Eine Zahnärztin erklärt ihrem Patienten ein Röntgenbild.
Zahngesundheit

Zahnersatz: diese Möglichkeiten und Arten gibt es

Lesedauer unter 7 Minuten

Autor

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Ein gesundes Gebiss ermöglicht es uns, problemlos zu essen, zu sprechen und uns attraktiv zu fühlen. Unsere Zähne tragen viel zu unserer Lebensqualität bei – das merken wir oft erst, wenn wir Probleme mit ihnen haben. Fehlen Zähne, etwa aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls, kann Zahnersatz die Lücke schließen. Guter Zahnersatz gibt Selbstbewusstsein und ein sicheres Gefühl und ermöglicht Menschen, zu vergessen, dass sie überhaupt Zahnersatz tragen. Dieser Beitrag beschreibt, was die verschiedenen Arten auszeichnet.

Auf einen Blick: Möglichkeiten für Zahnersatz

Beim Thema Zahnersatz gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der modernen Zahnmedizin. Die verschiedenen Arten von Zahnersatz unterscheiden sich darin, wie sie befestigt werden und aus welchem Material sie bestehen. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Kronen
  • Brücken
  • Prothesen (Teilprothesen oder Vollprothesen)
  • Implantate

Diese Arten können auch miteinander kombiniert werden. Die beste Lösung, um eine Zahnlücke zu schließen, kann manchmal auch ein kombinierter Zahnersatz sein, der unterschiedliche Arten verbindet.

Welcher Zahnersatz oder welcher kombinierte Zahnersatz der richtige ist, um beschädigte oder fehlende Zähne zu ersetzen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie die Kieferknochen des Patienten geformt sind, wie gesund der Kiefer ist, wie viele Zähne ersetzt werden sollen, wie viele gesunde Zähne noch im Mund übrig sind und weshalb die Zähne ersetzt werden müssen. Zahnersatz kann an den Restzähnen oder künstlichen Zahnwurzeln (Implantaten) befestigt werden.

Materialien für Zahnersatz sind üblicherweise Metall, Kunststoffe oder Keramik. In Deutschland unterliegen diese Materialien als Medizinprodukte klaren gesetzlichen Vorgaben, um für ihre Träger sicher zu sein. Es gibt herausnehmbaren Zahnersatz und festen Zahnersatz.

Herausnehmbarer Zahnersatz

Herausnehmbarer Zahnersatz sind verschiedene Teil- oder Vollprothesen.

In einigen Fällen ist der bestmögliche Zahnersatz eine Teleskopprothese. Sie wird als Teilprothese von außen unsichtbar an den Restzähnen oder, im Falle eines zahnlosen Kiefers, an Implantaten verankert. Dafür werden die vorhandenen Zähne mit Doppelkronen (Teleskopkronen) versorgt. Diese Teilprothese besteht aus einem festsitzenden Teil und einem herausnehmbaren Teil, der eigentlichen Zahnprothese. Daher nennt man diese Teilprothesen auch kombinierter Zahnersatz.

Auf die eigenen Zähne wird eine Teleskopkrone festzementiert, die Primärkrone, auch Innenteleskop genannt. Diese Krone ist nicht herausnehmbar und sieht auch nicht aus wie ein Zahn, sondern mehr wie ein Kegel. Sie dient dazu, dass die Sekundärkrone oder das Außenteleskop passgenau aufgesteckt werden kann und über Reibung ein fester Halt entsteht. Die Außenkronen sehen aus wie ein echter Zahn und sind in die Zahnreihe der herausnehmbaren Zahnprothese integriert. Einmal eingesetzt kann die Teleskopprothese immer wieder herausgenommen werden.

Eine Vollprothese kann entweder nur im Ober- oder Unterkiefer eingesetzt werden oder in beiden, wenn keine Zähne mehr vorhanden sind. Die Zahnprothese besteht aus Kunststoff, auf dem die künstlichen Zähne befestigt sind. Sie wird für jeden Träger beziehungsweise jede Trägerin individuell erstellt. Passt die Form der Prothese oben und unten im Mund genau auf den Kiefer, ohne dass Hohlräume entstehen, hält sie durch Unterdruck quasi von selbst. Eine spezielle Haftcreme für Zahnersatz kann zusätzlich unterstützen.

