Gendermedizin

Wie genau nehmen es Männer mit der Gesundheitsvorsorge?

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein junger Mann trägt ein Kleinkind auf dem Rücken

Autor/in

TAKEPART Media + Science GmbH

Qualitätssicherung

Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Sich gesund ernähren, ausreichend bewegen und dann wäre da auch noch die jährliche Untersuchung der Prostata – wie genau nehmen es Männer eigentlich mit ihrer Gesundheitsvorsorge? Es stimmt zwar, Männer essen weniger Obst und Gemüse als Frauen und sie gehen auch seltener zur Krebsvorsorge, aber das bedeutet nicht, dass sich Männer nicht für ihre Gesundheit interessieren.

Gesundheit erhalten, Krankheiten früh erkennen: Prävention ist vielfältig

Der Gedanke der Prävention ist nichts Neues in der Medizin. Nach dem Motto “Vorsorge ist die beste Medizin“ geht es dabei im Kern darum, Krankheiten vorzubeugen, damit sie gar nicht erst entstehen und auftretende Erkrankungen möglichst früh zu erkennen. Typische schwerwiegende Männerleiden wie Prostatakrebs können durch regelmäßige Check-ups leichter entdeckt werden.

Wie gesund lebt “Mann“?

Gesundes Verhalten in den Alltag einbauen und es zur Routine werden lassen – das ist oft leichter gesagt als getan. Wie gut dies gelingt, da gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, wie etwa bei der Ernährung, bei der körperlichen Aktivität und bei dem Verzicht auf das Rauchen:

  • Ernährung: Im Geschlechtervergleich essen Männer mehr Wurst und Fleisch. Der Trend zeigt jedoch, dass Männer mehr und mehr auch fleischfreie Tage in ihren Ernährungsplan integrieren. Zu Obst und Gemüse hingegen greifen Männer seltener als Frauen.
  • Männer tun etwas mehr für ihre Ausdauer: Gut die Hälfte der Männer betreibt Ausdauersport, wie es von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird: mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche. Bei den Frauen sind es mit knapp 45 Prozent etwas weniger.
  • Etwa jeder dritte Mann in Deutschland ist Raucher. Raucherinnen hingegen gibt es etwas weniger. Hier ist es rund jede vierte Frau, die raucht. Während in den vergangenen Jahren Männer weniger rauchen, nimmt die Zahl der Raucherinnen zu.

Tipps zur gesunden Ernährung und mehr Bewegung

Ernährung:

Die Ernährung versorgt den Körper nicht nur mit Nährstoffen, sie wirkt sich auch ganz entscheidend auf die Gesundheit und auf das Wohlempfinden aus. Doch worauf kommt es bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung an?

Hier ein paar Tipps: 

  • überwiegend zu pflanzlichen Lebensmitteln greifen
  • mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag
  • eher zur Vollkornvariante greifen
  • Milch und Milchprodukte täglich essen
  • Fisch ein bis zweimal in der Woche in den Speiseplan einbauen
  • nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch pro Woche
  • pflanzliche Öle und Fette nutzen und versteckte Fette, wie etwa in Fertigprodukten, meiden
  • mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke vermeiden
  • Salz sparsam verwenden
  • Lebensmittel so lange wie nötig und so kurz wie möglich garen und das Verbrennen vermeiden
  • sich genügend Zeit für das Essen nehmen und es genießen

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Bewegung:

Es gibt viele gut Gründe, Sport zu treiben und körperlich aktiv zu sein. Bewegung macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gut für die Gesundheit. Dabei geht es nicht um Hochleistungssport – das ist gar nicht das Ziel. Mehr Bewegung lässt sich oft auch schon durch kleine Veränderungen im Alltag einbauen.

Ein paar Anregungen:

  • Treppen steigen anstatt den Aufzug nehmen
  • Kurze Strecken zu Fuß gehen
  • Mit dem Rad fahren statt mit dem Auto
  • Eine Station früher aus dem Bus aussteigen und den restlichen Weg zu Fuß gehen
  • Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann weiter weg parken und ein paar Schritte laufen
  • Statt das Buch auf dem Sofa geht auch das Hörbuch beim Spaziergang

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Männer und die Vorsorgeuntersuchungen

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind auf Früherkennung ausgerichtet. Denn oft lassen sich Krankheiten besser und schonender behandeln, je früher sie erkannt werden. Auch bei dem Thema Vorsorge gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen:

  • Männer gehen weniger zur Krebsfrüherkennung: Auch wenn rund drei Viertel der Männer, die Untersuchungsangebote kennen, so nimmt doch weniger als die Hälfte der anspruchsberechtigten Männer diese auch wahr. Bei den Frauen hingegen sind es etwa drei Viertel.
  • Männer gehen etwas seltener zum Check-up: Von den Männern, die einen Anspruch auf einen regelmäßigen Check-up haben – also Männer ab 35 Jahren – nehmen mit gut 44 Prozent knapp die Hälfte diesen wahr. Bei Frauen ist dieser Anteil mit etwa 50 Prozent etwas höher.

