Junges Mädchen lächelt und trägt eine lose Zahnspange.
Zahngesundheit

Lose Zahnspange: Arten, Behandlung, Vor- und Nachteile

Lesedauer unter 4 Minuten

Redaktion

  • Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Gerhard W. Koch (Zahnmediziner)

Lose Zahnspangen können leichte Fehlstellungen der Zähne korrigieren oder auch die Größe des Zahnbogens anpassen. Zum Essen, Zähneputzen und beim Sport kann man sie einfach aus dem Mund herausnehmen. Die Spange sollte mehrere Stunden am Tag getragen werden. Je häufiger und länger die herausnehmbare Zahnspange im Mund ist, desto schneller zeigt sie den gewünschten Effekt. Die genaue Tragedauer bestimmt der Arzt oder die Ärztin. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche losen Zahnspangen es gibt und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Lose Zahnspange: Arten

Aktive Platte

Spricht man von losen oder herausnehmbaren Zahnspangen, sind damit oft aktive Platten gemeint. Dabei handelt es sich um eine Basis aus Plastik (oft auch in verschiedenen Farben), die im Labor individuell gefertigt wird. Sie liegt auf der Innenseite der Zähne auf. Klammern, Draht, Schrauben und kleine Drahtfedern aus Metall helfen, die Zähne in die gewünschte Richtung zu bewegen. Eine lose Zahnspange kann nur am Ober- oder Unterkiefer sitzen oder als eine Art Doppeldecker-Zahnspange aus zwei Platten für oben und unten bestehen.

Aktivator, Bionator und Fränkel-Funktionsregler

Es gibt auch sogenannte funktionskieferorthopädische Geräte wie beispielsweise Aktivatoren, Bionatoren und Fränkel-Funktionsregler. Was kompliziert klingt, bedeutet, dass nicht die Spange allein Druck auf das Gebiss ausübt. Sie liegt eher locker auf und nutzt die normalen Bewegungen des Kiefers beim Essen und Sprechen, um Zähne und Kiefer in die gewünschte Richtung zu lenken: Die Zahnspange gibt vor, wie die Kraft durch die natürlichen Bewegungen auf den Kiefer umgelenkt wird, sodass dieser sich nach und nach in gewünschter Form anpasst. Solche Spangen werden beispielsweise bei einem Überbiss benutzt, um das Wachstum des Oberkiefers zu hemmen und den Unterkiefer nach vorne zu bringen. Diese herausnehmbaren Zahnspangen werden bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt, deren Kiefer noch wächst.

Passive Platte

Nach der Behandlung werden die Zähne manchmal für eine Zeit lang mit passiven Platten in ihrer neuen Position fixiert. Dafür gibt es festsitzende Retainer und herausnehmbare Retentionsplatten. Sie üben selbst keinen Druck auf die Zähne aus, sondern verhindern, dass die Zähne in ihre ursprüngliche Position zurückwandern.

Lesen Sie in unserem Überblicksartikel weiter, um mehr über mögliche Gründe für eine kieferorthopädische Behandlung und die verschiedenen Zahnspangen zu erfahren.

Vor- und Nachteile der losen Zahnspange

Praktisch bei der herausnehmbaren Zahnspange ist, dass man sie zum Essen, Zähneputzen, Sport oder für besondere Anlässe ablegen kann. Dadurch ist die lose Zahnspange selbst auch einfacher zu reinigen als eine feste Spange.

Die lose Zahnspange klebt, anders als die feste Zahnspange, nicht auf den Zähnen.

Herausnehmbaren Zahnspangen, können das Sprechen erschweren, da die Zunge sich nicht frei bewegen kann. In der Regel dauert die Behandlung mit einer losen Zahnspange länger als mit einer festen Zahnspange. Es ist wichtig, die Zahnspange ausreichend lange – mindestens für 14 bis 16 Stunden am Tag – zu tragen, da sie das Gebiss sonst nicht korrigieren kann. Die genaue Tragedauer bestimmt der behandelnde Arzt oder die Ärztin. 

Am Anfang und wenn Schrauben nachgezogen werden, kann die lose Klammer für einige Zeit Schmerzen beim Patient verursachen.

Behandlung mit einer losen Spange

Kieferorthopäden stellen die genaue Diagnose und bestimmen die Behandlung, wie eine Zahnfehlstellung korrigiert werden soll. Sie geben Ihnen eine individuell angepasste Spange und zeigen Ihnen, wie sie richtig getragen und gereinigt wird. Beim regelmäßigen Beratungstermin in der kieferorthopädischen Praxis wird die herausnehmbare Zahnspange laufend überprüft und an die Position der Zähne angepasst.

In manchen Platten sind aktive Elemente wie Schrauben eingearbeitet. Deshalb erhalten Sie manchmal einen kleinen Schlüssel, mit dem Sie eine Schraube selbst verstellen können. Ihr Kieferorthopäde zeigt Ihnen, wie Sie damit umgehen und worauf Sie dabei achten müssen.

Neben den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen sollten Patientinnen und Patienten den Kieferorthopäden umgehend aufsuchen, wenn Schmerzen anhalten, die Zahnspange beschädigt oder verloren gegangen ist.

Eine lose Zahnspange reinigen

Für eine gute Mundgesundheit ist auch die richtige Pflege der lockeren Zahnspange wichtig. Herausnehmbare Zahnspangen müssen jeden Tag sorgfältig gereinigt und gepflegt werden. Um eine lose Zahnspange zu reinigen, putzt man sie mit einer Zahnbürste und ein wenig Zahnpasta. Am besten spülen Sie die herausnehmbare Zahnspange zusätzlich in einem Glas Wasser, in dem sich einige Tropfen Mundspüllösung befinden oder spezielle Reinigungstabletten aufgelöst sind. Am besten wechseln Sie das Wasser jedes Mal, wenn Sie die Spange hineinlegen. Achtung: Sie sollten die Spangen nicht auskochen, da sich dabei die Platten aus Plastik verformen können.

Wenn die lose Zahnspange nicht im Mund sitzt,  sollte sie zur Aufbewahrung in eine Spangendose. Darin bleibt sie sauber und ist vor Stößen (wenn sie zum Beispiel herunterfällt) geschützt. Stehen der Name und eine Telefonnummer auf der Dose, findet sie auch ihren Weg in die richtigen Hände zurück, sollte sie etwa einmal in der Umkleidekabine beim Sport liegenbleiben.

Lose Zahnspange: Kosten

Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr werden die Kosten für eine medizinisch notwendige lose Zahnspange von der Barmer übernommen, wenn der Kieferorthopäde eine mittlere bis starke Zahnfehlstellung feststellt. Diese Zahnfehlstellung wird anhand von fünf kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) eingestuft: von 1 bei einer nur leichten Fehlstellung bis 5 bei einer sehr starken Fehlstellung. Eine mittlere bis starke Zahnfehlstellung liegt bei KIG 3 bis KIG 5 vor. Hier übernimmt die Barmer die Kosten für eine zahnmedizinisch notwendige kieferorthopädische Behandlung

Literatur und weiterführende Informationen

Nach oben