Sucht

Wie und warum wird man süchtig?

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Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)

Sucht ist – auch wenn manche Außenstehende das meinen - keine Willens- oder Charakterschwäche, sondern eine chronische Krankheit, die jeden treffen kann. Sie entsteht durch ein Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.

Erbliche Vorbelastung kann eine Ursache für eine Sucht sein

Ein biologischer Faktor kann etwa eine erbliche Vorbelastung sein: Sind schon die Eltern oder ein Elternteil suchtkrank, gehen Wissenschaftler davon aus, dass auch die Kinder tendenziell stärker gefährdet sind, süchtig zu werden. Eine Rolle spielt zudem die individuelle Verträglichkeit: Wer genetisch bedingt viel Alkohol verträgt, wird tendenziell mehr trinken. Er hat damit ein erhöhtes Suchtrisiko.

Psychologische Faktoren, die eine Sucht begünstigen können

Zu den psychologischen Faktoren zählt unter anderem der Belohnungseffekt: Ein Suchtmittel löst im Gehirn positive Gefühle aus, die man immer wieder erleben möchte („positive Verstärkung“). Zudem lindert oder beseitigt das Suchtverhalten negative Gefühle, die man nicht spüren möchte („negative Verstärkung“). Betroffene versuchen zudem mit Hilfe einer Substanz, sich selbst von einem Defizit (etwa ein schwaches Selbstwertgefühl oder mangelnde Impulskontrolle) zu heilen und nehmen dafür eine Sucht billigend in Kauf. Auch die Konditionierung spielt in diesem Bereich eine Rolle: Trinkt man etwa immer zum Abendessen oder Fernsehen Alkohol und fühlt sich dadurch entspannter, löst das nach einiger Zeit ein unbewusstes Verlangen danach aus: Man trinkt immer häufiger und mehr, ein möglicher Einstieg in eine Sucht.

Bei einem erheblichen Teil der Suchpatienten – Experten gehen von rund 45 Prozent aus – liegt auch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vor. Sie haben also irgendwann im Leben eine seelische Wunde davongetragen, die eine Folgestörung nach sich zieht. Der ungarisch-kanadische Suchtforscher Dr. Gabor Maté geht sogar davon aus, dass sich selbst vermeintlich emotional gering belastende Erlebnisse derart verfestigen können, dass der so entstandene Schmerz durch ein Suchtverhalten beruhigt oder betäubt werden soll. Dem Mediziner zufolge steht dieser Schmerz in den meisten Fällen in Zusammenhang mit einer oder mehreren Erfahrungen aus der Kindheit.

Welche soziale Faktoren bei der Entwicklung einer Sucht eine Rolle spielen können

Auch soziale Faktoren können in eine Sucht führen: Wer durch den Verlust des Jobs auch sein geregeltes Leben verliert, hat weniger Grund abstinent zu bleiben. Sind Alkohol oder Drogen im Alltag von Freunden Normalität, greift man auch selbst schneller zu entsprechenden Substanzen. Ist ein Elternteil süchtig, haben auch Kinder ein höheres Risiko später selbst abhängig zu werden.

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