Bewegung für Kinder

Wird der natürliche Drang zum Toben, Klettern oder Balancieren ausgelebt, können junge Menschen gesund heranwachsen. Bewegungsmangel hat dagegen ernsthafte Folgen.

 

Überwiegend in den ersten zwölf Lebensjahren brauchen Kinder viel Bewegung - und zwar wenigstens zwei bis drei Stunden täglich. Aktive Kids sind fitter und ausdauernder in der Schule. Durch die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt erwerben sie grundlegende Erfahrungen, die für das Leben in der Gesellschaft und die Entwicklung von Körper, Geist und Seele entscheidend sind:

  • Ein Baby drückt sich durch Strampeln aus, bevor es Worte formen kann.
  • Kinder erleben Anspannung oder Gleichgewicht am eigenen Leib.
  • Die eigenen Kräfte zu erproben oder heikle Situationen richtig einzuschätzen und zu bewältigen, macht selbstbewusst.
  • Heranwachsende drängen nach Spiel, Leistung und Wettbewerb. So lernen sie, eigene Grenzen zu akzeptieren, Konflikte auszutragen und andere fair zu behandeln.

Manchmal hindern die individuellen Lebensbedingungen Kinder daran, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben:

  • Es mangelt an verkehrsberuhigten Zonen, Spielplätzen oder Rasenflächen in Wohnortnähe.
  • Bewegungsarme, sitzende Beschäftigung mit virtuellen Computerwelten oder Fernsehkonsum ersetzen häufig das Toben mit Gleichaltrigen.
  • Eltern verhindern, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen, auch mit riskanten Situationen, machen.

Bewegungsarmut kann bei Kindern bewirken, dass sie

  • über den Rand ihrer Malhefte malen und keine Linie halten können,
  • weder rückwärts gehen und laufen noch balancieren können,
  • Schwierigkeiten mit einer Rolle vorwärts haben,
  • sich beim Fallen nicht richtig mit den Händen abstützen können,
  • insgesamt stärker unfallgefährdet sind,
  • Übergewicht und Haltungsfehler entwickeln,
  • unter Kopf- und Rückenschmerzen leiden,
  • Lern- und Verhaltensstörungen zeigen.

Kinder, die nicht selbstständig im Freien spielen können und daher viel Zeit in der Wohnung verbringen, sind benachteiligt. Die Fantasie der Eltern ist gefragt, damit Zimmer zu Freiräumen werden:

  • Schaffen Sie Platz im Kinderzimmer.
  • Montieren Sie Strickleiter, Klettertau, -netz oder -griffe.
  • Bringen Sie eine Stange im Türrahmen an.
  • Üben Sie mit Ihrem Kind jonglieren.
  • Legen Sie eine Matratze auf den Boden, um Kunststücke auszuprobieren.
  • Stellen Sie ein Mini-Trampolin auf.

Beim bewegungsbetonten Spiel können Kinder ganz nebenbei Gleichgewichtssinn, Kraft und Geschicklichkeit weiterentwickeln. Kinder haben normalerweise mit den folgenden Vorschlägen keine großen Probleme. Falls doch, wissen Sie, welche Fähigkeiten speziell gefördert werden müssen.

  • Standwaage
    Das Kind steht auf einem Bein, beugt den Oberkörper nach vorn und streckt das andere Bein nach hinten. Zum Balance-Halten werden beide Arme ausgestreckt.
  • Enten- oder Froschgang
    Das Kind geht in die Hocke und watschelt vorwärts, ohne sich mit den Händen abzustützen. Beim Froschgang hüpfen die Kinder aus der Hocke vorwärts, anstatt zu watscheln.
  • Ball zuwerfen
    Zwei Kinder werfen sich einen Ball zu und zwar so, dass er noch gefangen werden kann. Gelingt dies nicht, verändern die Kinder die Entfernung zueinander. Alternativ hat jedes Kind einen Ball, den es jeweils zeitgleich dem Gegenüber zuwirft.
  • Käseklau
    In der Wohnung wird ein Karton zur Speisekammer, in der besonders leckere Käse (Bälle) liegen. Eine Katze mit verbundenen Augen bewacht die Kammer. Die Mäuse versuchen, sich anzuschleichen und die Käse zu stibitzen. Wer sich dabei von der Katze schnappen lässt, wird selbst Katze.
  • Kegeln
    Zuerst versuchen die Kinder, die wie Kegel aufgestellten Papprollen (Küchen- oder Toilettenpapier-Rollen) mit einem Ball umzuwerfen. Alternativ dürfen nur noch Kegel mit einer bestimmten Farbe getroffen werden (vorher bunt anmalen).
  • Zeitungsspiele
    Verteilen Sie Zeitungsseiten auf dem Boden. Zu Musik laufen die Kinder um die Zeitungen. Stoppt die Musik, müssen sich die Kleinen in Bauch- oder Rückenlage auf die Zeitung legen, mit einem Bein auf die Zeitung stellen oder sich auf die Zeitung setzen.

