Zahnarzt erklärt einer Patientin ein Röntgenbild
Zahngesundheit

Zahnfüllungen – welche Arten gibt es?

Lesedauer unter 8 Minuten

Autor

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Unsere Zähne sind immer gesünder: Dank mehr Bewusstseins für Zahngesundheit und zahnärztliche Vorsorge wird Karies immer seltener und auch früher entdeckt. Hat ein Zahn jedoch Karies, wird die erkrankte Zahnsubstanz entfernt. Je nachdem, wie groß die Schäden sind, entfernt der Zahnarzt mehr oder weniger Material. Bei kleinem bis mittleren Schaden ersetzt eine Füllung das fehlende Material. Es gibt plastische Zahnfüllungen und Einlagefüllungen, die es aus metallischen und nichtmetallischen Materialien gibt.

Gründe für Zahnfüllungen

Häufigster Grund für eine notwendige Zahnfüllung ist Karies. Durch den Stoffwechsel der Kariesbakterien entsteht eine Säure, die den Zahnschmelz angreift. Im fortgeschrittenen Stadium, bei dem auch der Zahn unter dem Zahnschmelz (das Zahnbein) betroffen ist, wird mit rotierenden Instrumenten die gesamte betroffene Zahnsubstanz entfernt. Dank örtlicher Betäubung ist diese Behandlung schmerzlos.

Nachdem der Zahnarzt oder die Zahnärztin das erkrankte Material abgetragen hat, bleibt im Zahn ein Loch zurück (Kavität), das anschließend gefüllt wird. Je nachdem wie stark der Schaden am Zahn ist, kann es sein, dass eine plastische Füllung nicht ausreicht. Hat die Zahnkrone noch ausreichend Substanz, kann beispielsweise eine Teilkrone gesetzt werden. Sind der übrige Zahn und seine Wurzel jedoch sehr stark zerstört, muss der Zahn unter Umständen gezogen und durch Zahnersatz eingesetzt werden.

Füllungsmaterialien und Eigenschaften

Plastische Füllungen und Einlagefüllungen

Um ein Loch (Kavität) in einem Zahn zu füllen, können verschiedene Materialien geeignet sein. Es gibt plastische („direkte“) Füllungen (Amalgam, Komposit, Zement) und („indirekte“) Einlagefüllungen (Inlays oder Onlays aus Gold-Legierungen, Keramik, seltener Kunststoff). Man unterscheidet metallisches und nichtmetallisches Füllmaterial.

Plastische Füllungen werden in weicher Form in das Loch eingebracht und härten darin aus. Dadurch passt sich das Material im defekten Zahn genau der Form des Lochs an. Sie werden meist verwendet, wenn der Schaden durch Karies nur gering oder mittelschwer ist.

Einlagefüllungen sind Zahnfüllungen „aus einem Stück“. Sie werden nicht als weiches Material in das Loch eingebracht. Inlays werden in einem aufwändigen Prozess individuell im Labor hergestellt. Dafür wird die Form des Lochs entweder mit einem Abdruck oder per Computertechnik exakt erfasst und die Einlagefüllung nach diesen Vorgaben passgenau hergestellt. In der Zahnarztpraxis wird dann das Inlay in den Zahn einprobiert und bei Bedarf angepasst. Wenn der Sitz einwandfrei ist, wird das Inlay je nach Material einzementiert oder eingeklebt. Inlays werden in die Kaufläche eines Zahns gesetzt, Onlays bedecken meist ganze Teile der Kaufläche des Zahns.

Als Füllungen für Backenzähne kommen plastische Füllungen und Einlagefüllungen in Frage, Amalgam oder Kunststoff sowie Edelmetalllegierungen oder Keramik. Gerade bei den Füllungen für die Kauflächen der Seitenzähne ist es wichtig, dass das Material einerseits belastbar genug ist, um dem Kaudruck standzuhalten, aber auch weich genug, um den Zahn im Gegenkiefer nicht übermäßig abzunutzen. Bei der Füllung für Frontzähne spielt neben der Funktion auch das Aussehen eine große Rolle. Da diese im sichtbaren Bereich liegen, werden in der Regel Kunststoffe in Zahnfarbe (Komposite) verwendet.