Festsitzender Zahnersatz

Zu den festsitzenden Arten von Zahnersatz gehören Kronen und Brücken. Kronen und Brücken werden auf Zähne und angrenzende sogenannte Pfeilerzähne zementiert oder geklebt. Der festsitzende Zahnersatz besteht meist aus unterschiedlichen Materialien wie z. B. Vollkeramik, Zirkon, Composite, Gold- und Titanlegierungen.

Zahnimplantate sind künstliche Zahnwurzeln aus Metall oder Keramik, die im Kiefer verankert werden. Ein Implantat allein bildet aber noch keinen vollwertigen Zahnersatz: Verschiedene Arten und Materialien von Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen können auf den Implantaten befestigt werden.

Zahnimplantate

Zahnimplantate ersetzen eine Zahnwurzel durch einen Zapfen aus Metall (Titan) oder Keramik. 

Implantate bestehen meist aus drei Teilen:

  • einem im Kiefer verankerten Zapfen als Zahnwurzelersatz (Implantatkörper),
  • ein auf dem Implantatkörper sitzender Aufbau (Abutment), auf dem verschiedene Arten Zahnersatz befestigt werden können, und
  • dem Zahnersatz als Krone, Brücke oder Prothese.

Kronen

Kronen sind die kleinste Art von Zahnersatz. Sie werden gewählt, wenn beispielsweise Karies einzelne Zähne zu großen Teilen oder ganz zerstört hat und eine Zahnfüllung (interner Link: neuer Artikel Überblick Zahnfüllungen) nicht mehr ausreicht. Ist genug Restsubstanz des Zahns für einen Aufbau vorhanden, kann der Zahn überkront werden. Man spricht dann von einer Vollkrone oder Mantelkrone. Sind nur Teile des Zahns zerstört und die sichtbaren Anteile noch intakt, kann eine Teilkrone angefertigt werden. Kronen bestehen aus Metall, Keramik oder Metall-Keramik (Verblendkronen). Die Krone ersetzt die ursprüngliche, teilweise zerstörte Zahnkrone dauerhaft.

Ist die Zahnkrone fast vollständig zerstört, aber die Kronenbasis und die Wurzel noch stabil, kann der Zahn mit einem sogenannten Stiftaufbau mit einer Krone versehen werden. Umgangssprachlich heißt das „Stiftzahn“. Beim Stiftaufbau wird ein Stift in den Wurzelkanal eines vorher wurzelbehandelten Zahnes einzementiert. Stiftaufbauten können beispielsweise im Labor aus Metall gegossen werden oder aus vorgefertigten Glasfaserstiften bestehen. Der Stift sorgt für einen festen Sitz der darauf zementierten Krone.

Brücken

Zahnbrücken können Lücken von bis zu drei fehlenden Zähnen (im Seitenzahnbereich) oder bis zu vier fehlenden Zähnen im Frontzahnbereich schließen. Eine Brücke wird an den Nachbarzähnen (Anker- oder Pfeilerzähne), die rechts und links neben der Lücke als Halterung fungieren, befestigt. Sind die Pfeilerzähne eigene gesunde Zähne, werden sie beschliffen und überkront, diese Zahnkronen sind die Brückenanker. In der Mitte zwischen den beiden Kronen befindet sich das Zwischenglied. Die Brücke besteht also aus drei Komponenten: den Pfeilerzähnen, den Brückenzwischengliedern und den beiden Brückenankern.

Teilprothesen

Teilprothesen ersetzen Zähne sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer, wenn zwar noch Restzähne beim Patienten vorhanden sind, aber auch größere Lücken. Zu groß, um etwa, aber die Lücke zu groß ist, um etwa eine Brücke befestigen zu können. Teilprothesen für den Unter- und Oberkiefer können sich in Material, Kaukomfort und Aussehen unterscheiden.

