Kleine Patienten

Ein junger Mensch ist besonders empfänglich für Krankheiten und Störungen jeglicher Art. Wir geben Tipps, wie die Genesung besser gelingt.

Kinder sind mitunter oft krank, u.a. weil der Organismus erst den Kontakt mit den unterschiedlichen Krankheitserregern noch lernt. Nicht zuletzt übertragen sich Krankheitserreger in Kindergarten oder Schule schnell auf andere.

Fast jedes Kind, sofern es ungeimpft ist, erkrankt an den klassischen Infektionskrankheiten wie Masern oder Mumps. Diese bezeichnet man als Kinderkrankheiten, weil sie überwiegend im Kindesalter auftreten und zudem eine lebenslange Immunität hinterlassen.

Die typischen Kinderkrankheiten sind heute relativ selten geworden, weil man flächendeckend Impfungen durchführt. Sie sind im Impfkalender zusammengestellt. Überprüfen Sie regelmäßig den Impfschutz Ihres Kindes.

Relativ häufig treten bei einem Kind Durchfall, Erbrechen, Atemwegsprobleme, Fieber oder Schmerzen auf.

Schmerzen zuordnen

Schmerzen können Kinder bis etwa zum sechsten Lebensjahr kaum orten. Achten Sie vermehrt darauf, ob sich Ihr Kind an Hals, Bauch, Stirn oder Ohren fasst oder ob es Schluckbeschwerden hat.

Zunge ansehen

Ein Blick auf die Zunge liefert schon einen Anhaltspunkt, wie stark Ihr Kind erkrankt ist. Während eine gesunde Zunge blassrosa, glatt und feucht ist, findet sich ein weißlicher Belag bei Erkältung oder Magen-Darm-Problemen.

Fieber messen

Hilfreich ist in jedem Fall der Griff zum Fieberthermometer, auch wenn sich die Stirn nicht heiß anfühlt! Die Messung im Po ist die genaueste Methode, zur Beobachtung des Verlaufs eignet sich auch ein Ohrenthermometer. Die Messungen unter der Zunge und unter dem Arm sind am fehleranfälligsten. Hat Ihr Kind Fieber (ab ca. 37,6 Grad) sollten Sie mehrfach am Tag den Verlauf kontrollieren und die Werte notieren.

Verhalten beobachten

Achten Sie auch darauf, ob sich Ihr Kind deutlich anders verhält als sonst, etwa auffällig still, müde oder anhänglich ist. Manchmal zeigen Kinder trotz Fieber kein beeinträchtigtes Wohlbefinden. In wenigen Tagen ist die Krankheit dann meist überstanden.

Ob Hausmittel und rezeptfreie Medikamente ausreichen oder das Kind zum Arzt muss, hängt oft vom Einzelfall ab. Im Zweifel suchen Sie lieber einmal öfter eine Arztpraxis auf.

In folgenden Fällen ist ein Arztbesuch ratsam:

  • Ihr Sprössling ist im Säuglings- oder Kleinkindalter
  • Länger anhaltendes Fieber über 38 Grad (Säugling) bzw. 39 Grad mit starkem Schwitzen
  • Erbrechen bzw. Durchfall über ein bis zwei Tage
  • Verletzung oder Komplikation infolge eines Unfalls
  • Krampfanfälle oder Benommenheit
  • Beschwerden treten erstmalig auf
  • Behandlung schlägt nicht an
  • Ihr Kind leidet unter heftigen Schmerzen
  • Auffällig starkes Krankheitsgefühl

Der Kinderarzt bzw. die Kinderärztin wird Ihr Kind eingehend untersuchen, das heißt von Kopf bis Fuß. Dazu gehört auch das Abhören der Herztöne und der Atemgeräusche. Je nach geschilderten Beschwerden wird sich eventuell eine spezielle Untersuchung anschließen.

Auf diese wichtigen Fragen sollten Sie eine Antwort bekommen:

  • Ist die Krankheit ansteckend?
  • Wann ist Ihr Kind wieder ganz gesund?
  • Wie lange muss der kleine Patient zuhause bleiben?
  • Was können Sie noch für Ihr Kind tun?

Unter bestimmten Umständen reicht die Zeit nicht, sich mit dem Kind ins Wartezimmer zu setzen, sondern es muss schnellstmöglich in die nächste Klinik.