Kinder entwickeln bei Bewegung, Spiel und Sport eine Reihe wichtiger körperlicher, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Sie lernen z.B. beim Radfahren oder Skaten, die Balance und die Spur zu halten, rechtzeitig zu bremsen und zu lenken. Dabei lernen sie ganz nebenbei, Gefahren zu erkennen, die eigene Geschwindigkeit einzuschätzen oder auf andere Rücksicht zu nehmen.

Deshalb sollten Sie, sobald die elementaren Bewegungen im Alter von acht oder neun Jahren gefestigt sind, herausfinden, für welche Sportart oder Bewegungsform sich Ihr Kind begeistern könnte. Bitte drängen Sie Ihr Kind zu nichts: Begeisterung und Spaß an der jeweiligen Sportart oder Bewegungsform sollten stets an erster Stelle stehen.

Lassen Sie Ihren Sprössling am besten Verschiedenes ausprobieren, bevor Sie eine teure Ausrüstung kaufen. Gut eignen sich neben allen Mannschaftssportarten:

  • Schwimmen,
  • Rad oder Einradfahren,
  • Jonglieren,
  • Reiten,
  • Inliner oder Skateboard fahren,
  • Judo, Taekwondo oder Karate sowie
  • Ski- oder Eislaufen.

Übergewichtige Kinder schämen sich häufig und fürchten Spott. Daher lohnt es sich, bei den örtlichen Sportvereinen nach speziellen Gruppen zu fragen.

Weitere Tipps:

  • Sport so wählen, dass er mehrmals pro Woche ausgeübt werden kann.
  • Auch außerhalb des Sportvereins viel Bewegung einplanen.
  • Die Eltern sollten mit gutem Beispiel voran gehen.

Viele Kinder haben Haltungsschäden. Schuld sind Bewegungsmangel, langes Sitzen, schwere Tornister oder ungeeignete Schreibtische, das heißt die entweder zu hoch oder zu tief sind.

Schultasche

Eine schwere Schultasche kann zu bleibenden Veränderungen der Wirbelsäule führen. Eltern sollten daher den Inhalt der Schultasche regelmäßig prüfen: Was für den jeweiligen Schultag nicht gebraucht wird, bleibt am besten zu Hause. Die gefüllte Schultasche sollte nicht schwerer sein als zehn Prozent vom Körpergewicht des Kindes.

Neben dem Gewicht spielt auch die Passform des Ranzens eine wichtige Rolle für die Erhaltung einer gesunden Wirbelsäule. Beachten Sie Folgendes:

  • Achten Sie auf eine körpergerechte Form mit atmungsaktivem Rückenteil.
  • Lassen Sie das Kind den Ranzen probieren, denn er sollte nicht breiter als die Schultern des Kindes und die obere Kante etwa auf Schulterhöhe des Kindes sein.
  • Testen Sie auch die Gurte: Diese sollten mindestens 4 cm breit, nicht zu lang, leicht verstellbar und gepolstert sein. Der Abstand der Gurte auf der Schulter sollte nicht mehr als 13 cm betragen.
  • Außerdem darf der Schulranzen nicht zu tief sitzen. Sonst entstehen Druckstellen im Lendenwirbelbereich.
  • Wählen Sie einen Ranzen, der robust, reiß- und wasserfest ist.
  • Damit die Kinder im Verkehr rechtzeitig gesehen werden, sollten die Schulranzen mit Reflektoren ausgestattet sein.

Schreibtisch und Stuhl

Beim Kauf von Schreibtisch und Stuhl sollten Sie darauf achten, dass diese in der Höhe verstellbar sind. Ein guter Stuhl verfügt zusätzlich über eine verstellbare Rückenlehne.

