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Zahngesundheit

Zahnimplantate: Ersatz für verlorene Zähne

Lesedauer unter 8 Minuten

Autor

  • Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Implantate sind Schrauben oder Stifte aus Metall, die durch eine kleine Operation im Kieferknochen verankert werden und mit diesem verwachsen. Zahnimplantate können fehlende Zähne ersetzen, als Basis für eine Prothese dienen und halten meist lange. Die meisten Patientinnen und Patienten sind zufrieden mit ihren Zahnimplantaten.

Aus diesen Teilen bestehen Zahnimplantate

Wenn wir umgangssprachlich von einem Zahnimplantat reden, meinen wir in der Regel zwei Dinge: Das im Knochen des Patienten verankerte Zahnimplantat und den Zahnersatz, der im Mundraum sichtbar ist. Dabei kann es sich um eine Krone, Brücke oder Prothese handeln. Brücken und Prothesen sitzen meist auf mehreren Implantaten.

Das Implantat als „künstliche Zahnwurzel“

Implantate werden manchmal auch als künstliche Zahnwurzeln bezeichnet. Sie haben eine ähnliche Funktion und verankern Zahnersatz im Kiefer.

Wichtige Voraussetzung für ein Zahnimplantat ist, dass ausreichend gesunder Kieferknochen vorhanden ist. Wenn eigene Zähne des Patienten bereits längere Zeit fehlen, kann der Knochen sich zurückgebildet haben. Dann ist ein Knochenaufbau nötig, bevor ein Implantat gesetzt werden kann. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, und die Dauer der Behandlung verlängert sich.

Für einen Knochenaufbau – in der Fachsprache der Implantologie Augmentation – gibt es verschiedene Verfahren. Er kann mit eigenem Knochenmaterial erfolgen. Dieses wird dafür an anderer Stelle des Körpers (zum Beispiel eine andere Region des Kiefers oder aus dem Becken) entnommen. Der Knochenaufbau kann auch mit Material von anderen Menschen, Tieren (Rind, Pferd, Schwein, Koralle) oder Pflanzenteilen erfolgen. Zudem gibt es künstlich hergestelltes Ersatzmaterial.

Implantatkörper, Implantataufbau, Implantatkrone

Auf dem eigentlichen Implantat (oder Implantatkörper) sitzt ein Aufbau, in der Fachsprache Abutment. Beim Implantataufbau handelt es sich um ein Verbindungstück aus Titan oder Keramik, auf dem die Implantatkrone befestigt wird.

Die Implantatkronen sind meistens aus Gold oder Titan mit Verblendung beziehungsweise aus Keramik. Auch Verbundmaterialien sind möglich. Die Implantatkronen werden individuell in einem zahntechnischen Labor angefertigt.

Implantatkörper und Implantataufbau verbinden Zahnärzte mit Fassungen und Verschraubungen. Die Implantatkrone wird auf den Implantataufbau geschraubt oder zementiert. Es wird zwischen festsitzenden und herausnehmbaren Konstruktionen unterschieden. Herausnehmbarer Zahnersatz wird durch Reibungshaftung oder Druckknöpfe fixiert.

Arten: Welche Zahnimplantate gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Implantat-Arten in der modernen Implantologie der Zahnmedizin. Die große Bandbreite an Modellen zeigt, wie individuell die Anforderungen sind. Welches Implantat für wen geeignet ist, hängt wesentlich von der Situation in Mund und Kiefer ab.

Je nachdem, welche Mängel das Gebiss aufweist

Zahnimplantate können zum einen eine relativ kleine Lücke zwischen zwei gesunden Zähnen schließen. Zum anderen kommen sie zum Einsatz, wenn der Kiefer zahnlos ist. Dann dienen Implantate dazu, eine Vollprothese auf dem Kiefer zu verankern, so dass der Zahnersatz beim Essen und Sprechen fest im Mund sitzt. Dafür benötigt man in der Regel mehrere Implantate.

Implantate unterscheiden sich je nach Zweck. Ein Implantat zwischen zwei Zähnen ist in der Regel kleiner und anders aufgebaut als ein Implantat, das als Anker für eine Prothese dient.

Unterschiede sind:

  • Art der Befestigung im Kiefer (mit oder ohne Gewinde)
  • Breite und Tiefe
  • Form (zum Beispiel zylindrisch oder konisch)
  • Material (Titan oder Keramik)
  • Beschaffenheit der Oberfläche

Unterscheidung nach Material (Keramik, Metalle)

Titan ist ein Metall, das sich aufgrund seiner Eigenschaften für Prothesen eignet: Es ist korrosionsbeständig, äußerst belastbar und gilt als sehr verträglich. Für die medizinische Verwendung ist nur besonders reines Titan zugelassen.

