aus einer Kombination unterschiedlicher ineinandergreifender Behandlungsformen besteht. Ziel der Therapie ist es, den Kindern ein möglichst normales Leben und eine altersgerechte Entwicklung zu ermöglichen. An erster Stelle steht die Aufklärung und Beratung der Eltern und weiterer Bezugspersonen, beispielsweise der Erzieherinnen/Erzieher beziehungsweise Klassenlehrerinnen/Klassenlehrer. Je nach Alter des Kindes, dem Erscheinungsbild der ADHS, den eventuell vorhandenen Begleiterkrankungen und dem Schweregrad der Beeinträchtigung kommen zusätzlich pädagogische, psychologische und/oder psychotherapeutische und eventuell auch medikamentöse Maßnahmen zum Einsatz.

Elterntraining und Interventionen in der Familie und Schule
Den wichtigsten Baustein der ADHS-Therapie stellen die Informierung, Beratung und Schulung (Psychoedukation) von Eltern und Familie dar. Ziel ist es, ihnen zu vermitteln, wie sie das Kind beziehungsweise den Jugendlichen optimal unterstützen und schwierige Alltagssituationen besser meistern können. Gleichzeitig wird der Fokus wieder stärker auf die Fähigkeiten des Kindes und all jene Dinge gelenkt, die im Alltag bereits gut funktionieren.

Die Eltern, die oft selbst von der Problematik betroffen sind, lernen, wie wichtig es ist, ihrem Sprössling verlässliche Tagesabläufe zu bieten und klare Regeln und Grenzen zu setzen, ihn aber immer auch selbst für kleine Erfolge zu loben. Das verbessert den Umgang zwischen Eltern und Kind und dadurch das Klima innerhalb der Familie.

Trainingsprogramme für die Betroffenen
Die Trainingsprogramme für Kinder und Jugendliche sind auf bestimmte Problembereiche zugeschnitten. Bewährt haben sich unter anderem Aufmerksamkeits- und Konzentrationstrainings sowie Selbstmanagement-Programme. Auch durch das sogenannte Neurofeedback können sich die Impulsivität und Unaufmerksamkeit reduzieren sowie eine gewisse Besserung der Überaktivität erzielen lassen. Basis dafür ist ein spezielles Computerprogramm, mit dem die Gehirnwellen hörbar und sichtbar gemacht werden. Indem sich die Betroffenen auf die Bilder oder Töne konzentrieren, können sie lernen, diese zu beeinflussen und letztlich zu harmonisieren. Nach Abschluss eines Trainings ist dieser Prozess soweit verinnerlicht, dass viele Kinder und Jugendliche nachweisbar ruhiger und gelassener sind.

Mit verhaltenstherapeutischen und heil- beziehungsweise sozialpädagogischen Maßnahmen kann bei einem Teil der Patienten bereits eine ausreichende Besserung erreicht werden. Liegt zusätzlich eine sogenannte Teilleistungsstörung vor, wie zum Beispiel Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwächen, sollten die betroffenen Kinder in diesen Bereichen eine zusätzliche Förderung erhalten.

Medikamentöse Behandlung
Reichen Schulungen, Trainingsprogramme und verhaltenstherapeutische Maßnahmen nicht aus, um die Auffälligkeiten zu reduzieren, stellt sich die Frage, ob zur Behandlung von ADHS Medikamente eingesetzt werden sollten. Medikamente können zwar bei den meisten Betroffenen Konzentrationsdefizite, Hyperaktivität sowie die Steuerungsfähigkeit bessern, allerdings verschwinden damit nicht automatisch alle ungünstigen Verhaltensmuster, insbesondere die Störung des Sozialverhaltens. Je ausgeprägter solche zusätzlichen Störungen sind und je geringer die Kompetenz der Erziehungsberechtigten ist, damit umzugehen, desto intensiver und langfristiger sollten begleitende verhaltenstherapeutische Behandlungsmaßnahmen sein.

Am häufigsten werden Medikamente eingesetzt, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten, der zur Gruppe der Stimulantien gehört. Dabei handelt es sich nicht etwa um Beruhigungsmittel. Diese Medikamente beeinflussen den Stoffwechsel der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin und verbessern so die Nachrichtenübertragung im Gehirn, was sich positiv auf Konzentration, Ausdauer und Aufmerksamkeit auswirkt. Es hat allerdings auch erhebliche Nebenwirkungen. Ein anderes Medikament, welches jedoch seine Wirkung langsamer aufbaut, ist der selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin. Es nimmt ausschließlich Einfluss auf den Noradrenalin-Stoffwechsel.

Diese Medikamente führen allerdings keine Heilung herbei und verwandeln Kinder mit ADHS auch nicht in "brave Engel", die keine Anleitung mehr benötigen. Deshalb muss eine Behandlung mit Medikamenten immer in ein Gesamtkonzept eingebunden sein. In der amerikanischen MTA-Studie (Multimodal Treatment Approach) hat sich gezeigt, dass eine Verhaltenstherapie in Verbindung mit zusätzlicher Medikamenteneinnahme erfolgreicher ist als alleinige psychotherapeutische Maßnahmen. Zudem sind bei einigen Kindern die Symptome so stark ausgeprägt, dass sich nur mit Hilfe eines Medikaments die Voraussetzungen für entsprechende psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen schaffen lassen. Die Ärztin oder der Arzt sollte zudem regelmäßig überprüfen, ob die Dosierung, die auf das einzelne Kind abgestimmt werden muss, noch angemessen und die Fortführung der medikamentösen Behandlung sinnvoll ist.

Entgegen der landläufigen Meinung wachsen sich die Symptome einer ADHS nur bei einem Teil der betroffenen Kinder im Erwachsenenalter aus. Viele zeigen weiterhin die typischen Symptome wie Unaufmerksamkeit, Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe und sind dadurch sowohl im Beruf als auch in der Alltagsgestaltung sowie ihrem Privatleben benachteiligt. Die Hyperaktivität bei Erwachsenen äußert sich eher in einer starken inneren Unruhe und Nervosität. Viele leiden zusätzlich unter ausgeprägten Stimmungsschwankungen und zeigen riskantes Verhalten im Straßenverkehr. Ihre beruflichen und sozialen Bindungen sind oft unbeständig. Außerdem neigen sie zu Ängsten, Depressionen, Jähzorn, Alkohol- und Drogenmissbrauch und kriminellen Handlungen. Das Hauptproblem, mit dem erwachsene Betroffene sowohl im beruflichen wie im privaten Bereich zu kämpfen haben, ist jedoch ihr unorganisierter und chaotischer Alltag. ADHS ist bei Erwachsenen deutlich schwerer zu erkennen als bei Kindern. Die Auffälligkeiten werden deshalb oft falsch interpretiert.

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Tim Bodeewes, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologe, Dr. med. Andrea Reiter, Ärztin

Literatur

Weiterführende Informationen

  • ADHS Deutschland e.V. - Selbsthilfe für Menschen mit ADHS: www.adhs-deutschland.de
  • Zentrales ADHS-Netz am Klinikum der Universität Köln: www.adhs.info
  • Döpfner, Schürmann, Lehmkuhl: Wackelpeter und Trotzkopf. BeltzPVU 2006
  • Döpfner, M., Lehmkuhl, G.: ADHS Fragen & Antworten. Informationen für Eltern, Lehrer und Erzieher. Medice, 2003.
  • Krause und Krause: ADHS im Erwachsenenalter. Schattauer Verlag 2007

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Webcode dieser Seite: s000506 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 25.03.2015 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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