Der Schreibtisch steht am besten so am Fenster, dass das Tageslicht bei einem Rechtshänder von links auf den Schreibtisch einfällt und bei einem Linkshänder von rechts. Eine ausreichend helle Lampe ist eine weitere wichtige Voraussetzung. Die Tischplatte sollte schräg oder kippbar sein, um die Augen und die Halswirbelsäule nicht übermäßig zu belasten und rasche Ermüdung zu vermeiden.

Mit dem Kinderturn-Test lässt sich die motorische Leistungsfähigkeit 3- bis 10-Jähriger beurteilen. Die Testaufgaben erfassen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination.

Entwickelt vom Forschungszentrum für den Schulsport

Das Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (Foss) unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Bös und Susanne Bappert hat den Test entwickelt. Der Test ist Teil unserer Kampagne "Kinderturnen - die Zukunftschance für eine nachhaltige Bewegungsförderung in Deutschland" mit dem Deutschen Turnerbund (DTB). Er wird in Vereinen des DTB, Kindergärten und Schulen durchgeführt.

Testaufgaben zu vier Fähigkeiten

Die Testaufgaben erfassen die Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination. Sie geben Auskunft über die motorischen Stärken und Schwächen von Kindern. Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren absolvieren die ersten vier Aufgaben. Für Schulkinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren sind alle Übungen geeignet.

Koordination

  • Balancieren auf der umgedrehten Langbank
  • In jeweils drei gültigen Versuchen sowohl vorwärts als auch rückwärts über die umgedrehte Langbank balancieren.
  • Vorwärts bis zur Mitte der umgedrehten Langbank balancieren, eine halbe Drehung machen und rückwärts bis zum Ende weiterbalancieren.
  • Vorwärts über die Langbank balancieren und mit einer Hand einen Ball auf den Boden neben der Langbank prellen.

Seitliches Hin- und Herspringen

  • In zwei Versuchen jeweils innerhalb von 15 Sekunden mit beiden Beinen gleichzeitig so schnell wie möglich seitlich über eine Linie hin- und herspringen.
  • Vor Testbeginn gibt es fünf Probesprünge. Zwischen den Testversuchen ist eine Minute Pause.

Beweglichkeit – Rumpfbeugen

  • Ohne Schuhe auf einer Langbank stehen und den Oberkörper langsam nach vorne beugen.
  • Die Hände werden parallel, entlang einer Zentimeterskala, möglichst weit nach unten geführt. Die Beine sind parallel und gestreckt.
  • Die maximale Dehnposition zwei Sekunden halten und den Skalenwert am tiefsten Punkt ablesen.
  • Es gibt zwei Versuche. Dazwischen kurz aufrichten.

Kraft – Standweitsprung

  • Aus dem parallelen Stand und mit gebeugten Beinen von der Absprunglinie möglichst weit springen.
  • Der Absprung erfolgt beidbeinig und die Landung auf beiden Füßen. Bei der Landung nicht nach hinten greifen.
  • Es gibt zwei Versuche, bei zwei ungültigen Versuchen maximal drei weitere. Nach fünf Fehlversuchen Testabbruch.

Liegestütz

  • Innerhalb von 40 Sekunden so viele Liegestütze wie möglich durchführen.
  • Es gibt zwei Testversuche. Gewertet werden jeweils die Versuche, bei denen sich sowohl im Stütz als auch auf dem Rücken die Hände berühren.

Ausdauer

  • 6-Minuten-Lauf: Ein Volleyballfeld in sechs Minuten möglichst oft umlaufen.

Auswertung und Urkunde

Die Auswertung erfolgt individuell nach Alter und Geschlecht. Jedes Kind erhält eine Urkunde und erfährt, ob es die Aufgaben durchschnittlich, über- oder unterdurchschnittlich absolviert hat. Auf Basis der Gesamtauswertung erhalten Kinder und Eltern individuelle Handlungsempfehlungen. Zusätzlich enthält die Urkunde Ernährungstipps für fitte Kinder und Bewegungstipps für zu Hause.

Mit der erfolgreichen Teilnahme am Kinderturn-Test können bei der Barmer versicherte Kinder Punkte für das Bonuskonto sammeln.

Textnachweis

  • Autor: Internetredaktion
  • Endredaktion und Qualitätssicherung: Sabine Barkowsky, Barmer

Literatur

  • Deutsche Turnerjugend im Deutschen Turnerbund e.V., Barmer GEK (Hrsg.) (2015). Leitfaden Kinderturn-Test.
Webcode dieser Seite: s000092 Autor: Internetredaktion Erstellt am: 13.06.2013 Letzte Aktualisierung am: 29.12.2016
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