Weihnachten 2020

Jugendstudie: Generation Lockdown, wie geht es euch?

Lesedauer unter 5 Minuten
Junger Mann schaut durch eine Christbaumkugel hindurch

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)

Seit jeher sprechen ältere Menschen von der „Jugend von heute“. Oft ist das ein Ausdruck von Ratlosigkeit über neue Trends, die in ihrer Lebensrealität einfach nicht vorkommen. Viel zu oft wird in den Nachrichten oder beim Familienessen über euch anstatt mit euch gesprochen. Dabei gibt es Vieles, was euch berechtigterweise auf der Seele liegt. Ihr seid die „Generation Lockdown“ und steht seit Beginn der Einschränkungen unter besonderer Beobachtung: Während alte und pflegebedürftige Menschen eher anfällig für das Virus COVID-19 sind, bekommen Jugendliche die volle Ladung des Maßnahmenkatalogs ab: keine Schule, keine Uni, keine Bars, keine Clubs, keine Treffen im großen Freundeskreis. 

Als Krankenkasse, die für Schüler, Auszubildende und Studierende vielmehr eine Kasse und ein Partner für Gesundheit sein möchte, beobachten wir diese Entwicklungen aufmerksam und arbeiten daran, weitere lebensnahe und hilfreiche Angebote für 2021 zu entwickeln, mit denen ihr Körper und Seele in dieser herausfordernden Zeit stärken könnt. In diesem Zusammenhang haben wir gemeinsam mit anderen das Kölner Forschungsinstitut „September Strategie und Forschung“ gebeten, sich während der Vorweihnachtszeit im Coronajahr mit einer gemischten Gruppe junger Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren zu unterhalten. Die Ergebnisse der Studie sind ehrlich, bereichernd und bewegend. Wir möchten hier mit euch einen Blick hineinwerfen.

Stellt euch vor, es ist Weihnachten, und keiner darf hin!

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel sind wunderschöne, aber auch emotionsgeladene Zeiten. Denn Menschen neigen dazu, sämtliche Emotionen anzustauen und genau in diesen zwei Wochen abzuladen. Wir freuen uns einerseits auf Geschenke und Familientraditionen, auf Skifahren und Ferien, andererseits fragen wir uns am Ende eines Jahres natürlich immer, was wir erreicht haben und wo es im kommenden Jahr hingehen soll. Besonders junge Menschen stehen am Ende des alten und am Anfang des neuen Jahres vor wichtigen Entscheidungen. 2020 kommt hinzu, dass all das, was wir kannten, komplett anders verläuft. Auch Weihnachten. Die Weihnachtsmärkte finden nicht statt, Weihnachtspartys wurden abgesagt, die Winterferien verbringt man zu Hause, Böller an Silvester sind verboten, und Neujahrsvorsätze stehen auf besonders dünnem Eis. Oder kurz gesagt: Am 31. Dezember um 23 Uhr 59 wird Corona nicht einfach verschwinden.

Für die Befragten sind all diese Realisationen und Veränderungen mit starken Emotionen verbunden, die sie mit Weihnachten 2020 verknüpft haben: Es sollte der versöhnliche Abschluss eines irren Jahres werden. Man wollte es sich gut gehen lassen und einfach mal wieder eine Medaille fürs Mitmachen erhalten. Ihr wolltet abschließen, euch belohnen und für ein paar Tage wieder Kind sein.

Hier möchten wir euch sagen: Die Enttäuschung, dass dies nun kaum möglich ist, ist real und sollte von niemandem relativiert werden. Es ist euer gutes Recht, dass ihr euch aktuell alleingelassen mit der Weihnachtsplanung fühlt, während dies normalerweise eure Familien übernehmen. Denn wer hat mit 20 Jahren schon eine Box voller Weihnachtskugeln im Keller? Jetzt heißt es: Kreativ werden und überlegen, wie man – im allerengsten Kreis oder sogar alleine – Weihnachten neu entdecken kann.

