Kinderernährung

Was Ihr Baby isst und trinkt, ist wichtig für sein ganzes Leben. Es hat von Anfang an einen großen Einfluss auf seine Entwicklung und wirkt sich auch auf seine späteren Essgewohnheiten und seine Gesundheit aus.

 

Am besten ist es, wenn Sie von Anfang an voll stillen. Das heißt: Ihr Kind bekommt nur Muttermilch.

Muttermilch - immer passend fürs Baby

Wenn Sie nicht voll stillen können oder möchten, ist teilweises Stillen besser als gar nicht zu stillen. Auch dabei kann Ihr Kind die Vorteile der Muttermilch genießen.

Muttermilch liefert dem Baby wichtige Nährstoffe, damit es wachsen kann und sich Körper und Geist gesund entwickeln. Als Mutter bilden Sie Milch, so wie es das Baby gerade braucht: in der richtigen Menge und Zusammensetzung. Muttermilch ist jederzeit, überall und schnell verfügbar. Sie hat immer die richtige Temperatur.

Stillen knüpft ein sanftes Band, denn dabei werden nicht nur Hunger und Durst gestillt. Es ist ein inniger, ruhiger Moment, der die Bindung zwischen Mutter und Kind fördert.

Wie oft und wie lange stillen?

Wie oft und wie lange ein Kind an der Brust trinkt, bestimmt es selbst. Das heißt: Sie stillen, so oft und so lange das Kind es möchte. Es ist normal, wenn Ihr Baby in den ersten Lebenswochen nach 2 Stunden wieder Hunger hat. In den ersten Wochen trinkt das Baby häufiger kleine Mengen Milch, auch nachts. Sobald es nachts länger schläft, trinkt es weniger oft und dafür mehr pro Mahlzeit.

Im ersten halben Jahr ist das Stillen für alle gesunden Säuglinge zu empfehlen, mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich. Wenn das Baby mit dem Breiessen beginnt, ist es gut, weiter zu stillen. Mutter und Kind bestimmen, wie lange gestillt wird.

Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beraten. Am besten von Anfang an. Informationen und Beratung zum Stillen bieten auch Frauen-, Kinder- und Jugendärzte sowie Stillberaterinnen.

Sie können oder möchten Ihr Baby nicht oder nicht voll stillen? Dann füttern Sie eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung.

Säuglingsmilch für das ganze 1. Lebensjahr

Säuglingsanfangsnahrung wird mit "Pre" oder "1" bezeichnet. Mit dieser Anfangsmilch können Sie Ihr Baby von Geburt an füttern und auch nach Einführung der Breie im ganzen 1. Lebensjahr dabei bleiben. Genau wie Muttermilch können Sie "Pre"-Milch und Säuglingsmilchnahrung "1" füttern, so oft und so viel das Baby möchte.

Folgenahrung (mit der Ziffer 2) darf erst gefüttert werden, wenn das Baby B(r)eikost bekommt. Sie ist aber nicht notwendig. Säuglingsanfangsnahrung ("Pre" und "1") kann im ganzen 1. Lebensjahr gefüttert werden.

Selbst hergestellte Säuglingsmilchnahrung ist nicht geeignet - egal aus welcher Milch!

Wenn Ihr Baby häufiger Blähungen, Krämpfe oder Verstopfung hat, aufstößt oder spuckt, fragen Sie den Kinder- und Jugendarzt. Füttern Sie eine Spezialnahrung nur dann, wenn er dazu rät. Das gilt auch für Säuglingsnahrung auf Basis von Sojaeiweiß.

HA-Säuglingsnahrung ist geeignet für Babys mit höherem Allergierisiko, die nicht oder nicht voll gestillt werden. HA steht für hypoallergen und bedeutet weniger allergieauslösend. Füttern Sie bis zu den ersten Breien HA-Pre- oder HA-1-Nahrung. Danach kann Ihr Baby normale Säuglingsmilch bekommen. Fragen Sie Ihren Kinder- und Jugendarzt oder Ihre Hebamme, wenn Sie nicht sicher sind, welche Nahrung für Ihr Baby geeignet ist.

Wie viele Fläschchen?

Wann, wie oft und wie Sie füttern müssen, hängt vom Hunger Ihres Babys ab. Die Angaben der Hersteller auf den Verpackungen dienen als Orientierung. Anfangsmilch "Pre" oder "1" können Sie nach Bedarf füttern.
Wendet sich Ihr Baby von der Flasche ab - auch wenn sie noch nicht leer getrunken ist - dann ist es satt.
Lehnt es die Flasche ab, hat es noch keinen Hunger.
Macht es einen zufriedenen Eindruck und nimmt an Gewicht zu, bekommt es ausreichend Säuglingsmilch.

In den ersten Wochen trinkt das Baby häufiger kleine Mengen Säuglingsmilch, auch nachts. Sobald es nachts länger schläft, trinkt es weniger oft und dafür mehr pro Mahlzeit.

