Weihnachten 2020

Studie: Das besondere Seelenleben in der Corona-Weihnachtszeit

Lesedauer unter 5 Minuten
Kleines Mädchen hat eine Nikolausmütze auf und schaut aus dem Fenster

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)

Die Zeit, in der wir uns befinden, ist eine paradoxe. Einerseits gehen Tage und Wochen ohne wahrnehmbaren Unterschied ineinander über, andererseits fühlen sich die Monate zwischen Januar und Dezember 2020 wie ein einziger irrsinniger Moment an. Geht es Ihnen ähnlich? Oder empfinden sie dieses von einem Virus definierte Jahr anders und freuen sich – wie sonst auch – auf geruhsame, besinnliche Festtage? Wir haben uns nämlich gefragt, wie sich die Corona-Pandemie auf unsere Emotionen in der Weihnachtszeit auswirkt und das Team des Kölner rheingold Instituts damit beauftragt, mit Menschen verschiedener Altersgruppen über ihre Gefühlswelt nach knapp einem Jahr Ausnahmezustand zu sprechen. Und dafür haben wir uns ganz bewusst die Zeit vor Weihnachten ausgesucht – denn sie steht sinnbildlich für Traditionen, Rituale und Bräuche.

Wir haben bereits in unserem Artikel Stress durch die Corona-Krise thematisiert, dass wir Menschen allesamt Gewohnheitstiere sind, die emotionalen Halt in ihren ganz persönlichen Gewohnheiten finden und dies auch für ein zufriedenes Leben brauchen. Was passiert also mit uns, wenn die alljährliche Weihnachtsroutine entfällt und wir gleichzeitig mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns und steigenden Infektionszahlen kämpfen – anstatt lediglich mit den bekannten Hürden wie ausbleibendem Schnee, Streit mit den Schwiegereltern oder einer trockenen Gans? Wie wirkt es sich auf unser Innenleben aus, wenn Weihnachtsmärkte, Einkaufsbummel und gemeinsames Plätzchenbacken im großen Kreis entfallen?

Die Barmer Changemaker sind ein geschlossenes Online-Forum von ca. 200 Barmer-Versicherten. Hier werden Gesundheitsthemen, Barmer Innovationen und detaillierte Anforderungen aus Versichertensicht zum Beispiel an unsere Apps und Services diskutiert.
Im Changemaker-Projekt „Corona-Weihnachten“ war es das Ziel zu verstehen, was Corona mit unserer Weihnachtszeit macht. Fragestellungen waren:

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die diesjährige Weihnachtszeit und den Jahreswechsel?
Welche Gedanken, Sorgen und Hoffnungen spielen hierbei eine Rolle?
Welche Veränderungen treten deshalb für die BARMER Versicherten in ihrem Erleben und Verhalten zum Vorschein?
Wie wird man vor diesem Hintergrund in das Jahr 2021 reinstarten?

26 Personen zwischen 18 und 60 Jahren haben an dem einwöchigen Projekt teilgenommen. Die Feldphase lief vom 27.11 bis zum 02.12.2020. In der ersten Phase wurden Fragen individuell bearbeitet. Die zweite Phase bestand aus einen einstündigen moderierten Live-Chat. Im Anschluss erfolgte eine zusammenfassende qualitative Analyse vor psychologischem Hintergrund.
 

In den (Online-)Gesprächen war man sich einig, dass unter diesen Bedingungen keine Festtagsstimmung aufkommt und sich die allgemeine Stimmung zwischen zwei Emotionen bewegt: Melancholie und Unsicherheit. Wir sind melancholisch, weil uns feste Rituale Halt geben sollen und unsicher, weil wir nicht wissen, wie wir irgendwelche Rituale überhaupt noch verantwortungsbewusst umsetzen können. Wie viele Familienmitglieder darf ich sehen? Wen darf ich umarmen? Wie gehen wir mit Risikopatienten um? Die Corona-Pandemie liegt wie ein grauer Schleier über einer Jahreszeit, die eigentlich von bunten Lichtern durchzogen sein sollte. Wir sind gezwungen, persönliche Festtagsrituale zugunsten der Gemeinschaft neuzugestalten und erleben völlig andere Weihnachtswochen, als wir sie gewohnt sind.

