Impfen – Krankheiten gezielt vorbeugen

Impfungen sollen ansteckenden Krankheiten gezielt vorbeugen. Dabei schützt eine Impfung nicht nur vor der Infektion. Bei hohen Impfquoten können Krankheitserreger ganz ausgerottet werden.

Schon in der Antike haben Gelehrte erkannt, dass Menschen, welche die Pest oder die Pocken überlebt hatten, gegen spätere Epidemien gefeit waren. Erste Versuche, Personen durch eine absichtliche Ansteckung immun zu machen, reichen vermutlich bis in frühe asiatische Kulturen zurück.

Zur gezielten medizinischen Maßnahme wurde das Impfen erst Jahrhunderte später. Der Prototyp der modernen Impfung richtete sich im 18. Jahrhundert gegen die Pocken, eine gefürchtete und verbreitete Krankheit. Die Ursache der Infektion, das Pockenvirus, war noch nicht entdeckt. Aber man hatte erkannt, dass die Kuhpocken, eine für Menschen vergleichsweise harmlose Rinderkrankheit, bei Erkrankten Immunität für die Menschenpocken hinterließen. Mit dieser Theorie steckte man die ersten Patienten bewusst mit der einen Krankheit an, um sie vor der anderen zu schützen. Das Fachwort für Impfstoff "Vakzine" (von lateinisch: vaccina, übersetzt: die von Kühen stammende) erinnert noch heute daran.

Die Entdeckung der Krankheitserreger im 19. Jahrhundert lieferte nicht nur eine Erklärung für den Erfolg der ersten Impfungen, sondern legte auch den Grundstein für die Entwicklung neuer Impfstoffe.

Die heute verwendeten Impfseren werden in hoch technisierten Labors hergestellt. Sie enthalten exakt dosierte Mengen eines Erregers. Durch den Einsatz abgeschwächter und inaktiver Erreger, oder nur einzelner Bestandteile der Keime, sind moderne Impfstoffe risikoärmer denn je.

Das Immunsystem schützt den menschlichen Organismus vor Krankheiten. Es erkennt Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, macht die Krankheitserreger unschädlich und verhindert, dass sich Infektionen im Körper ausbreiten. Das Immunsystem wird auch gegen Schadstoffe, fremde Gewebe (beispielsweise Transplantate), fremde Zellen (beispielsweise Bluttransfusionen) oder Krebszellen aktiv.

Die körpereigene Abwehr ist nicht nur in der Lage, zwischen "fremd" und "selbst" zu unterscheiden, sie merkt sich diese Information auch. Bei erneutem Kontakt erfolgt die Immunantwort schneller und heftiger. Die Immunreaktion ist Ausdruck komplexer Abwehrvorgänge. Spezifische Abwehrstoffe und Zellen spielen dabei die zentralen Rollen.

Durch Antikörper vermittelte Immunantwort

Antikörper (oder Immunglobuline) sind Eiweiß-Partikel, die sich an sogenannte Antigene binden. Antigene nennt man jene Oberflächenstrukturen auf Viren oder Bakterien, auf die jeweils nur ganz spezifische Antikörper passen. Die Funktionsweise wird auch als Schlüssel-Schloss-Prinzip dargestellt. Nur wenn Antikörper und Antigen exakt zueinander passen, kann die Immunreaktion ausgelöst werden. Dabei werden Krankheitserreger "markiert" und Fresszellen angelockt, die diese unschädlich machen. Dadurch wird verhindert, dass sich ansteckende Krankheiten ausbreiten.

Zellvermittelte Immunantwort

Von einer zellvermittelten Immunantwort spricht man, wenn zelltötende (zytotoxische) Immunzellen einen Erreger oder Fremdstoff direkt angreifen.

Kinder sind noch nicht durch ein voll entwickeltes Immunsystem geschützt und deshalb anfälliger für ansteckende Krankheiten. Doch mit jeder durchgemachten Infektion speichert ihr Immunsystem Informationen über den jeweiligen Erreger. So entwickelt sich nach und nach eine Art "immunologisches Gedächtnis". Wiedererkannte Viren und Bakterien werden schneller unschädlich gemacht.

