Gesundes Schlafen

Warum Babys Schlafprobleme haben

Lesedauer unter 6 Minuten
Kleines Baby gähnt

Autor/in

Dr. Hans-Günter Weeß (Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum AdöR)

Qualitätssicherung

Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

„Mein Baby schläft nur ein, wenn ich es auf dem Arm durch die Wohnung trage …, wenn ich ihm den Bauch föhne …, wenn ich es im Auto durch die Stadt fahre …, …. Endlich eingeschlafen, ist es bereits nach nur ein bis zwei Stunden erneut wach und das ganze Prozedere beginnt von vorne.“ So oder ähnlich geht es vielen Eltern. Und rasch stellen sie sich dann die Frage, ob es sich bei ihrem Sprössling um eine Schlafstörung handelt. 

Gerade in den ersten Lebenswochen sind unruhige, mal kürzere, mal längere Schlafphasen zu unterschiedlichen Zeiten, nichts Ungewöhnliches. Bei den verschiedenen Reifungsschritten des neuen Erdenbürgers können Schlafprobleme vorübergehend auftreten und im Rahmen der kindlichen Entwicklung als normal betrachtet werden. Wachphasen in der Nacht, sowohl bei Säuglingen, bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, sind übrigens durchaus normal und fest in unseren Genen verankert. In grauen Vorzeiten war es für das Überleben des Menschen von Bedeutung, dass er nachts alle 45 bis 90 Minuten wach wurde, um zu prüfen, ob er noch sicher war. Ist also beispielsweise beim nächtlichen Wachwerden des Säuglings etwas anders als beim Einschlafen, führt diese veränderte Situation zu Verunsicherung und Unruhe – mit der Folge, dass der Säugling komplett wach ist.

Dreimonatskoliken

Bei Säuglingen können die sogenannten Dreimonatskoliken zu erheblichen Schlafstörungen führen. Sie beginnen etwa zwei Wochen nach der Geburt und dauern meist drei bis vier Monate an. Ihr Kennzeichen sind wiederkehrende Schreiattacken des Babys, oft bis tief in die Nacht hinein. Dreimonatskoliken gelten als frühe Regulationsstörung: Die betroffenen Babys haben noch nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen, weinen viel, können schwer ein- und nicht durchschlafen. Dadurch sind sie meist übermüdet. Ein Teufelskreis, der in den Schreiattacken zum Ausdruck kommt.

Schreibabys

Eltern eines Schreibabys tragen ihr Kind oft herum, gerade wenn es eine Schreiattacke durchlebt. Diese gut gemeinte Fürsorge erwies sich in Studien allerdings als weniger effektiv, als wenn Eltern das Kleine in ruhigen Phasen vermehrt herumtrugen – die Babys weinten dann weniger. Körperkontakt zu den Eltern während der Schreiphase ist aber dennoch wichtig für das Kind, etwa in Form einer sanften Massage. Ihrem Baby kann es auch helfen, wenn Sie etwas in einem bestimmten Rhythmus machen, wie beispielsweise ein Gutenachtlied singen, oder Bewegungen, Geräusche oder Ähnliches wiederholen. Ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch, wie zum Beispiel das Gemurmel bekannter Stimmen aus dem Nachbarzimmer, oder ein entspannendes Bad kann ein Schreibaby ebenfalls beruhigen.

Wenn Sie ein Schreibaby haben, sollten Sie sich rechtzeitig Unterstützung holen. So lässt sich eine elterliche Überlastung verhindern. Für Eltern mit Schreibabys gibt es spezialisierte Schreiambulanzen. Deren Adressen können bei der Kinderärztin, dem Kinderarzt, in Kinderkliniken oder beim Jugendamt erfragt werden. Oder Sie geben das Stichwort im Internet ein und erhalten so Adressen von Schreiambulanzen in Ihrer Nähe.

So verhelfen Sie Ihrem Säugling zu einem guten Schlaf 

Veränderte Einschlafsituation fürs Baby

Wenn Ihr Kind gelernt hat, dass es beim Einschlafen auf dem Arm geschaukelt oder durch die Stadt gefahren wird, möchte es diese Situation, wenn es mitten in der Nacht erwacht, zur eigenen Beruhigung und zum erneuten Einschlafen wiederhaben. Wird ihm diese für ihn vertraute und beruhigende Situation verwehrt, kann das Protestgeschrei groß und je nach Mentalität des Säuglings kräftig und andauernd sein. In diesen Fällen kann es hilfreich sein, die Einschlafsituation zu verändern. Meiden Sie aufwändige Einschlafrituale und ersetzen Sie diese durch einfache Rituale, die Sie auch beim nächtlichen Erwachen des Babys wiederholen können – und die eine ebenso beruhigende Wirkung ausüben.