Zubereitung von Flaschennahrung

In Flaschennahrung ist bereits alles drin, was das Baby benötigt.
Bereiten Sie die Säuglingsmilchnahrung immer frisch, erst kurz vor dem Füttern zu.
Für die Herstellung der Milch nehmen Sie am besten Leitungswasser: Lassen Sie es ablaufen, bis kaltes Wasser aus der Leitung kommt. Beim Anschütteln der Säuglingsmilchnahrung sollte das Wasser 30 bis 40 °C (Körpertemperatur) haben.
Vorsicht bei Bleileitungen und ungeprüften Hausbrunnen: Nehmen Sie dann abgepacktes Wasser mit dem Aufdruck "für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet".
Achten Sie auf die Dosierung: Der Messlöffel soll nur gestrichen (nicht gehäuft) voll sein.
In Flaschennahrung ist bereits alles drin, was das Baby benötigt. Rühren Sie nichts zusätzlich ein - auch keine Säfte oder Flocken.
Werfen Sie Reste weg. Wärmen Sie nichts auf.
Spülen und reinigen Sie Flasche und Sauger direkt nach jeder Mahlzeit mit einer Flaschenbürste gründlich und lassen beides gut trocknen. Nur Gummisauger sollten Sie ab und zu auskochen.

Frühestens mit Beginn des 5. Monats, spätestens mit Beginn des 7. Monats ist es Zeit für die ersten Löffel Brei. Der genaue Zeitpunkt ist von Kind zu Kind verschieden. Doch Sie merken, wenn Ihr Baby bereit ist:
Es interessiert sich für das, was andere essen.
Es kann sich selbst Dinge in den Mund stecken. Es drückt den Brei nicht mehr mit der Zunge heraus.
Es kann seinen Kopf aufrecht und stabil halten, wenn Sie es im Sitzen stützen.

Schritt für Schritt zum Brei

Beginnen Sie mit einigen Löffeln Gemüsepüree vor der Milchmahlzeit am Mittag. Klappt das gut, können Sie langsam zum vollständigen Brei übergehen und die Milch weglassen. Zu den anderen Mahlzeiten bekommt Ihr Kind aber weiterhin Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung. Die Breie können Sie selbst kochen oder fertig kaufen - beides hat Vorteile.
1.Babys erster Brei ist ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei.
2.Etwa einen Monat später sollten Sie Ihr Baby an einen weiteren Brei gewöhnen. Der Milch-Getreide-Brei am Abend versorgt es mit wichtigen Nährstoffen aus Milch und Getreide. Auch Babys mit Allergien in der Familie dürfen diesen Brei mit echter Kuhmilch genießen.
3.Nach etwa einem weiteren Monat wird die Stillmahlzeit oder Flaschennahrung am Nachmittag durch den Getreide-Obst-Brei ersetzt, der keine Milch enthält.

Haben Sie Geduld!

Wenn Ihr Baby große Schwierigkeiten hat, sich an das Essen vom Löffel zu gewöhnen, ist es vielleicht noch nicht reif für diesen Schritt. Machen Sie dann eine Pause und versuchen Sie es nach ein bis zwei Wochen noch einmal mit dem Löffel. Einigen Babys fällt es schwer, sich für neue Geschmacksrichtungen zu öffnen. Diese Kinder müssen eine neue Zutat, z.B. eine neue Gemüseart, häufiger probieren, um sich daran zu gewöhnen und sie zu mögen. Zwingen Sie Ihr Baby nicht, den Teller leer zu essen. Es weiß am besten, wann es satt ist.

Brei aus Gläschen

Wenn Sie Brei aus Gläschen füttern, wählen Sie regelmäßig Breie mit den Hauptzutaten aus dem Grundrezept, z.B. Gemüse und Kartoffeln und Fleisch. Anstelle von Kartoffeln können Sie gelegentlich auch Breie mit Nudeln oder Reis füttern. Würzen Sie den Brei nicht nach, auch wenn er für Ihren Geschmack zu fad ist. Wenn Sie einen Milch-Getreide-Brei als Fertigbrei füttern, achten Sie darauf, dass dieser (Milch-)pulver und Vollkorn-Getreide als Hauptbestandteile enthält. Geeignete Fertigbreie für einen Getreide-Obst-Brei enthalten als Hauptzutaten Obst und Vollkorn-Getreide.

Richtig trinken

Wenn das Baby bereits drei Breie am Tag isst, braucht es außer Mutter- oder Flaschenmilch zusätzlich Getränke: am besten Trinkwasser. Lassen Sie es ablaufen, bis es kalt aus der Leitung fließt. Füllen Sie das Trinkgefäß anfangs fast bis zum Rand, damit die Oberlippe des Babys gleich befeuchtet wird. Dadurch öffnet es automatisch seinen Mund.

Die Rezepte entsprechen jeweils einer Portion.

Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei

(frühestens mit Beginn des 5. Monats, spätestens mit Beginn des 7. Monats)

  • Zutaten: 100 g Gemüse, 50 g Kartoffeln, 30 g mageres Fleisch (z.B. Rind, Schwein, Lamm, Geflügel), 1 ELRapsöl, 1,5 EL Fruchtsaft oder Obstpüree als Nachtisch
  • Gemüse putzen und Kartoffeln schälen, in kleine Stücke schneiden. Mit klein geschnittenem Fleisch in wenig Wasser garen (ca. 10 Minuten). Mit dem Saft zusammen pürieren. Rapsöl unterrühren. Ist der Brei zu fest, Wasser zugeben.
  • Tipps: Wechseln Sie beim Gemüse ab. Karotten, Blumenkohl, Kohlrabi, Zucchini, Pastinaken, Broccoli, Kürbis sind gut verträgliche Gemüsearten. Ersetzen Sie hin und wieder Fleisch durch Fisch (z.B. Lachs).

Milch-Getreide-Brei

(frühestens mit Beginn des 6. Monats, spätestens mit Beginn des 8. Monats)

  • Zutaten: 200 ml Vollmilch (3,5 Prozent Fett), 20 g Vollkorn-Getreide(flocken) oder Grieß, 2 EL Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst
  • Getreideflocken in kalte Milch einrühren (Grieß in kochende Milch rühren). Aufkochen. Und ca. 3 Minuten weiterkochen lassen. Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst unterrühren, fertig.
  • Tipps: Nehmen Sie Vollmilch. Das Baby braucht im ersten Lebensjahr etwas mehr Fett. Wenn Sie Instant-Flocken verwenden, genügt es, diese in die aufgekochte Milch einzurühren. Süßen Sie den Brei nicht nach. Keinesfalls mit Honig! 20 g Vollkorn-Getreideflocken entsprechen 2 gehäuften EL Hafer- oder Dinkelflocken, oder 2 gestrichenen EL Gries. Instant-Flocken: siehe Packungsangabe.

Getreide-Obst-Brei

  • Zutaten: 90 ml Wasser, 20 g Vollkorn-Getreide(flocken) oder Grieß, 100 g zerdrücktes, fein geriebenes oder püriertes Obst oder Obstmus (z.B. Apfel, Birne), 1 TL Rapsöl
  • Getreideflocken in kaltes Wasser, Grieß in kochendes Wasser einrühren. Aufkochen und ca. 3 Minuten weiterkochen lassen. Frisches, püriertes Obst zugeben. Rapsöl unterrühren, fertig.
  • Tipps: Eine Getreide- und eine Obstart pro Mahlzeit reichen. Wechseln Sie beim Obst ab: Gut verträglich sind Apfel, Birne, Banane, Pfirsich, Nektarine und Aprikose. Süßen Sie den Brei nicht nach. Keinesfalls mit Honig!

Ende des 1. Lebensjahres ist es Zeit für das Familienessen. Ihr Kind braucht jetzt keinen Brei mehr, aber 5 "richtige" Mahlzeiten. Es will auch immer häufiger alleine essen.

Übergang zum Familienessen

So funktioniert's:

  • Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei geht in die warme Mahlzeit der Familie über.
  • Aus dem Milch-Getreide-Brei wird das Abendbrot mit Milch aus der Tasse.
  • Das Stillen bzw. die Säuglingsmilchnahrung am Morgen geht langsam in ein Frühstück aus Milch und Brot oder Müsli über.
  • Der milchfreie Getreide-Obst-Brei wird durch Zwischenmahlzeiten aus Brot/Zwieback plus Obst und später auch Rohkost ersetzt.

Zu jeder Mahlzeit und zwischendurch ein Getränk

Geben Sie Ihrem Kind am besten Wasser oder ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee aus Glas, Becher oder Tasse. Ständiges Nuckeln am Fläschchen schadet den Zähnen.

Vorsicht bei:

  • kleinen, harten Lebensmitteln wie Johannisbeeren und Nüssen. Sie können leicht verschluckt werden.
  • stark gesalzenen und scharf gewürzten Lebensmitteln und Speisen.

Textnachweis

  • Autorin: Monika Cremer, Diplom-Oecotrophologin
  • Qualitätssicherung und Endredaktion: Geschäftsstelle Netzwerk Gesund ins Leben, Heilsbachstr. 16, 52123 Bonn.
  • Barmer: Marianne Rudischer

Literatur

  • Deutsche Medizinische Wochenschrift, Sonderdruck "Ernährung in der Schwangerschaft - Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie", 2012
  • Das beste Essen für Babys, 2014: Herausgeber aid infodienst - Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V., Heilsbachstr. 16, 52123 Bonn, www.aid.de

Weiterführende Informationen

  • Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de
  • Informationen des Netzwerks "Gesund ins Leben - Netzwerk junge Familie": www.gesund-ins-leben.de
  • Informationen zum Stillen der La Leche Liga Deutschland e.V. www.lalecheliga.de
  • Informationen der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung: www.bfr.bund.de
  • Stillen - was sonst?, 2012, Herausgeber aid infodienst - Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V., Heilsbachstr. 16, 52123 Bonn: www.aid.de
Webcode dieser Seite: s000091 Autor: Monica Cremer Erstellt am: 08.04.2014 Letzte Aktualisierung am: 29.12.2016
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