Bescheidene Wünsche und Lust auf das volle Weihnachtsprogramm

Die Gespräche mit den Befragten zeigten, dass junge Menschen dieses Jahr sehr traditionelle und ehrliche Wünsche haben: Schnee an Heiligabend, Gesundheit und Zufriedenheit. Besonders das Thema Schnee steht für das Verlangen, die Welt um uns herum „einzufrieren“ und „abzudämpfen“. Es wäre schön, einfach mal das Sorgen-Karussell anzuhalten und runterzukommen. Tage wie in einer Schneekugel, unter sicherem Glas, umgeben von engen Freunden oder den Eltern. Zugleich aber war man sich in der Studie recht einig, dass es dieses Jahr etwas mehr „Weihnachts-Klimbim“ sein darf: Lichter, Lieder, leckerer Lebkuchen. Das, was normalerweise schnell nervt, wie volle Einkaufspassagen und trällernde Engel vor dem Supermarkt, wird dieses Jahr schmerzlich vermisst. Selbst der nasse Kuss der Großtante.

Hier bietet sich nun aber die ideale Gelegenheit, eigene Rituale zu etablieren und eine persönliche Weihnachtsroutine zu entwickeln. Schmückt euer Wohnzimmer wie eine Parfümerie-Filiale, lasst den ganzen Tag Weihnachtslieder aus dem Laptop schallen und kreiert damit ein Fest, das vielleicht anders, aber nicht weniger beschaulich ist. Ruft eure Patentanten an, schreibt Briefe und geht Hobbys nach, die letztes Jahr noch unter „Kinderkram“ archiviert wurden: Malen nach Zahlen, Schneemänner basteln oder Kneten am Küchentisch. Denn wenn die Corona-Pandemie etwas Gutes an sich hat, dann die Tatsache, dass Hobbys keine Altersbegrenzungen mehr kennen.

Was wir euch noch sagen wollen: Wenn euch wirklich mal die Decke auf den Kopf fällt und die Enttäuschung raus muss: Macht euch bemerkbar. Ruft und chattet eure Freunde an, eure Eltern oder Menschen, die für euch Familie bedeuten. Und falls es gerade niemanden Passenden gibt: krisenchat.de ist ein Kooperationspartner der Barmer und im Notfall rund um die Uhr minutenschnell für euch da. Momentan ist vielen alles einfach zu viel, daher ist es jetzt wichtig und hilfreich, diese emotionale Überwältigung nicht runterzuschlucken. Das wäre nicht gut bekömmlich. Neben einem guten Gespräch hilft auch frische Luft. Zieht euch warm an und schleppt einen Lieblingsmenschen mit in den nächsten Park. Hauptsache ist, dass ihr ehrlich mit euren Gefühlen seid.

#gönnteuch, ihr habt es euch verdient!

„Belohnung statt Bescherung“ ist das Motto. Ihr seid eine besonders aktive Generation, die die Welt nachhaltig verändert. Ihr habt unsere Sprache angepasst und unsere Augen für Ungerechtigkeit geöffnet, die jahrzehntelang unkommentiert blieb. Ihr macht Mädchen und Frauen stark und gebt Themen wie mentale Gesundheit und Bodyshaming eine Bühne. Ihr nehmt eure Zukunft in die Hand, anstatt euch mit dem Status quo zu arrangieren. Das ist großartig und sollte zum Ende dieses beanspruchenden Jahres belohnt werden – ob mit materiellen Dingen oder schönen Momenten. Kauft euch von eurem Weihnachtsgeld das Gadget oder das Streaming-Abo oder die Schuhe, die ihr wahrscheinlich nur einmal im Jahr anziehen werdet. Schmeißt euch richtig in das rein, was jetzt trotz allem möglich ist: Plätzchen backen, Disneyfilme schauen, Kakao trinken, den ganzen Tag im Pyjama auf dem Sofa sitzen oder Spazierengehen.

Es ist völlig okay, sich ab und zu eine heile Welt zu basteln, wenn „die da draußen“ alles andere als intakt ist. Und wenn das für euch bedeutet, „Last Christmas“ auf Endlosschleife zu hören – dann solltet ihr genau das tun. Wir verraten es auch niemandem.

Eure Barmer

 

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Webcode: a006179 Letzte Aktualisierung: 29.12.2020
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