Sucht

Wie läuft eine Suchtberatung ab?

Lesedauer unter 2 Minuten

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)
Inhaltsverzeichnis

Der erste Schritt ist getan, wenn der Betroffene im Internet nach einer Beratungsstelle oder Fachambulanz in der Nähe sucht. Adressen finden sich nach Bundesländern sortiert etwa im Verzeichnis der Suchtberatungsstellen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auf den jeweiligen Webseiten erfährt man, ob man einen Termin ausmachen sollte oder unangemeldet kommen kann.

Betroffene suchen oft erst nach Druck von außen eine Suchtberatung auf 

Dann wirklich eine Beratung aufzusuchen, erfordert von vielen Betroffenen sehr viel Mut, Energie und Leidensdruck. „Häufig kommen Suchtkranke deshalb erst nach Jahrzehnten der Abhängigkeit“, sagt Sucht-Experte Josef Strohbach. Nach so einer langen Zeit ist meist schon viel kaputt gegangen: Es gab vermutlich bereits schwere Probleme in der Partnerschaft, mit der Familie oder mit dem Arbeitgeber. Betroffene kommen also oft nicht freiwillig, sondern auf Druck von außen durch Angehörige, den Chef oder im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), da sie den Führerschein verloren haben.

Viele dieser Probleme könnten verhindert werden, wenn der Betroffene so früh wie möglich Hilfe sucht. Dann können die Beratung und eine Therapie am leichtesten zum Erfolg führen.

Der Weg in eine Beratungsstelle für Suchtkranke ist bewusst niederschwellig 

Der tatsächliche Weg in eine Beratungsstelle ist auch deshalb so einfach wie möglich gestaltet. Die Wartezeiten sind kurz, der Empfang herzlich, aufbauend und einladend. Im ersten Gespräch geht es dann zunächst um Datenschutz und Schweigepflicht – denn selbst wenn der Besuch auf Druck der Chefin erfolgt, werden keine Informationen weitergegeben. Dadurch entsteht ein Raum der Offenheit – die Grundlage für eine hilfreiche Beratung.

Betroffene bekommen in der Suchtberatung eine erste Orientierung 

Meistens wünschen sich die Betroffenen eine erste Orientierung: Ist mein Verhalten, mein Konsum normal oder nicht? Nach einer professionellen Einschätzung des Suchttherapeuten wird gemeinsam überlegt, welche Veränderung und Vereinbarungen möglich sind. Dabei schwingen Zuversicht und Hoffnung mit, denn Abhängigkeiten sind im Vergleich zu anderen chronischen Krankheiten mit der passenden Unterstützung und bei einem frühen Therapiebeginn recht gut in den Griff zu bekommen. Gemeinsam wird besprochen: Ist eine ambulante Therapie oder ein stationärer Entzug besser? Eine autarke Selbsthilfegruppe? Oder empfiehlt sich ein stationäres Komplettpaket mit Psychotherapie, Sport, Ernährung, alternativen Beschäftigungsangeboten?

Da die Betroffenen oft selbst lange nicht aktiv werden, suchen in Beratungsstellen häufig zuerst Angehörige Hilfe. Für sie stehen die Türen dort ebenfalls weit offen, um Wege aus der Co-Abhängigkeit zu finden und den abhängigen Angehörigen doch zu einer Sucht-Therapie zu bewegen.

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