Eine häufig genutzte Teilprothese ist die Modellgussprothese (auch: Einstückgussprothese). Sie liegt mit ihren gegossenen Klammern auf den Restzähnen auf. So hat sie keinen Kontakt mit der Schleimhaut und schont diese. Die Klammern, die die Prothese halten, können teilweise sichtbar sein.

Manchmal kann eine Zwischenlösung bei der Behandlung nötig sein, um das Kauen und Sprechen bis zum dauerhaften Zahnersatz zu ermöglichen. Ein provisorischer Zahnersatz (Interimsersatz) hält die Funktion des Gebisses aufrecht, bis der geplante Zahnersatz eingesetzt wird. Diese provisorischen Teilprothesen aus Kunststoff haften direkt auf dem Zahnfleisch (schleimhautgelagert) und sind mit einfachen Klammern fixiert. Werden solche Provisorien länger als zur Überbrückung der Herstellung des finalen Zahnersatzes getragen, kann das Zähne und Schleimhaut schädigen.

Vollprothese

Eine Vollprothese (auch: Totalprothese, „dritte Zähne“ oder umgangssprachlich „Gebiss“) ersetzt alle natürlichen Zähne des Unterkiefers und/oder Oberkiefers. So können Menschen mit Vollprothese wieder sprechen und kauen. Auch die ästhetische Wiederherstellung der durch die im zahnlosen Kiefer fehlenden Zähne eingefallenen Mundpartie sorgt für ein natürliches Lächeln. Die bekanntesten „Dritten“ sind herausnehmbare Vollprothesen. Sie bestehen aus einer zahnfleischfarbenen Kunststoffbasis, auf der künstliche Zähne befestigt sind. Diese bestehen ebenfalls aus Kunststoff oder seltener auch aus Keramik.

Für einen optimalen Halt passt der Zahnarzt oder die Zahnärztin im Zuge der Behandlung eine Vollprothese individuell auf die Form des Mundraums an. Dafür ist eine aufwendige und sehr genaue Abformung (Funktionsabformung) der Kiefer notwendig. Speziell geformte Prothesenränder, Ventilränder und der Speichel sorgen dafür, dass die Prothese nach Fertigstellung absolut dicht – also ohne Hohlräume – auf der Schleimhaut aufliegt. Dann hält die Prothese durch Unterdruck und Haftwirkung. Die Prothese „saugt“ sich also oben und unten an die Mundschleimhaut. Für den festen Halt der Prothese ist daher die sorgfältige und unter Umständen wiederholte Anpassung der Prothese wesentlich.

Der Speichel „dichtet“ die Ränder der Prothese zusätzlich ab und sorgt so für festen Halt. Daher sitzt die Prothese bei dieser Art von Befestigung unter Umständen bei Menschen, die nicht genügend Speichel haben, weniger fest. Ist das der Fall, können Haftcremes den Sitz der Prothese verbessern helfen. Am Oberkiefer sorgt die Gaumenplatte für zusätzlichen Halt.

Gründe für Zahnersatz

Es gibt viele mögliche Gründe, warum ein Patient oder eine Patientin eine Behandlung für Zahnersatz benötigt. Diese können sein:

  • die Zähne sind durch einen Unfall beschädigt oder verloren gegangen
  • die Zähne sind durch starkes Abkauen „abradiert“
  • die Zähne fehlen von Geburt an (Nichtanlage)
  • die Zähne sind durch Erkrankungen wie Karies oder Parodontitis teilweise oder ganz beschädigt, verloren gegangen oder mussten gezogen werden

Egal, aus welchem Grund Zähne ersetzt werden sollen: moderner Zahnersatz ist für die Patienten verträglich und lässt sich optisch in den meisten Fällen nicht von natürlichen Zähnen unterscheiden. Sprechen, Essen, Lachen – der richtige Zahnersatz kann es uns ermöglichen, wieder mit Freude am Alltag teilzunehmen.

Literatur und weiterführende Informationen

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