In der Implantat-Behandlung wird Titan seit mittlerweile 40 Jahre verwendet. Eine Titanallergie ist medizinisch nicht nachgewiesen. Dennoch kann es zu Reaktionen zwischen Körpergewebe und Implantat kommen. Eine solche Unverträglichkeit äußert sich schwächer als eine tatsächliche Allergie, dennoch kann sie unangenehm sein.

Als Alternative zu Titan hat sich in den letzten Jahren Keramik (Zirkonoxidkeramik) etabliert. Implantate aus Keramik sind teurer als Titan-Implantate und es gibt bisher noch wenig Erfahrungen mit Keramik-Implantaten.

Vorbereitung: So arbeiten qualifizierte Zahnärzte

Grundsätzlich ist, wie bei jedem operativen Eingriff, der Allgemeinzustand der behandelten Person von Bedeutung.

Voraussetzungen prüfen und Implantation planen

Vor einer Implantation erfolgt die genaue Untersuchung von Mundhöhle, Kiefer, Zahnfleisch und Schleimhaut. Röntgen (Vorher-Nachher-Bilder) und andere bildgebende Verfahren helfen bei der Beurteilung der Ausgangslage. Es folgt die Erstellung von Modellen und Schablonen, um die Operation zu planen. Am Ende des Prozesses soll ein Zahnersatz stehen, der optimal funktioniert und gut aussieht. Hierbei hat es sich bewährt, sozusagen rückwärts zu planen und zunächst zu klären, wie der Zahnersatz genau aussehen soll und was er leisten muss. Hier sind die Wünsche und Erwartungen der behandelten Person von großer Bedeutung. Als Patient sollten Sie abwägen, wie das Implantat sich auf Ihr Leben auswirkt:

  • Können und wollen Sie in Zukunft mehr Zeit auf Zahnhygiene verwenden?
  • Sind eventuell häufigere Zahnarztbesuche zur Kontrolle nötig? Können Sie die regelmäßigen Termine einhalten?
  • Wie genau sieht die Handhabung bei herausnehmbaren Konstruktionen aus? Fühlen Sie sich ihr gewachsen?

Alter allein spricht weder für noch gegen ein Implantat. Bei Menschen in höherem Alter sollten jedoch die mit einem Implantat einhergehenden Anforderungen u. a. bei der Pflege des Implantats, noch etwas genauer betrachtet werden. Das kann auch bei bestimmten Grunderkrankungen zutreffen.

Risikofaktoren oder Hinderungsgründe für eine Implantation können sein:

  • Rauchen
  • vorausgegangene oder bestehende Zahnfleischentzündung (Parodontitis)
  • schwere Herzerkrankungen oder Stoffwechselstörungen
  • Diabetes mellitus (vor allem, wenn die Erkrankung nicht gut behandelt ist)
  • Bestrahlung (zur Behandlung einer Krebserkrankung)
  • Die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Bisphosphonate, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Protonenpumpenhemmer, Phosphodiesterase-5-Hemmer).

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

An Implantaten und dem dazugehörigen Zahnersatz beteiligt sich die Barmer nur dann, wenn eine Versorgung mit herkömmlichem Zahnersatz nicht möglich ist. Die Einschätzung Ihres Falls muss durch ein Gutachten bestätigt werden. 

Die Haltbarkeit von Zahnimplantaten

Kein Zahnersatz der modernen Implantologie kann so gut sein wie das Original. Daher prüfen Zahnärzte vor einer Implantat-Operation, ob sich ein Zahn nicht doch retten lässt. Implantate können sehr langlebig sein. Im Unterkiefer sind nach 10 Jahren mindestens 95 von 100 Implantaten stabil. Im Oberkiefer ist die Haltbarkeit von Implantaten etwas geringer. Wie lange ein Implantat hält, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Gute Pflege ist – wie beim natürlich Zahn – eine der wichtigsten Voraussetzungen.

Komplikationen können bei jeder Operation, so auch bei einer Implantation, das Ergebnis gefährden. Viele Probleme lassen sich jedoch gut behandeln und müssen sich nicht zwangsläufig auf die Haltbarkeit auswirken. Sollte ein Knochenaufbau notwendig sein, wirkt er sich, wenn er gut geheilt ist, in der Regel nicht negativ auf die Langlebigkeit des Implantats aus.