„Ich hoffe auch, dass die Einstellung „das haben wir immer schon so gemacht“ zurückgeht.“

Wir wurden in der Studie aber auch positiv von vielen Antworten überrascht. Denn trotz Melancholie und Unsicherheit fielen wiederholt Worte wie Akzeptanz, Selbstreflexion und Behaglichkeit. Je mehr in sich gegangen wurde, desto stärker verfestigte sich das Gefühl, dass dieser luftleere Raum mit optimistischen Gedanken ausstaffiert werden kann. Unsere Befragten waren nämlich nicht ausschließlich negativ getroffen von dieser „neuen“ Art der Festtage. Die neuen Regelungen bedeuten nämlich auch, dass Menschenmassen, familiäre Verpflichtungen und Geschenkstress wegbleiben – Gewohntes, das sich über die Jahre in unsere Leben eingeschlichen hat.

„Wir werden Kerzen anzünden, kuscheln, uns einigeln und viel Zeit zu zweit verbringen. Wir werden Geschenke für die Familie einkaufen, gut essen und die Zeit genießen.“

Das „neue Weihnachten“ des Jahres 2020 ist von behütetem Rückzug, Entschleunigung und Selbstreflexion geprägt. Dinge, die uns ermöglichen, zu uns selbst zu finden, und Vieles zu hinterfragen, das wir als gegeben betrachtet haben. Im Live-Chat berichteten die Gesprächsteilnehmer, dass sie die erzwungene Ruhe positiv nutzen und den ausbleibenden Konsum angenehm empfinden.

Im Fokus der nächsten Wochen stehen Kuscheln, der engste Familien- und Freundeskreis und ein „neues-altes Weihnachten“ mit weniger Shopping, weniger Reisen und weniger Kompromissen. Dafür jedoch mit mehr Zeit und mehr Raum für sich selbst.

„Ich versuche das zu kontrollieren, was ich kontrollieren kann.“

In einer globalisierten Welt wie unserer ist dieser „engste Kreis“, in dem wir uns heute alle bewegen, auch ein Sehnsuchtsort geworden. Unser Radius beschränkt sich seit Monaten auf unsere Familie – auch Wahl- oder Patchworkfamilie, die zwei besten Freundinnen oder, in absoluter Eintracht mit sich selbst, auf uns allein. Und dabei erstaunt es uns, wie viel Raum zur persönlichen Entfaltung diese „neue Enge“ bietet. Wir hören wieder mehr auf das, was wir wollen, nicht das, was wir müssen. Selbstoptimierung weicht der inneren Zufriedenheit, wir lernen (wieder), das Beste aus einer Situation zu machen, die wir nicht ändern können.

„Ich werde auf jeden Fall mehr auf mich achten, mehr auf meine Gefühle hören. Ich möchte die Zeit bewusst genießen lernen.“

Der typische Neujahrsvorsatz hat 2021 ausgedient. Für unsere Befragten liegen langfristige Ziele im Fokus, die, anders als kurzfristige, unsere innere Haltung maßgeblich verändern können. Wir fokussieren uns weniger auf einzelne Details und Lebensaspekte wie Körper und Erfolg, sondern betrachten uns ganzheitlich: Was macht mich glücklich? Wer möchte ich sein? Wie gestalte ich mein Leben? Dabei gehen körperliche und seelische Gesundheit Hand in Hand. Wie sehr diese von Werten wie Familie und Stabilität und Wünschen wie wärmende Gemütlichkeit und Zuversicht geprägt ist, haben wir in Rahmen der Dialoge in dieser explorativen, qualitativen Studie (erst wieder) richtig verstanden.

Als Krankenkasse ist es unsere Maxime, Menschen ebenfalls ganzheitlich zu betrachten. Denn unsere rund neun Millionen Versicherte sind mehr als ihre Rücken- und Magengesundheit. Mehr als Ängste, Zahnschmerzen und Sehkraft. Die Barmer-Gemeinschaft – uns eingeschlossen – definiert sich auch dadurch, wie wir gemeinsam auf Spannungen, Ungewohntes und Ausnahmezustände wie eben die Corona-Pandemie reagieren. Mit der hier beschriebenen kleinen Studie wollten wir Wichtiges darüber lernen, wie es Ihnen – in Form einer ganz gemischten Gruppe aufgeschlossener Menschen und Barmer-Versicherten – momentan geht und ergeht. Denn unser wichtigster Vorsatz für 2021 ist, Sie auch im nächsten Jahr ganzheitlich unterstützen zu können.

Wir wünschen Ihnen trotz aller neuen Umstände eine besinnliche und vor allem gesunde Weihnachtszeit.

Ihre Barmer

 

E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Webcode: a006176 Letzte Aktualisierung: 29.12.2020
Nach oben