Kleine BARMER-Infotafel zum Thema: Zahnfüllungen

Infografik Zahnfüllungen: Diese Arten gibt es


Komposit- oder Kunststofffüllung

Komposite sind Verbundmaterialien, die sich unter anderem aus kleinsten Partikeln Keramik, Glas, Quarz und Kunststoff zusammensetzen. Eine Kompositfüllung wird mit flüssigem Kunststoff als Haftvermittler (Adhäsiv) direkt und schonend mit dem Zahn verbunden. Dann härtet sie unter einer speziellen Lampe aus. Bei größeren Defekten oder aus ästhetischen Gründen (zum Beispiel bei den Frontzähnen) muss das Komposit Schicht für Schicht in das Loch eingebracht werden.

Durch Fortschritte der letzten Jahre haben sich Komposite immer weiter verbessert. Neue Materialmischungen machen die Kompositfüllungen stabil und langlebig. Durch die Vielzahl an Kompositen in verschiedenen Farben ist es möglich, speziell die Zähne im Frontzahnbereich so natürlich zu restaurieren, dass der ursprüngliche Defekt nicht mehr sichtbar ist. Gleichzeitig ist Komposit auch belastbar und für die Füllung von Backenzähnen geeignet.

Was ist Amalgam?

Umgangssprachlich heißen Füllungen manchmal „Plombe“, was sich vom lateinischen „plumbum“ für „Blei“ ableitet. Oft sind mit dem Wort „Plombe“ Amalgam-Füllungen gemeint, weil sie eine ähnliche Farbe wie Blei haben können. Amalgam enthält jedoch kein Blei, sondern es ist eine Mischung aus Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber. Es gehört zu den ältesten Materialien für die Zahnbehandlung. Dadurch ist es auch sehr gut erforscht.

Amalgam ist weich, gut formbar und nach dem Aushärten sehr stabil, so dass es auch großem Kaudruck im Seitenzahnbereich standhält. Daher ist das Material eigentlich sehr gut als Füllung geeignet, auch für ausgedehnte Schäden. Zudem ist die Legierung kostengünstig. Allerdings ist Amalgam als Metall ein Wärmeleiter, weshalb es zu Empfindlichkeit gegenüber heißen und kalten Speisen kommen kann. Deshalb wird es mit einem speziellen Zement unterfüllt.

Vertragen Patientinnen oder Patienten aus medizinischen Gründen kein Amalgam, so sprechen Zahnärztinnen und Zahnärzte von einer absoluten Kontraindikation. Diese liegt beispielweise bei einer nachgewiesenen Allergie auf Amalgam vor. Auch Menschen mit einer schweren Funktionsstörung der Nieren (Niereninsuffizienz) werden mit anderen Füllungsmaterialien behandelt. 

Gefahren durch Amalgam?
Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass moderne Amalgamfüllungen ein gesundheitliches Risiko darstellen. Die Menge an Quecksilber, die sich im Mund freisetzen kann, entspricht etwa der durchschnittlichen Menge, die wir auch über die Nahrung aufnehmen. Intakte Amalgamfüllungen sollten nicht ohne Grund entfernt werden, da der Austausch tatsächlich Quecksilber freisetzen kann.

Die EU-Quecksilberverordnung schreibt vor, dass Amalgam nicht bei Kindern unter 15 Jahren, Milchzähnen und schwangeren oder stillenden Frauen eingesetzt werden darf – es sei denn, Zahnärzte halten die Amalgamfüllung für absolut notwendig. Dabei handelt es sich um vorsorglichen Gesundheitsschutz.

Goldhämmerfüllungen und Gold-Inlays

Gold-Legierungen sind Verbindungen des Edelmetalls mit anderen Metallen wie Platin, Silber oder Kupfer, die je nach Zweck unterschiedlich zusammengestellt werden. Gold ist sehr gut als Material für Zahnfüllungen, Inlays und Onlays geeignet, da es gut verträglich ist und sich passgenau bearbeiten lässt. Es ist stabil, hält dem Kaudruck der Backenzähne stand und ist mit durchschnittlich 15 Jahren und mehr die langlebigste Zahnfüllung. Aufgrund seiner Farbe wird es für den Seitenzahnbereich verwendet, da dieser beim Lächeln nicht sichtbar ist.

Missempfindungen durch Metallfüllungen?
Bei Metallfüllungen können Missempfindungen auftreten. Ursächlich ist die sogenannte „elektrochemische Spannungsreihe“. Zwischen zwei oder mehreren unterschiedlichen Metallfüllungen kann mit Speichel als Elektrolyt ein Galvanisches Element (eine Batterie) entstehen. Den damit einhergehenden winzigen Stromfluss, der ansonsten nicht schädlich ist, können Menschen als sauer oder bitter empfinden. Deshalb dürfen keine Metallfüllungen unterschiedlicher Zusammensetzung (zum Beispiel Gold und Amalgam) mit direktem Kontakt zueinander in benachbarten Zähnen eingesetzt werden. Selbst bei Gold und Amalgam auf unterschiedlichen Kieferseiten können solche Missempfindungen auftreten, wenn eine Amalgamfüllung nicht poliert ist.