Es kann sein, dass Verbindungselemente zwischen Implantatkörper, Implantataufbau und Implantatkrone nach einigen Jahren nachjustiert oder ausgetauscht werden müssen. Wenn Ihr Implantat sich locker anfühlt, können lose Verbindungsstücke der Grund dafür sein. Daher sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Ablauf: So werden Zahnimplantate eingesetzt

Muss ein Zahn raus und Sie haben sich für ein Implantat als Ersatz entschieden, so wird in der Regel acht bis zehn Wochen nach dem Ziehen mit der Implantation begonnen. Der erste Schritt ist eine Operation.

Betäubung, Operation, Einheilen, Bekronen

Damit Sie keine Schmerzen spüren, erhalten Sie eine örtliche Betäubung. Der operative Eingriff erfolgt meistens ambulant, das heißt, Sie können unmittelbar danach nach Hause gehen. Während des Eingriffs legen Zahnärzte den Kieferknochen frei und bohren ein für das gewählte Implantat passendes Loch hinein. In dieses setzen sie das Implantat und nähen anschließend das Zahnfleisch über der Operationsstelle zu. Die Operationswunde heilt normalerweise innerhalb weniger Tage ohne größere Schmerzen.

Danach muss das Implantat einheilen. Es dauert ungefähr zwei bis sechs Monate, bis das Implantat mit dem Knochen verwachsen ist. Die Einheilung im Oberkiefer braucht meist etwas mehr Zeit als im Unterkiefer. Während dieser Zeit tragen die meisten Patienten einen provisorischen Zahnersatz. Nach der erfolgreichen Einheilung werden in einer zweiten kleinen Operation die Implantate wieder freigelegt, damit der Aufbau (das Bekronen) erfolgen kann. Dafür nimmt der Zahnarzt Abdrücke, damit eine bereits existierende Prothese umgearbeitet oder ein neuer Zahnersatz angefertigt werden kann.

Es kann je nach Art des Implantats und entsprechend Ihrer persönlichen Situation Abweichungen von diesem Ablauf geben. Ihr Zahnarzt erklärt Ihnen die einzelnen Schritte genau. Scheuen Sie sich nicht, bei Unklarheiten nachzufragen.

Risiken: Zahnhygiene vermeidet Infektionen

Studien haben gezeigt, dass Beschwerden bei Implantaten seltener während der Operation und im Prozess des Einheilens auftreten, sondern eher langfristig.

Was ist eine Periimplantitis?

Ähnlich wie Parodontose den Halteapparat eines gesunden Zahns angreift, so kann sich das Gewebe auch rund um ein Implantat herum entzünden. Wenn eine solche Entzündung fortschreitet und den Knochen angreift, heißt sie Periimplantitis. Die gute Nachricht: Eine Periimplantitis entsteht nicht über Nacht. In der Regel entwickelt sie sich aus einem Biofilm, der auf der Oberfläche der Implantatkrone liegt. Werden die Bakterien durch gute Mundhygiene nicht täglich entfernt, so sind sie der Nährboden, auf dem Entzündungen entstehen. Risikofaktoren für eine Periimplantitis können die Einnahme bestimmter Medikamente, Vorerkrankungen und vor allem das Rauchen sein. Gute Mundpflege ist daher bei Implantaten entscheidend. Neben regelmäßigen Kontrollen sollten Sie auch bei Beschwerden umgehend einen Zahnarzt aufsuchen.

Eine Periimplantitis und ihre Vorstufen können mit Medikamenten oder auch Eingriffen behandelt werden. Es gibt mechanische Verfahren sowie Behandlungen mit Ultraschall oder Lasern, um den schädlichen Biofilm zu entfernen. Da es sich bei Implantaten um außervertragliche Leistungen handelt, sind derartige Behandlungsmaßnahmen in der Regel keine Kassenleistung und müssen privat bezahlt werden.

Zahnhygiene – Was für gesunde Zähne gilt, gilt auch für Implantate

Wie zufrieden Sie langfristig mit einem Implantat sein werden und wie lange es hält, hängt wesentlich von Ihrer Nachsorge ab. Sie sollten sich die Zähne jeden Tag sorgfältig putzen und regelmäßig jedes halbe Jahr zum behandelnden Zahnarzt gehen. Dieser kann Ihnen zeigen, wie Sie Hilfsmittel wie Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten richtig benutzen.

Literatur und weiterführende Informationen

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