Nestschutz

Neugeborene kommen mit dem sogenannten Nestschutz zur Welt. Im Blut der Kleinen zirkulieren mütterliche Antikörper, die sie vor Ansteckungen schützen. Der Nestschutz erstreckt sich allerdings nur auf Infektionen, die die Mutter selbst durchgemacht hat, oder gegen die sie geimpft ist.

In den ersten Lebensmonaten werden die mütterlichen Antikörper abgebaut. Damit verschwindet der Nestschutz nach und nach. Deshalb empfiehlt es sich, Säuglinge früh zu impfen. Das von der Ständigen Impfkommission (stiko) am Robert Koch-Institut empfohlene Impfprogramm für Kinder startet im dritten Lebensmonat.

Impfungen nutzen die spezifischen Eigenschaften des Immunsystems, um Erreger unschädlich zu machen und Krankheiten vorzubeugen. Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen der Impfung: die aktive und die passive Immunisierung.

Aktive Immunisierung

Die aktive Immunisierung macht sich das Gedächtnis des Immunsystems zu Nutze. Hat der Körper ein Virus oder ein Bakterium einmal als schädlich eingestuft und Antikörper dagegen gebildet, kann er den Eindringling beim nächsten Kontakt schneller und effektiver bekämpfen.

Mit der Impfung kommt das Immunsystem zum ersten Mal in Kontakt mit dem potenziellen Krankheitserreger. Je nach Impfung wird der Impfstoff per Spritze oder als Schluckimpfung verabreicht. Er enthält abgeschwächte Krankheitserreger (Lebendimpfstoff, beispielsweise Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff) oder abgetötete Krankheitserreger (inaktiver Impfstoff, beispielsweise Polio-Impfstoff), die selbst keine ernsthafte Infektion auslösen können. Das Impfserum kann auch aus charakteristischen Bestandteilen des Erregers (beispielsweise beim Hepatitis-B- oder Grippe-Impfstoff) oder seinen Giftstoffen (beispielsweise beim Tetanus- und Diphtherie-Impfstoff) bestehen. Mit dieser Information bildet das Immunsystem spezifische Antikörper. Kommt der Körper später tatsächlich mit dem Erreger in Kontakt, verhindern diese Antikörper, dass die Krankheit ausbricht.

Manche Impfungen wirken nach einmaliger Injektion (beispielsweise die Meningokokken-Impfung). Bei vielen Infektionen (beispielsweise bei Masern, Mumps und Röteln) sind zur Grundimmunisierung mehrere Impfungen nötig. Nach einer vollständigen Impfung bleibt der Körper über längere Zeit gegen diese Krankheit immun. Auffrischimpfungen verlängern den Impfschutz.

Passive Immunisierung

Bei der passiven Immunisierung werden spezifische Antikörper verabreicht, die den Krankheitserreger direkt bekämpfen. Anders als bei einer echten Impfung bildet der Organismus die Abwehrstoffe nicht selbst. Das Immunsystem bleibt passiv und speichert die Information nicht im immunologischen Gedächtnis. Die passive Immunisierung hinterlässt deshalb keine dauerhafte Immunität.

Bei unmittelbarer Ansteckungsgefahr und wenn kein ausreichender Impfschutz gegen die entsprechende Krankheit besteht, ist in manchen Fällen eine passive Immunisierung möglich. Sie kann beispielsweise nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tieres die tödliche Krankheit verhindern.

Jede wirksame medizinische Maßnahme birgt auch Risiken. Doch selten sind diese so gering wie beim Impfen. Die heute zugelassenen und von der Ständigen Impfkommission (stiko) am Robert Koch-Institut empfohlenen Impfstoffe sind allgemein gut verträglich.

Impfreaktionen

Schwellungen, Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle sind typische Impfreaktionen; ebenso wie allgemeines Unwohlsein, leichtes Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Diese Beschwerden zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Sie sind in der Mehrzahl der Fälle harmlos und klingen innerhalb weniger Tage ohne spezielle Behandlung ab.