Keramik-Inlays

Keramik ist aus mehreren Gründen ein gut geeignetes Füllmaterial für größere Zahnlöcher. Anhand eines Abdrucks des Zahns wird die Füllung passgenau vorbereitet und mit einem speziellen Kleber aus Kunststoff eingesetzt. Keramik ist widerstandsfähig und hält dem Druck der Backenzähne stand. Mit durchschnittlich 8 bis 10 Jahren ist das Material langlebig. Keramikfüllungen sind verträglich, vollkommen geschmacksneutral und leiten keine Wärme weiter.

Provisorische Zahnfüllungen

Manchmal ist es notwendig, Zahnlöcher zunächst provisorisch zu füllen, bis eine Füllung dauerhaft eingesetzt werden kann. Das kann beispielsweise bei einer Zahnwurzelbehandlung in mehreren Sitzungen der Fall sein. Dafür eignet sich Glasionomerzement. Dieser mineralische Zement wurde speziell für die Zahnbehandlung entwickelt und dient auch als Kleber für andere Füllungen. Der Zement hat eine matt-weiße Farbe und haftet gut am Zahn. Er setzt außerdem langsam Fluorid frei, was den Zahn vor Karies am Rand der Füllung schützt. Als Zahnfüllung hat er eine kurze Haltbarkeit von 1 bis 2 Jahren.

Für die Behandlung von Milchzähnen werden oft Kompomere verwendet. Dabei handelt es sich um ein Füllungsmaterial, das sich aus Komposit und Glasionomerzement zusammensetzt. Dadurch ist es unter anderem kaustabiler und elastischer als Glasionomerzement allein.

Welche Füllung ist die beste?

Welche die beste Zahnfüllung ist, hängt von mehreren Faktoren ab und kommt auf den individuellen Fall an: Welcher Zahn oder welche Zähne betroffen sind, wie viel Restzahn nach Entfernung einer Karies übrig ist, wie gesund Patienten insgesamt sind und welche individuellen Wünsche sie an ihre Füllung haben. Patienten entscheiden also gemeinsam mit ihren Zahnärzten, welches Material verwendet werden soll. Vom gewählten Material hängt ab, wie der Zahn vorbehandelt wird. Grundsätzlich versuchen Zahnärzte immer, möglichst wenig gesunde Zahnsubstanz zu entfernen.

Schmerzen nach Zahnfüllung

Manchmal kann es vorkommen, dass sich der Zahnnerv nach einer Behandlung entzündet und Zahnschmerzen entstehen. Die behandelten Zähne können in der ersten Zeit auch empfindlich auf Temperaturreize, etwa durch eiskalte Getränke, reagieren. Meistens lassen die Schmerzen nach einigen Tagen oder Wochen nach. Lassen sie schnell nach, ist die Chance gut, dass der Zahn sich erholt hat.

Halten Schmerzen jedoch über lange Zeit hinweg an und treten auch ohne Temperaturreize auf, sollten Patienten die Zahnarztpraxis aufsuchen. Dann muss unter Umständen eine Zahnwurzelbehandlung durchgeführt werden. Bestätigen Zahnärzte, dass Füllungen in Ordnung sind, brauchen Patienten Geduld und können unter Umständen mit niedrig-dosierten Schmerzmitteln gegen Zahnschmerzen behandelt werden.

Wann Füllungen erneuern?

Wie lange Füllungen im Einzelfall halten, hängt von der Größe, Art und Lage der Füllung ab. Gewohnheiten wie das häufige Essen sehr harter Speisen oder Zähneknirschen beeinflussen, wie stark eine Zahnfüllung abgenutzt wird.

Zahnschmerzen oder eine Empfindlichkeit auf heiße, kalte oder saure Speisen können ein Hinweis darauf sein, dass eine Füllung undicht ist oder erneuert werden muss. Grundsätzlich sollten Sie Füllungen bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis alle sechs bis zwölf Monate prüfen lassen und Ihren Zahnärzten mitteilen, wenn Sie etwas im Mund als unangenehm empfinden.

Eine sorgfältige und regelmäßige Zahnhygiene kann die Haltbarkeit von Füllungen verlängern – auch über die statistisch durchschnittliche Lebenszeit der Füllung hinaus.

Literatur und weiterführende Informationen

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