Interview mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

"Die Situation für suchtkranke Menschen ist angespannt"

Lesedauer unter 4 Minuten
Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Autor/in

Internetredaktion Barmer

Die CSU-Politikerin Daniela Ludwig ist Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Im Interview verrät sie, wo unsere Gesellschaft in Sachen Suchtverhalten momentan steht - und inwiefern die Corona-Pandemie die Lage beeinflusst. 

Frau Ludwig, als Drogenbeauftragte der Bundesregierung sind Sie im Bereich Drogen- und Suchtpolitik tätig. Was genau sind Ihre Aufgaben? 

"Drogen- und Suchtpolitik ist ein echtes Querschnittsthema. Von der Gesundheits- über die Sozial- bis zur Innen- und Außenpolitik - hier kommt alles zusammen. Aufgabe der Drogenbeauftragten ist es, die Fäden zusammenzuhalten und das alles zu einem sinnvollen Ganzen zu formen. Sie ist es, die neue Impulse geben kann - und sollte. Und sie ist es auch, die den Kontakt in die Suchthilfe, aber auch zur Polizei, den Schulen, ja selbst den Betroffenen hält. Und natürlich muss die Drogenbeauftragte unsere Politik nach außen vertreten und gegenüber der Presse erklären. Das ist ein breites Feld. Aber es macht Spaß!"

Die Zahl der Raucher verringert sich in Deutschland stetig. Braucht es da überhaupt noch Anti-Rauch-Kampagnen? 

"Tabak ist nach wie vor die tödlichste aller Drogen. Daran gibt es nichts zu rütteln! 127.000 Tote jedes Jahr sind eindeutig zu viel und führen uns klipp und klar vor Augen, dass wir bei der Prävention, aber auch bei der Unterstützung zum Rauchstopp noch besser werden müssen. Daran arbeite ich als Drogenbeauftragte mit voller Kraft! Deutschland liegt mit seinen Maßnahmen noch im europäischen Mittelfeld. Das kann und darf uns nicht genügen. Ein führender Lungenarzt hat kürzlich gesagt: "Die Lunge merkt sich jede Zigarette". Während der Coronapandemie ist das Rauchen ein extra Risiko für einen schweren Covid 19-Verlauf. Also: Vielleicht kann diese schwierige Zeit für den einen oder anderen ja auch etwas Gutes haben und er oder sie schafft den Schritt in ein rauchfreies Leben! Wann, wenn nicht jetzt? Man muss das auch nicht allein hinbekommen. Es gibt jede Menge gute Hilfe. Sprechen Sie ihren Arzt an oder auch ihre Krankenkasse. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine exzellente und kostenfreie Hotline."

13 Prozent aller Todesfälle in Deutschland sind auf Folgen des Rauchens zurückzuführen. Diese und viele weitere interessanten Fakten rund um das Thema Rauchen gibt es im Tabakatlas 2020 vom Deutschen Krebsforschungszentrum nachzulesen. Neben Daten und Fakten zum Tabakkonsum zeigt der Atlas auch Lösungsansätze auf, wie der Trend zum Nichtrauchen gestärkt werden kann.  Der Tabakatlas Deutschland 2020 ist kostenfrei als pdf-Datei abrufbar.  

Zum Tabakatlas

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Alkoholkonsums in unserer Gesellschaft? 

"Alkohol ist sehr präsent in unserer Gesellschaft, das stimmt. Wir sehen aber an den Konsumentenzahlen bei den Jugendlichen einen starken Rückgang. Und das seit zehn Jahren! Das ist ein Erfolg, an dem wir dennoch weiter arbeiten müssen. Schließlich wollen wir erreichen, das auch die nächste Generation mit Alkohol viel umsichtiger umgeht und Bier nicht für Apfelschorle hält! Da legen wir jetzt nach. Ich habe gerade von den Haushältern eine gute Million Euro mehr für die Alkoholprävention bekommen."

Gibt es diesbezüglich Auffälligkeiten, die sich durch die Corona-Pandemie und die besonderen Lebensumstände für uns alle ergeben haben?

"Die Situation für suchtkranke Menschen ist in Deutschland angespannt. Corona treibt viele von ihnen noch mehr in die Isolation. Hilfsangebote sind schlechter zu erreichen. Selbsthilfegruppen bieten nur Onlinetreffen. Auch wer seinen Job verliert oder Angst hat, dass es soweit kommt, ist in Gefahr, tiefer in die Sucht zu rutschen. Dass insgesamt mehr Alkohol getrunken wird, kann ich so aber noch nicht bestätigen. Bars, Restaurants und Kneipen haben zu, diese Form des "öffentlichen Konsums" fällt also weg. Getrunken wird also ausschließlich hinter verschlossenen Türen. Aktuell läuft eine wissenschaftliche Langzeitstudie der Uni Erfurt, die genau diese Thematik langfristig untersucht. Aus dieser geht hervor, dass es noch keine eindeutigen Zahlen gibt, die belegen, dass der Alkoholkonsum während der Pandemie angestiegen ist."

Auch Social-Media-Angebote können süchtig machen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Wie fällt Ihr Fazit vor dem Hintergrund der Pandemie diesbezüglich aus?

"Die Digitalisierung war wohl noch nie so relevant, wie im Augenblick. Sie bietet ja auch eine Menge Vorteile: Homeoffice, Kontakt mit den Großeltern oder Freunden im Ausland, digitales Lernen, all das wäre ohne die neuen Medien unmöglich. Wir beobachten aber auch, dass gerade Kinder und Jugendlichen mehr denn je chatten, surfen und gamen. Hier verzeichnen wir einen Anstieg um satte 75 Prozent. Und ich meine damit Medienkonsum just for fun, kein Home-schooling oder den digitalen Elternabend. Es ist in dieser kontaktarmen Zeit wirklich nicht leicht, aber es ist wichtig, dass jeder ein gesundes Maß hält, raus geht und sich mit Abstand auch mit seinen Freunden "in Echt" trifft wann immer es geht. Gute Tipps, wie ein gesunder Umgang mit digitalen Medien in der Familie gelingen kann, bietet auch meine Kampagne "Familie. Freunde. Follower."

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