Manchmal tritt nach einer Impfung sogar vorübergehend eine milde Form der Erkrankung auf. So bekommen etwa fünf von 100 Personen nach der Impfung "Impfmasern". Diese Impfkrankheit mit leichtem Fieber, vorübergehendem Hautausschlag, Schnupfen und Husten ist harmlos und verschwindet folgenlos.

Impfkomplikationen

Wirkliche Impfkomplikationen sind heute sehr selten. Auch die Impfung gegen Kinderlähmung ist heute unproblematisch. Der ursprünglich verwendete Lebendimpfstoff, welcher pro Jahr ein bis drei Menschen unnötig krank machte, ist längst von einem harmlosen Totimpfstoff abgelöst. Riskante Impfungen wie gegen Pocken oder Tuberkulose werden nicht mehr als Standardimpfung empfohlen.

Bei unsachgemäßer Injektionstechnik oder wenn eine Person geimpft wird, die den Impfstoff zum Beispiel wegen einer Allergie nicht hätte bekommen dürfen, sind gravierende gesundheitliche Schäden natürlich nicht auszuschließen.

Sollten Sie sich wegen einer unangemessen heftigen Impfreaktion Sorgen machen, wenden Sie sich am besten an die Praxis oder Klinik, in der Sie geimpft wurden. Die Experten dort können die Beschwerden beurteilen und wissen, was bei einem möglichen Impfschaden zu tun ist.

Impfungen sind ein zentraler Pfeiler der modernen Medizin. Kaum eine Vorsorgemaßnahme ist ähnlich wirksam. Jeden Tag kommt der Körper mit unzähligen Viren und Bakterien in Berührung. Viele Infektionen verlaufen harmlos, bei manchen drohen jedoch schwere oder gar lebensbedrohliche Komplikationen. Ein kleiner Pieks kann schon Säuglinge vor vielen solcher Krankheiten bewahren.

Lassen sich sehr viele Menschen impfen, greift der Schutz noch weiter: Einzelne Infektionen werden regional eingedämmt und bestenfalls ganz eliminiert. So haben konsequent hohe Impfquoten den Erreger der Poliomyelitis (Kinderlähmung) in Europa bereits ausgerottet. Für das Masern-Virus ist dieses Ziel in erreichbare Nähe gerückt. Die sogenannte Herdenimmunität schützt auch Säuglinge, deren Grundimmunisierung noch nicht abgeschlossen ist oder Menschen, die etwa wegen einer Krankheit nicht geimpft werden können.

Deutschland ist ein Land mit hohen Impfraten. Fast alle Kinder sind gegen Diphtherie, Tetanus und Kinderlähmung geimpft. Etwa zehn Prozent der Eltern sind kritisch gegenüber Impfungen eingestellt, sehr wenige lehnen sie prinzipiell ab. Die Bedenken der Eltern betreffen meist die Sicherheit von Impfungen. Oder sie fürchten, das unreife Immunsystem ihres Kindes mit den vielen Impfungen zu überfordern.

Beide Sorgen lassen sich relativieren: Impfstoffe zählen zu den am gründlichsten erforschten Arzneimitteln. Sie haben selten Nebenwirkungen und werden – abhängig vom Impfstoff - schon von kleinen Babys gut vertragen. Das Risiko für Komplikationen im Fall einer Erkrankung ist um ein Vielfaches höher als das Risiko der Impfung.

 

Textnachweis

  • Autor: almeda GmbH
  • Medizinische Qualitätssicherung durch: Dr. Med. Marion Paskuda, Praktische Ärztin
  • Endredaktion und Qualitätssicherung Barmer: Marianne Rudischer

Literatur

Weiterführende Informationen

Impfinformationen

Immunsystem

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Webcode dieser Seite: s000107 Autor: almeda GmbH Erstellt am: 20.08.2012 Letzte Aktualisierung am: 08.12.2016
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