Früherkennungsuntersuchungen für Männer:

Krebsfrüherkennung

  • Hautkrebs-Screening / ab 35 Jahren / Intervall: alle 2 Jahre
  • Prostatakrebs / ab 45 Jahren / Intervall: jährlich
  • Darmkrebs-Screening / ab 50 Jahren / Intervall: wahlweise jährlicher Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl (ab 55 Jahren alle zwei Jahre) oder zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren

Check-up zur Früherkennung insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes

  • Check-up / von 18 bis 34 Jahren / Intervall: einmaliger Check-up
  • Check-up 35 / ab 35 Jahren / Intervall: alle drei Jahre

​Früherkennung Bauchaorten-Aneurysma (Ausbuchtung der Bauchaorta) / ab 65 Jahren / Intervall: einmalig

Ist der Mann ein Gesundheitsmuffel?

Wenn Männer sich weniger ausgewogen ernähren, öfter rauchen und seltener zur Vorsorgeuntersuchung gehen, bedeutet das dann, dass sie “Gesundheitsmuffel“ sind? So einfach ist es nicht. Männer interessieren sich durchaus für Gesundheitsthemen und wünschen sich klare Informationen dazu, welchen möglichen Nutzen einzelne Maßnahmen haben. Es geht also vielmehr darum, Männer bei ihrer Gesundheitsvorsorge zu unterstützen.

Präventionsangebote – gesundes Handeln fördern

Ob Mann oder Frau: Etwas für die eigene Gesundheit tun, das ist nicht immer einfach. Präventionsangebote unterstützen dabei, ein gesundes Verhalten zu erlernen und in den Alltag einzubauen. Gruppenangebote zum individuellen Gesundheitsverhalten wie beispielsweise Kurse zur Ernährung oder Bewegung gehören ebenso dazu wie Angebote zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge und Kooperationsprojekte mit Schulen und Kommunen.

Präventionsförderung der Barmer
Barmer-Versicherte halten sich mit den kostenlosen Online-Kursen zuhause fit und aktiv. Auch Angebote zur abwechslungsreichen Ernährung, Entspannungskurse oder Hilfsangebote zur Rauchentwöhnung finden Sie hier.
Unsere Präventionsangeboten für Firmen und Betriebe reichen z.B. von der körperlichen und mentalen Fitness bis hin zu einem gesunden Umgang mit Stress. Und bei unserem Gemeinschaftsprojekt mit der Sarah Wiener Stiftung “Ich kann kochen“ helfen wir dabei, das Wissen zu ausgewogener Ernährung in Grundschulen und Kindertagesstätten zu tragen.

Präventionsangebote erreichen Männer und Frauen nicht gleichermaßen

Unterstützen und informieren, um ein gesundes Verhalten zu fördern und zu erleichtern – das ist das Ziel von Präventionsarbeit. Jedoch nehmen Männer und Frauen die verschiedenen Angebote nicht gleichermaßen wahr. Was die Inanspruchnahme von Präventionsangeboten der gesetzlichen Krankenversicherungen angeht, gibt es deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: Vor allem Angebote, die das individuelle Gesundheitsverhalten unterstützen, werden überwiegend von Frauen nachgefragt. So nehmen an den Kursen zu den Themen Ernährung und Bewegung etwa 3- bis 4-mal so viele Frauen wie Männer teil. Bei dem Thema Stressregulation sind es sogar fast 7-mal so viele. Lediglich in dem Bereich Suchtmittelkonsum ist die Teilnehmerzahl ausgewogen. Präventionsangebote hingegen, die über den Betrieb angeboten werden, erreichen deutlich mehr Männer.

Gendersensible Prävention

Die Gründe dafür, dass Präventionsangebote Männer und Frauen nicht gleich gut erreichen, sind vielschichtig. Neben biologischen gibt es auch sozial geprägte Unterschiede zwischen Männern und Frauen. So entstehen Rollenbilder und Vorstellungen davon, was gesellschaftlich anerkanntes männliches Verhalten ist. Das wirkt sich letztendlich auch auf das individuelle Gesundheitsverhalten aus. Rollenbilder entwickeln sich im Allgemeinen schon früh im Lebensalter. Sie unterliegen gesellschaftlichen und medialen Einflüssen und können sich innerhalb einer Gesellschaft verändern und wandeln. Erfolgreiche gendersensible Präventionsarbeit greift diese Vielschichtigkeit auf. Es geht also nicht darum, dass “Mann“ sich ändert, sondern vielmehr, dass Gesundheitsförderung weiterentwickelt wird, damit Männer und Frauen gleichermaßen gut erreicht und unterstützt werden.

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Webcode: a007040 Letzte Aktualisierung: 11.11.2021
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