Dies ist in folgenden Fällen angezeigt:

lang anhaltender wässriger Durchfall mit Fieber und Trinkschwäche, v.a. bei kleinen Kindern

  • wiederholtes, starkes Erbrechen mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl
  • hohes Fieber ohne Ansprechen auf Medikamente oder andere Therapiemaßnahmen
  • Luftnot
  • Verletzungen
  • Verdacht auf Vergiftung

Auch bei manchen Unfällen muss sofort der Notdienst gerufen werden.

Anders ist die Situation bei einem länger geplanten Aufenthalt. Sprechen Sie dann ausführlich mit dem Kinderarzt bzw. der Kinderärztin, um einschätzen zu können, ob der Krankenhausaufenthalt richtig und notwendig ist. Im Zweifel holen Sie sich weiteren ärztlichen Rat.

Erklären Sie Ihrem Sprössling, warum er in die Klinik kommt, was sich hinter dem Begriff "Krankenhaus" verbirgt und sagen Sie ehrlich, ob es wehtut. Verbreiten Sie Ruhe und Zuversicht: Die Ärzte und Krankenschwestern tun alles, damit Ihr Kind schnell wieder gesund wird.

Müssen Sie Ihr Kind zurücklassen, kündigen Sie den Abschied am besten schon einige Minuten vorher an und bleiben dann noch etwas da. Sagen Sie verbindlich, wann Sie wiederkommen.

Ist ein Kind richtig krank und muss zuhause bleiben, sollten möglichst Mutter oder Vater selbst die Betreuung übernehmen.

Bettruhe

Wird Ihr Kind von Schmerzen und Fieber geplagt, ist Bettruhe oberstes Gebot. Dunkeln Sie den Raum leicht ab und achten Sie auf eine angenehme Temperatur (ca. 20 Grad). Lüften Sie oft und wechseln Sie regelmäßig die Bettwäsche.
Fieber

Viel trinken ist jetzt wichtig, z.B. Tee, Wasser und Säfte (nicht zu kalt!). Besonders Babys haben einen relativ hohen Flüssigkeitsbedarf. Packen Sie ihr Kind nicht zu warm ein. Es genügen ein dünner Schlafanzug und eine leichte Decke. Versuchen Sie nicht zu schnell, Fieber künstlich zu senken. Ab etwa 38 Grad sind zunächst Wadenwickel eine Alternative. Steigt das Fieber trotzdem weiter, können Sie ab ca.39 Grad in ärztlicher Absprache fiebersenkende Medikamente (Zäpfchen, Fiebersäfte) geben.

Husten und Schnupfen

Lassen Sie Ihr Kind viel trinken, damit sich der lästige Schleim verflüssigen kann. Schaffen Sie außerdem eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Atembeschwerden helfen Inhalationen mit Kamille oder Kochsalzlösung sowie Einreibungen mit ätherischen Ölen. Vorsicht bei Babys und Kleinkindern: manche ätherischen Öle (zum Beispiel Campher, Menthol) sind für sie schädlich!

Durchfall und Erbrechen

Mit Durchfall bzw. Erbrechen versucht der Körper, Giftstoffe loszuwerden. Medikamente, die die Ausscheidung eindämmen (Kohletabletten etc.) sollten Sie daher nicht sofort einsetzen.  

Jetzt ist es besonders wichtig, dass die verlorene Flüssigkeit samt Mineralien ersetzt wird. Am einfachsten geht dies bei kleinen Kindern mit Elektrolytpräparaten aus der Apotheke. Aber auch Apfelsaftschorle, heiße Brühe oder Kamillentee mit einer Prise Salz und einem Teelöffel Traubenzucker sind mögliche Alternativen. Zu essen sollte Ihr Kind erst bekommen, wenn das Erbrechen bereits einige Zeit zum Stillstand gekommen ist. Fangen Sie an mit Zwieback und Salzstangen, verzichten Sie vorerst auf Fettiges.

Wieder gesund

Sobald Ihr Kind einen Tag fieberfrei ist, kann es grundsätzlich auch wieder in Kindergarten oder Schule gehen. Bei Erkrankungen wie Windpocken sollte die Ärztin beziehungsweise der Arzt bestätigen, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Auch wenn sich Ihr Kind bereits wieder prima fühlt, sind größere Anstrengungen anfänglich zu vermeiden. Eine Erkrankung raubt mehr Kräfte, als es dem Kind bewusst ist.

Textnachweis

  • Autor: Internetredaktion
  • Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Utta Petzold, Ärztin, Barmer

Literatur und weiterführende Informationen

 

Webcode dieser Seite: s000094 Autor: Internetredaktion Erstellt am: 05.06.2013 Letzte Aktualisierung am: 29.12.2016
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