Gestaltung der Schlafsituation des Säuglings

Säuglinge haben in der Nacht das Bedürfnis nach Geborgenheit und Nähe. Die Nähe zu den Eltern ist in diesem Alter noch von besonderer Bedeutung. Auch weil der Säugling nachts noch häufig eine Mahlzeit benötigt, kann es sinnvoll sein, wenn sein Bett im elterlichen Schlafzimmer steht oder wenn es in einem Beistellbettchen neben dem Bett der Eltern schläft.

Um die Anpassung an den Hell-Dunkel-Rhythmus zu unterstützen, ist es empfehlenswert, nachts beim Stillen, Wickeln und Versorgen des Babys wenig Licht zu machen und eine ruhige Atmosphäre zu bewahren.

Sicher und geborgen schläft Ihr Baby

  • im eigenen Bett,
  • in Rückenlage,
  • in einem Schlafsack ohne zusätzliche Decke,
  • auf einer festen Matratze ohne Kopfkissen,
  • in einer Umgebungstemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius,
  • ohne Kuscheltiere oder Ähnliches, da diese das Gesicht des Säuglings bedecken könnten und damit die Gefahr bergen, dass das Baby keine beziehungsweise nicht ausreichend Luft bekommt,
  • in einer rauchfreien Umgebung.

Mit diesen einfachen Maßnahmen minimieren Sie das Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Allgemein sollten Säuglinge lernen, ohne Hilfsmittel, wie beispielsweise die Anwesenheit der Eltern, einzuschlafen. Bereits mit dem sechsten Lebensmonat sind Babys in der Lage, im eigenen Bett und im eigenen Zimmer zu schlafen. Kinder, die im Alter von neun Lebensmonaten noch im elterlichen Schlafzimmer ihr Bett stehen haben, schlafen durchschnittlich bereits 40 Minuten weniger als Kinder mit eigenem Bett und Zimmer. Eine Erklärung für die verkürzte Schlafzeit der Babys im elterlichen Schlafzimmer ist nach Ansicht von Experten eine zu rasche Reaktion der Eltern, wenn das Baby einmal aufwacht und einen kleinen „Mucks“ tut. Die Babys werden von ihren Eltern wesentlich häufiger hochgenommen, was wiederum dazu führe, dass die Kinder es erwarteten, auf den Arm genommen zu werden, sobald sie wach werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie einfach wieder von alleine einschlafen, geht damit deutlich zurück. Schlafen mehrere Personen in einem Zimmer, bestimmt oft derjenige, der als erstes wach wird, wieviel insgesamt die Zimmergenossen schlafen. Auch das kann zu einer verkürzten Schlafmenge von Kindern im Elternschlafzimmer beitragen.

Noch größer waren die Unterschiede in einer amerikanischen Studie bei Kindern im Alter von dreißig Monaten, die noch immer im elterlichen Schlafzimmer schliefen. Sie kamen pro Nacht auf zweieinhalb Stunden weniger Schlaf als gleichaltrige Kinder, die schon mit vier Monaten in ihrem eigenen Zimmer übernachteten.

Bei Kindern mit schlechtem Schlafvermögen steigt das Risiko, im Erwachsenenalter unter Schlafstörungen zu leiden. Sie haben zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit für psychische Störungen, Fettleibigkeit und in Extremform sogar Minderwuchs, da infolge des verminderten nächtlichen Schlafs das Wachstumshormon nicht ausreichend vom Körper gebildet werden kann.

Wann professionelle Hilfe bei Schlafstörungen des Kindes nötig ist
Von Schlafproblemen im Säuglings- und Kleinkindalter sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern direkt betroffen. Schläft das Kind nicht, sind auch die Eltern und gegebenenfalls Geschwister in aller Regel wach. Schlafstörungen und Schlafmangel haben Auswirkung auf das Verhalten und Erleben am Tag. Müdigkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Nicht-Still-Sitzen-Können, Bewegungsdrang verbunden mit Unruhe, Quengeln und Weinerlichkeit sind häufige Symptome von einem nicht ausreichenden und gestörten Nachtschlaf des Kindes.

Bei sogenannten Schreibabys sollten Sie sich rechtzeitig Unterstützung holen.

Zeigen sich bei Ihrem Kind auch nach dem sechsten Lebensmonat keinerlei Anzeichen für einen strukturierten Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer Hauptschlafperiode in der Nacht, kann ein Beratungsgespräch mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder in einer Schlafambulanz sinnvoll sein. Bei Bedarf werden sie von dort an weitere Spezialisten überwiesen. 

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Webcode: a005998 Letzte Aktualisierung: 18.11.2020
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